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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
II. Kiebitzregenpfeifer und Zwergstrandläufer


von Oekojule
04.06.2012
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52 P

"Nun hau schon ab hier!"

"Au! Verdammt! Aaaaaaauuuuuuaaaaa!"

"Na los – verschwinde aus meinem Revier!"

"Sagt mal, was geht denn hier vor? Könnt ihr euch nicht wie friedliche Artgenossen benehmen?"

(Der unterlegene Eindringling nutzt seine Chance, gibt nach und verlässt das Revier des Rivalen.)

"Na endlich! Der gab ja ewig nicht nach… Ich hätte das allerdings auch ohne dich geschafft. Aber zu deiner Frage: Nein, wir Zwergstrandläufer können uns nicht friedlich benehmen. Zumindest nicht, wenn es um unser Revier geht. Auf Fußtritte, Federnzwicken und Besteigen muss sich ein Eindringlich immer einstellen. Schon alleine wenn er darüber hinweg fliegt. Und wer quakt mir hier einfach dazwischen?"

"Also entschuldige mal, dass ich mich als Kiebitzregenpfeifer für den Frieden einsetze."

"Ach der Kiebitzregenpfeifer? Euch kenn ich doch. Irgendwie siehst du anders aus. Kennen wir uns aus der Tundra? Dort ist unser Brutgebiet und Lebensraum. Wir brüten von Nordnorwegen bis Mittelsibirien in feuchten Gebieten. Als Langstreckenzieher haben wir zwischen Juli und Oktober einen weiten Weg bis nach Afrika und manchmal auch Südasien vor uns. Hier im Watt machen wir Halt und werden meist im Oktober gesehen. Im Mai/Juni geht’s dann wieder Richtung Heimat an die Arktis/Subarktis."

"Ja stimmt, ich sehe solche wie euch immer an der arktischen Tundra. Dort in der Flechtentundra nördlich der Baumgrenze brütet auch unsere Rasse. Wir fliegen ausgesprochen hoch und übrigens manchmal z.B. mit Kiebitzen, Goldregenpfeifern, Kampfläufern, Knutts und auch mit euch zusammen."


Kiebitzregenpfeifer, Alpis und Knutts ziehen zusammen (Bild flickr.de von "naturgucker.de")


Zwergstrandläufer sucht träge am Schlammufer nach Fressen (Bild von WikimediaCommons)

"Was heißt denn hier ‚solche wie euch‘? In der Brutzeit leben wir ziemlich eng zusammen. Da spielt das Revier für uns keine große Rolle. Außerdem treffen wir bei der Nahrungssuche immer wieder mit Alpenstrandläufer und Knutt zusammen ohne uns zu bekriegen. So friedlich bist du ja auch nicht. Wie emphatisch ihr euer Nahrungsrevier im Schlick auch gegen andere Arten verteidigt, ist auch nicht besser, als unser Kampf. Und ja stimmt, wir haben denselben Heimweg. Allerdings fliegen wir überwiegend nachts. Wir machen Rast an Schlick-, Schlamm- oder Sandflächen."

"Kiesufern, schlammige Ufer, kleine Inseln auf offener See und umgepflügte Äcker sind unsere Ruheorte, an denen wir Kraft für die Weiterreise tanken und Nahrung suchen. Wir fressen beispielsweise Würmer, Krebse, Schnecken, Insekten, deren Larven, Spinnen, Samen als Beikost und auch Muscheln. Zu Hause an der arktischen Moostundra bauen wir dann unsere Nester auf kleinen Erderhöhungen. Dort buddeln wir eine flache Mulde mit Flechten und füllen sie mit Zweigen und Gräsern. Im Winter zwischen August und November sind wir an sandigen bis steinigen Meeresküsten fast aller Tropenländer bis weit über den Äquator hinaus unterwegs, zum Beispiel auf den Kanarischen Inseln. Die meisten von uns sieht man hier am Wattenmeer Mitte Mai. Ich überlege gerade, wie sehen gleich eure Nester aus?"


Junger Kiebitzregenpfeifer (Bild flickr.de von "naturgucker.de")

"Wir legen unsere 4 bis 5 Eier in eine flache Vertiefung an Meeres-, Teich- oder Bachufer und polstern das Nest mit Halmen. Unsere Brutzeit ist im Juni und dauerte ca. 20 Tage. Gebrütet wird zu Zweit. Während mein Mann zum Schluss die ersten Jungen alleine ausbrütet, vergnüge ich mich bereits mit einem Zweitmann. So sichern wir unseren Bestand, denn immerhin werden wir nur 12 Jahre alt. Die jungen Nestflüchter müssen wir gar nicht lange bemuddeln, da sie schon sehr früh selbstständig sind und nach Insekten, kleinen Würmern und zur Abwechslung nach Sämereien suchen."

"Achso? Unsere vier kleinen Kiebitzregenpfeifer auch. Schon nach 23 Tagen sind sie flügge. Ende Mai/Anfang Juni, sobald die Schneeschmelze vorüber ist, kommen wir in der arktischen Tundra an und paaren uns kurz darauf. Ende Juni fangen wir an mit brüten. Mit 26/27 Tagen dauert das etwas länger als bei euch. Mit unseren Mindestalter von 18 Jahren und einem Bestand von 300.000 sind wir noch ganz zufrieden."

"Ich kann mir nicht helfen. Irgendetwas ist doch anders an dir??"

"Gut erkannt. Ich trage gerade mein bräunlich-grau geflecktes und weißliches Winterkleid. Im Sommer, wenn wir uns meistens sehen, zeichne ich mich durch mein tiefenschwarzes Gefieder aus, welches sich über meinen gesamten Bauch bis zur Gesichtshälfte zieht."


Kiebitzregenpfeifer im Winterkleid (Bild flickr.de von "ReinhardG")

"Das ist total faszinierend! Du hast mich echt lange auf die Folter gespannt. Jetzt muss ich aber wirklich los. Wir sehen uns in der Tundra. Pit pit pit pit pit pit …"

"Bis bald, kleinster europäischer Strandläufer. Pii-ü-wii, pii-ü-wii."


Zwergstrandläufer fliegt davon. (Bild flickr.de von "naturgucker.de")

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Die Berichtsreihe geht in die zweite Runde. Man stelle sich die herbstliche Jahreszeit vor.
Hier könnt ihr die Einleitung und den ersten Bericht über Kiebitz und Austernfischer lesen.

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Quellen:
http://www.digitalefolien.de/biologie/tiere/voegel/wasser/thkiebr.html
http://www.natur-lexikon.com/Texte/SM/001/00046-Zwergstrandlaeufer/SM00046-Zwergstrandlaeufer.html
http://www.luontoportti.com/suomi/de/linnut/zwergstrandlaufer
http://www.ecomare.nl/de/ecomare-encyclopedie/organismen-d/tiere/voegel/watvoegel/regenpfeiferartige-voegel/kiebitzregenpfeifer/
http://www.luontoportti.com/suomi/de/linnut/kiebitzregenpfeifer
http://www.reuber-norwegen.de/RundeInfoVoegelKiebitzregenpfeifer.html

Bild: wieder eine kleine Fotomontage mit Bildern von flickr.de („fveronesi1“ und „ReinhardG“)
Ihr habt bestimmt schon gemerkt, dass das Hintergrundfoto das Gleiche ist. Das liegt daran, dass ich die Größenverhältnisse der ganzen Vögel untereinander so gegenüberstellen möchte.

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Kommentare (5)
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Sortieren nach Aktualität:
06.06.2012
Taki hat geschrieben:
Toller Bericht!
Ich find die Idee das Ganze als Dialog zu schreiben sehr gut!
06.06.2012
midori hat geschrieben:
Schon seltsam, wie man einfach so auf dem nackten Boden brüten kann. Das muss doch voll unbequem sein..! :/

Freu mich schon auf die nächste Reihe mit dem Austernfischer :o)

ps.: Denkst Du Dir die Laute eigentlich aus oder machen die tatsächlich so und Du versuchst das dann zu verschriftlichen? :D
06.06.2012
Marcel hat geschrieben:
Deine Reihe ist einfach genial! Bekommt jetzt schon Kultstatus in der Community! :)
05.06.2012
ingachen hat geschrieben:
Toller Bericht!
Ich find die Idee das Ganze als Dialog zu schreiben sehr gut! Dadurch macht das lesen gleich doppelt so viel Spaß ;)
04.06.2012
Killari hat geschrieben:
Hmmm, Zugvogel müsste man sein. :)

Echt toller Bericht. Freu mich schon auf die dritte Folge!
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