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Entlaufener Baum gesucht!


von MaRyLoU
03.09.2012
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Frankfurt - Auf Grund bis jetzt ungeklärter Vorkommnisse  ist am Montag, den 03. September in Frankfurt ein Baum entlaufen. Der Besitzer dieses Baumes, in diesem Fall die Stadt selber und dessen Bürgermeister, beklagten den Verlust sehr. Es sei eine Katastrophe, so der Bürgermeister, was sollten denn jetzt die anderen Städte von ihm und seiner Stadt halten? Auch befürchtet der Bürgermeister weitere Baumflucht. Es sei mit einer regelrechten Auswanderung der Stadtbäume zu rechnen. Alleinig die Bäume in den paar Parks scheinen bleiben zu wollen. Als Gegenmaßnahmen werden bereits Baumflüsterer aus weit entfernten Städten mit glücklichen Bäumen zu Rate gezogen. Die Experten sollen die Verhandlungen mit den Bäumen übernehmen. Zurzeit liegen noch keine konkreten Ergebnisse vor.

Der Anlass für diesen (fiktiven) Zeitungsartikel? Die jetzigen Lebensumstände von Bäumen in Großstödten.

„Wenn Bäume könnten, dann liefen sie aus den Städten davon!“ Dieser Spruch kommt vom  Baumexperten Eiko Leitsch. Der Hintergrund ist der, dass es Bäumen immer schlechter in Städten geht. Verschiedene Faktoren verursachen dies. Jeder spricht momentan von Green City, Green Building oder Green Capital – alles nur Gerede mit einer schönen Fassade, wenn man dem Experten glaubt. Seit über 30 Jahren beobachtet und untersucht Eiko Leitsch das Rhein-Main-Gebiet, beschäftigt sich mit Baumwuchs, Wurzelausbreitung  und wie es um das Grün in dem städtischen Gebiet allgemein steht. Denn diesem geht es nicht so toll, einfach ausgedrückt. Die Bäume haben schwere Kämpfe mit Witterungen und Platzmangel für die Wurzeln auszutragen und ob sie ihn gewissen ist ungewiss. Hinzu kommen Angriffe von Schädlingen und Nachverdichtung sowie Gebäudemodernisierung.

Man könnte sagen, die Bäume und die Politik liegen momentan in einer Art Streit. Die Stadt will grünes Zeugs haben, aber achtet dabei nicht so sehr darauf wie es dem Grünzeugs dann geht. „Baurecht bricht Baumrecht“ sagt E. Leitsch nur dazu. Zwar wird im Rhein-Main-Gebiet vor einem Bauvorhaben jeder Baum einzeln geprüft, doch ihm reicht das nicht, denn meistens würden die Entscheidungen zu Lasten der Bäume gehen. Hinzu komme noch, dass die Oberen zwar das grün haben wollen, aber sich nicht um solchen Kram wie Bau(m)recht kümmern, sondern dieses den unteren Naturschutzbehörden und anderen überlassen. Es herrsche eine große Unkenntnis über das System Baum und das „Nicht-festlegen-Wollen“ der Politik. Eine Stadt wie Frankfurt müsse ein Konzept für die Zukunft parat haben, wie sie mit Grünflächen und Bäumen in der Stadt umgehen wolle, wie sie bestehende, funktionierende Grünflächen, aber auch das Grün auf privaten Grundstücken in den Stadtteilen erhalten wolle. Masterpläne bräuchte die Stadt, ohne ginge es nicht mehr. Je stärker der Zuzug in die Stadt sei, desto dringender sei das Konzept. Bauen und Bäume behalten geht nicht im jeden Fall auf, doch eine Möglichkeit sei es, hinterher neue Bäume zu pflanzen. So etwas müsse auch offen gesagt werden.

Ein Baum mit dem die Bürger Emotionen verbinden und für den sie Kämpfen reiche ebenfalls nicht. Ein Baum ist kein „Ausstattungselement“, sondern ein Lebewesen! Das ein Baum auch mal Jahre nach einem Eingriff in die Wurzeln plötzlich ihre Standfestigkeit verlören, das falle offenbar Planern und Bürgern schwer zu akzeptieren. Denn das gefährlichste für einen Baum ist der Eingriff in die Wurzeln. So etwas müsse dokumentiert werden, fordert Leitsch. „Die Wurzeln eines Baumes sind in der Erde genauso groß und ausladend wie es seine Krone ist.“ Diesen Grundsatz möchte Leitsch am liebsten jedem Planer und Architekten unter das Kopfkissen legen. Doch so einfach ist es eben nicht.

Die Stadt ist für den Baum zu einem Extremstandort geworden, daraus folgt, dass es passieren kann, dass unsere einheimischen Arten wie Linden, Eichen und Eschen aus den Städten verschwinden würden und stattdessen Exoten kommen müssten.

