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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Kurzgeschichten, die die Welt verändern...


von Monamona
22.06.2013
4
1
100 P

 Hallo Community,

Ich habe festgestellt, dass man mit Kurzgeschichten Menschen erreichen kann und dachte, vielleicht gibt es noch mehr Schreibinteressierte, die gerne ihre Sicht auf die Welt in Kurzgeschichten Anderen zeigen möchten. 

Deshalb: Schickt mir eure Geschichten und ich zeige sie hier und schreibe etwas dazu!

Ich habe für den Anfang zwei Kurzgeschichte von mir, die ich schon vor langer Zeit geschrieben habe und würde mich freuen, wenn hier bald noch mehr Geschichten auftauchen würden...

 

DAS SCHWEIGEN DER URALTEN

  Zwischen den rauen, hohen Stämmen der schlanken Pinien hing die Luft nass und kalt. Der federnde, feuchte Waldboden dämpfte jedes Geräusch. Nur manchmal durchschnitt ein klarer Laut die sonst nur vom Rauschen de Nadeln unterbrochene Stille und hallte gespenstisch im leichten Nebel. Die wattige, weiße Masse hing wie Spinnweben über dem unterholzfreien Boden, zeitweilig kaum sichtbar. Die vereinzelten Stimmen unsichtbarer Vögel schienen aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen. Der Wald strömte eine große Ruhe aus, als wäre er in einem tiefen, nachdenklichen Schlaf versunken. Etwas Abwartendes hing in der Luft, als würden die schlanken Nadelbäume innehalten und sich auf eine Veränderung vorbereiten. Eine Veränderung in einem Moment der Unendlichkeit. Die Kronen der Pinien wisperten leise in einem verborgenen Wind und beugten sich fast unmerklich hin und her, als würden sie einander leise Neuigkeiten mitteilen. Einander und jedem, der zuhören konnte. Dabei lauschte ihnen bestimmt seit Jahrzehnten niemand mehr. Viele hatten es verlernt, den Gesprächen der Uralten zu folgen und die, die es noch konnten, lauschten lieber den Kurzlebigen und verschlossen ihre Ohren gegen das Wispern der Wissenden.  Dabei waren die Bäume dich viel näher an der Unendlichkeit des Himmels und hatten über Jahrtausende dem Flüstern der Sterne gelauscht und die Neuigkeiten der Wolken aufgenommen. Sie hatten stets die Verbindung zwischen Übersinnlichem und Menschlichen übernommen und Kraft von ihren tief in der Erde verankerten Wurzeln in den Himmel getragen und mit den Spitzen ihrer Zweige aufgenommen und in die Erde fließen lassen. Doch der Mensch hatte noch nie gerne eingesehen, dass es etwas Größeres gab als ihn. Plötzlich zerrissen die heulenden Geräusche von Motorsägen die Stille. Orange gekleidete Menschen waren aus dem Nebel aufgetaucht, ihre Geräte bissen hartnäckig in den Stamm einer hohen Pinie. Die Geräusche der Sägen übertönten jedes der vorigen Geräusche, aber der Wald war verstummt. Die unsichtbaren Vögel schwiegen ebenso wie die Nadeln der Baumkronen, nur manchmal durchlief ein Zittern die Spitzen und löste ein leises Raunen aus. Der Wald beobachtete schweigend. Schließlich begann der Baum zu schwanken. Lautlos, ohne ein letztes Todesächzen stürzte er zu Boden. Krachend traf er auf. Der Waldboden erzitterte unter der Macht des Aufschlags. Stolz, aber geschlagen und hilflos lag der Nadelbaum am Boden, während die orangenen Wesen sich auf ihn stürzten und seine Äste sauber vom Stamm trennten. Nie wieder würde er sie in die Unendlichkeit des Himmels tauchen können, seine Wurzeln waren beim Sturz aus der Erde gerissen worden. Sein Wissen war mit ihm gefallen. Der Mensch mochte nunmal nichts, was größer und weiser war als er. Der Wald wartete die Prozedur schweigend ab, dann beugten sich die Pinien einander zu und nahmen ihr Gespräch wieder auf. Bis auf ihr leises Rauschen durchschnitt nur manchmal eine Vogelstimme die Stille. In der entstandenen Lücke tropfte der Regen ungehindert auf die Erde. Die Tränen des Himmels wuschen sanft den gefallenen Uralten.

