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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Gen-Soja aus Übersee, muss das sein?


von B0uld3r
25.11.2015
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Soja wird heutzutage
in den meisten konventionellen Schweinemastbetrieben als Eiweißlieferant
verwendet und dafür meist aus südamerikanischen Anbauländern importiert.
Oft ist es gentechnisch verändert um in den Monokulturen, in denen es
angepflanzt wird, bestehen zu können. Für diese Flächen werden wertvolle Wälder
und Savannen zerstört. Außerdem: Durch das Verfüttern von Sojaschrot gelangen
mindestens 304.000 t Stickstoff und 26,600 t Phosphor jährlich in unsere
heimischen Stoffkreisläufe. In Regionen mit intensiver Nutztierhaltung belastet
stickstoffreiche Gülle das Grundwasser und senkt unsere Lebensqualität.

Aus dieser Ausgangslage ergab sich folgende Frage:

Kann man Soja als
Proteinlieferant im konventionellen Mastbetrieb durch heimische Futtermittel teilweise
ersetzen, ohne ökonomische Defizite zu verzeichnen?   

Zur Beantwortung der Fragestellung entwarf der WWF Referent Markus Wolter zwei Studien
zur Schweine- und Geflügelmast. Dabei arbeitete er mit dem Agrarwissenschaftler Wilke Griep und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zusammen.

99% der Schweine in
Deutschland werden konventionell gehalten, weshalb eine
nachhaltige Fütterung nicht nur ein Schritt in die richtige Richtung wäre, sondern auch große ökologische Auswirkungen hätte. Nachhaltig heißt hier vor allem,
Soja als Haupteiweißlieferanten zu ersetzen. Sowie die Bestandteile des Futter
an die Entwicklungsphasen des Tieres anzupassen, um genauer zu füttern und
Ressourcen zu sparen. Für die Zukunft hat der WWF ein klares Ziel: Importiertes
Soja soll zum größten Teil durch heimische Futtermittel wie Rapsschrot und Körnerleguminosen(Erbsen,
Ackerbohnen, heimisches Soja und Lupinen) ausgetauscht werden.

Um einschätzen zu können,
inwieweit die Reduzierung von Soja möglich ist entwickelten Wolter und Griep
einen Versuchsaufbau. Als erstes wurden zwei Betriebe aufgesucht, die jeweils
klassische Aspekte der deutschen Schweinefütterung vertreten. Ein Betrieb
mästete seine Schweine mit eigenem Getreide und fügte Sojaschrot hinzu,
wohingegen der andere Betrieb fertige Futtermischungen einkauft. Aus beiden Betrieben
wurden Schweine gleichen Alters in gesonderte Stallabteile umgesiedelt und jeweils zur Hälfte normal und nachhaltig gefüttert. Damit die
verschiedenen Wachstumsentwicklungen erfasst werden können, wurden die Schweine
in regelmäßigen Abständen gewogen und begutachtet. Ein wesentlicher Teil des
Versuches, war außerdem die mehrstufige Fütterung, denn: Ähnlich wie beim
Menschen brauchen Schweine in verschiedenen Entwicklungsstadien(Jung, erwachsen,
alt) verschiedene Nahrung. Wenn nun beispielsweise die Menge an Eiweiß genauer an
den tatsächlichen Bedarf angepasst wird, ist dies nicht nur gesünder für die Schweine sondern spart auch
unnötige Ressourcenaufwendungen. Insgesamt wurden 1000 Schweine bis Mai 2015 nach dem neuen
Verfahren gefüttert. Pro Betrieb gab es zwei Durchgänge, jeweils von der
Aufnahme in den Stall bis zur Abgabe der Schweine an den Schlachtbetrieb. Darüber
hinaus wurde an der Uni Leipzig getestet, ob die veränderte Fütterung Einfluss auf Geschmack, Geruch und Aussehen hat.

Im Juni 2015 wurde dann die Auswertung fertiggestellt und
sie kamen zu folgendem Ergebnis:

„Die Schweinemast mit
deutlich weniger Sojaschrot und reduzierter Proteinzufuhr hat keine negativen Auswirkungen auf die
Tageszunahmen der Tiere. Ebenso wenig gibt es Veränderungen bei der Qualität des Fleisches. Beide Betriebe
reduzierten ihren Anteil von Sojaschrot erheblich. Der Betrieb mit den
Futtermitteln aus selbst erzeugtem Getreide kommt von über 40 Kilogramm auf 16
Kilogramm je Mastschwein. Der andere Betrieb hat schon Fertigfuttermischungen mit
weniger Protein- und damit Soja gefüttert. Doch auch er reduziert immer noch
von 18 Kilogramm auf 6 Kilogramm je Mastschwein. Alternativ kamen Rapsschrot und Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen zum
Einsatz.Das heißt, diese eingesparte Menge muss nicht mehr in Südamerika angebaut werden,
sondern kann heimisch erzeugt werden. Möglich machte dies auch die optimierte, mehrphasige Fütterung.

Dadurch ist die Zufuhr von Eiweiß besser an den tatsächlichen altersgemäßen
Bedarf des Schweines angepasst.“

 

Die Studien findet ihr hier

 

 

 

 

 

 

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Kommentare (5)
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27.11.2015
MarcelB hat geschrieben:
@B0uld3er: Keine Panik, wegen der Wissenschaftlichkeit... ;)

Kannst du auch noch etwas zum Milchvieh-Report sagen? Wie waren da die Ergebnisse? Eventuell lohnt sich ja ein neuer Bericht?
27.11.2015
B0uld3r hat geschrieben:
Ich habe auch noch die anderen Studien gefunden, ihr findet sie unter dem Bericht.
27.11.2015
B0uld3r hat geschrieben:
Also ich kann euch die Studie zu den Geflügelversuchen geben, die ist aber SEHR wissenschaftlich. Ich hänge sie einfach als Link unter den Bericht. Und nein, die Methode ist nicht bedeutend teurer, da man genauer auf die Bedürfnisse des Tieres hin füttert und so Futtermittel und Geld spart.
26.11.2015
MarcelB hat geschrieben:
Sehr interessanter Versuch. Gibts die Ergebnisse auch online/veröffentlicht?

Rewe zertifiziert ja mit dem Proplanet-label konventionelles fleisch. Die Kriterien sind dabei, dass das Futtermittel nicht aus Übersee kommen darf. Soweit gibt es beim Verbot von Soja aus Übersee schon große Erfolge im Einzelhandel. Was fehlt ist eine Branchenlösung, sodass sich auch die anderen Einzelhändler daran beteiligen müssen. :)
26.11.2015
midori hat geschrieben:
Das ist schon eine spannende Erkenntnis. Die Frage ist nur - kostet es mehr? Denn dann wird es sich vermutlich nicht durchsetzen können...
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