Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Bäume III:Vom nahezu größten heimischem Baum und zitterndem Espenlaub


von Gluehwuermchen
06.06.2014
2
0
100 P

Wer ist einer der großwüchsigsten heimischen Bäume und wird über 200 Jahre alt? Ein Tipp: unpaarig gefiederte Blätter mit 4-6 Fiederpaaren, die etwa zehn Zentimeter lang und vier Zentimeter breit sind, mit leicht behaarten Hauptnerven...
Es ist die Esche, Fraxínus excélsior, sie gehört zu den Ölbaumgewächsen. Sie wird tatsächlich bis zu 40 m hoch, mit hochgewölbter, zylindrischer Krone und steil aufgerichteten Hauptästen. Die Borke ist längsrissig, breit gerippt und grau. Der große Baum blüht vor Laubaustrieb in unauffälligen Rispen, männlich und weiblich oder zwittrig. Die Knospen sind schwarz und behaart. Später bildet sie flache Flügelnüsschen.

Die Esche ist verbreitet bis häufig, auf nährstoffreichen, sickerfeuchten lockeren Ton- oder Lehmböden in Auen- oder Schluchtwäldern, sehr häufig als Parkgehölz vorzufinden. Sie ist lichtliebend und lichtdurchlässig und hat tief reichende Wurzeln, die zusammen mit ihrer nahrhaften Laubstreu humusbildend und bodenlüftend wirken.
Ihr helles Holz wird in der Möbeltischlerei sehr geschätzt. Es wird auch für Sportgeräte (Barrenholme etwa) oder Leitersprossen verwendet.

Die Esche wurde früher gegen Gicht und Rheuma verwendet. Blätter, Rinde und Früchte wirken wassertreibend, abführend, blutreinigend, harnsäuresalzlösend und die Samen sollen Leber und Milz stärken. Als Erste-Hilfe-Mittel gebrauchte man die Innenseite der Rinde auf blutenden Wunden als Desinfektionsmittel.
Die Blätter sollen in den Schuhen müder Wanderer wohltuend wirken.

In der altnordischen Mythologie wird die Menschheit aus Askr und Embla geschaffen, die Frau aus der Ulme, der Mann aus der Esche.
In Schottland sagte man der Esche einen positiven Einfluss auf Neugeborene nach. Babys bekamen Eschensaft zu trinken und Eschenzweige legte man in der Geburtsstube ins Feuer.

Nach alten keltischen Bräuchen enthielt jedes Boot irgendwo Eschenholz, um nicht zu sinken. Noch während der Auswanderungswelle des letzten Jahrhunderts nahmen die Iren ein Stückchen Eschenholz mit auf ihrer langen Reise über den Atlantik.

Zum Regenmachen diente die Esche in Zeremonien des prähistorischen Griechenlands. Und darüber hinaus wurden die Speere der Eisenzeit aus Eschenholz gefertigt, sowie auch Druidenstäbe.

Nicht weniger mystisch sieht es mit der Espe aus, Pópulus trémula, ein Weidengewächs. Im Gegensatz zur Esche wird sie „nur“ bis zu 30 m hoch, mit geradem, aufrechten Stamm und lichter, etwas kugeliger Krone. Die Rinde älterer Äste und des Stamms ist anfangs glatt und gelbbraun, später längsrissig und schwärzlich.

Die Blätter sind ein geeignetes Erkennungsmerkmal für die Espe, übrigens auch Zitter-Pappel genannt. Die Blattspreite ist nahezu kreisrund, 3- 10 cm im Durchmesser und am Rand gleichmäßig stumpf gezähnt. Die Oberseite ist mattgrün, die Unterseite des Espenblattes erscheint silbrig. Manchmal sind die Blätter auch etwas rötlich. Sicher kennt ihr den Spruch, dass man „zittert wie Espenlaub“. Der Spruch rührt daher, dass Espenblätter lustig im Wind hin- und her wackeln. Tatsächlich nutzt die Espe wie alle Pappeln Windenergie um mehr Feuchtigkeit zu verdunsten und damit mehr Wasser und Nährstoffe aus dem Boden emporzuziehen.

