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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
III. Knutt und Alpenstrandläufer


von Oekojule
13.06.2012
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„Huch, hast du mich erschreckt mit deinem riesigen Schatten.“

„Oh entschuldige, kleiner Bruder. So groß bin ich ja auch nicht. Aber als größter Strandläufer kommen wir mit unseren 23-26 cm Größe auf ein Gewicht von bis zu 122 Gramm.“

„Ui – du bist doch der Onkel Knutt!“

„Ja, richtig. Und du gehörst zu meiner Familie der Schnepfenartigen. Lass mal sehen: Der etwa kopflange leicht nach unten gebogene Schnabel, der gestrichelte Hals- und Brustbereich, die kurzen Beine dazu und die braunen Augen. Ach! Und ganz offensichtlich dein Haupterkennungsmerkmal – der schwarte Bauchfleck! Du musst der Alpenstrandläufer sein.“


Beringter Alpenstrandläufer (ältester Ringfund 24 Jahre), © Klaus Guenther, WWF

„Ganz genau. Vor kurzem habe ich erst mein Jugendkleid abgeworfen. Im Winter und als Jungtiere gleichen wir nämlich durch unseren rostbraun- und schwarzgetüpfelten Rücken und dem weißen Bauch dem Zwertstrandläufer. Mauserst du nicht auch?“

„Ja. Im Winter ist der Rücken grau und der Bauch weiß. Im Prachtkleid tragen wir Männchen Rotbraun. Die Mädels sind weniger deutlich gefärbt. Typisch sind unser kurzer, grauer Schnabel und die leicht grünlichen Beine. Die Altvögel sehen mit ihrem rostbraunen Gefieder auch noch mal anders aus als die überwiegend grauen Jungtiere. Unsere Flügel sind lang und schmal.“


Knutts als kleine Gruppe im Winterkleid, Bild: flickr.de ("FourEyes")

„Sieht nicht so aus, als könnt ihr damit lange Strecken zurück legen.“

„Doch, doch. Manchmal fliegen wir sogar ohne Pause über den Atlantik. Das dauert mehrere Tage und Nächte und die Ausdauer verdanken wir unserer gedrungenen Körperform. Wir fressen uns 80% unseres Körpergewichtes Fettreserven an und zehren während der Reise auch von nicht benötigten Gewebe, wie z.B. vom Magen. Die inneren Organe werden an den Zustand angepasst sodass Herzmuskel und Lunge an Größe zunehmen. Wir sind regelmäßig Gast in Finnland und brüten an der arktischen Küste. Einige von uns brüten in Kanada oder Grönland und überwintern in Westeuropa, wobei sie meist im Wattenmeer bleiben. Andere – die sibirischen Knutts – ziehen von Sibirien über das Wattenmeer in das westafrikanische Küstengebiet, um dort zu überwintern. Die Altvögel brauchen etwas länger und so fliegen sie schon im Juli los. Wir dynamisch Jungen folgen einen Monat später, um dann gemeinsam im September im Süden anzukommen. Im Frühjahr sind wir dann wieder in unserem zu Hause in der Moos- und Flechtentundra.“

„Wieso sieht man euch am Wattenmeer immer in so dichten Ansammlungen?“

„Weil wir besonders in der Zugzeit sehr gesellig sind. Wir bilden zusammen förmlich eine Vogelwolke und schwenken dabei exakt synchron und koordiniert.“


Knutts als Vogelwolke, © Peter Prokosch, WWF

„Ach das seid ihr! Ich beobachte das gern mit äußerster Faszination.“

„Danke. Wie sieht denn euer Zugverhalten aus und welchen Lebensraum bevorzugt ihr?“

„Also wir Alpenstrandläufer leben in der Tundra und auf Salzwiesen an den Küsten. Außerhalb der Brutzeit suchen wir uns feste und feuchte Schlickflächen in Gezeitenzonen oder in Flussmündungen. Dadurch sind wir in fast ganz Europa vertreten. Während des Herbstzuges zwischen Juni und Oktober überwintern wir in West- und Südeuropa und in Afrika. Im Wattenmeer sind wir nur Durchzügler. Hier schließen wir uns als große Gruppe zum Rast zusammen. Weitere ausschlaggebende Sammelpunkte haben wir an der Atlantikküste. Sonst ziehen wir aber überwiegend in kleinen Trupps oder auch allein – meist wie ihr auch nachts. Zwischen April und Mai kehren wir dann in die Heimat zurück. Wir paaren uns dann direkt am Brutplatz. Dafür wählen wir nasse und wenig genutzte Wiesen, Heidegebiete, Moore, Salzwiesen und Tundren aus und legen unsere 3-4 Eier in kleine Bodenmulden, gut versteckt in der Vegetation, und kleiden das Nest mit Gräsern und Blättern aus. Die hellbraunen bis grünlich-braunen hell-dunkelbraun-gefleckten Eier legt meine Liebhaberin Mitte April. Wir brüten 21-24 Tage gemeinsam und 10 Tage nach dem Schlüpfen ziehe ich die kleinen Nestflüchter alleine weiter groß, bis sie nach 18-21 Tagen flügge sind. In Island, Großbritannien, Skandinavien, Polen und rund um die Ostsee brüten wir auch.“

