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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Ein etwas anderer Urlaub


von lolfs
04.09.2016
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Einfach das zu machen, was man gerade möchte, ob geplant oder spontan, nicht an die Schule, Studium oder an die Arbeit denken zu müssen, ist herrlich. Urlaub ist eine super Sache. Doch vor dem Urlaub stellt sich die Frage, wo soll es hingegen? Ins Nachbarland, auf einen anderen Kontinent oder doch lieber Urlaub auf Balkonien? - Diese und andere Fragen habe mich in meinem ersten Fahrradurlaub begleitet.

Als ich meinen Urlaub plante, waren mir nur eins klar: Ich möchte den Urlaub innerhalb Deutschlands, aber nicht daheim, verbringen. Doch, wo sollte es hingehen? An das Meer oder in die Berge, in eine Provinz oder ein Städteurlaub, wandern oder entspannen? - Es war alles offen, doch keiner der Optionen hat mich überzeugt. Daher überlegte ich mir, warum mir keine der üblichen Urlaubsarten mir zusagte. Die Antwort kam mir schnell: Es ist zu "unflexible". Damit meinte ich, wenn ich zum Wandern in die Berge gehe, wandere ich jeden Tag und jede Wanderung beginnt und endet in gleich. Wenn ich Urlaub in einer Stadt mache, sehe ich jeden Tag die gleiche Stadt. Außerdem wäre man zu Fuß so langsam unterwegs, was mir auch nicht gefällt. In den letzten Jahren habe ich nämlich mein Fahrrad lieb gewonnen. Man kann es immer nehmen, wenn man es braucht, man muss auf keine Straßenbahn warten, man verpasst keinen Anschluss, man ist schneller als mit dem, im Stau stehenden, Auto oder den Öffentlichen, wo man zig Mal umsteigen muss.

Daher beschloss ich, mein Fahrrad mit in den Urlaub zu nehmen.

Ich wusste, dass mein Reisemittel der Zug sein wird. In Regionalbahnen kann man einfach Fahrräder mitnehmen, doch wusste ich nicht, wie die Fahrradmitnahme im IC bzw. ICE funktioniert. Durch einen Kollegen habe ich erfahren, dass man im IC Fahrräder mitnehmen kann: Dazu muss man jedoch spätestens einen Tag vor Reiseantritt einen Stellplatz für das Rad reservieren. Wenn man jedoch über die Webseite der DB das Ticket bucht, welches einen an einen bestimmten Zug bindet, wird diese Stellplatzreservierung gleich mit durchgeführt.

Das Fahrrad kann also mit, doch mein Urlaubsziel ist noch unklar.

So begann die Suche nach einem Urlaubsziel. Mittlerweile war auch klar, dass man in der Gegend gut Fahrradfahren können sollte. So entschied ich mich, dass ich irgendwo entlang eines Flusses Urlaub machen wollte. Doch in Städten sind Hotels meist recht teuer, und da ich etwas von der Landschaft sehen wollte, konnte das Hotel gern auch etwas außerhalb sein. Doch wie findet man ein Hotel in einer ländlichen Gegend, welche ein paar Kilometer von bekannten Städten weg ist? Ich entschied mich, über CHECK24 ein Hotel zu suchen. Das gute an der Seite ist, dass man über die Seite auch Hotels in einem Radius suchen kann. So kann man bspw. sagen, dass man in Koblenz Urlaub machen möchte und den Umkreis von (bspw.) 30 Kilometern einschließen möchte. Dann werden die Hotels auf einer Karte angezeigt, sodass man auch direkt die Lage des Hotels sehen kann. Nachdem ich mir verschiedene Ergebnisse in verschiedenen Regionen angeschaut habe, habe ich mich entschieden.

Hotel und Bahn gebucht, nun heißt es Koffer packen und … . Koffer packen?

