Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Eine Pflanze und ihre Sinne


von Lautlos
06.03.2013
8
0
23 P

Pflanzen sind einfach da. Waren schon immer da. Braun im Winter, Grün im Sommer. Sie richten sich wieder auf, wenn wir über sie hinwegtrampeln, sie wachsen nach, wenn wir sie ausreißen, sie sprengen Beton, um ihre hübschen Glieder zur Sonne zu recken. Ihr leises Rascheln im Wind und ihre satten Farben geben unserer Seele Frieden, ihre Hülle und ihre Früchte unserem Körper Nahrung. Und wenn wir dereinst gehen müssen, dann nähren sie sich aus uns und künden mit ihrer Pracht von dem Leben, dass wir führten.
Pflanzen sind die Hülle unserer Erde, unser Nährboden und höchst faszinierende Lebewesen. Denn nicht nur Tiere oder Menschen verfügen über Sinne, sondern auch unsere grünen Nachbarn.

Sehen

Blumen neigen sich dem Licht entgegen. Mit Lichtsignalen kann man Wachstumsreize auslösen oder stoppen. So wird z. B. die Chrysanthemenblüte mit nächtlichen Lichtsignalen von Herbst auf Frühjahr vorgezogen. In Pflanzen wurden Lichtrezeptorproteine entdeckt, die die in unserem Auge sehr ähnlich sind. Die Blätter drehen sich ähnlich Satellitenschüsseln senkrecht zum Lichteinfall.
Die Einfallsrichtung des Lichtes wahrzunehmen, ist für Pflanzen lebensnotwendig. Denn nur, wenn die Blätter genügend Licht absorbieren können, wird die Pflanze auch genügend Energie zur Verfügung haben, um aus dem gasförmigen Kohlendioxid der Luft und aus Wasser organische Moleküle wie Zucker, Stärke und daraus schliesslich Fette und Eiweisse aufzubauen. Damit dieser als Photosynthese bekannte Prozess optimal ablaufen kann, müssen die Blätter der Pflanze durch entsprechende Wachstumsbewegungen ständig "ins rechte Licht" gerückt werden.

Fühlen

Kletterpflanzen wachsen schneller, wenn sie in Kontakt mit einem Holzzaun kommen, da sie die raue Struktur als idealen Untergrund empfinden. Die Venusfliegenfalle klappt zu, wenn sie einen zarten Druckreiz erfährt. Sie reagiert damit auf genau die Berührung, die ihre Beute auslöst. Mimosen schließen und senken abrupt die Blätter, wenn man sie berührt. Es gibt sogar erste wissenschaftliche Thesen, dass Pflanzen ein inneres System haben, ähnlich unserem Nervensystem, durch das sie wie unser Hirn durch unseren Körper Signale und Botenstoffe schickt, nur 1000 mal langsamer. Pflanzen fühlen jedoch keinen Schmerz, sie reagieren nur auf Veränderungen ihrer Struktur oder Umwelt. Wenn eine Kartoffel beispielsweise in der Mitte durchgeschnitten wird, beginnt sie, eine neue Haut für die Schnittstelle auszubilden, um diese vor äußeren Einflüssen zu schützen.

Riechen

Wenn man eine unreife Avocado mit einer reifen Banane in eine Papiertüte legt, wird die Avocado schneller reif, weil die Banane Ethylen abgibt. Der Geruch dieses Gases leitet den Reifeprozess auch bei der Nachbarfrucht ein. Das ist ein natürlicher Vorgang, ursprünglich am Baum, um auch die anderen Früchte zu "wecken" und somit die optimale Reifezeit auszunutzen. Gerste, Beifuß und Erle kommunzieren ebenfalls mittels Düften, vorwiegend, um geeignete Standorte zu übermitteln.

Hören

 Kiefern und Eschen geben in Trockenphasen Vibrationen per Ultraschall an ihre Artgenossen weiter, um sie auf die drohende Trockenheit vorzubereiten. Auch vibrierende Hummelflügel senden wahrscheinlich Signale an die Pflanzen, welche, ist allerdings noch ungeklärt.
Pflanzen haben zwar keine Ohren, aber jede ihrer Zellen hat eine Membran, empfindlicher als das menschliche Hörorgan, welche auch Musik oder die menschliche Stimme wahrnehmen. Weintrauben zum Beispiel lieben besonders Mozart. Sie wachsen schneller, größer, saftiger und werden weniger oft von Schädlingen befallen.

Schmecken

Pflanzen richten ihre Wurzeln nach Mineralien im Boden aus. Die feinen Fädchen am Ende der Stammwurzel schmecken feiner als jede menschliche Zunge.


