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Asphaltiert und Betonniert - Flächenversiegelung in Deutschland


von Carina
12.07.2010
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Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht man die so genannte Flächenversiegelung überall: Den Aus- und Neubau von Straßen und Gewerbegebieten, kürzlich asphaltierte Parkplätze oder neu geschaffenen Wohnraum beispielsweise.

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Nun gut: Gesehen wird es vielleicht, doch macht sich irgendjemand Gedanken darüber? Wissen die Menschen überhaupt, was für Folgen das nach sich zieht? Ich persönlich muss gestehen, dass mir der Begriff "Flächenversiegelung" zwar vage bekannt war, ich aber nicht besonders viel damit anfangen konnte. Erst nachdem ich angefangen habe für diesen Artikel zu recherchieren, habe ich bewusst wahrgenommen, wie wenig natürlicher Boden in meinem Umfeld noch existiert.

Ich bin mit ganz anderen Augen durch die Stadt gegangen und habe erschreckt festgestellt, dass bis auf schmale Grünstreifen neben der Straße oder wenige Parks und Spielplätze der Boden komplett versiegelt war. Vielleicht solltet ihr in Zukunft auch einmal genau darauf achten. Doch ob es nun von der Allgemeinheit wahrgenommen wird, oder nicht, es lässt sich zumindest nicht mehr leugnen: Der menschliche Hunger nach Raum ist allgegenwärtig – und die Natur zieht dabei den Kürzeren.

 

Flächenversiegelung – was genau ist das überhaupt?

Als Flächenversiegelung bezeichnet man das Bedecken des natürlichen Bodens durch Bauwerke der Menschen. Von "Versiegelung" spricht man, weil dadurch kein Niederschlag mehr in die Erde eindringen kann und so viele der dort normalerweise ablaufenden Prozesse gestoppt werden.
Versiegelung muss sich aber nicht unbedingt oberflächlich abspielen. Auch nicht sichtbare Bauwerke unter der Erdoberfläche wie beispielsweise Kanäle, Tunnel oder Fundamente werden dazugezählt.

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Fakt ist: Weltweit war die versiegelte Fläche noch nie so groß wie heute – und sie wächst immer weiter an. In Deutschland sind etwa 6% der Fläche versiegelt. Und es kommen täglich 100 Hektar hinzu.

Was sind die Folgen?

• Versiegelung verursacht immer einen Lebensraumverlust: Biotope werden zerschnitten oder isoliert; empfindliche Arten werden zugunsten einiger anpassungsfähiger Arten verdrängt.
• Flächenversiegelung wirkt sich sehr negativ auf den Wasserhaushalt auf. Da weniger Niederschlag versickert, werden weniger Nähr- und Schadstoffe im Boden gefiltert und die Belastung des Grundwassers steigt. Außerdem wird dadurch der natürliche Wasserkreislauf empfindlich gestört. Unterirdische Bauten (Tunnel, tiefe Keller, usw.) beeinflussen zudem das Strömungsverhalten des Grundwassers.
• Wenn Auen zu Gewerbegebieten und Siedlungen werden, führt dies zu erhöhter Überschwemmungsgefahr.
• Die Funktionen des Bodens werden stark beeinträchtigt. Mit der Unterbindung der Wasser- und Sauerstoffversorgung werden die meisten Bodenorganismen zerstört.
• Außerdem verursacht das hohe Wärmespeichervermögen von Gebäuden und asphaltierten Straßen eine Aufheizung der Luft. Vor allem in Städten kommt es so im Sommer tagsüber zu besonders hohen Temperaturen und nachts wird eine Abkühlung verhindert.
• Dadurch, dass weniger Vegetation vorhanden ist, vermindert sich die Luftfeuchtigkeit und die Schadstoffkonzentration in der Luft erhöht sich.
• Auch auf den Menschen hat eine dichte Versiegelung direkte Folgen: Wenn man täglich nichts als Asphalt und Gebäude um sich hat und völlig von der Natur isoliert wird, kann das eine sehr bedrückende Wirkung haben.

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Was kann dagegen getan werden?

Deutschland hat sich zum Ziel gemacht den Flächenverbrauch bis 2002 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Erreicht werden soll das zum Beispiel durch besonders flächensparendes Bauen. Auch sollen Straßen intelligenter geplant und nicht mehr kreuz und quer durchs Land gelegt werden, das nennt sich dann Bündelung der Infrastruktur. Eine weitere Maßnahme ist die Verdichtung der Städte. Das heißt, die Leute sollen dazu animiert werden in die Stadt zu ziehen, anstatt sich ihr eigenes Häuschen „im Grünen“ zu bauen. Außerdem wird so genanntes Flächenrecycling betrieben (Wiedernutzbarmachung von nicht mehr genutzten Flächen) und es sollen Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden. Wenn also an Punkt A Boden versiegelt wird, muss an Punkt B eine Fläche wieder entsiegelt werden. Zu guter Letzt sollen finanzielle Anreize auf privater Ebene die Leute dazu bringen flächensparender zu bauen. Seit dem 1.1.2000 müssen nämlich Eigentümer, deren Grundstück viel versiegelte Fläche hat, mehr Geld für die Abwasserentsorgung bezahlen.

Hoffen wir also, dass der Trend der Flächenversiegelung noch in Zaum zu halten ist und Deutschland auch in ferner Zukunft nicht aussehen wird wie ein einziger, asphaltierter Parkplatz…

Quellen:
http://www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/umweltatlas/db102_01.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Fl%C3%A4chenversiegelung
http://www.nabu.de/modules/suche/htdig.php?config=htdig_relaunch&restrict=&exclude=&words=fl%C3%A4chenversiegelung&method=and
Bilder: @WWF

 

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Kommentare (2)
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14.07.2010
Pusteblume hat geschrieben:
Ich glaub nicht dass man das so sagen kann, strongbad. Denn es ist zu einfach, einfach die Flächen zusammenzurechnen und zu vergleichen. Es gibt zwei Dinge die bei der versiegelung ein problem sind. Erstens die Qualität der flächen: die meisten Wälder sind gar keine Wälder, sondern Forste, also ziemlich eintönige Monokulturen. Zweitens: Straßen, Bahntrassen, Leitungen etc. durchqueren die Landschaft. Das heißt, sie zerschneiden die Naturflächen. Es bleibt zwar Grünes, aber das ist in Inseln zerstückelt. Das macht es zum Problem für wandernde tierarten wie Wölfe, Luchse, Rotwild.... Ich hab hier ein Positionspapier dazu gefunden. ist vom djv, Nabu und WWF: http://www.nabu.de/jagd/positionspapier-wildtierkorridore.pdf Da ist das wichtigste drin erklärt. p.s. guter artikel, Carina.
13.07.2010
StrongBad hat geschrieben:
also ich finde, dass man sich in deutschland garnicht soo beschwehren kann über asphaltierte flächen...man sieht zwar nur diese flächen, weil man sich auf ihnen fortbewegt und dort wohnt, etc, aber aufs ganze land betrachtet, hat deutschland immer noch soo viel natur, wälder, seen, wiesen, felder, berge& täler...also wenn man diese flächen in relation zu den asphaltierten sieht, dann ist das wie ich finde ein ganz geringer anteil :)
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