Stimmt, Koffer konnte ich nicht packen. Mein Urlaub ist ja ein Fahrradurlaub, das bedeutet, dass ich auch mein Fahrrad transportieren muss. Außerdem habe ich vor die letzten 30 Kilometer nicht mit der Regionalbahn, sondern mit dem Rad bis nach Leutesdorf zu fahren. Da würde ein Koffer mich nur behindern. Das heißt, ich muss meine Sachen für eine Woche Urlaub in zwei Fahrradtaschen unterbringen. Unterwäsche, T-Shirts, Ersatzhose, Regenhose, Regenjacke, Pullover, Kamera, Verpflegung, Lesestoff, was zu schreiben, Zahnbürste/-pasta, Sonnencreme. Auch wenn es nur eine Woche ist, muss doch irgendwie ganz schön viel mit. Und die Kamera alleine benötigt 25% des vorhandenen Platzes. Aber irgendwie hat dann doch alles rein gepasst und es konnte losgehen

Auf nach Leutesdorf!

Endlich ist es so weit. Ich bin am Bahnhof angekommen und sehe schon den IC, mit dem ich fahren werde. "Wagen 5, Stellplatz 142" steht auf meinem Ticket. Ach ja, mit dem Rad kann ich ja nicht einfach in den Zug einsteigen und dann zum richtigen Wagen durchlaufen. Also Wagen gesucht und Fahrrad rein gehoben. Interessant, ich bin schon sooft mit dem IC gefahren, aber das Fahrradabteil habe ich noch nie gesehen. Auf der einen Seite sind Klappsitzbänke und auf der anderen Seite sind Vorrichtungen, an dem man sein Fahrrad einhängen muss, damit diese nicht während der Fahrt umfallen. Ich bin froh darüber, dass ich einen Stellplatz habe, der nicht zu nah an einer Türe ist, sonst hätte ich mein Fahrrad für hochkant einhängen müssen. So musste ich nur kurz mein Vorderrad hochheben, einhängen und fertig. Kurze Zeit später kamen die nächsten Fahrradgäste in den IC gestiegen. Ihr Urlaubsziel ist das Meer, wo sie dann mit Fahrrad eine Urlaubstour unternehmen werden. Doch mein Zwischenziel ist bereits nach etwa einer Stunde erreicht, Koblenz. Von hier aus geht es mit dem Rad noch etwa 25 Kilometer nach Leutesdorf. Ich hätte zwar eine Regionalbahn nach Leutesdorf nehmen können, doch dann hätte ich noch keinen ersten Eindruck, wie die Gegend für das Radfahren geeignet ist. Also, Navi an und auf nach Leutesdorf!

Urlaubstag 1
Nach dem ich gestern noch ein wenig das kleine, verträume Dorf erkundet habe, entschied ich mich heute, den Rhein entlang Richtung Bonn zu fahren. Durch Google Maps wusste ich bereits vorneweg, dass nach etwa 30 Kilometern das Drachenschloss am Drachenfels sein würde.

Der Radweg führte am Rhein entlang und war gut zu fahren, nur leider fing es nach wenigen Kilometern an zu regnen. Doch Regenhose und Regenjacke an und weiter geht’s. Der Weg führte mich an der ehemaligen Ludendorff-Brücke – auch bekannt als "Brücke von Remagen" – vorbei.

Eine kurze Weile später kam ich in Königswinter an. Von dort aus geht’s hinauf zum Drachenschloss bzw. zum Drachenfelsen. Hinauf geht’s entweder zu Fuß oder mit Deutschlands ältesten Zahnradbahn, der Drachenfelsbahn. Ich entschloss mich jedoch zu Fuß den Drachenfelsen zu erklimmen. Die Belohnung war ein Ausblick mit einer mystischen Stimmung, die irgendwie zum Namen passt.

Urlaubstag 2
Nachdem ich den Drachenfelsen besichtigt habe, wollte ich diesmal nicht ganz so weit weg. Daher bin ich zur nächstliegenden Stadt gefahren und habe mir diese entspannt angeschaut. So habe ich einen Zoobesuch unternommen, die naheliegenden ehemaligen Kiesgruben Silbersee, Kannsee und Steinsee und den Tag bei der Burg in Altwied ausklingen lassen.