Weitere erstaunliche Merkmale an Pflanzen:

Pflanzen können sich erinnern, vorrausschauend wachsen, eiskalt kalkulieren, für zukünftige Ereignisse planen und eng mit Tieren zusammenarbeiten bzw. -leben.
An dem Beispiel Erbsenranke fanden Wissenschaftler heraus, dass sich Pflanzen erinnern können. Wenn die Bohnenranke (welche sich bei Berührung einkringelt) im Dunkeln berührt wird, merkt sie sich das bis zum ersten Sonnenlicht, um sich dann zu ringeln wenn sie wieder genügend Energie dafür getankt hat. Außerdem wissen Pflanzen, wann Frühling ist, anhand der gespeicherten Kälteerfahrung des Winters, der hinter ihnen liegt.
Wenn Tomaten ein Tief oder einen anderen Wetterumschwung anrücken spüren, können sie bereits Tage vorher eine dickere Haut zum Schutz ausbilden.
Schmarotzerpflanzen tasten ihre Beute ab, um bereits vier Tage vor ihrem Angriff zu kalkulieren, ob sich die Arbeit überhaupt lohnt, die angestrebte Wirtspflanze anzuzapfen.
Ein weiteres sehr interessantes Beispiel für eine intelligente Pflanzenwelt ist die Akazie in Kenia. Die Ameisen, die auf ihr leben, schützen die Akazie vor Schädlingen. Im Gegenzug bildet die Akazie Nektar als Nährstoff und angeschwollene Dornen als Wohnraum für die Ameisen aus.
Außerdem senden Pflanzen Botschaften und Gift aus, wenn sie von Schädlingen attakiert werden. So locken sie zum Beispiel Raubwanzen oder dergleichen an, die dann wiederum die Schädlinge verspeisen.

Pflanzen sind faszinierende, intelligente und überaus feinfühlige Wesen, die nicht nur unseren Speiseplan, sondern auch unser Leben bereichern. Sie können zwar nicht laut mit uns sprechen oder uns wirklich verstehen, geschweige denn dass sie Gefühle oder Schmerzempfinden haben, aber trotzdem sind sie einen zweiten Blick wert und mit Respekt zu behandeln.









Quellen: FUNKUHR Fernsehmagazin
Informationsdienst Wissenschaft https://idw-online.de/pages/de/news2260
Internationales Institut für Erfahrungsheilkunde http://www.iifeh.de/pflanzenkommunikation.php
 

Weiterempfehlen

Kommentare (8)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
08.04.2013
Lautlos hat geschrieben:
Danke für eure Rückmeldungen! Das Thema hat mich einfach so fasziniert, dass ich einen dringenden Mitteilungsbedarf darüber entwickelt habe x'D
25.03.2013
Tarja_H hat geschrieben:
Super Artikel! Das hat Spaß gemacht zu lesen und war total interessant.
Das Pflanzen auch etwas ähnliches wie unser Nervensystem haben sollen finde ich besonders spannend.
In der Uni haben wir auch gelernt, dass Pflanzen sich sogar gegenseitig warnen können, z.B. wenn sie von Schädlingen befallen sind. Dann senden sie Stoffe aus, die über die Luft zu den anderen Pflanzen getragen werden. Diese Pflanzen investieren dann schon mehr Energie in die Schädlingsbekämpfung, indem sie zum Beispiel mehr Gift produzieren. Andererseits locken diese Stoffe aber auch gleichzeitig die Fressfeinde der Schädlinge an oder auch Parasiten der Parasiten. (ich geb mal besser die Quelle an^^ war aus der Vorlesung von Prof. Elert, Uni Köln)
Ganz generell finde ich ist das ein super spannendes Thema über das wir glaube ich erst Bruchteile wissen. Vieles was in dem Artikel stand wusste ich auch noch nicht. Ich kann mich nur wiederholen, ein sehr spannender Artikel. Danke :)
25.03.2013
JanaMarie hat geschrieben:
Sehr faszinierend :)
11.03.2013
Carina hat geschrieben:
Kann mich nur anschließen: Wirklich interessant. Danke für den Artikel!
08.03.2013
Helen1698 hat geschrieben:
Wow! Vor allem von dem Hörverhalten hab ich noch nie was gehört! Echt toll!
07.03.2013
MaRyLoU hat geschrieben:
Danke für diesen interessanten und formativen Artikel - auf jeden Fall hab ich was dazu gelernt :)
06.03.2013
FelicitasMaria hat geschrieben:
Die Reize der Pflanzen...echt interessant :D
06.03.2013
LSternus hat geschrieben:
Daas Pflanzen hören können wusste ich noch nicht, ich dachte immer das wäre nur ein Mythos.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Entdecker Tag im Zoo Leipzig
Entdecker Tag im Zoo Leipzig
Im Rahmen des Entdecker Tags im Leipziger Zoo haben wir am 13.8. gemeinsam mit Annika Milde vom ... weiter lesen
"Müllfreier" - Monat / Woc...
Ich habe ja versprochen ein kleines wöchentliches Tagebuch bezüglich meines müllf... weiter lesen
Der 1. Deutsche Waldtag in Berlin
Der 1. Deutsche Waldtag in ...
Eine Woche nach dem Jugendworkshop „Wald.Wir.Zukunft.“ der Schutzgemeinschaft De... weiter lesen
"Die Woche der Umwelt" - Zu...
Die „Woche der Umwelt“ ist eine Veranstaltung des Bundespräsidenten und der B... weiter lesen
"Spot on" für die GreenTec...
Tausende Menschen in einem Raum, feierlich-ehrenvolle Musik, eine aufwendige Videoinstallation u... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil