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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Eine Chance für die Seeadler? - Keine Jagd mehr mit Blei in Deutschland


von Hanadi
14.05.2013
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In Deutschland ist der Seeadler nicht mehr primär von Jägern bedroht. Trotzdem sterben viele Tiere an den indirekten Folgen der Jagd. Grund dafür ist das giftige Schwermetall Blei, das in der Munition enthalten ist. Aber das wird in Zukunft nicht mehr passieren, denn es gibt ein neues Gesetz, das die Nutzung von Bleihaltiger Munition verbietet.

Im Müritz Nationalpark starben sogar zwei Drittel der untersuchten Seeadler an einer Bleivergiftung. Sie nahmen das Schwermetall über ihre Nahrung auf und verendeten daran. Die Seeadler fressen nämlich häufig angeschossenes, verendetes Wild oder die Organe erlegter Tiere, die von den Jägern an Ort und Stelle ausgeweidet werden. Dadurch nehmen sie Blei aus den Geschossrückständen auf. Weil die Adler z.B. Knochen verdauen müssen, haben sie eine besonders aggresive Magensäure. Durch den Verdauungsprozess gelangt dann das aufgenommene Blei in die Blutbahn und vergiftet die majestätischen Vögel.

© Wild Wonders of Europe / Staffan Widstrand / WWF

© Wild Wonders of Europe / Staffan Widstrand / WWF

Auch für uns Menschen ist Blei sehr schädlich und kann bei Vergiftungen sowohl unser Nervensystem und die Nieren schädigen als auch die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen. Aus diesem Grund ist der Bleiausstoß in den letzten Jahrzehnten stark geregelt worden. Endlich setzen sich ein paar Bundesländerd auch für bleifreie Munition ein - der Rest Deutschlands muss sich daran noch ein Beispiel nehmen. Das findet auch unser WWF-Experte Janosch Arnold: "Die Zeit ist reif dafür!". Nicht nur in Deutschland gibt es mit bleivergiftete Tiere, sondern auch in Amerika. Grizzlies im Yellostone Nationalpark, Krähen, Kleinsäuger und Amphibien wiesen laut verschiedenen Studien erhöhte Bleiwerte auf. 93 Prozent aller untersuchten Hirsche, die in den USA erlegt wurden, waren mit Blei vergiftet. Das kann vor allem für diejenigen von uns gefährlich sein, die gerne Wildflesch essen!

© Gerald S. Cubitt / WWF-Canon

© Gerald S. Cubitt / WWF-Canon

"Der WWF befürwortet ein Verbot für bleifreie Munition" sagt Janosch, "da es negative Folgen für Tiere hat und eine Gefährdug bei häufigen Verzehr von mit Bleimunition geschossenen Wildfleisch nicht ausgeschlossen werden kann".

Der Grund, warum Jäger so gerne bleihaltige Munition verwenden, ist einfach zu erklären. Sie habe wohl eine sichere und schnelle Trefferwirkung durch das spezifische Gewicht und der Deformationseigenschaften des Bleis. Und hier ist auch genau das Problem: Das Blei verformt sich beim Aufprall und zerfällt in Kleinstteile, die sich im Körper des geschossenen Tieres verbreiten. So wirke die Munition, laut Jägerschaft, besser. Das Hauptargument der Jäger ist, dass es  angeblich nicht genug geeignete bleifreie Munition gäbe. Deswegen waren sie lange Zeit gegen ein Verbot von Bleimunition. Janosch weiß aber: "Es gibt eine zunehmende Auswahl wirksamer Alternativen. Auch ist ein Umschwenken der Munitionsindustrie von der Nachfrage und damit vom Markt abhängig". Daraus folgt, dass es keine Alternative mehr zum Verbot des giftgen Schwermetalls in der Munition gibt.

Deutschland ist nicht das einzige Land, das in einigen Bundesländern (u.a. Schleswig-Holstein) bleihaltige Munition verbietet. Die USA sind schon seit den 1970er Jahren Vorreiter. Seit 1991 ist das Schießen mit Bleimunition auf Wasserwild verboten, denn bei verschiedenen Wasservöglen wurden erhöhte Bleiwerte festgestellt. Beim kalifornischen Kondor ist Bleivergiftung sogar Todesursache Nummer Eins.

© Wild Wonders of Europe / Staffan Widstrand / WWF

© Gerald S. Cubitt / WWF-Canon

Der WWF begrüßt auf jeden Fall den Umstieg. Denn es wird höchste Zeit dafür! Erfahre hier mehr über die WWF-Projektregion Deutschland und was wir für unsere Umwelt tun können.

(Titelfoto: © Wild Wonders of Europe / Widstrand / WWF)

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Kommentare (3)
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15.05.2013
Makanie hat geschrieben:
Cool! Die armen Adler, mir war gar nicht bewusst, dass eine Bleivergiftung so extreme Folgen haben kann...
15.05.2013
isabella hat geschrieben:
Super Artikel, wirklich gut geschrieben und schön das du auf so etwas aufmerksam geworden bist.
Bleivergiftung ist sehr schlimm, sowohl für Tiere als auch für Menschen.
Zum Glück gibt es jetzt dieses Gesetz:-)
15.05.2013
Nils93 hat geschrieben:
Super Sache. Schön, dass das mit dem Blei endlich abnimmt. Der Seeadler ist ja in Deutschland nicht mehr akut bedroht, aber ärgerlich ist das selbstverständlich schon. Ich kannte mal ein Seeadlernest bei uns in der Nähe. Die sind wohl auch am Blei zu Grunde gegangen... Vor allem ist der Seeadler ja nicht der Einzige, der die negativen Folgen des Bleis zu spüren bekommt...
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