Urlaubstag 3
Diesmal fahre ich wieder Richtung Bonn, wieder nach Königswinter. Doch diesmal mache ich keinen Abstecher zum Drachenfelsen, sondern ins Sea Life. In diesem großen Aquarium kann man über 120 verschiedene Tierarten beobachten. Darunter sind verschiedene Haiarten, Rochen, Muränen, Seepferdchen, Nemo und Dorie (Clownfische und Palettendoktorfische), Seesterne, Krabben und vieles mehr. Doch, wie auch viele Zoos, hat Sea Life Interesse daran, die Natur zu schützen. So hat das Sea Life in Königswinter das Motto "Erhalten, Retten, Beschützen". Mehr Informationen findet ihr auf der Webseite von Sea Life.

Urlaubstag 4
Der vorletzte (ganze) Tag des Urlaubs ist für eine Erkundigungstour reserviert. Per Google Maps habe ich gesehen, dass es unweit von meinem Urlaubsort einen großen See gibt, den Laacher See. Wie bei mir so üblich, habe ich mir bisher keine Gedanken über den Weg gemacht. Einfach das Navigationssystem angemacht und losgefahren. Ein Fehler, denn ich bin zwar nicht in den Alpen, aber die Berge hier sind auch nicht zu unterschätzen. Doch bin ich letztendlich auch angekommen. Ein wunderschöner See, an einem wunderbaren Tag. - Nur ärgerlich, dass ich tatsächlich beim Koffer packen nicht dran gedacht habe, eine Badehose einzupacken. Das bereue ich bei über 30 °C und diesem herrlichen Fleckchen so dermaßen.

Aber Baden ist nicht das Einzige, was man hier machen kann. Der See ist groß und man kann ihn gut zu Fuß oder mit dem Rad umrunden, so habe auch ich dies getan. Doch plötzlich hörte ich ein Blubbern vom See aus. Dieses Blubbern war so laut, dass ich vom Rad abstieg und runter zum See ging. Ich sah den See, der an dieser Stelle wirklich sprudelte. Lauter kleine Luftbläschen stiegen aus dem Wasser auf und zerplatzten an der Wasseroberfläche. Eine Infotafel erzählte mir, dass diese Austrittspunkte Begleiterscheinungen von Vulkanismus sind und, dass an dieser Stelle Kohlenstoffdioxid vom Inneren der Erde ausströmt. Doch die Menge des Kohlenstoffdioxids ist in den letzten Jahrzehnten gleichbleibend. Dennoch habe ich plötzlich ein anderes Gefühl – dass es Vulkane in Deutschland gibt, war mir so nicht bewusst. Aber der Laacher Vulkan ist laut Wikipedia das letzte Mal etwa 10930 vor Christus ausgebrochen und ich schätze, dass wir demnächst keinen Ausbruch erwarten müssen.

Wenn man den See weiter umrundet, kommt man zu einem Campingplatz. Hach, aktuell wünschte ich mir, ich wäre hier ein Camper. Da es aber so nicht ist, ging es weiter um den See. Gegenüber der Mofetten erkundete ich noch das Kloster, welches ich schon von der anderen Seite des Sees entdeckt habe.

Urlaubstag 5
Der letzte (volle) Urlaubstag steht vor mir. Diesen wollte ich wieder entspannter angehen. Am Morgen des Tages stand noch kein Ziel fest. Ich wollte den Tag auf mich zukommen lassen. Doch während der letzten Tage habe ich während der Fahrradtouren immer wieder etwas gesehen, was ich mir noch mal genauer anschauen möchte. Und somit habe ich doch schon einen indirekten Plan.

Station 1: Waldsee beim Laacher See. Unweit des Laacher Sees gibt es einen schönen Badesee, den man besuchen kann. Badehose zwar nicht dabei, aber mit den Beinen kann man ja auch so rein. So fuhr ich zum Waldsee. Auf dem Weg dahin habe ich einen Herren getroffen, der gerade wegen Kopfschmerzen eine Pause machen musste. Mit ihm bin ich zum Waldsee gelaufen und habe mich mit ihm unterhalten. Er ist in der Region aufgewachsen und kannte sich dadurch ganz gut aus. So hat er mir ein paar Geschichten über die Gegend, den Laacher See, Laacher Graben, den Mofetten und mehr erzählt. Und so plante sich der Tag fast wie von selbst.

