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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Land in Sicht - Neue Inseln in der Nordsee


von Madamsel
09.01.2013
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Wegen des Klimawandels bangen wir um die kleinen Inselstaaten dieser Erde – ob Malediven oder Kiribati, ihnen droht das gleiche Schicksal wie dem sagenumwobenen Atlantis. Doch gerade jetzt ereignet sich vor der Küste Deutschlands ein Naturschauspiel, das unsere Herzen höher schlagen lässt:
In der Nordsee spielen sich Inselgeburten wie aus dem Lehrbuch ab.

Norderoogsand bevölkerten bis vor fünf Jahren nur wenige Küstenvögel, da die damals knapp 25 Kilometer lange Sandbank kaum einen Meter aus dem Meer hinausragte. Wie bei den drei weiteren nordfriesischen Außensänden wurden die wenigen Gräser, die sich im Sommer auf ihnen angesiedelt hatten, im Winter wieder weggespült. Doch in den letzen Jahren überdauerten die Gräser auf Norderoogsand den Winter, wodurch sich immer mehr Sand ablagerte. Dieser schuf Lebensraum für die Pionierpflanze Strandhafer, der aufgrund seines ausgedehnten Wurzelwerkes für eine Stabilisierung der Düne sorgt und ihr Wachstum weiter fördert.


Heute hat sich der ehemals schmale Sandstreifen zu einer 14 Hektar großen, sichelförmigen Insel entwickelt.

Lage von Norderoogsand in der Nordsee


„Die Entwicklung ist rasant“, sagt der Biologe Martin Stock vom Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. „Inzwischen sind dort Dünen von bis zu vier Metern Höhe entstanden. Fast 50 Pflanzenarten haben sich angesiedelt und mit denen entwickelte sich Norderoogsand zu einem bedeutenden Nistplatz. Im vergangenen Frühsommer brüteten dort 149 Paare Silbermöwen, 74 Heringsmöwen, je vier Paare Austernfischer und Graugänse, je vier Mantelmöwen, Eiderenten und Sandregenpfeifer sowie ein Wanderfalken-Paar.“ In den nächsten Jahren könnten die Dünen noch erheblich höher werden, solange keine schwere Sturmflut die Insel wieder zerstört.


Neben Norderoogsand entwickelt sich auch die Kachelotplate westlich von Juist langsam zu einer Düneninsel. Nachdem vor vier Jahren bei einer Sturmflut viel Sand wieder ins Meer gespült worden ist, baut sich die heute einen Kilometer breite und 1,7 Kilometer lange Insel wieder auf. Neben Küstenvögeln beherbergt sie über 300 Seehunde und sogar die besonders scheuen Kegelrobben und ist eine bedeutende Kinderstube für deren Heuler.

Die noch unbewachsene Kachelotplate


Die Tier- und Pflanzenwelt auf den neuen Inseln soll auch in Zukunft ungestört wachsen und gedeihen, denn das Neuland befindet sich in den Kernzonen der Nationalparks und darf nicht betreten werden.


Ausnahmen bilden die regelmäßigen Besuche von Forschern, die die Veränderungen des Sandes beobachten und die Populationen auf den Inseln dokumentieren. Ihnen bleiben jedoch auch nicht die Schattenseiten auf den Eilanden verborgen: So wurden allein auf dem Kachelot-Strand innerhalb von zwei Jahren 83 angespülte Müllgegenstände gefunden. Während an besiedelten Küsten zumindest versucht wird den gestrandeten Müll zu entsorgen, kann man auf den neuen Inseln und den Sandbänken annähernd sehen, wie viel Abfall tatsächlich in der Nordsee herumtreibt.

Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung der Inseln in den letzten Jahren eine angenehme Überraschung. Bleibt zu hoffen, dass auch in den nächsten Jahren keine große Sturmflut für ihre Zerstörung sorgen wird. Experten blicken aber optimistisch in die Zukunft.

 

Quellen:

Margit Kautenburger: Artikel in der HAZ vom 8. Januar 2013

http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article112379510/Wie-aus-dem-Nichts-neue-deutsche-Nordseeinsel.html

Christina Steinlein: http://www.focus.de/wissen/natur/geowissenschaft/naturphaenomen-in-schleswig-holstein-in-der-nordsee-erhebt-sich-eine-neue-insel_aid_891741.html

Ute Jentjens: http://www.nordsee-netz.de/174/2010-0548/kachelotplate-neue-ostfriesische-insel-juist.html

Ecosia Bilder

 

 

 

 

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Kommentare (11)
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09.02.2013
RonjaJanina hat geschrieben:
Danke für den Bericht!
21.01.2013
regentag hat geschrieben:
Wirklich krass :) Aber eine schöne Neuigkeit :)
21.01.2013
regentag hat geschrieben:
Wirklich krass :) Aber eine schöne Neuigkeit :)
12.01.2013
Lautlos hat geschrieben:
Super schöner Artikel, und auch ein sehr zweischneidiges Schwert. Zwar bildet die Natur neue Lebensräume aus, doch der Mensch müllt auf den alten Ländern weiter und gefährdet so auch das kleine Wunder, dass sich uns hier bietet. Vielleicht ein kleiner Anstoß für die Menschen, etwas sorgsamer mit ihren Abfällen umzugehen.
Zu hoffen bleibt auch, dass das Naturschutzgebiet als solches weiterbesteht. Neuer, unbewohnter Lebensraum, der vermutlich noch weiter anwächst, ist kostbares Gut auf unserem versiegeltem Planeten.
11.01.2013
Madamsel hat geschrieben:
@midori: Ja, das ist in der Tat eine Überraschung. Ich dem Zeitungsartikel stand, dass es mit der Dynamik des Wattenmeeres zusammenhängt. Anscheinend muss durch diese Dynamik schneller Sand angehäuft worden sein, als der Meeresspiegel gestiegen ist.
11.01.2013
midori hat geschrieben:
Tolles Ding! :o)

Ich wundere mich nur, warum bei steigendem Meeresspiegel Inseln entstehen, statt zu verschwinden?!
10.01.2013
LSternus hat geschrieben:
Wow das ist ja cool :)
10.01.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Davon habe ich auch schon gehört! Meine Biolehrerin war ganz begeistert von der Entwicklung. ;)
Es ist wirklich toll, dass sich so etwas quasi vor unseren Augen abspielt und wir dadurch die Möglichkeit haben dieses Phänomen beobachten zu können.
09.01.2013
Jennifee hat geschrieben:
wow! Sehr interessanter Artikel und schöne Neuigkeiten! :)
09.01.2013
david.s hat geschrieben:
wow das wusste ich nicht das ist ja schön aber das mit dem mülll finde ich blöd die sollen den müll einfach in mülleimer/tonnen werfen anstatt auf den gehweg oder in die natur
09.01.2013
Rhino hat geschrieben:
Sehr interessanter Artikel :)
Davon wusste ich noch nichts.
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