Entlang der gemeinsamen Grenze zwischen Indien und Bangladesch liegen die Wälder des Sundarbans und erstrecken sich über eine Fläche von 3600 Quadratkilometern. Während sie im Norden an die Distrikte Bagerhat, Khulna und Satkhira und im Süden an den Golf von Bengalen grenzen, werden sie im Osten vom Fluss Baleswar und den Provinzen Perojpur und Barisal begrenzt . Die Flüsse Hariabhanga und Raimangal fließen im Westen durch ein Gebiet, welches den indischen Bundesstaat Westbengalen mit Bangladesch miteinander verbindet.
Indien ist ein geographischer Begriff,
es ist genauso wenig eine einheitliche Nation wie der Äquator.
Winston Churchill, Rede vom 18. März 1931
Sie laufen Gefahr, sich in einen Geisterwald zu verwandeln: Jahrhunderte der Ausbeutung durch seit ferner Zeit enorm bevölkerungsreichen Siedlungszentren haben tiefe, langschürende Wunden im Habitat der Wälder der Sundarbans hinterlassen und die Biodiversität deutlich verringert. Die sich aufgrund ihrer Schwemmböden durch eine außerordentliche Produktivität auszeichnende Ökoregion hat unter den zunehmenden Umwandlungen der Böden in landwirtschaftlich genutzten Flächen extrem gelitten. Diese Umwandlungen machen es unmöglich, sich die ursprünglichen Zustände dieser Gebiete auch nur im Geringsten vorzustellen.
Die auf sedimentreichen, salzwassergetränkten Boden wachsenden Wälder bestehen überwiegend aus Mangroven. Es gibt viele lichte Stellen und die Vegetation wirkt sehr niedrig für einen Wald. Aufgrund ihrer Pneumatophoren haben sich die Mangrovenbäume und sträucher perfekt dem salzhaltigen und sumpfigen Lebensraum angepasst. Jene Pneumatophoren bilden Teile der Wurzel, die durch negativ geotropes, das heißt, der Schwerkraft entgegenwirkendes Wachstum, aus der schlammigen Erde nach oben zeigen und so die Pflanze mit lebensnotwendigem Sauerstoff versorgen. Dank der Regenzeit, durch die Ganges und Brahmaputra weite Teile des Gebiets überfluten, kann der Salzgehalt in den Gewässern und Böden der Sundarbans nie über ein für die Vegetation erträgliches Maß ansteigen. Zudem lässt jede Überschwemmung eine Schicht fruchtbaren Schlamms auf den Böden zurück und somit wirken sich die Überschwemmungen positiv auf die Gesundheit der Ökoregion aus.

Ein Teil des Sundarban-Gebiets im südwestlichen Teil Bangladeschs bildet eine dichte Ansammlung kleiner Inseln. An diesen Stellen trifft das Salzwasser des Meeres auf das Süßwasser der Flüsse. Unter solche ökologischen Bedingungen gedeihen beeindruckende und scheinbar endlose Mangrovenwälder.
Durchschnittliche Jahresniederschläge von 3500 Millimeter und Höchsttemperaturen von annähernd 50 Grad Celsius schaffen ein für uns Menschen nur schwer zu ertragendes Klima. In der extrem regenreichen Monsunzeit von Juni bis September wird der Golf von Bengalen regelmäßig von riesigen Tropenstürmen heimgesucht, die sowohl in Dörfern, als auch in den Landschaften erheblichen Schaden anrichten können.
Die Beschaffenheit der Wälder der Sundarbans, bevor der Mensch seine Hände dort hat spielen lassen, lässt sich bedauerlicherweise nicht mehr ermitteln. Der relativ geringe Artenbestand ist der früher anzunehmenden Artenvielfalt gegenüber zwar sehr bescheiden, doch ist es dennoch möglich, ein paar für die Wälder typische Pflanzen zu nennen: Der Sundari-Baum (Heritiera minor), die Zedern-Mangrove (Xylocarpus moluccensis), die Indische Mangrove (Avicennia officinalis), mehrere weitere Mangrovenarten, der Einheimische Hibiskus (Hibiscus tiliaceus)und entlang der Küstenregionen die Nipapalme oder Mangrovenpalme (Nypa fruticans).
Der tropische Regenwald bildet das Reich des Tigers (Panthera tigris). Das Säugetier hat sich den Gebieten der Mangroven und der Sümpfe perfekt angepasst. Trotz der Anpassungen bedarf es dem ständigen Schutz des Phantera tigris, da die fortschreitende Zerstörung der Vegetationsdecke die Überlebenschancen seiner Art genauso verringert wie die Wilderei.

