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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
"Die Jugend von heute und die Natur" - eine Kurzgeschichte


von Rhino
04.11.2013
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100 P

Die folgende Geschichte mit allen auftretenden Charakteren ist vollständig fiktiv. .

Die Herbstferien sind zu Ende und für die Jahrgangsstufe 7 des Albert-Schweizer-Gymnasiums steht schon bald eine Projektwoche zum Thema „Naturschutz“ an. Am ersten Schultag hat die Klasse 7a) zusammen Biologie. Die Lehrerin, Fr. Bermann, erzählt schockiert, was sie vor einigen Tagen in der Zeitung entdeckt hat: In England scheinen, laut einer wissenschaftlichen Studie, vier von fünf Jugendlichen kaum noch etwas für Natur oder Umwelt übrig zu haben „Erschreckend“, sagt Fr. Bermann: „Damit das bei uns nicht auch bald so endet, werdet ihr euch demnächst eine Woche lang in aller Genauigkeit mit der Vielfalt unserer Umwelt vertraut machen. Das ist ungeheuer wichtig, denn wer soll schließlich unsere wertvolle Natur in Zukunft erhalten, wenn nicht ihr?“. Als Erstes sollen deshalb zwei Gruppen mit jeweils zwei Leuten ein Referat zum großen Oberthema „Naturverbundenheit“ halten. Praktischerweise melden sich gleich vier Leute freiwillig: Alex, Jan, Nina und Felix. Der Rest der Klasse schaut gelangweilt in’s Leere. Die Schülervertretung hat sich vor den Ferien mit aller Kraft gegen das Thema „Naturschutz“ und für das Thema „Kommunikation und Internet“ eingesetzt – erfolglos.

Alex hingegen, freut sich schon riesig auf die Projektwoche. Stolz erzählt er, dass er diese Herbstferien (und auch die Herbstferien im vergangenen Jahr) bei seinem Onkel in Polen verbracht hat. Dort waren sie wie üblich im Wald unterwegs, haben Pilze gesammelt, gezeltet und Lagerfeuer gemacht. Mit seinem Cousin war er diesmal sogar zum ersten Mal Kanu fahren gewesen und auch Angeln stand dieses Jahr wieder mehrmals auf dem Programm.
Alex betont, dass er später viel lieber in Polen leben will, denn in Deutschland ist ja alles verboten. „Der Förster meckert jedes Mal rum, wenn man im Wald auch nur einen Meter vom Weg entfernt läuft und Pilze oder Beeren sammeln darf man auch nicht und Angeln schon gar nicht“.

Felix muss heimlich schmunzeln, Alex ist sein Nachbar und er war schon öfter mit ihm unterwegs, auch im Wald. Die beiden haben dort Buden aus Ästen gebaut, Frösche gefangen und sind auch schon ein paar mal zusammen vor dem Förster weggerannt. Er weiß genau, wie sehr sich Alex immer über das grüne Schild „Naturschutzgebiet“ ärgert, „Dies verboten, das verboten, als hätte meine Mutter das Schild aufgestellt“ mault er jedes Mal, wenn er den Warnhinweis zu Gesicht bekommt.

Seine Eltern wissen nichts von Alex’ Ausflügen in den Wald, sie haben ihm verboten, einfach so dort herumzutoben. „Das ist viel zu gefährlich“ sagt auch Felix’ Vater immer, deshalb müssen sich die beiden stets Ausreden einfallen lassen, wenn sie sich mal wieder gemeinsam in den Forst begeben wollen, so gehen sie meistens angeblich „in der City `n paar neue Pokemon-Figuren kaufen“ oder „zu Marvin, bisschen GTA zocken“ – damit haben die Eltern zum Glück keine Probleme.

Jan, der sich ebenfalls für das Referat gemeldet hat, muss bei Alex’ Ausführungen verächtlich den Kopf schütteln. „Wir können nur froh sein, dass man so was Ekliges wie Angeln hier bei uns nicht einfach so machen darf! Es wäre gut, wenn so was ganz verboten wäre“, kommentiert er entschlossen. Jan steht in seiner Klasse oft im Mittelpunkt, er ist einer der wenigen, die schon Facebook haben, dort hat er u. a. auch PETA geliked und PETA2. Seit einigen Wochen erzählt er oft, dass er Vegetarier geworden ist. Von den Jungs, einschließlich Alex, wird er dafür oft belächelt, einige nehmen es ihm gar nicht erst ab, doch bei den Mädchen hat sich Jan damit schon einiges an Sympathie erarbeitet. Jan betont, wie wichtig ihm Tier- und Naturschutz ist und wie schlimm er es findet, wenn Menschen Tiere einfach so töten, sowohl Jäger als auch Angler. „Die Fische haben dir doch nichts getan“ wirft Jan Alex vor.