 

 

 ZUKUNFTSVISION

 

Lautlos glitt sie um die Ecke. Nur ein schwarzer Schatten in der Dunkelheit. Ihre großen Pupillen leuchteten phosphoreszierend im orangenen Schimmer der Straßenlaternen. Die Luft war diesig und stank unangenehm. Sie spürte das klebrige Gemisch aus Erde, Abfällen und Benzin unter ihren Füssen.  Vor dem sternlosen, dunkelorangen Nachthimmel zeichneten sich verschwommen die Türme der Industrie ab und in der Ferne wurde das AKW unangenehm grell angestrahlt. Sie hörte das Rattern der Maschinen. Ein elektrisches Piepen. In der Nähe hupte ein Auto. Und ganz fein, nur zu hören mit ihren scharfen Ohren, ein leises Weinen. Sie ignorierte alle diese bekannten und verhassten Sinneseindrücke und konzentrierte sich. Als sie ganz sicher sein konnte, dass ihr keine unmittelbare Gefahr drohte, setzte sie ihren Weg fort. Leise hörte man das Tappen ihrer Schritte auf dem Beton der Straße. Sie hasste es. Lieber bewegte sie sich lautlos, es kam ihr sicherer vor, aber das ging nur auf federndem Waldboden oder Rasen. Letzteres war in den letzten Jahren immer seltener geworden, bis sie weite Wege bis zum nächsten Streifen Gras oder Busch zurücklegen gemusst hatte und letztendlich  war es vollständig verschwunden. Damals hatte sie versucht, der Stadt zu entkommen, aber in all den Jahren, die sie zum Überleben in der Stadt verbracht hatte, hatte sich die Stadt so ausgedehnt, dass sie keinen besseren Ort gefunden hatte. Und als schließlich die Menschen beschlossen hatten, sich noch gegenseitig zu bekämpfen und dabei alles auf ihrem Weg zu zerstören, hatte sie ihre Suche nach einem besseren Leben aufgegeben und sich vollständig aufs Überleben konzentriert. Sie spürte ihren Magen schmerzhaft knurren und überlegte, wie sie am schnellsten etwas zu Essen finden könnte. Auf der Müllkippe vielleicht. Vielleicht schaffte sie es aber auch, jemandem etwas Essbares zu stehlen. Sie entschied sich dagegen. Die Gefahr, entdeckt zu werden, war zu groß. Also doch die Müllkippe. Dort fand man eigentlich immer etwas, obwohl die Konkurrenz auch dort stärker wurde. Sie schlich die Häuserwand entlang und kletterte über einen Stacheldrahtzaun. Sie ließ sich hinunter fallen und landete mit einem dumpfen Geräusch auf den Füssen. Sie sah sich in dem dämmrigen Hinterhof um und lief weiter, als sie sich sicher sein konnte, dass er verlassen war. Obwohl die Nacht schon weit fortgeschritten war, brannte hinter einigen Fenstern noch Licht. Eine niemals schlafende Stadt. Sie war nicht die einzige. Sie überquerte mit schnellen Schritten den Hof und kletterte über die Mauer, die ihn begrenzte. Nachdem sie einige weitere Innenhöfe überquert hatte, zwängte sie sich durch ein Loch im Zaun und stand auf der Müllkippe. Sie sah zurück zu dem Hochhaus hinter sich, dessen Hof sie gerade verlassen hatte und fragte sich zum wiederholten Mal, wer in dieser trostlosen Gegend leben wollte, an diesem stinkenden, müllverseuchten Ort. Aber wahrscheinlich gab es keine andere Möglichkeit, schließlich musste ja jemand an der Müllkippe leben. Bloß keinen Platz verschwenden.  Sie sprang auf den großen Haufen Abfall und suchte sich ein halbwegs anständiges Abendbrot zusammen. Es schmeckte widerlich, aber immerhin war sie satt und wer satt war, lebte.  