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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Hochwasser: Ursachen und Folgen für Mensch und Natur


von Wasserjunge
13.06.2013
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In den Nachrichten läuft es auf und ab – Überschwemmungen in Süd- und Ostdeutschland. Die letzte Jahrhundertflut, vor rund einem Jahrzehnt und jetzt die nächste?

Man könnte meinen, Fluten wie diese seien höhere Gewalt. Es regnet stark und tagelang, und folglich steigen die Wasserpegel. Doch was die Katastrophe erst komplett macht sind die Eingriffe des Menschen in die Natur. Wir bauen Häuser und Industrieanlagen in die Landschaft, und für diese Flächen weichen allzu oft Auenwälder. Auen haben jedoch eine wichtige Funktion: Sie sind natürliche Überflutungsgebiete. Diese Gebiete gingen bis heute um 80 Prozent zurück. Das wirkt sich auf den Wasserpegel der Flüsse aus – er steigt, und damit die Gefahr für Menschen und Tiere. In intakten Ökoregionen wie in Auenwäldern, können große Wassermengen gespeichert und aufgefangen werden, also ein natürlicher Hochwasserschutz.

Doch auch die betonierten Flächen selbst sind ein Problem. Wir verschließen immer mehr Boden, bauen neue Straßen und Wohnsiedlungen, nicht immer zum Vorteil für uns. Denn durch die Versiegelung der Böden kann Regenwasser nicht mehr im Boden versickern und langsam ins Grundwasser gelangen. Stattdessen fließt es in Kanalisationen und gelangt somit viel schneller in Flüsse als über den natürlichen Weg.

Auch Staudämme und Deiche steigern das Risiko von Überschwemmungen, da sie die Flüsse von ihren Auenwäldern abschneiden und so gibt es keine natürlichen Pufferzonen zwischen Wasser und Wohngebieten. Flussbegradigungen stellen ebenfalls eine Bedrohung dar, denn dadurch erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Wassers um knapp die Hälfte. Beispiel Rhein: lag die Geschwindigkeit einer Hochwasserwelle 1955 noch bei 65 Stunden auf einer Strecke von Basel (Schweiz) nach Karlsruhe, fließt das Wasser auf dieser Strecke heute in nur 30 Stunden!

Bleibt noch der Regen selbst, an dem wir wohl auch nicht ganz unschuldig sind. Starke Niederschläge kommen heutzutage fast doppelt so häufig vor wie vor 100 Jahren. Experten spekulieren, ob dies eine Folge des Klimawandels ist. Man kann zwar keinen einzelnen nassen Sommer eindeutig dem Klimawandel zuschreiben, doch die Klimaforscher sind sich sehr sicher, dass die Erderwärmung die Wahrscheinlichkeit von Wetterextremen erhöht.

Wie sieht es mit der heimischen Tierwelt aus?

Nicht nur wir Menschen sind vom Hochwasser bedroht, den Tieren geht es genauso schlecht. Kleintiere wie Mäuse, aber auch Kraniche und sogar Biber haben schlechte Chancen dem schnell steigenden Pegel zu entkommen oder zu überleben. Da zurzeit auch viele Vögel ihre Brut aufziehen fällt der Verlust an Jungtieren sehr hoch aus, vor allem bei Boden- und Wiesenbrütern wie zum Beispiel dem Kiebitz, aber auch Schilfbrüter wie dem Eisvogel oder der Wasseramsel. Auch dem Storch, dessen Lebensraum sonst Feuchtwiesen und überschwemmte Felder sind macht diese Lage zu schaffen. Vor allem den Jungtieren der Störche geht es schlecht, schon 70 Prozent der Küken sind gestorben. Schuld daran ist die Nässe, die die Küken auskühlt da sie noch kein schützendes Federkleid haben. Nur der Flaum (Daunen) könnte sie schützen, doch dieser ist völlig durchnässt. So sind sie der Witterung vollkommen ausgesetzt und verenden.

Allerdings ist das Hochwasser für manche Tierarten auch ein Glücksfall. Dadurch, dass manche Nahrungskonkurrenten die Flut nicht überleben, können sich die andere Tiere satt fressen und somit gestärkt in die nächste Brutsaison starten. Durch das ansteigende Wasser erweitern sich die Feuchtgebiete - gut für die Vermehrung von Mücken und anderen Insekten sowie für Kraniche, Graureiher die von den Insekten leben.

Was fordert der WWF von der Regierung in Deutschland?

• Die Verbauung von Überflutungsgebieten stoppen
• neue Überflutungsflächen schaffen und alte Flächen renaturieren
• Begradigungen und Vertiefungen von Flüssen wie an Donau und Elbe stoppen
• Deiche zurückverlegen um somit mehr Lebensraum zu schaffen

Ich denke die Regierung braucht noch einige Jahre um ihre Pläne zum Hochwasserschutz in die Tat umzusetzen. Doch wenn sie diese Versprechen halten, wird bei späteren Hochwassern die Bevölkerung und Tierwelt sicherer sein.