Der Bengaltieger (Panthera tigris tigris) liebt das Wasser. Auch er jagt in sumpfigen Gebieten und in den dichten Mangrovenwäldern. Alle 3-5 Tage muss er auf die Jagd gehen. Bei diesen Jagdzügen legt er bis zu 20 Kilometer am Tag zurück.
Zu dieser Zeit leben 55 Säugetiere in dieser Region, von denen jedoch keine endemisch ist. Unter diesen Säugetieren findet man beispielsweise den Kappenlangur (Trachypithecus pileatus), den Rhesusaffen (Macaca mulatta), den Weichfellotter (Lurogale perspicillata) und die Indische Zibetkatze (Viverra zibetha). Zudem kann man noch auf den Leopard (Panthera pardus) sowie andere etliche kleine Raubtiere wie die Rohrkatze (Felis chaus) und die Fischkatze (Prionailurus viverrinus).

Die Fischkatze (Prionailus viverrinus) zählt zu jenen Katzen, die am besten mit den Ressourcen von Feuchtgebieten überleben können. Sie ernährt sich von Amphibien, Fischen und kleinen Reptilien, die sie mit ihren Pfoten aus seichtem Gewässer fängt.
Hierzu kommen noch 190 unterschiedliche Vogelarten, von denen auch keine endemisch ist. Trotzdem sind manche Vögel, wie der Fischadler (Pandion haliaetus) und der Weißschwanzfischer (Ichthyophaga ichtyaetus), die in dieser marinen Ökoregion vorkommen, speziell angepasst. Aus ökologischer Sicht beherbergt das marine Habitat zahlreiche, sehr empfindliche Arten, die deshalb in Schutzprogramme aufgenommen wurden: Zum Beispiel der Gangesdelfin (Platanista gangetica) und die drei Krokodilarten Sumpfkrokodil (Crocodylus palustris), Leistenkrokodil (Crcodylus porosus) und Gangesgavial (Gavialis gangeticus). Diese faszinierenden Tiere und Pflanzen bilden das Herz eines der letzten Naturparadiese der Erde!
Ein Blick in die Zukunft:
Etliche Probleme belasten dieses Ökosystem! Wilderei und Verlust von Habitaten infolge der Umwandlungen der Wälder sowie andere Zerstörungsfaktoren, die mit der Gegenwart des Menschen zusammenhängen, haben zum Aussterben zahlreicher Schlüsselarten dieser Region geführt. Beispielsweise der Zackenhirsch (Cervus duvaucelii) ist bereits ausgestorben und der Gavial oder der Tiger sind auch anhaltend vom Aussterben bedroht. Der Einsatz von chemischem Pflanzendünger auf den weitläufigen Wirtschaftsflächen bedroht die Umwelt genauso wie auslaufendes Öl von Schiffen, die um Kalkutta, das gangesaufwärts liegt, herum unterwegs sind. Auf der WWF-Rangliste der 21 am meisten gefährdeten Flüsse der Welt liegt der Ganges auf Rang 6. Eine zusätzliche Ursache des Wassermangels bildet der Farakka-Staudamm, der mehr als ein Drittel der fließenden Wassermenge umleitet. Da der 1951 begonnene Bau erst 1974 abgeschlossen wurde, entstanden große Spannungen im Ökosystem. 2004 machte die Regierung Bangladeschs gerade diesen Staudamm für die Austrocknung von 80 Flüssen verantwortlich. Zahlreiche Pflanzenarten sind vom Salzgehalt des Wassers abhängig. Durch den Anstieg der Salzkonzentration in Folge der ausgetrockneten Flüsse, waren sowohl die Mangrovenwälder als auch etliche Fischarten bedroht. Im letzten Werk Hunger der Gezeiten vom indischen Schriftsteller Amitav Ghosh, kritisiert dieser, dass der von den Gezeiten geprägte Ganges, einer der mächtigsten Flüsse des Planeten, heute kaum mehr als ein Bächlein ist!
Was wird getan, um dieses Naturparadies zu erhalten?
Die vorhandenen Schutzvorkehrungen verfolgen das Ziel, die noch vorhandenen Arten ausfindig zu machen und zu bewahren. Eines der wichtigsten Projekte sind die zum Schutz des Gangesdelfin ergriffenen Maßnahmen. Darüber hinaus gründete man ein Komitee zum Schutz des Süßwasserdelfins (Indian River Dolphin Committee). Außerdem gibt es viele Schutzprojekte zum gezielten Schutz für bestimmte Arten und zahlreiche Programme zur Überwachung des Umfangs und der Qualität des verbliebenen Waldbestandes.
Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe Die letzten Naturparadiese der Erde http://www.wwf-jugend.de/community/artikel/neue-berichtreihe-die-letzten-naturparadiese-der-erde;3179
Text: eagle4nature (Fabian Nagel)
Bilder: Wikipedia Commons
Quelle: Die letzten Naturparadiese der Erde (Buch)
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ps.: Der Tiger auf dem ersten Bild sieht eher wie ein Sumatratiger aus! ;o) Aber super toller Bericht! Danke! :o)