In fingerlangen, hängenden Kätzchen befinden sich die männlichen oder weiblichen Blüten. Die Espe ist zweihäusig. Die zahlreichen weiß behaarten Samen fliegen in Flocken.
Die Espe ist wie die Esche verbreitet bis häufig, auf Kahlschlägen, an Säumen, Wegrändern, Halden oder in aufgelassenen Kiesgruben. Sie bevorzugt lockere Lehm- oder Sandböden und kann sich auch über Wurzelausschläge vermehren. Wie die Birke ist sie ein Pioniergehölz.

Das Holz der Espe wird in Spanplatten und als Sperrholz verwendet. Spannender erscheint da doch die Tatsache, dass die Blütenessenz der Espe Menschen helfen soll, die unter falschen Gurus oder durch Drogen zu weit „geöffnet“ worden sind...
Sie wirkt darüber hinaus wie alle Pappeln entwässernd. Die Knospen können äußerlich bei Verbrennungen, Hautausschlag, Wunden, Hämorrhoiden und Gliederschmerzen angewandt werden.

In früheren Zeiten wurde das geheimnisvolle Rauschen der Espen als Orakel verstanden, sie galt als Botschafter der Götter. Insgesamt genoss die Espe in vorchristlicher Zeit eine große Verehrung, die später zusammen mit den Druiden und mittelalterlichen „Hexen“ ausgemerzt wurde.
Im alten Griechenland war die Espe dem Herakles heilig. Er trug auf dem Haupt einen Kranz aus Espenzweigen, als er auf die Reise in die Unterwelt ging. Der Espenkranz war ein Zeichen der Gewissheit, dass er aus dem Totenreich wiederkehren würde...
Eigentlich kein Wunder, dass der Kirche die Verehrung der Espe sehr zuwider war!

Ich selbst finde Espen unwahrscheinlich schön. Die winkenden, raschelnden Blätter haben einfach ihren ganz besonderen Reiz. Im Herbst machen sich die gepressten Blätter übrigens auch schön als Fensterschmuck, probiert es doch einmal selbst!

Hier geht es zum letzten Artikel über Birke und Erle!

Quellen: Kremer, Bruno P. Die Bäume Mitteleuropas. 1998 Kosmos Naturführer

                Hageneder, Fred 2008: Der Geist der Bäume. Verlag Neue Erde 2008

                Bild Eschenlaub: http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeine_Esche#mediaviewer /Datei:Fraxinus-excelsior-male-leaves.JPG

Weiterempfehlen

Kommentare (1)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
08.06.2014
RichardParker hat geschrieben:
Wow, wieder ein toller und interessanter Bericht, über einen schönen Baum! :)
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Der 1. Deutsche Waldtag in Berlin
Der 1. Deutsche Waldtag in ...
Eine Woche nach dem Jugendworkshop „Wald.Wir.Zukunft.“ der Schutzgemeinschaft De... weiter lesen
Die Greivögel von Hellenthal - Und wie mich Joko Winterscheidt inspirierte
Die Greivögel von Hellenth...
Es ist eine witzige Geschichte, wie ich darauf gekommen bin, diesen Artikel zu schreiben. Vor ei... weiter lesen
"Spot on" für die GreenTec...
Tausende Menschen in einem Raum, feierlich-ehrenvolle Musik, eine aufwendige Videoinstallation u... weiter lesen
Deutschland: Das Schlachthaus Europas - Teil 2
Deutschland: Das Schlachtha...
  Hier ist der zweite Teil zum Thema Massentierhaltung. Sorry, dass er erst jetzt komm... weiter lesen
Wiederansiedlung der Luchse...
Bald werden im Pfälzerwald die ersten 3 von 20 Luchsen ausgewildert, dabei handelt es sich ... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil