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Viele Vogelarten sind in Deutschland zu Hause. © J. Fieber / igreen media / WWF
Alles für den Laubfrosch


von Carina
28.09.2013
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Das Wummern der Pumpe, die das Wasser aus dem kleinen Teich saugt, erfüllt die Luft. Begleitet wird es von dem Motorenlärm des Baggers, dessen Schaufel die jungen Weiden am Ufer samt Boden und Wurzeln – und allem, was so unglücklich ist, dort außerdem zu wachsen – ausgräbt. Durch das trübe Wasser watet ein Mann mit einem merkwürdig anzusehenden Gerät auf dem Rücken. Mithilfe einer Technik, die sich Elektrofischen nennt, entfernt er sämtliche Fische aus dem Teich. Ein paar weiße Schmetterlinge fliegen an der Szene vorüber. Sie wurden aufgeschreckt, als das Jakobs-Kreuzkraut im umgebenden Gebüsch restlos, und ebenfalls samt Wurzeln, ausgerissen wurde.

Auf den ersten Blick fällt es schwer zu glauben, dass man sich in einem Naturschutzgebiet befindet. Mehr noch, dass es sich bei diesen Arbeiten um Umweltschutzmaßnahmen – sogenannten Naturschutzgebietspflegemaßnahmen - handelt. Doch genauso ist es. Die Rede ist von dem kleinen Naturschutzgebiet „Alte Tongrube“ im Kreis Warendorf, das von der NABU-Naturschutzstation Münsterland betreut wird, und welches das letzte Vorkommen von Laubfröschen in der Umgebung aufweist.

Britta Linnemann, die Leiterin der NABU-Naturschutzstation, weiß, dass Laubfrösche extrem selten und in der Region vom Aussterben bedroht sind. Daher diese rabiaten Eingriffe. „Der Laubfrosch mag sonnenwarme Gewässer“, erklärte sie uns Praktikanten, als wir bei einer Begehung des Naturschutzgebiets dabei sein durften. „Verbuscht das Ufer, könnte das Wasser ihm zu kalt werden. Die Fische werden rausgefangen und anderswo wieder ausgesetzt, denn sie fressen den Froschlaich.“ Das Jakobs-Kreuzkraut wiederum ist eine sehr giftige und zudem konkurrenzstarke Art. Wird sie nicht immer wieder entfernt, verbreitet sich diese Pflanze und verdrängt viele andere Arten. „Man vermutet, dass sie vom Klimawandel begünstigt wird“, sagt Britta Linnemann. Gegen das Jakobs-Kreuzkraut kämpfen Bauern und Umweltschützer in der gesamten Umgebung. „Und die Schmetterlinge gehen auch auf andere Blumen.“

Was sich zunächst wie ein Schreckensszenario anhört, hat also durchaus Sinn. …Oder? Nachher diskutieren Britta Linnemann und wir Praktikanten noch ein wenig über diese recht starken Eingriffe in das Ökosystem und sie räumt ein: „Es gibt natürlich immer zwei Sichtweisen. Entweder man sagt, man möchte die Art Laubfrosch in der Region schützen. Das heißt, man versucht Biotope zu schaffen und aufrecht zu erhalten, in denen er existieren kann. Oder aber man schaut ein wenig mehr zu, lässt der Natur und der natürlichen Sukzession ihren Gang und sieht ein, dass sich unsere Landschaft eben in einem Wandel befindet. Das hieße dann aber auch, dass der Laubfrosch darin keine Zukunft mehr hätte.“

Und diese spannende Frage würde ich gerne einfach mal an euch weitergeben. Was meint ihr: Mehr zuschauen und der Natur ihren Gang lassen? Oder eingreifen und Arten und Ökosystemen eine Existenzgrundlage schaffen, die sie natürlicherweise heute nicht oder kaum mehr hätten?

Ich bin gespannt auf eure Meinung! =)

 

Bildquelle: Wikimedia Commons

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Kommentare (2)
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28.09.2013
vince hat geschrieben:
Eine schwierige Frage, die so schwer zu beantworten ist. Man kann sagen, das Aufrechterhalten der Biotope ist sinnvoll, da der Laubfrosch vom Aussterben bedroht ist und das Jakobs-Kreuzkraut nicht. Andererseits könnte man auch meinen, dass das Aussterben von der Natur so gewollt ist. Ich habe dazu keine feste Meinung und wüsste auch nicht, was ich an deren Stelle machen würde.
28.09.2013
Naturailo hat geschrieben:
Ich finde es zwar gut, dass man an die Laubfrösche denkt, aber ich finde auch, das man das Jakobs-Kreuzkraut nicht einfach so "vernichten" sollte. Man könnte ja ein kleines Gebiet nur für diese Pflanze benutzen und irgendwie dafür sorgen, dass die Frösche oder andre Tiere da nicht ran können. Das wäre sicherlich auch gut für die Schmetterlinge.
Und was habt ihr so für meinungen?
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