Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
''Herzlich Willkommen'' oder ''Bitte draußen bleiben''?


von Zerschmetterling
10.11.2012
10
0
74 P

Um Chile-Flamingos beobachten zu können, muss man nach Süd – oder Mittelamerika. Nun ja, oder ins Münsterland.
Denn immer wieder passiert es, dass bisher fremde Arten, einwandern. Der Feldhase, das Wildkaninchen, die Feldlerche, und verschiedene Hausmaus-Arten bekommen Besuch.
Doch früher waren die oben genannten, als typisch deutsch befundenen Tiere, auch erstmal nur Zuwanderer.
Es ist also völlig natürlich, dass die Artenvielfalt immer variiert. Jedoch hat sich das Tempo der Zuwanderungen enorm gesteigert. Denn auf einmal kommt es vor, dass flüchtige Tiere aus Pelz-Zuchtfarmen (Waschbär, Mink) oder Zoos (Nandu, Chile-Flamingo) in freier Natur ein neues Zuhause finden. Tiere wie die Rotwangen-Schmuckschildkröte wurden wie Dam- und Muffelwild bewusst ausgesetzt. Auch kommen viele Arten als blinde Passagiere nach Deutschland. Sie heften sich an Schiffsrümpfe (Zebramuschel) krabbeln in Ballastwassertanks (Chinesische Wollhandkrabbe) oder schlüpfen in Verpackungen exotischer Ware (Tigermücke).

Neben den Arten, die also auf natürlichem Wege zu uns wandern, kommen nun noch die eigentlich weit entfernt Beheimateten (Asien, Amerika) dazu.
Und es gibt, teilweise berechtigt, die Diskussionen darüber, ob einige Neuankömmlinge nicht eher der natürlichen, heimischen Natur schaden.
Grundsätzlich gilt zwar, dass sich nur der dauerhaft ansiedeln kann, der sich unserer Natur anpasst (anstatt das Umfeld zu ändern), aber manchmal rücken die Besucher den heimischen Arten auch zu sehr auf die Pelle. So führte die Einbürgerung der amerikanischen Grauhörnchen in England, Irland und Norditalien dazu, dass der Bestand der einheimischen Eichhörnchen stark abnahm.

Die Arten, die man mit Respekt aber Gewissenhaftigkeit am liebsten wieder nach draußen verweisen würde, weil sie mehr Schaden anrichten als sie Gutes tun, nennt man Bioinvasoren.
So ist auch der amerikanische Ochsenfrosch eher ein Eindringling als ein gerngesehener Gast. Zuerst in Italien und England angekommen, kommt er nun auch immer häufiger in Deutschland vor. Er frisst alle anderen Frösche auf und vermehrt sich rasant, da seine natürlichen Feinde (Krokodile) fehlen. Auch möchte man Krankheiten verursachende Arten, wie die Tigermücke (Dengue-Fieber) lieber nicht um einen herumschwirren sehen.

Natürlich gefährdet nicht jeder Neuzugang auch die heimischen Arten. Und grundsätzlich sollte sich der Mensch auch sagen, dass es wichtig ist, die Natur Natur sein zu lassen. Wir sollten Ja dazu sagen, dass sich Tiere neue Lebensräume suchen, so wie es vollkommen natürlich vorkommt, und immer schon war. (Denken wir nur mal an den Feldhasen, der jetzt gänzlich integriert ist).
Nur ein dynamisches Ökosystem wird auch lebendig und bunt bleiben.
 


Diesen Text habe ich vom Artikel „Die modernen Eroberer“ aus der aktuellen Ausgabe von Ein Herz Für Tiere (Dr. Angelika Huber) abgeleitet.

Weiterempfehlen

Kommentare (8)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
04.08.2013
Svea97 hat geschrieben:
Ich denke auch, dass es toleriert werden muss, wenn Tiere von selbst (wieder) in Deutschland einwandern. Diese werden sich, denke ich, auch integrieren ohne Schaden anzurichten.
Probleme gibt es nur, wenn der Mensch irgendwelche Arten, die nicht heimisch sind, aussetzt. Beispielsweise um Schädliinge zu bekämpfen. Dann wird der Schädlingsbekämpfer nämlich schnell selbst zum Schädling, da er hier keine natürlichen Feinde hat.
07.03.2013
JenniNightnight hat geschrieben:
Es ist echt schwierig zu unterscheiden, ob ein Tier das "Recht" hat, hier zu leben oder nicht. Es ist toll, dass es Tieren in Deutschland so gut geht, dass sie sich hier ansiedeln. Aber wenn sie gefährlich für den Menschen oder für die Natur/ Tiere werden, sollte man echt überlegen, etwas dagegen zutun.
13.11.2012
Cosima hat geschrieben:
Ein ziemlich guter Bericht :)

Du hast auch einige Tiere genannt, die wirklich gefährlich werden können für unsere Gesundheit zum Beispiel. Ich glaube in so ein Falle, ist es wirklich schwer zu sagen, was getan werden soll. Vor allem weil die Tiere teilweise auch schwer auf zu finden sind.
13.11.2012
Jolly hat geschrieben:
Hehe, sehr süß geschrieben und mal was nettes für zwischendurch ;) Ich ertapp mich immer wieder dabei, wenn ich ein Vogel sehe, mich beim Grübeln, ob der überhaupt von hier ist oder nicht: gut zu wissen, dass es tatsächlich nicht immer ein 'deutscher' Einwohner ist!
12.11.2012
Zerschmetterling hat geschrieben:
@Rhino: Es gibt viele natürliche Wege, auf denen Tiere sich neue Heimaten suchen. Und dazu sollte der Mensch ruhig JA sagen, und sich bewusst machen, dass Veränderungen nun mal Teil der Natur sind. Wie auch beschrieben: Der Feldhase war auch mal Neuankömmling.

