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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Der Mythos vom "Bösen Wolf"


von girlofnature
27.02.2013
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Äsop: Der Wolf und das Lamm
Zum gleichen Bach kamen ein Wolf und ein Lamm, um dort zu trinken. Der Wolf stand oben am Wasser, das Lamm ein Stück abwärts. Der gierige Räuber suchte Streit: »Warum trübst du mir das Wasser, das ich trinken will?« Das Lamm entgegnete zitternd: »Wie kann das sein? Das Wasser fließt doch von dir zu mir herab.« Der Wolf gab sich nicht zufrieden: »Vor einem halben Jahr hast du übel von mir geredet.« »Da war ich noch nicht geboren«, versetzte das Lamm. »Dann ist es eben dein Vater gewesen!«, schrie der Wolf, und ohne weiter nach Gründen zu suchen, packte er das Lamm und fraß es.


„ Hier haben wir es mit einer klassischen Fabel zu tun. Im Gegensatz zum Märchen siegt, wie hier, auch manchmal das Böse. Außerdem enthalten Fabeln immer eine Lehre.“ Ah ja, denke ich mir…hier ist die Lehre wohl, dass Wölfe immer Streit suchen, grausam und gemein sind. Doch nicht nur in dieser Fabel stehen diese Tiere für das Böse. Wer kennt sie nicht, die großen Märchen der Gebrüder Grimm…Rotkäppchen wird ebenso wie die Großmutter von dem Raubtier verschlungen, drei kleine Schweinchen können ihm gerade noch entkommen und bei den sieben Geißlein ist es ein happy end, als der Wolf im Brunnen versenkt wurde!? Auch Märchen enthalten eine Lehre, wie man in der Schule lernt. Kleine Kinder hören sie gerne, das Gute gewinnt – der Wolf gewinnt nie! Doch woher kommt der Mythos vom bösen Wolf und weshalb haben auch heute noch Menschen Angst vor den Tieren?


Im Grunde ist der Wolf ein Intelligentes Tier, respektvoll gegenüber seinen Genossen und hat ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Das wussten die Menschen auch schon lange vor unserer Zeit. Besonders hervorzuheben sind die Indianer, die das Tier sogar als eigenen Gott verehrten und es für seine Eleganz, Klugheit und ausgeklügelte Jagdtechnik bewunderten. Vor etwa 5000-10.000 Jahren begann man mit der Landwirtschaft und Nutztierhaltung. Schafe und Ziegen wurden gefangen und gezähmt. Da die Winter sehr kalt waren, war es für die Wölfe schwer, Wild zu finden oder zu fangen. Deshalb rissen sie des Öfteren Schafe und Rinder. Die Bauern bekamen es mit der Angst zu tun und der Mythos des mordenden Wolfs entstand – dass es den Wölfen dabei auch nur ums Überleben ging, interessierte nicht.


Auch ein Grund, warum der Wolf als beängstigend gilt, ist wohl das Heulen, das sich ziemlich geisterhaft anhört. Der Wolfsgesang gilt als Zeichen der Zusammengehörigkeit, zur Abgrenzung des Reviers und auch zur Einstimmung auf die nächtliche Jagd (nur von alten und kranken Tieren, versteht sich). Damit das Heulen möglichst weit zu hören ist, legen die Wölfe den Kopf in den Nacken, was das magische Bild des Wolfs erzeugt, der nachts den Mond anheult.


Ebenso einfach ist der Mythos des einsamen Wolfes zu erklären. Um Energie zu sparen, laufen die Wölfe im Winter immer in der Spur des Vordermanns. So sieht man immer nur eine Spur, egal, wie viele Wölfe dort gegangen sind.


Ein weiteres Vorurteil ist die Mordlust und Grausamkeit der Wölfe gegenüber Menschen. Es sind zwar Fälle bekannt, in denen Menschen von Wölfen verletzt oder sogar getötet wurden, aber das hat oft einfache Gründe. Bei den meisten Fällen litt das angreifende Tier an Tollwut oder die Menschen haben den Wolf gereizt oder verängstigt. Im Normalfall flüchten die scheuen Tiere aber sowieso, wenn sie einen Menschen sehen oder wittern.
Man sieht, es gibt viele Gerüchte und Vorurteile, was den Wolf angeht, doch alle sind einfach zu erklären.


Seit einigen Jahren leben wieder Wölfe bei uns in Deutschland und es werden erfreulicherweise auch immer mehr. Doch viele denken skeptisch darüber, sie haben eben jenes falsche Bild dieser eigentlich so wunderbaren Tiere im Kopf. Und deshalb müssen wir mit den Vorurteilen aufräumen und eine Lösung für die Schäfer und Bauern finden.
Ein Anfang ist bereits gemacht. Die Nutztierhalter haben die Möglichkeit, Geld für die nötigen Sicherheitsvorkehrungen (Hunde, Zäune usw.) zu fordern und Schadensersatz für von Wölfen gerissene Tiere zu verlangen. Es gibt sogar eigene Wolfsmanager, die die Nutztierhalter beraten.      Die Jäger, die sich ebenfalls beschweren, dass durch den Wolf ihre Jagdbestände beeinträchtigt werden, haben kaum einen Grund für ihre Einstellung. Wölfe jagen vor allem alte und kranke Tiere, welche meines Wissens von Jägern nicht oft geschossen werden. Außerdem wurde bei Studien nichts festgestellt, was die Anzahl der erlegten Tiere in Wolfsgebieten betrifft. 

 

Und was ist jetzt hier die Lehre? Der Wolf ist alles – fürsorglich, familienliebend und sozial, intelligent, stolz und elegant – nur eines ist er nicht: böse.

Deshalb räumt den Mythos vom bösen Wolf aus dem Weg und unterstützt ihn bei seiner Rückkehr nach Deutschland!  

 

 

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Kommentare (6)
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01.03.2013
Niiura hat geschrieben:
Meine Worte=D
28.02.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Super Artikel! So habe ich die Märchen der Gebrüder Grimm noch nie betrachtet. Aber es ist wahr. Wölfe werden immer als die Bösen dargestellt, obwohl sie es garnicht sind. :-)
28.02.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Super Artikel! So habe ich die Märchen der Gebrüder Grimm noch nie betrachtet. Aber es ist wahr. Wölfe werden immer als die Bösen dargestellt, obwohl sie es garnicht sind. :-)
28.02.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Super Artikel! So habe ich die Märchen der Gebrüder Grimm noch nie betrachtet. Aber es ist wahr. Wölfe werden immer als die Bösen dargestellt, obwohl sie es garnicht sind. :-)
27.02.2013
Zerschmetterling hat geschrieben:
Ich glaube, dass Wölfe in Märchen oft die Bösen sind, weil sie etwas mystisches an sich haben, was auch etwas unheimlich wirken kann. (Ich persönlich bin von diesem mystischen eher fasziniert.)

Aber diese Figur, die dem Wolf in Märchen zugeschrieben wurde, sollte auch im Reich der Märchen bleiben. Denn in der Realität, sind es liebenswerte, soziale und außerdem meist menschenscheue Wesen.

LG :)
27.02.2013
AlinaSky hat geschrieben:
Guter Artikel! Und es ist wahr: Wolfe sind tolle Tiere und das sie böse sind ein Mythos. Hoffentlich werden das auch die Landwirte, Jäger und alle anderen Wolfskritiker noch begreifen!
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