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Der "Gutmensch" - zwei Seiten der Medaille


von Anticap
01.03.2016
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Der Gutmensch


Gutmensch als Beschimpfung! Ich werde verrückt. Seit wann soll es als beleidigend empfunden werden, Gutes zu tun? Aber ist das wirklich so einfach in Schwarz-Weiß zu sehen?


Um ehrlich zu sein, nutze ich dieses „Schimpfwort“ auch manchmal, aber andererseits nenne ich mich auch manchmal selber Gutmensch.

 

Was heißt denn überhaupt „Gutmensch“? Ein Mensch, der Gutes tut?!


Aber in unserer Gesellschaft kann das auch heißen: ein Mensch, der SICH Gutes tut. Und da liegt ein Problem.

Es sind nicht die engagierten Mitbürger, sondern die, welche dies nur machen, um sich in sozialen Netzwerken oder vor Freunden gut dastehen zu lassen. Bei ihnen ist die Bezeichnung durch und durch ironisch zu sehen. Es sind Menschen, die Gutes tun, solange es in ist oder in den Medien behandelt wird. Umweltschutz als Selbstdarstellung sehe ich zum Beispiel dann, wenn ich von jemanden mit Pelzkragen angesprochen werde, dass eine vegetarische Ernährung gut tue. 

Keine Frage, seitdem veggie in ist, ist das Sortiment unendlich gewachsen und das ist toll. Meine Sorge ist nur, dass dies alles genauso schnell wieder vergessen wird, aber ich denke manchmal muss man auch optimistisch sein.

 

Jedoch sind es auch die aufrichtigen, aber kompromisslosen Missionare.

Ich bewundere jeden, der sein Leben auf vegan umstellt oder sich stundenlang im Winter auf Demos die Hände abfriert.

Das ist motivierend und die Menschheit muss aufgeklärt werden, sei es über Tierversuche, Tiermassaker in Taiji oder der Pelzindustrie oder über vegane Ernährung.

Aufklärung ist wichtig und Überzeugungsarbeit ebenso – aber wie immer ist die Frage „wie?“ entscheidend.

(c) flickr creative commons: Hartwig HKD https://www.flickr.com/photos/h-k-d/

 

Keine Frage, es ist schwierig höflich zu bleiben, wenn man drei Stunden auf einem Weihnachtsmarkt Flyer verteilt und man gesagt bekommt, dass alles nichts bringe und niemand an seinem Verhalten etwas ändere.

Wenn aber jetzt die Missionierung anfängt und es Vorwürfe hagelt, dann hat man nicht nur sich selber sinnlos aufgeregt, sondern auch das Klischee eines militanten Tierschützers erfüllt und auch wenn das in meinen Augen nicht so schlimm ist, bringt es niemanden weiter.

Jemand, der nur Vorwürfe hört, reagiert empfindlich und abweisend auf Überzeugungsarbeit.

Schon oft konnte ich feststellen, dass in einem ruhigen Gespräch (was idealerweise, aber leider nicht immer von beiden Seiten geführt wird) wesentlich mehr mitgenommen wurde als in einem hitzigen Streit.

Auch wenn zweiteres bei manchmal eindeutig leichter erscheint.

 


Was ich eigentlich sagen möchte ist, dass „Gutmensch“ abwertend verwendet wird, weil die Leute denken, man selbst würde sich als besser ansehen. Dadurch fühlen sie sich häufig angegriffen.

Dass sie das sowieso tun, wenn man nur erwähnt, dass man kein Fleisch isst, muss ich, glaube ich, niemanden sagen, aber der einzige Weg dagegen anzukommen, ist Verständnis ohne Vorwürfe. Überzeugen ohne zu überreden, denn, wenn jemand nur zustimmt, um von dem Gelaber wegzukommen, ist das das genaue Gegenteil von dem nachhaltigen Geisteswandel, der eigentlich das Ziel ist.


Deswegen mein Appell an euch alle: Jeder noch so kleine Schritt in eine bessere Welt ist wichtig und durch die guten Argumente, die ein jeder für seine Sache hat, wird es uns gelingen, die Welt zu verändern.

Aber lasst es uns gemeinsam auf eine Art machen, die überzeugt und nicht durch Gruppenzwang oder schlechtes Gewissen überredet!  

 

Wie seht ihr das?

(c) flickr creative commons Günter Klarner https://www.flickr.com/photos/guenterklarner/

 

Bilder: flickr cc

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Kommentare (6)
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06.03.2016
Buchenblatt hat geschrieben:
Super Artikel! Ich denke auch, dass man am ehesten Veränderungen anstößt, wenn man sich auf Augenhöhe unterhält und auch die Gegenargumente akzeptiert. Und dabei sollte man nie vergessen, dass Weltretten so auch Spaß macht und Menschen auf der ganzen Welt verbindet.
03.03.2016
Luke24 hat geschrieben:
Sehr interessanter Bericht.

Ich finde insbesondere die deinerseits angerissene Frage, ob für eine gute Tat eine redliche Absicht oder aber das letztlich erreichte Ziel maßgeblich ist, sehr spannend (wird eine an sich gute Tat schlecht, wenn man sie ausschließlich der Selbstprofilierung wegen unternimmt?).

Im letzten Teil stimme ich dir voll und ganz zu. Überzeugung ist in hitzigen Debatten so gut wie unmöglich, in ruhigen Einzelgesprächen stehen die Chancen hierfür bestimmt besser.
02.03.2016
Anticap hat geschrieben:
Hi :) @gangsterhunnie wow, so hab ich das auch noch nicht betrachtet :D
02.03.2016
Fencer hat geschrieben:
@Gangsterhunnie Finde ich auch
02.03.2016
Gangsterhunnie hat geschrieben:
*genau
02.03.2016
Gangsterhunnie hat geschrieben:
Toller Bericht! Ich hätte noch eine Vermutung, was Gutmensch für manche Bedeuten könnte: Die ganzen "coolen" Leute, oder die, die immer nur das tun, was grade in ist, (zurzeit sind alle möchglicht rücksichtslos und zeigen keine Gefühle) könnten ja auch glauben, dass man Schwach ist, wenn man als Gutmensch bezeichnet wird. Sie finden also, dass freundlich sein und hilfsbereit sein schlecht oder so ist. Aber genau dieser Egoisnus hat uns doch dahin geführt, wo wor jetzt sind. Der Limawandel, usw. und geanau das wollen wir doch nicht. Also: Wenn du als gutmensch bezeichnet wirst, weißt du, dass du alles Richtig gemachte hast!
Aber deine Auffassungen sind natüelich auch richtig. ^^
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