Dann gibt es aber auch die von Menschen herbeigeführten Ausbreitungen, die unnatürlicher Art sind. Z.B.: die amerikanischen Grauhörnchen, die eingebürgert worden sind. Freiwillig wären sie nie über den großen Teich geschwommen.

Was auf natürlichem Wege passiert, sollte angenommen werden. Wenn das auf natürlichem Wege Veränderung bedeutet, dann IST das Natur, die der Mensch seinen Gang lassen sollte.
Negativ von Menschen herbeigeführte Situationen sind natürlich zu vermeiden. Die Geschichte mit den Tigerpythons kenne ich, und habe auch gelesen, dass es sich dabei oft um ausgesetzte Schlangen handelte, die den Haltern irgendwann zu groß geworden sind. Und nun suchen die Menschen nach einem Weg (das Töten) den von der eigen Art herbeigeführten Fehler, wie zu berichtigen.

Mein Artikel beruht auf Einem aus der aktuellen ''Ein Herz für Tiere''. Ich bin also kein Schlaukopf was dieses Thema anbelangt, sondern kann nur in meinen Worten wiedergeben, was ich gelesen habe, und meine eigene Meinung dazugeben.

LG
11.11.2012
Rhino hat geschrieben:
Guter Bericht, wobei ich den letzten Teil nicht ganz verstehe, was soll denn nun toleriert werden und was nicht? Oder soll etwa jede invasive Spezies toleriert werden? Letzterem würde ich keinesfalls zustimmen, ich erinnere z. B. an die Pazifikinsel Guam, auf der eine eingeschleppte kleine Schlange fast den gesamten Bestand an endemischen Vögeln ausgelöscht hat ...

Ich denke, in Deutschland kriegen wir die Auswirkungen invasiver Spezies garnicht in so großem Umfang zu spüren, da wir im Grunde ohnehin keine intakten Ökosysteme haben, indem wir Bären, Wölfe und Luchse vernichtet haben, haben wir bereits alles, was auch nur ansatzweise als funktionierendes Ökosystem bezeichnet werden zum Scheitern verurteilt, ob die Anwesenheit von Nandus und Flamingos diesen Missstand großartig verstärkt, wage ich zu bezweifeln ...

Interessant ist, das ständig der schwammige Spruch "Waschbären verdrängen heimische Raubtiere" zu hören ist, dabei äußert sich niemand genau darüber, wem der Waschbär verstärkt Konkurrenz macht und in welchem Ausmaß, diese Informationen wären aber enorm wichtig, um feststellen zu können, inwieweit der Waschbär ein Bioinvasor ist.

Viel gefährlicher sind invasive Spezies in Ökosystemen, die sich noch in ihrem natürlichen Ursprungszustand befinden und sehr spezifisch angepasste Arten aufweisen, so ist die Invasion entlaufener Tigerpythons im einzigartigen Ökosystem "Everglades" in den USA so folgenschwer, das sie alle mittelgroßen Prädatoren (Füchse, Waschbären, Luchse) fast ausgerottet hat und langsam aber sicher das komplette Ökosystem droht aus den Fugen zu geraten und seine natürliche Einzigartigkeit flöten geht, deshalb werden die Pythons dort nun systematisch vernichtet - meiner Meinung nach völlig berechtigt, zwar ist natürlich der Mensch für ihre Invasion verantwortlich, doch für mich steht das Überleben des natürlichen Ökosystems auch in so einer Situation über dem lokalen Überleben einer Spezies, denn die Pythons verändern und "schmücken" dort nichts, sie zerstören den Lebensraum!
11.11.2012
Caity271200 hat geschrieben:
Es sind ja auch die grauhörnchen eingewandert und die töten unsere Eichhörnchen!!!
10.11.2012
LSternus hat geschrieben:
Ich denke es gibt Tiere die man relativ problemlos hier ansiedeln kann, wie das Dam-und das Muffelwild.
Bei anderen Tieren wird es schon schwieriger.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Die Greivögel von Hellenthal - Und wie mich Joko Winterscheidt inspirierte
Die Greivögel von Hellenth...
Es ist eine witzige Geschichte, wie ich darauf gekommen bin, diesen Artikel zu schreiben. Vor ei... weiter lesen
"Die Woche der Umwelt" - Zu...
Die „Woche der Umwelt“ ist eine Veranstaltung des Bundespräsidenten und der B... weiter lesen
Ein etwas anderer Urlaub
Ein etwas anderer Urlaub
Einfach das zu machen, was man gerade möchte, ob geplant oder spontan, nicht an die Schule... weiter lesen
Deutschland: Das Schlachthaus Europas - Teil 2
Deutschland: Das Schlachtha...
  Hier ist der zweite Teil zum Thema Massentierhaltung. Sorry, dass er erst jetzt komm... weiter lesen
"Müllfreier" - Monat / Woc...
Ich habe ja versprochen ein kleines wöchentliches Tagebuch bezüglich meines müllf... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil