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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Der Sensemann


von Nivis
10.07.2011
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Ein Mann, der mit einer Motorsense augenscheinlich eine Wiese bearbeitet. Betrachtet man dieses Bild, so wird einem schnell klar: Hier findet ein Eingriff in die Natur statt.
Das Wort „Eingriff“ hat für uns einen sehr negativen Beigeschmack, denn oft führt er dazu, dass Pflanzen aussterben, Tiere ihre Heimat verlieren und Menschen ihre Lebensgrundlage.

Doch so paradox es klingen mag, der Einsatz der Sense ist oft ein wichtiger Schritt zur Erhaltung der Artenvielfalt.

Ein Beispiel hierfür ist das Naturschutzgebiet Löcknitztal.
Die Blühwiesen sind das eigentliche Schutzobjekt“, sagt Dr. Gerhard Ziebarth, „sie stellen den Lebensraum für einige seltenen Arten. Als Referenzorganismus wird gerne die Orchidee herangezogen. In unseren Blühwiesen wächst zum Beispiel das gefährdete Breitblättrige Knabenkraut".
Dr. Gerhard Ziebarth ist der Vereinsvorsitzende der Interessengemeinschaft Löcknitztal, die sich dem Naturschutzgebiet verschrieben hat. Regelmäßig kümmern sich ihre Mitglieder darum, dass Blühwiesen gemäht, sowie Bäume und Büsche entfernt werden.

Doch, warum?

Wirft man einen Blick in die Geschichte so stellt man fest, dass diese Fläche bis weit in das 18. Jahrhundert hinein ganz von Erlen- und Weidenbrüchen sowie von Röhricht entlang des Baches bedeckt war. Erst mit der Bewirtschaftung des Niedermoors entlang der Löcknitz durch die Menschen und durch die Schaffung einzelner Mähwiesen für Ziegen- und Kuhherden konnten offene Flächen und damit einhergehend die große Artenvielfalt entstehen.
Ließe man nun der Natur wieder freien Lauf, würde eine Sukzession eintreten, das heißt stärkere und robustere Pflanzen würden sich einschleichen und die Wiesenflächen einnehmen.
So würden sich im Falle des Löcknitztals zunächst über Zwischenstadien nach und nach vor allem Seggenriede durchsetzen. Das Endstadium wäre ein verzahntes Gemisch von Erlen- und Weidenbruchwäldern – wie schon zu früheren Zeiten.
Dieser Vorgang würde besonders den Tier- und Pflanzenarten der Offlenlandschaft zusetzen, wie z.B. der Bekassine, dem Neuntöter, dem Braunkehlchen und einigen seltenen Schmertterlingsarten und führte schlussendlich zu einem Artenverlust.


Ein Rückgang der menschlichen Aktivität bedeutet somit im Umkehrschluss auch ein Verschwinden des geschaffenen Lebensraumes und einen Rückgang der Artenvielfalt.

Das Biotop-Management von Dr. Ziebarth und seinen Kollegen ist also in vielerlei Hinsicht notwendig – und erstreckt sich nicht nur auf die Offenlandschaften. Auch einige Erlen- und Weidebruchwälder bleiben erhalten.
"Auch sie sind schützenswert", erklärt Gerhard Ziebarth. "Große Bestände lassen wir unberührt. Nur an manchen Stellen greifen wir ein und versuchen mosaikartig einige offene Flächen zwischen den Erlen- und Weidenbeständen zu erhalten, um somit die Mannigfaltigkeit des Naturschutzgebietes zu bewahren."

Die menschliche Einflussnahme wird jedoch nicht zwingend von Menschen praktiziert. Oft werden Rinderherden als „Ökoräsenmäher“ eingesetzt, wie z.B. in den Naturschutzgebieten Höltigbaum bei Hamburg und Döberitzer Heide nahe Berlin. Die Rinder leistetn dort einen wertvollen Beitrag zur Entkusselung– sprich dem Entfernen von Strauch- und Baumwuchs – denn sie knabbern an Pappeln, Birken und Weiden und knicken diese.


Beide Naturschutzgebiete stellen außerdem Beispiele dafür da, dass menschliche Eingriffe in die Natur auch zum Anstieg der Artenvielfalt führen können. Beide verdanken ihre Artenvielfalt militärischen Aktivitäten, denn ihre Flächen wurden für den Übungsbetrieb offen gehalten, sodass sich eine halboffene Landschaft mit weitläufigen Grasfluren entwickelte. Somit konnten sich viele Tier- und Pflanzenarten dort niederlassen und ansiedeln.

 

 

 

 

 

Quellen:
http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/68648.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Seggenried
http://de.wikipedia.org/wiki/Bekassine
http://de.wikipedia.org/wiki/Neunt%C3%B6ter
http://de.wikipedia.org/wiki/Braunkehlchen
http://www.loecknitztal.de/
http://www.doeberitzer-heide.de/
http://hamburg.nabu.de/projekte/hoeltigbaum/nabuundhoeltigbaum/05237.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Entkusselung
© Carsten Nadale / pixelio.de
© Evelyn Simak
© Thomas Huntke

 

 

 

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Kommentare (8)
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12.07.2011
Punky hat geschrieben:
Haben wir neulich in der Schule auch durchgenommen =) Ist schon ziemlich faszinierend welchen Lebensraum Kulturlandschaften erschaffen können.
12.07.2011
Janine hat geschrieben:
Wir haben mit einem Unikurs auch mal eine "Baumfäller-Exkursion" in die Eifel gemacht. Mit Sägen haben wir dort Bäume auf einem Kalkrasen gefällt und so den Blumen und Schmetterlingen Platz gemacht. Mir taten die Bäume aber schon ein bisschen leid.. ;o) Danke für den schönen Bericht!
12.07.2011
LaLoba hat geschrieben:
Ein interessantes Thema. Guter Bericht!
11.07.2011
LSternus hat geschrieben:
Toller Artikel.Wusst ich vorher nicht, find ich aber gut :)
11.07.2011
Qilana hat geschrieben:
Guter Artikel! Zeigt, dass Menschen nicht nur immer alles zerstören, sondern auch etwas schaffen können! :)
11.07.2011
MJ1499 hat geschrieben:
Interessant...wusste ich auch nicht, aber klingt gut :)
11.07.2011
midori hat geschrieben:
Super coole und notwendige Sache! Echt interessant! Danke für den Bericht Michaela! :o)
10.07.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Wusste ich nicht! xD :)
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