Das stimmt Felix durchaus nachdenklich. Er denkt an den Frosch, den er mal im Wald in einem Glas eingefangen und in seine Tasche gesteckt hat und der dann auf dem weiteren Weg durch den Wald so durchgeschüttelt wurde, dass er am Ende gestorben ist. Damals hat er den toten Frosch einfach auf den Waldboden geworfen, ohne sich viel dabei zu denken - jetzt hat er auf einmal ein schlechtes Gewissen, vielleicht war die ein oder andere Aktion mit Alex im Wald im Nachhinein doch ein wenig bedenklich …

Fr. Bermann erzählt derweil, wie wichtig es ist, dass wir in Deutschland Naturschutzgebiete haben und das wir alle die Natur kennen und schützen sollten, anstatt sie als Spielplatz zu missbrauchen. Alex findet das ziemlich albern, er weiß, dass Jan Angst hat, Zecken auf seine „schöne Haut“ zu bekommen und deshalb niemals in den Wald geht, wie auch die meisten anderen Mitschüler. Von solchen Leuten lässt er sich nichts einreden.

Nun darf auch Nina zu Wort kommen und erklären, warum sie sich für das Thema „Naturverbundenheit“ gemeldet hat. Sie erzählt von all ihren Haustieren, sie hat ein Jemenchamäleon, mehrere Madagaskar-Taggeckos, eine Kragenchse und seit ein paar Monaten sogar eine echte Tigerpython. Stolz berichtet sie, wie viel Spaß es ihr macht, sich um die Tiere zu kümmern, sie zu füttern und die Terrarien einzurichten. „Man lernt so viel über die Tiere“, sagt sie begeistert: „ Wie sie leben, wann sie schlafen, was sie essen, wie sie essen und was sie so alles brauchen, wie sie sich häuten, wie sie Eier legen, die Geckos haben dieses Jahr sogar Babys bekommen“. Nina erzählt auch, wie stolz ihre Eltern sind, weil sie ganz allein die Verantwortung für all die Tiere übernimmt und immer dafür sorgt, dass die Terrarien sauber und richtig liebevoll gestaltet sind, so dass sie angeblich ein echtes Stück der Natur von Australien, Indien oder Madagaskar zeigen.

Felix hört gespannt zu, er durfte letztes Jahr im Zoo mal eine Schlange auf die Hand nehmen und hat seine Eltern seitdem immer wieder gefragt, ob er ein Terrarium haben darf, doch diese waren bisher stets dagegen. Auch die meisten Mitschüler finden Ninas Hobby eher eklig, vor allem das Füttern mit Insekten oder Mäusen. Jan ist besonders empört darüber. „Tiere gehören nicht in ein Terrarium, du solltest sie freilassen“ fordert er: „ Und die Insekten haben auch ein Recht zu leben“. Nina reagiert sehr verärgert: „Du hast doch gar keine Ahnung“ sagt sie wütend, „Sie kriegen Babys, sie essen und häuten sich auch – warum sollte es ihnen nicht gut gehen? Kümmer’ du dich doch mal selbst um ein Tier, anstatt hier einfach nur rumzumeckern“. Das lässt Jan nicht auf sich sitzen: „ Ich hab auf WWF.de und PETA.de schon richtig viel über Tiere und Tierschutz gelesen, auch über Frösche und andere Reptilien weiß ich gut bescheid“, prahlt Jan, Nina verdreht die Augen.
Fr. Bermann will den Streit nicht weiterführen und fragt den letzten der vier, Felix, warum er sich für das Thema „Naturverbundenheit“ entschieden hat.

Felix will sofort antworten, doch ehe er etwas sagen kann, erklingt der Gong und die Klasse verlässt eilig den Biologieraum. Auf den Weg in die Pausenhalle lässt Felix die Sprüche und Geschichten der Stunde in seinem Kopf Revue passieren … und recht schnell kommt da eine ziemlich schwierige Frage auf: Mit wem soll er jetzt bloß zusammen das Referat machen?

Nun ... was meint ihr? Gibt es hier einen richtigen Ansprechpartner in Sachen Naturverbundenheit?

Text & Fotos: Maxim Podobed

 

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Kommentare (18)
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Sortieren nach Aktualität:
20.11.2013
FranziL hat geschrieben:
Erstmal find' ich die Geschichte echt gut , es ist alles sehr realitätsnah beschrieben.
Mit wem Felix das Referat machen sollte ist 'ne gute Frage, die ich nicht beantworten kann, denn ich finde mich mehr oder weniger in allen Charakteren wieder und alle haben irgendwo Recht und Unrecht.
Morgentaus Idee ist vielleicht die beste, denn zu viert hätten sie eine gute Mischung und es wäre von allem was dabei.
08.11.2013
Morgentau hat geschrieben:
Ich finde die Geschichte auch sehr schön.