„Wir brüten zu Hause Ende Juni sobald der Schnee in der Tundra getaut ist. Zum Brüten suchen wir und reich bewachsene Sumpfgebiete. Wir polstern das Mulden-Nest mit Flechten. Unser Nest ist von anderen Knutts oft mehrere Kilometer entfernt. Auch wir brüten gemeinsam 21 bis 23 Tage. Dann schlüpfen aus den blassgrünen bis olivgrün braun gefleckt und gestrichelten Eiern 3-4 Nestflüchter. Meine Sommerliebe macht sich mit dem Schlüpfen der Jungen aus dem Staub und ich kümmere mich trotz der frühen Selbstständigkeit um den Nachwuchs, bis er fliegen kann. Durch die Betreuung kann ich den Kindern beibringen, wie die Nahrung aus Schnecken, Muscheln und Krebstieren, in der Brutzeit auch Schmetterlingsraupen, Spinnen und andere Insekten, aufgenommen wird. Dazu müssen sie ja auf die Ebbe warten und im Schlick danach suchen. Das ist nicht so einfach, weshalb die Natur uns ein super Suchesystem mit auf den Weg gegeben hat. Wir können mit dem Schnabel die unterschiedliche Druckstärke im Schlick messen, was uns ermöglicht bis zu 10 cm die Schalentiere zu fühlen. Das funktioniert nur im nassen Schlamm. Deshalb wird man uns bei der Nahrungssuche nirgendwo anders sehen. Außerdem erkläre ich dem Nachwuchs, was mit den Muscheln passiert, die wir Knutts im Ganzen runterschlucken.

„Was? Ihr schluckt Muscheln im Ganzen?? Die Erklärung interessiert mich jetzt aber auch.“

„Muskulatur macht´s möglich. Die Schalen brechen wir im Magen auf. Aber so dickschalig sind Plattmuscheln ja nicht. Im niederländischen Wattboden vertilgen alle Knutts zusammen somit 1,5 Milliarden Kilo Muschelfleisch im Jahr.“

„Ihgitt, das wäre nichts für mich. Ich schleckere die Muscheln lieber gleich aus. Insektenlarven, Pflanzensamen, Ringelwürmer aus dem Watt, kleine Krebse und andere Weichtiere gibt es ja auch noch. Zuckmücken mag ich am liebsten. Wir treffen uns zur gemeinsamen Futtersuche in großen Gruppen an Außenklippen und Blasentangwällen. Dabei waten wir und bohren mit unserem Schnabel ganz schlicht im Boden. Da wir während des Zuges auch im Schlick danach zu stochern, müssen wir uns ebenfalls an die Gezeiten halten. Wir sind aber schnelle Läufer. Das kommt uns immer wieder zu Gute.“

„Das glaube ich. Komm, wir fliegen mal eine Runde. Danach erzähle ich dir, was unser Federkleid mit Bürzelwachs zu tun hat.“

„Alles klar – fliegen wir eine Runde - gleich mit den anderen zusammen.“


Knutts und Alpenstrandläufer fliegen zusammen, Bild: flickr.de ("fctimrott")

-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------Vorangegangene Artikel:
Einleitung
Kiebitz und Austernfischer
Kiebitzregenpfeifer und Zwergstrandläufer
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Quellen:
http://www.natur-lexikon.com/Texte/SM/001/00006/SM00006.html
http://www.natur-lexikon.com/Texte/HWG/003/00234-Knutt/HWG00234-Knutt.html
http://www.ecomare.nl/de/ecomare-encyclopedie/organismen-d/tiere/voegel/watvoegel/strandlaeufer/knutt/
http://www.ecomare.nl/de/ecomare-encyclopedie/organismen-d/tiere/voegel/watvoegel/strandlaeufer/alpenstrandlaeufer/
http://www.digitalefolien.de/biologie/tiere/voegel/wasser/thalpst.html
http://www.digitalefolien.de/biologie/tiere/voegel/wasser/thknutt.html
http://www.luontoportti.com/suomi/de/linnut/knutt
http://www.luontoportti.com/suomi/de/linnut/alpenstrandlaufer
Bilder: Fotomontage mit Bildern von flickr.de ("JoaquimAntunes" und "Werner Witte")
 

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Kommentare (6)
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Sortieren nach Aktualität:
15.06.2012
Killari hat geschrieben:
Deine Artikel sind echt immer super! Freue mich schon auf den vierten Teil. :)
14.06.2012
Marcel hat geschrieben:
Einfach fantastisch! Danke, Jule - Du bist unsere Vogelflüsterin. ;)
13.06.2012
midori hat geschrieben:
Krass! Der Schwarm in dem Video! Das ist ja abgefahren :O Aber noch viel krasser ist, dass der seinen eigenen Magen verdaut, damit er mehr Platz hat xD
Echt coole Sachen, die die Natur so hervorbringt :o) Freu mich schon auf den nächsten Bericht! :o)
13.06.2012
Oekojule hat geschrieben:
Und hier kommt der dritte Bericht zur Serie "Watvögel". Ihr wollt mehr zum Bürzelwachs wissen? Abwarten - kommt im nächsten Bericht. ;)
13.06.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
13.06.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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