Was denkt ihr zu diesem Thema? Habt ihr selber Ängste oder Anregungen?

 


Quellen: Texte:  WWF Deutschland – „Was Überschwemmungen verschlimmert“
Süddeutsche Zeitung – "Tod im Unterholz"
Bilder: WWF Deutschland, © Melanie Haft / Nautilus-Film.
Ein Biber, Eisvogel © Ralph Frank / WWF)
 

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Kommentare (7)
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14.06.2013
Wasserjunge hat geschrieben:
Dankeschön für eure Statments und Kritiken, freut mich sehr...! ;)
Ja, schlimm was geschieht wenn man mit der Natur achtlos umgeht und dann so zu tun als wäre der Klimawandel ein übernatürliches Phänomän das allein eine Laune der Natur sei.
LG
14.06.2013
Morgentau hat geschrieben:
Nun ja, eine einzige gute Seite hat die Überschwemmung: Das alles, was du angesprochen hast, ist jetzt ein Thema und nicht irgendein klitzekleines unwichtiges Problemchen, um das sich (fast) keiner kümmert.

Weiß jemand eigentlich, was bei solchen Fluten in den Klärwerken passiert? Selbst wenn sie nicht überflutet werden - das ganze Wasser, das durch die Kanalisation kommt, müsste sie doch total überlasten...

Toller Bericht übrigens. :o)
14.06.2013
Zerschmetterling hat geschrieben:
Toller Bericht!
Und es stimmt: Leider haben wir Menschen wieder selber dazu beigetragen, dass die Flut so schlimm ausfällt, wie sie es eben tut. Ich habe aber leider auch dass Gefühl, dass vielerorts die Einsicht fehlt, dass wir einen Großteil selbst zu verantworten haben. Eben durch die Gründe, die du schon aufgezählt hast.

Liebe Grüße :)
13.06.2013
MarcelB hat geschrieben:
Hey Pascal!
Schöner Bericht. Auf der einen Seite, natürlich besiedelt der Mensch weiter drauf los neue Lebensräume. Aber, man muss auch sagen, dass es viele Talsperren gibt und es wird jede Menge Monitoring in den betroffenen Regionen ausgeübt. Heutzutage muss man echt mit solchen Extremfällen rechnen. Ich denke aber, dass sich der Mensch schnell daran anpassen wird bzw. muss.
Sehr schön auch, dass du gleich auch die Position vom WWF aufgegriffen hast. :)
13.06.2013
Wasserjunge hat geschrieben:
@TaniaTukan: danke dafür! ;) ich habe es kurz erwähnt, vor dem Bild mit der Kirche. Nett von dir, dass du noch mal eine etwas genauere erklärung hast. ;)

@killerwal: Ich persönlich gebe das ganuso zurück, finde es auch traurig für Mensch und Tier. Bezogen auf die Tiere, auch wenn es große Verluste gibt, für die Arten jedoch oft zu verkraften, da wie im Text beschrieben das Nahrungsangebt wächst.
Verstehe dich, wir hoffen nur das Beste... ;)
13.06.2013
killerwal hat geschrieben:
ja, ich finde auch das der mensch schuld ist, dass hier wieder eine hochwasserflut gekommen ist. bei uns haben die schwalben fast alle jungen aus den nestern geschmissen, weil wegen den regen die mücken nicht geflogen sind und sie dann nichts zu essen hatten. ich bin froh das wir eine schleuse haben und das die donau nicht über die ufer gekommen ist. schlimm für die, die in den überschwemmungsgebieten leben. : (
13.06.2013
TaniaTukan hat geschrieben:
Guter Bericht der die Eingriffe und somit die Verantwortung des Menschen auf den Punkt bringt.
Ich habe allerdings noch eine kleine Ergänzung zu den Hochwasserursachen: Das Verschwinden der Feuchtwiesen. Genauso wie die Auenwälder binden sie große Mengen (Regen-) Wasser - mal ganz abgesehen von dem einzigartigen Lebensraum, den sie darstellen.
Sie werden jedoch leider oftmals nur als unnütze Wiesen angesehen, die keinen Profit bringen. Deswegen werden sie trockengelegt und zu Baufläche, Weide- oder Ackerland umgewandelt. Auch bereits bestehende landwirtschaftliche Flächen werden künstlich, für uns nicht sichtbar trockengelegt: Rohrsysteme unter der Erdoberfläche lassen Tau- und Regenwasser schnell in Bäche und Flüsse abfließen, damit Maschinen und Vieh früher im Jahr (oder schneller nach einem großen Schauer) auf die Flächen können.
Wer sich nicht an 5 Fingern abzählen kann, was das bei sintflutartigen Regenfällen für Auswirkungen hat, hat es dieses Jahr mal wieder life vorgeführt bekommen.
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