Allein käme Felix wahrscheinlich am besten voran, aber vielleicht dürfen sie es auch zu viert machen... Dann kämen viel mehr unterschiedliche Aspekte zur Geltung, das wäre doch bestimmt interessant.
07.11.2013
JohannesB hat geschrieben:
Echt klasse geschrieben. Realitätsnah und zugleich ein Anstoß zum Nachdenken Philosophieren ;)
Und Carina hat's dann wirklich auf den Punkt gebracht: "Sie (die Natur) zu lieben und zu achten, aber auch für seine Lebensgrundlage zu nutzen - ohne sie dabei zu zerstören."

Vielleicht hält Felix ja sein Referat alleine ... Würde mich nicht wundern ;)
07.11.2013
Carina hat geschrieben:
@Monamona: "Weltmist" *lach* :D Find ich gut.
07.11.2013
Nora2.0 hat geschrieben:
Sehr gute Geschichte!
Und leider muss ich Stoffie zustimmen. Sehr schade soetwas!
07.11.2013
Stoffie hat geschrieben:
Zuerst mal Maxim: wirklich sehr sehr gut geschrieben! :)
aber die charaktere die es gibt kennt man wirklich alle. leider allerdings vor allem die die gar nichts für die umwelt unternehmen wollen und die gibt es leider überall und zu viele...
07.11.2013
Monamona hat geschrieben:
Ups, sollte nicht Weltmist heißen, auch wenn das eine schöne Worterfindung ist... *Welt ist*
07.11.2013
Monamona hat geschrieben:
@Carina: Vielleicht hat jeder eine eigene Meinung, aber ich glaube, Pandafreundin und ich sind nicht die Einzigen, die deine Meinung teilen :)
Schöne Geschichte mit spannender Schlußfrage.. Und ich führe mit meinen Eltern auch den Kampf, ob ich alleine in den Wald darf. Jetzt wurde es mir im Stadtwald erlaubt und im "richtigen Wald" muss ich vorher einen Selbstverteidigungskurs machen... Komische Weltmist das geworden. Meine Eltern durften noch in den Wald......
06.11.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
06.11.2013
Pandafreundin hat geschrieben:
Also die Geschichte ist auf jeden Fall sehr realistisch.
Gefällt mir auch sehr gut, denn die verschiedenen Ansichten kommen gut raus und man kann sich in gewisser Weise mit Jedem identifizieren - dadurch wird das Problematische auch klar.
Ansonsten bin ich der Meinung von Carina :)
Also Daumen nach oben ;)
06.11.2013
Puma hat geschrieben:
Klasse Bericht. :) Die Story find ich echt toll und auch die unterschiedlichen Ansichten zur Naturverbundenheit sind interessant.
Ich wüsste aber auch nich,mit wem ich das Referat halten sollte.
06.11.2013
Carina hat geschrieben:
Super Geschichte. An Felix' Stelle wüsste ich auch nicht, mit wem ich da ein Referat würde machen wollen. Eigentlich mit keinem ...

Meine Vorstellung von Naturverbundenheit ist weder, die Natur rücksichtslos wie einen Erlebnisspielplatz zu missbrauchen, noch als Veganerin jedes Leben eines Tieres als unantastbar zu betiteln und genausowenig eingesperrte Tiere zu pflegen und zu beobachten. Ich würde sagen, wahre Naturverbundenheit liegt darin, in Harmonie mit ihr zusammenleben zu können. Sie zu lieben und zu achten, aber auch für seine Lebensgrundlage zu nutzen - ohne sie dabei zu zerstören.

Aber vermutlich hat jeder seine individuelle Vorstellung von Naturverbundenheit.
05.11.2013
vince hat geschrieben:
mmh da gibt es parallelen zu meiner klasse... immer nur ein paar Leute die sich wirklich um Umweltschutz und Energiesparen kümmern... die Charaktere sind dann aber doch n bisschen anders...
05.11.2013
somebodywholovesourearth hat geschrieben:
Die Charaktere haben ähnliche Ansichten wie viele Jugendliche aus meiner Stufe.
Bedeutungsvoller Bericht!:)
05.11.2013
killerwal hat geschrieben:
Echt tolle Geschichte!! ich finde sie super! du hats so viele aspekte eingebracht und da schön formuliert. Meine Eltern lassen mich auch nicht alleine in den Wald, weil dort angeblich mörder rumhausen und mich töten könnten. ich weiss nicht warum sie mir solche angst machen. im wald ist odch nichts schlimmes und es ist toll. ich habe vor ein paar wochen alleine eine kleine wandertour in den wald gemacht mit rucksack und ich fand es toll so allein mit den tieren, firsche luft, freiheit. sie hat so ca. 3 stunden gedauert und ich habe mich danach so gut gefühlt. >o)
05.11.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
05.11.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
05.11.2013
midori hat geschrieben:
WOW! Wunderbare Kurzgeschichte mit vielerlei unterschiedlichen Aspekten. Echt toll! Ich kann mich in alle Charaktere zum Teil hineinversetzen. Im Wald spielen - super! Fische angeln? Doof! Tiere zuhause beobachten - gut für das Kind, aber nicht für das Tier. Spannendes Thema!!
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