Station 2: Römerbergwerk: Unweit des Waldsees soll es ein Römerbergwerk geben. Hier wollte ich einfach mal schauen, ob man von außen etwas Interessantes entdecken kann und ob ich von einem Besuch überzeugt werden würde. In der Tat konnte man ein paar ausgestellte alte Arbeitsmaschinen sehen. Doch das Römerbergwerk wirklich zu besichtigen hat es mich nicht überzeugt, wahrscheinlich, weil das Wetter einfach zu schön war. Stattdessen machte ich mich auf zur nächsten Station.

Station 3: "Nette": Als ich den Fluss "Nette" überquerte, sah ich eine Ausschilderung zu einem Wasserfall. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, dass es hier in der Gegend einen Wasserfall geben sollte, aber wenn es ausgeschildert ist, kann man ja einfach mal dem Wegweiser folgen. Nach einigen Minuten kam ich zum künstlich angelegten Wasserfall. Doch, da im Fluss auch Wanderfische Leben, wurde eine Wassertreppe angelegt.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich gemerkt, dass ich auch kein Stativ dabei habe. Aber irgendwie hat das mit der Langzeitbelichtung ja doch geklappt.

Station 4: "Geologischer Informationsweg des Rheinlaufes": Wenn man dem Rhein von Quelle bis Mündung folgt, kann man eine geologische Zeitreise antreten. Der Rhein fließt nämlich durch Regionen, die in unterschiedlichen Zeiten entstanden.

Der linke Stein stammt aus der Jura-Zeit und ist etwa 150 Millionen Jahre jung. Hingegen ist der rechte Stein etwa 400 Millionen Jahre alt und gehört somit in die Paläzoikum-Ära.

Falls ihr keine Lust habt, die geologische Zeitreise von der Quelle bis zur Mündung "in echt" zu durchqueren, könnt ihr dies auch auf 100 Metern in Bad Hönningen erleben. Zu jedem ausgestellten Stein gibt es eine Infotafel mit mehr Informationen. Und falls ihr die Steine nicht in echt sehen wollt, könnt ihr euch auch auf der Webseite www.geologie-rheinlauf.de die Informationen holen.

Nun ist mein erster Fahrradurlaub vorbei und ich bereue ihn nicht. Meine Tage waren gefüllt, abwechslungsreich, erholend und lehrreich. In meinem nächsten Urlaub nehme ich mein Fahrrad bestimmt wieder mit, und zusätzlich noch eine Badehose.

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Kommentare (4)
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07.09.2016
Taki hat geschrieben:
Finde ich schön. Ich nutze in meinen Urlaub auch immer die Wanderwege in Deutschland. Wundervoll ausgebaute und ausgeschilderte Wanderwegenetz durchzieht Deutschland. Einfach schön einen Wanderwegurlaub zu planen. Natur pur. Man findet immer eine Unterkunft. Einen Bahnhof zum Nachhause kommen. Einfach schön so seinen Urlaub zu planen.
06.09.2016
Puma hat geschrieben:
Du warst in der Gegend, in der ich wohne. Freut mich, dass es dir so gut gefallen hat. Und ich muss sagen, de Drachenfelsen habe ich bis jetzt noch nicht besichtigt...^^' Aber scheint ein sehr schöner Urlaub gewesen zu sein. :D
05.09.2016
Jayfeather hat geschrieben:
Fahrradurlaub ist toll :)
Wobei das Zug fahren etwas stressig sein kann, gerade wenn man viel Gepäck dabei hat. Dann muss man erst alles abladen, Fahrrad rein, dann das Gepäck hinter her und beim aussteigen das gleiche. Aber oft trifft man ja andere Fahrradfahrer, die einem dabei helfen :)
04.09.2016
Cookie hat geschrieben:
Danke für den tollen Bericht und die wunderschönen Bilder, die der beste Beweis dafür sind, das man für einen Traumurlaub keineswegs ins Flugzeug steigen muss!
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