Sie verließ die Kippe und setzte ihren Weg fort. Sie folgte den Schatten einer engen Gasse und bog auf eine größere Straße ab. Sie roch eine nahe Kneipe und hörte die Menschen grölen. So ertränkten sie ihre Sorgen, ihre Schuldgefühle. Alkohol.  Sie trat ins Licht einer Straßenlaterne und ihre Pupillen verengten sich wegen der plötzlichen Helligkeit zu schmalen Schlitzen. Hinter sich hörte sie eine Tür aufgehen und unter einem Rumpeln traten mehrere lachende, betrunkene Menschen auf die Straße.  Sie zuckte zusammen und duckte sich. Schnell drehte sie sich um und sah die Betrunkenen. Die Gesetze, die dauerhaften Mundschutz zum Schutz gegen die allgemein erhöhten Strahlung vorschrieben, hatten sie ignoriert. Das passierte häufig. Wen kümmerte schon die eigene Gesundheit. Die Knarren, die sie vom Militär bekommen hatten, hatten sie sich locker über die Schulter gehängt. Im Glauben, die Betrunken würden nicht mehr scharf genug sehen können, um sie wahrzunehmen, wandte sie sich wieder um und wollte im Schatten jenseits des orangenen Lichtrings, den die Laterne auf den Asphalt malte, verschwinden, aber sie täuschte sich. Einige Menschen in der Gruppe schienen nur angetrunken zu sein, einer rief etwas, was wie eine Warnung klang und plötzlich waren alle aufmerksam.  "Bist du dir ganz sicher?", fragte eine tiefe, raue Stimme. Eine andere antwortete ungeduldig: "Ja, ich bin mir sicher, dass ich etwas gesehen habe. Es war schwarz. Bestimmt einer dieser Spione aus den gegnerischen Reihen. Wir müssen ihn aufhalten." Ihr Herz begann zu rasen. Sie war unvorsichtig gewesen. Verschwommen hörte sie, wie jemand rief: "Spinnst du? Es könnte ein normaler Fußgänger sein!" "Ein Fußgänger? Um diese Uhrzeit? Da hat sich keiner mehr draußen aufzuhalten!" Dann folgte ein Schweigen, dass in ihren Ohren unnatürlich laut klang. Sie wollte fliehen und rannte los, als ein Schuss ertönte und ihr ein höllischer Schmerz den Rücken hinaufschoss. Sie schrie und stürzte zu Boden. Vor ihren Augen begann sich alles zu drehen, Blut rann ihren Körper hinab und benetzte den Boden. 'Alles umsonst. Das ganze Kämpfen war umsonst. Ich werde keine bessere Welt mehr erleben', dachte sie, während sie in den niemals schwarzen Himmel so weit entfernt von ihr blickte. Dann erlosch alles.   Ein angetrunkener Mensch löste sich aus einer Gruppe und trat durch den Lichtring einer Laterne in den Schatten dahinter. Er blickte hinab auf ein von Blut durchtränktes Bündel schwarzen Fells.  "Nur eine Katze!", rief er und wandte sich ab.

 Bild: http://www.cybercd.de/wp-content/uploads/2011/03/Christlich-biblische-Geschichten.jpg

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Kommentare (3)
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Sortieren nach Aktualität:
19.06.2015
AnnaHaas hat geschrieben:
Wowwww!
22.06.2013
killerwal hat geschrieben:
tolle geschichten. ich finde sie super. du hast echt talnet und ich gebe morgentau recht. mach doch bei dem schreibwettbewerb mit.
22.06.2013
Morgentau hat geschrieben:
Wow. Ich finde deine Geschichten, vor allem die erste, toll. Mach doch beim Schreibwettbewerb "GreenFiction" von Lizzynet.de mit! Ich finde, du kannst wirklich schön schreiben.
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