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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Die Wildnis vor der Haustür


von Franzi
04.07.2013
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Bei dem Wort Nationalpark denke viele zunächst an die wahrlich berühmten Parks in den USA und Kanada. Doch auch hier in Deutschland gibt es einige Nationalparks und es sollen noch mehr werden!
Das klingt doch erstmal nach einer klasse Idee, oder?

Nun, in Baiersbronn würden da nicht alle zustimmen. Die von der Fläche größte Gemeinde Baden-Württembergs liegt mitten im Schwarzwald. Mit ihren stolzen 80% Waldfläche hat die Gemeinde den größten Waldanteil im ganzen Bundesgebiet! Genau dort soll jetzt der Nationalpark Nordschwarzwald entstehen.
Das Konzept ist einfach: man will den Wald sich selbst überlassen, ihn „ aus seiner Nutzung nehmen“, wie Experten es nennen. Dadurch könnte das ökologische Gleichgewicht, was vielerorts durch die menschliche Nutzung durcheinander gebracht wurde, wieder hergestellt werden und Tier- und Pflanzenarten würden zurückkehren.

Aber nicht alle sind von dem Projekt begeistert. Besonders eine Sorge treibt die Nationalpark-Gegner um und sie ist klein und krabbelt: der Borkenkäfer.
Besonders die Erinnerungen an das Jahr 1999, als der Orkan Lothar im Schwarzwald wütete, sind noch allzu lebendig. Damals folgten dem Sturm Scharen von Borkenkäfern und machten sich über die entwurzelten und geschwächten Bäume her. Die Lieblingsnahrung von diesem kleinen Schädling sind nämlich Fichten - und gerade daraus besteht der Wald in Baiersbronn zu 60%. Die Angst der Nationalparkgegner ist nun, dass die Tiere zurückkehren und den Wald vollends vernichten, wenn es den Förstern und auch sonst niemandem mehr gestattet ist einzugreifen.
Außerdem fürchten sie um Betriebsschließungen auf dem Nationalparkgelände und einen Einbruch bezüglich der Touristenzahlen. „Der Wald gefällt unseren Gästen genau so, wie er jetzt ist. Warum muss da was geändert werden?“, fragt Martin Zepf, ein Hotelier aus Baiersbronn.

Doch es gibt natürlich auch so einige Argumente für den Nationalpark! Der Biologe Wolfgang Schlund erklärt: „Man würde manche Wege zuwachsen lassen. Denn der wahrhaft lebendige Wald ist der, den man sich selbst überlässt. Den Nationalpark als toten Wald zu sehen ist ein Angstbild.“ Und was ist mit der kommerziellen Nutzung? „Kein Betrieb würde schließen; im Gegenteil, es kämen mehr Gäste. Ein Nationalpark ist ja nicht dazu da, um die Menschen aus dem Wald zu vertreiben, sondern um sie in die Wildnis vor ihrer Haustür zu holen“, so Schlund weiter. Ein Gutachten von April, welches die Regierung Baden-Württembergs in Auftrag gab, um eine Prognose über die Entwicklung des Tourismus nach Eröffnung des Nationalparks abzugeben, übertraf sogar noch die Vorstellungen aller Beteiligten!
Was den Borkenkäfer angeht können die Baiersbronner eigentlich ganz beruhigt sein. Der Käfer befällt nur Bäume die älter sind als 60, 70 Jahre. Dadurch könnten große kahle Zonen gar nicht entstehen. Außerdem wird geplant sogenannte Pufferzonen mit anderen Baumarten anzulegen und eventuell befallene Bäume sofort zu fällen und zu entrinden, sodass sich der Käfer nicht weiter ausbreiten kann.


Doch die Anwohner sind nicht überzeugt. Bei einer Bürgerbefragung im Mai stimmten ganze 78% gegen den Park. Auch wenn dieses Ergebnis für die Politik nicht bindend ist, ist es doch ein starkes Argument.
Trotz aller Bedenken sollte weiter versucht werden die Menschen aufzuklären und zu zeigen, wie viel Gutes ein Nationalpark ihnen bringen kann. Und schließlich geht es nur um schlappe 0,7% Schwarzwaldfläche, also eigentlich ein verschwindend geringer Teil. Nichtsdestotrtoz ist es natürlich wichtig die lokale Bevölkerung miteinzubeziehen und ihre Sorgen zu hören.
Doch gibt es etwas Schöneres als einen wilden, sich selbst überlassenden wuchernden Wald voller Licht und Schatten, Tieren und Pflanzen, rascheln und grunzen und vor allem: voller Leben?

 

Quelle:

Die Zeit N°23 Printausgabe S. 57/58 

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Kommentare (2)
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08.07.2013
Morgentau hat geschrieben:
Ich habe mich auch schon ausführlich mit dem Thema beschäftigt, allerdings gibt es so viele Für- und Gegenargumente, dass es mir nicht gelungen ist, eine eigene Meinung zu bilden. Was ist eure?
04.07.2013
Niiura hat geschrieben:
Ich mache im Moment Praktikum bei der Biologischen Station ABU in Soest und gestern war genau das Thema bei einer Exkursion...erst meclkern die Leute und haben Angst vor der Veränderung und später stellen sie dann Fragen wie: "Und was hat sich jetzt verändert?" Einfach, weil die NAtur so natürlich ist;D Einer meiner Mitarbeiter meinte dann auch: Das beste Argument für einen Landschaftsökologen ist die Frage danach, was man verändert hätte^^
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