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Bäume II: Luftige Birke und wasserliebende Erle - Zwei Wegbereiterinnen


von Gluehwuermchen
27.05.2014
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Sie ist leicht zu erkennen. Eine lichte, unregelmäßige Krone mit überhängenden Ästen und Zweigen, der Stamm weiß mit dunklen bis schwärzlichen Querbinden. Es ist die Birke, Bétula péndula.
Dieser luftige Baum wird zwischen 10 und 20 m hoch und hat unten an der Stammbasis grobe, längsrissige schwarze Leisten.

Die Birke ist sehr lichtbedürftig. Ihre Blätter sind klein oval bis trapezförmig, feingesägt und zugespitzt. Sie ist einhäusig und die weiblichen Kätzchen fliegen im Sommer als Flügelnüsschen mit dem Wind davon. Ihre eigenen Sämlinge gehen unter ihr ein, sie ist macht vielmehr Platz für andere Bäume, nachdem sie den Boden aufbereitet hat. Daher wird sie auch nicht so alt wie andere Bäume: 80 bis 100, selten 120 Jahre.
Als Pionierpflanze bevorzugt die Birke sandige, magere Böden, Steinbrüche, Waldränder und Feldgehölze und Brachen. Ihre flachen Wurzeln stellen keine hohen Ansprüche an den Boden, zur Erschließung von Mineralien lässt sie sich von Pilzen helfen.

Das Holz der Birke ist zäh und fest, wird für Gartenmöbel, Sperrholz und Wäscheklammern verarbeitet. Aufgrund ihres hohen Heizwertes ist sie ein begehrtes Kaminholz. Doch die Birke hat noch so viel mehr zu bieten!

In Asien, Europa und Amerika wurde die Rinde früher für Boote, Kanus und Schuhe verwendet. Die Rinde enthält Birkenteer, weswegen frisches Birkenholz so leicht brennt.
Die nordamerikanischen Ojibwa nutzten Birke in Schwitzhüttenzeremonien oder bedeckten die Tipis mit Rinde, in Europa wurde sie auch als Dachschindeln benutzt.

Auch hat die Birke als Heilpflanze große Bedeutung. Der Tee der jungen Blätter und der Birkensaft regen Galle, Niere und Blase an, sie eignet sich im Frühjahr also hervorragend für eine Entgiftungskur. Der Saft wirkt blutreinigend und hat auch eine leicht antidepressive Wirkung. Birkenhaarwasser wird auch äußerlich auf die Kopfhaut aufgetragen.

In früheren Zeiten sollten Wiegen und Krippen aus Birkenholz Kinder vor schlechten Einflüssen schützen. Mit Besen aus Birkenreisig kehrte man im Frühjahr „den Geist des alten Jahres“ aus dem Haus, um dem neuen Platz zu machen.

In heidnischer Zeit fanden Frühjahres- und Fruchtbarkeitsriten in Birkenhainen statt, bis die Kirche gegen das sündige Treiben Einhalt gebot. Seitdem holen die Menschen die Birke einfach zu sich ins Dorf – ein Brauch der sich bis heute im Aufstellen von Maistangen erhalten hat.


Ebenfalls zu den Birkengewächsen gehört die Erle, Álnus glutinósa. Dieser Baum ist neben der Birke schon weniger auffällig und bekannt. Sie wird bis zu 25 m hoch, mit aufsteigenden oder abstehenden Ästen. Die Krone ist zylindrisch oder rundlich gewölbt, aber nicht spitz.
Die Blätter sind lang gestielt, buchtig gesägt, breit keilförmig und vorne wenig zugespitzt. Wie die Birke ist auch sie einhäusig. Man kann sie gut an den verholzten kleinen Zapfen erkennen, das sind die ehemaligen weiblichen Blütenstände. Die Erle blüht nämlich noch vor Laubaustrieb. Die männlichen Kätzchen hängen herab.

Erlen haben gerne nasse Füße! Ihre Wurzeln greifen tief in den Boden und im Gegensatz zu anderen Bäumen kann sie diesen nass binden und beleben. Wegen ihrer Wasserliebe ist sie ein Begleitgehölz von Bach- und Flussauen, unempfindlich gegen Staunässe und kommt gerne in Tieflagen vor.
Eine weitere Besonderheit ist, dass sie durch Wurzelsymbiosen den Luftstickstoff binden kann. Im Herbst versorgt sie so mit ihren Blättern die Pflanzen in der Nähe bzw. im Unterwuchs mit Stickstoff. Erlen wirken auch Vermoorung entgegen.

Das Holz der Erle ist rötlich und am beständigsten, wenn es konstant nass bleibt. Es wurde früher gerne für Brücken und Wehre benutzt.
Die graue Rinde wurde zum Ledergerben oder mit den Blättern zusammen zum Färben verwendet. Das Holz wurde zur Holzkohleherstellung gebraucht. Aus Tischlersicht war das Holz aber nie wirklich bedeutsam.

Die Blätter und Rinde der Erle wirken zusammenziehend und entzündungshemmend, man kann daraus ein Gurgelmittel bei Entzündungen im Mund herstellen. Eine solche Zubereitung eignet sich auch bei Hautausschlag und eitrigen Wunden.


Aus mythologischer Sicht ist es nicht ganz einfach, der Erle nachzuspüren. In den walisischen Mythen ist die Erle der heilige Baum von Bran, dem Gesegneten. In Deutschland taucht die archetypische Gestalt des Erlkönigs in Goethes Ballade „der Erlkönig“ um 1782 auf.

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Ki
nd;
Er hat den Knaben wohl in d
em Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? —
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif? —
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif - ....

….Wenn ihr das nächste Mal an einem Bach spazieren geht, haltet doch einmal die Augen offen, ob ihr die Erle entdeckt!

Hier geht es zum ersten Teil: www.wwf-jugend.de/entdecken/deutschland/artikel/baeume-i-von-rauer-rinde-und-rauschenden-kronen;6548

Für`s nächste Mal dürft ihr auf Esche und Espe gespannt sein!
 

Quellen: Kremer, Bruno P. Die Bäume Mitteleuropas. 1998 Kosmos Naturführer

                 Hageneder, Fred 2008: Der Geist der Bäume. Verlag Neue Erde 2008

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Kommentare (4)
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28.05.2014
Janine hat geschrieben:
"Du bist doch Biologin, was ist denn das für ein Baum?" Das höre ich so oft! Mir geht es ähnlich wie der Zweitagsfliege! :o) Bei einigen Bäumen weiß ich auch nie, wer sie sind. Sowas lernt man im Studium auch nicht.
Danke für die spannenden Portraits liebe Maura! :o) Ich bin wieder ein bisschen schlauer!
28.05.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
27.05.2014
Zweitagsfliege hat geschrieben:
Vielen Dank für den Artikel!
Meine Mutter ist schon immer ganz entsetzt darüber, dass ich meistens keine Ahnung habe um was für einen Baum es sich handelt, wenn sie mir einen zeigt.
Ich finde es eigentlich auch schade, dass die meisten Leute in unserem Alter nicht wissen was alles da draußen lebt/ wächst...
Aber jetzt habe ich schon mal etwas gelernt. ;)
27.05.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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