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Ergebnisse: Sperma und Untreue im Reich der Singvögel


von Janine
13.10.2012
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Liebe Community, vor einiger Zeit hatte ich einen Vorbericht zum Thema meiner Bachelorarbeit geschrieben. Mein Vorhaben war, die Spermien verschiedener Blaumeisen-Populationen miteinander zu vergleichen, um herauszufinden ob potentielle Unterschiede in der Spermienlänge ein Resultat von hohem Selektionsdruck sein könnten. Im Klartext heißt das: Ist die Morphologie, also die Form der Spermien, abhängig von irgendwelchen Faktoren, wie der Fremdgehrate der Weibchen, oder dem Habitat in dem die Blaumeisen leben?
Den gesamten Vorbericht und den genauen Hintergrund findet ihr hier.

Nachdem ich also Spermienproben der insgesamt fünf Populationen beisammen hatten, wurden sie auf Objektträger pipettiert und dort unter einem Mikroskop fotografiert. Von jedem Tier vermaß ich durchschnittlich 18,3 Spermatozoen, also Spermazellen. Insgesamt habe ich 1701 Spermien vermessen.

Allerdings stellte sich mir noch ein kleines Hindernis in den Weg, eine Entdeckung die den Längenvergleich der Spermien erheblich erschweren sollte. Eine der Populationen (Elbergen) wurde während der Eilege- und während der Fütterungsphase beprobt. Als wir beide Sätze miteinander verglichen, stellten wir fest, dass die Spermien gegen Ende der Brutperiode ca. 2 µm kleiner waren als zu Beginn. Da meine Spermienproben der fünf Populationen aber nun alle aus unterschiedlichen Brutperioden stammten, konnte ich sie nun nicht mehr miteinander vergleichen, da Unterschiede sowohl auf Unterschiede im Brutzyklus, als auch auf einen populationsbedingten Unterschied hätten zurückgeführt werden können.

 

Drei der fünf Populationen wurden lediglich während nur eines knappen Zeitraumes bemessen, sodass alle Spermien einem bestimmten Punkt in der Brutperiode zugewiesen werden konnten. Die Elbergener Population spaltete ich auf, in L (Legephase) und F (Fütterungsphase). So hatte ich am Ende insgesamt sechs „Populationen“, die ich miteinander vergleichen konnte.

Leider ist uns nicht bekannt, zu welchem Zeitpunkt die Oslo-Population beprobt wurde, oder ob es sogar mehrere Zeitpunkte waren.

Am Ende konnten wir jedenfalls feststellen, dass es scheinbar mindestens einen tatsächlichen Populationsunterschied gab, nämlich zwischen Prag und Elbergen. Wir schlussfolgerten dies, da sich die Prager Population, die während der Fütterungsphase beprobt wurde, nicht nur von der Elbergener Lege-Population unterschied, sondern auch von der Elbergener Fütterungs-Population.

Der Unterschied zwischen den langen und kurzen Spermien der Elbergen-Population fand sich übrigens im Mittelstück der Spermien, welches Mitochondrien beinhaltet. Das Mittelstück ist also so etwas wie der Motor eines Spermiums. Warum die Mittelstücke zum Ende der Brutsaison kürzer werden, ist noch nicht klar. Es könnte zum Beispiel sein, dass weniger Energie in die Spermienproduktion gegeben wird, weil die Väter ihre Jungen füttern müssen. Eine andere Erklärung ist diese: Bei Kohl- und Tannenmeisen wurde gefunden, dass kürzere Spermien schneller sind. Bei Blaumeisen kann es manchmal zu Zweitbruten kommen, also einer zweiten Eiablage, nachdem die ersten Küken ausgeflogen sind. Um hier konkurrenzstark zu bleiben und bei seinem Weibchen erfolgreicher zu sein, als fremdgehende Artgenossen, könnte es auch sein, dass die Spermien absichtlich „gekürzt“ werden, um eine Chance bei der Befruchtung der Eizellen zu haben, um die die Spermien mehrerer Männchen konkurrieren. Der Grund kann aber auch ein ganz Anderer sein.

Die wichtigste Erkenntnis meiner Arbeit war jedoch, dass die Zeitpunkte der Spermienbeprobung nicht trivial sind. Um Spermien unterschiedlicher Populationen miteinander vergleichen zu können, müssen die Spermazellen zum relativ gleichen Zeitpunkt des Brutzyklusses entnommen werden, da es ansonsten zu Ungenauigkeiten kommen kann.

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Kommentare (11)
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Sortieren nach Aktualität:
17.10.2012
Janine hat geschrieben:
Wie schön, dass die Blaumeisen in der WWF Jugend ein paar Fans haben! Oder sind es die Spermien? ;o)
17.10.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Wer hätte das gedacht? :) Wirklich interessant. Danke!
17.10.2012
Janine hat geschrieben:
@Nina: Nee, zu Unterschieden in der Spermienlänge zwischen verschiedenen Populationen wurde bisher nichts publiziert, soweit ich weiß.

Cramer et al. haben aber saisonale Varation in den Spermien des Zaunkönigs gefunden, dazu gibt es also bisher eine Veröffentlichung. Außerdem stehen noch zwei (bzw. drei wenn man meins dazu nimmt) Paper hierzu in den Startlöchern :o)
16.10.2012
NinaLuthien hat geschrieben:
@Janine: Sowohl als auch^^ So langsam steig ich auch durch und denk mir wieder: "Wow! Coole Sache, die sich die Natur da ausgedacht hat"
Und die Blaumeisen... die mausern sich gerade zum Standart-Organismus für Selektionsdruck auf das Paarungsverhalten und für Sozial-Monogame Vögel^^

Gibt es zum Thema deiner Bachelor-Arbeit eigendlich schon andere Studien?
16.10.2012
Janine hat geschrieben:
@Maura: Ich wollte gerne was mit Vögeln machen. Da mein Freund ein paar Ornithologie-Menschen kennt, weil er selber Jahre lang in dem Bereich gearbeitet hat, hat er mich an einen von ihnen vermittelt.
15.10.2012
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Danke für den Bericht Janine :)!
Biologie ist doch was spannendes!
Wie bist du eigentlich noch gleich auf das Thema gekommen?
15.10.2012
Janine hat geschrieben:
Ja, da drücke ich dir auch mal die Daumen, liebe Nina :o)
Gram-positive, oder Gram-negative Bakterien? :p ;o)

Toll, dass die Blaumeisen eine so wichtige Rolle spielen, dass sie sogar im Evolutionsunterricht bei euch dran kommen! Um was genau geht es denn dabei?
15.10.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
14.10.2012
NinaLuthien hat geschrieben:
cooles thema... die lieben Blaumeisen hab ich auch im Moment im Vertiefungsmodul Evolution^^ Und ich bin neidisch auf dich... Ich quäl mich gerade durch eine Literatur-Arbeit zur Immunantwort von Drosophila auf Gram-Bakterien... -.- Ich hoffe die Arbeit wurde gut benotet^^ *daumen drück*
14.10.2012
Franzi hat geschrieben:
Wow, interessant! Darüber habe ich noch nie nachgedacht, aber ein wirklich spannendes Thema! Danke! :)
13.10.2012
LSternus hat geschrieben:
Schockiernd wer hätte das gedacht ! ;)

Spaß bei Seite, dass ist wirklich interessant.
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