„Mir fehlt derzeit die Verbindlichkeit“, sagt Leitsch. Alle redeten vom Grün, alle wollten es, im konkreten Fall werde aber wenig dafür getan. Dabei müsse jedem klar sein: „Grün kann ein Investitionshemmnis sein, und es kostet Geld für Pflege und Unterhaltung. Ein Baum wirft Schatten und hat Laub, das er im Herbst abwirft. Man kann sein Wachstum nicht aufhalten.“

 

Quelle: Frankfurter Allgemeine

 

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Kommentare (15)
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27.09.2012
Carinaa hat geschrieben:
Wenn ich mir heutzutage die Parks ansehe, liegt überall Müll rum und so.. Und so nah an der Straße...
09.09.2012
Meelyn hat geschrieben:
Ja leider wissen viele nicht dass Pflanzen auch Lebewesen sind.
Oft werden auch Bäume gepflanzt weil es Vorschrift ist, dass auf den Parkplätzen der Einkaufsläden so und so viel Bäume zu stehen haben. Dann wird es abgenommen, sprich Unterschrift drauf, dass alles okay ist und danach werden die jungen Bäumchen nicht mehr gegossen und sterben.
Die Exoten die ja so schön ausschauen sind auch nicht gut für unsere Natur, da die heimischen Vögel ihre Früchte nicht kennen und essen und auch nicht in ihnen nisten. Außerdem sind sie oft krankheitsanfällig. Siehe Masaria in den Platanen.
Und was viele den armen Bäumen antun weil sie aus Gedankenlosigkeit in der Rinde herumritzen wissen sie auch nicht.

Ich glaube wenn ich ein Baum wäre, dann würde ich auch schleunigst meine Wurzeln zusammenraffen und aufs Land ziehen!
Sehr guter Bericht!
06.09.2012
Punky hat geschrieben:
Toller Bericht, muss man sagen! :)
Das Bild mit dem rennenden Baum kenn ich, das gibt's schon ewig, hab ich mal auf facebook gesehn :D
06.09.2012
Alexbeppo hat geschrieben:
Toller Bericht! Interessantes Thema, hatte dazu noch nichts vorher gehört.
05.09.2012
Zerschmetterling hat geschrieben:
Toller Artikel! Besonders folgender Statz gefällt mir:
" Ein Baum ist kein "Ausstattungselement", sondern ein Lebewesen!"

Peace
05.09.2012
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
04.09.2012
snowrose hat geschrieben:
ein toller bericht mit einer super idee - im ersten moment amüsant und interesseweckend, dann der bericht über den ernst der lage
es ist wirklich nicht schön mitanzusehen, dass der mensch das einzige wesen ist, das nach und nach immer mehr seinen eigenen lebensraum und den von anderen lebewesen zerstört...
04.09.2012
MaRyLoU hat geschrieben:
@laurii: In direkt ;) ich habe die Fotos selber zu dem obigen Bild zusammengesetzt. Geschossen habe ich keines :P
04.09.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Lauf kleines Bäumchen lauf!! :)

Wie immer wollen alle etwas haben, aber keiner ist bereit auf etwas zu verzichten und sich mal dafür einzusetzen. Jeder will ein schönes ruhiges grünes Plätzchen zum entspannen, aber keiner will auf neue Parkplätze verzichten oder für die Erhaltung der Parks zahlen......
04.09.2012
Laurii hat geschrieben:
Das war echt eine gute Idee. Hast du das Foto selber gemacht? :)
03.09.2012
Angelina hat geschrieben:
Super Bericht, richtig interessant! :-)
Ich kann mich noch daran erinnern, als in Hennef der neue Bahnhof gebaut wurde und dazu mussten natürlich die Bäume wieder den Platz freimachen...einige Tage später sah man dann auf jeden Baumstamm ein rote Grabkerze..
03.09.2012
Viveka hat geschrieben:
Toller, wenn auch in gewissermaßen trauriger Artikel. Vor allem der Titel macht "Lust auf mehr" und bringt das ernste Thema interessanter rüber!
03.09.2012
grinsekatze hat geschrieben:
Sehr guter Bericht und der fiktive Zeitungsartikel hörte sich im ersten Moment amüsant an auch wenn er eigentlich einen ernsten Hintergrund hat. Beim Bild von dem Baum musste ich im ersten Moment an einen Ent aus Herr der Ringe denken. :)

Danke!
03.09.2012
Sandsturm hat geschrieben:
Witziger fiktiver Zeitungsartikel, cooles Bild und interessanter Text.
03.09.2012
LSternus hat geschrieben:
Interessantes Thema. Erst hatte ich, als ich die Überschrift gelesen hatte an Gntechnik gedacht. :)
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