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Die große Flut


von Lautlos
03.06.2013
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Zum Bau der Arche Noah hatten wir hier in Bayern leider keine Zeit mehr, auch wenn sie vermutlich bald nötig gewesen wäre. Das schlimmste Hochwasser der letzten 50 Jahre versetzt freiwillige Hilfskräfte, Krankenhäuser, Feuerwehren und die Polizei in einen Ausnahmezustand. Der Katastrophenfall wurde ausgerufen.
Man sieht es oft im Fernsehen: Überflutete Straßen, gefüllte Keller, zerstörte Ernten, doch bei uns? Ab und zu erhöhter Pegel, kein Grund zur Sorge, alles gut. Man sitzt warm und gemütlich vor dem Fernseher, und insgeheim verspürt man große Erleichterung, nicht gerade in einem solchen Krisengebiet fest zu sitzen.
Sirenen heulen, mein Bruder kommt zur Tür rein, zieht sich trockene Klamotten an und schlüpft zurück in die Feuerwehrausrüstung, die ihn sofort wieder mit kaltem Regenwasser durchtränkt. Meine Nichte weint, sie hat Angst um ihren Papa, der schon die ganze Nacht draußen unterwegs ist und bei strömenden Regen Sandsäcke füllt. Die Autobahn gleicht einem See, die Leute sitzen überall fest, die Züge fallen aus, die Dämme brechen. Ein Bauer vermisst von seinen 60 Kühen immer noch 20, die vermutlich auf der überfluteten Wiese ertrunken sind.
Heute Morgen: Endlich, kein Regen mehr. Doch in Rosenheim bricht der Damm, die Innenstadt droht, überflutet zu werden. Mein anderer Bruder packt das Boot aus. Dienstag wollen wir auf unsere Alm fahren, dort hat sich in einer Senke ein kleiner See gebildet, wie es ihn schon seit vielen Jahren nicht mehr gab. Ertrunken ist bis jetzt nur eine Radfahrerin, die die Gefahr unterschätzt hat, die Schäden an Häusern und Eigentum sind jedoch noch nicht auszumachen. Viele hier haben keine Versicherung für solche Fälle. Warum auch?
Die Menschen sind hilflos im Angesicht solcher Naturgewalten, die teils dem Klimawandel, teils dem eigenen Unvermögen zuzuschreiben sind.
Der Mensch hat bauliche Weichenstellungen betrieben, die diesen Trend verstärken. Begradigte Bäche und Flüsse, ohne Auen, werden zum Verhängnis. Es sind so Kanäle entstanden, die nur bestimmte Wassermengen transportieren können. Auch spielt hier die großflächige Versiegelung von Flächen eine Rolle. Dort wo Wasser früher versickerte wird es heute kanalisiert. Die Folgen sind verheerend, wenn der geschaffene Kanal die Wassermengen nicht mehr transportieren kann. Zudem wurde den Meeren manch Landstrich abgetrotzt durch Deiche oder Dämme. Die weltweite Erhöhung des Meeresspiegels fordert hier nun ihre Opfer und wird sie weiter fordern. Zu bedenken ist: Nicht nur die Höhe eines Deiches oder Dammes spielt eine Rolle. Je mehr Wasser gestaut wird, desto höher wird der Wasserdruck. Der Druck auf Deiche und Dämme wird also zunehmen.
Gegenmaßnahmen wären:
Weniger versiegelte Flächen
Mehr Flüsse in ihren natürlichen Betten belassen
Umweltverschmutzung drastisch einstellen
Siedlungspolitik dahingehend abwenden, dass gefährdete Gebiete gar nicht mehr bebaut werden dürfen
 

Der strömende Regen hat aber auch seine Vorteile: Der Wald kann sich erholen. Er saugt das Wasser auf wie ein Schwamm und speichert Vorräte für Trockenzeiten. Außerdem wird so der Borkenkäfer bekämpft, der sich ausschließlich bei trockenem und heißem Wetter ausbreiten kann.

Man spürt, dass die Welt sich langsam wandelt, und es wird Zeit, angemessen darauf zu reagieren.

 

Quellen:
http://www.klima-wandel.eu/ueberschwemmung.html
Internet allgemein
Örtliche Zeitung: OVB

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Kommentare (4)
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05.06.2013
Kerstin hat geschrieben:
Wirklich klasse Bericht. Es stimmt wirklich, dass wir an unserer Lage selbst Schuld sind. Hier bei uns in Oberösterreich sind wir ebenfalls ziemlich stark betroffen. Bei vielen meiner Freunde steht das Wasser nicht nur im Keller, sondern hat sich auch schon über das Erdgeschoss ausgebreitete. Aber auch total rührend, wie sich im Moment alle helfen. Jeder packt beim Aufräumen mit an. Jetzt heißt es nur noch hoffen, dass nicht noch mehr Regen kommt...
03.06.2013
RichardParker hat geschrieben:
Das stimmt, klasse Bericht! Aber jetzt muss etwas getan werden, bevor nicht nur die Erde sondern auch wir auf irgendeine Weise dafür gerade stehen müssen!!
03.06.2013
MJ1499 hat geschrieben:
Ich stimme hier auch zu, und finde es genauso schlimm, wie viele andere hier auch. Ein bisschen Platz für schwarzen Humor habe ich allerdings auch, und von daher bleibt mir noch folgendes zu sagen:

Ihr in Bayern habt keine Arche nötig, ein Schlauchboot tut es auch...und das steht schon seit Jahren in München bereit ;)
03.06.2013
Stoffie hat geschrieben:
sehr gut geschrieben.
Man muss sagen du hast recht. Nur wollen die meisten Menschen das nicht wahr haben... Und die Maßnahmen sind gut, aber wie man unsere Politik kennt wird da warscheinlich nicht viel umgesetzt......
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