Ein Meer ohne Bewohner?


Die große


Leere


© Brian J. Skerry / National Geographic Stock / WWF

Die Folgen

Kleingefischt und wegpaniert.

© Mike R. Jackson / WWF Canon

Was da so alles im Netz zappelt... Jahr für Jahr sind es rund 90 Millionen Tonnen, die die Fischerei an Meerestieren aus dem Wasser holt. Drei Viertel der weltweiten Fischbestände stehen vor dem Zusammenbruch. Und als sei dies nicht schon Raubbau genug, reißt die Fischerei zusätzlich zig Millionen Tonnen Lebewesen als Beifang aus den Meeren. Zuviel für Kabeljau und Co. Über drei Viertel der Fischbestände sind bereits gefährdet.

Die Katastrophe hat einen Namen: Überfischung. Wir nehmen dem Ozean mehr, als er uns geben kann. Wer das kapiert hat, weiß: Beifang ist nicht nur pure Verschwendung. Beifang verstärkt zusätzlich die Gefahr, dass wir bald so gut wie keine Fische mehr werden fangen können. Abgesehen von der Frage: Wie moralisch vertretbar ist das, Leben einfach wegzuwerfen?

Wir haben viel zu verlieren.



Warum fischen wir zuviel aus dem Meer?

Wir nehmen, was uns in die Quere kommt.
© Mike R. Jackson / WWF-Canon

Sushi für alle, Frischfisch als Alltagsmenu. Die Nachfrage nach Fisch ist in den letzten Jahren krass angestiegen. Für manche Gesellschaften ist es eine gesunde Delikatesse, für andere eine lebenswichtige Eiweißquelle. Nicht ohne Folgen: In manchen Teilen der Welt sind die Meere schon so gut wie leer. Wir fischen aber nicht unbedingt nur zu viel, wir fischen vor allem auch falsch. Der WWF hat bereits viele Techniken erfunden und umweltfreundliche Fangpläne erstellt. Wir könnten weiterhin ausreichend Fische fangen, ohne dabei die Meere zu plündern.

Das Zauberwort heißt "Nachhaltigkeit". Nachhaltigkeit ist das Gegenteil von "Drauf los Fischen", von "Alles mitnehmen was uns vor den Bug kommt". Es gibt zum Beispiel Netze, die die falschen und die richtigen Fische auseinander sortieren können. Es gibt Hilfsmittel, die Wale, Vögel und Haie von den Netzen fernhalten. Es gibt gesunde Fischgründe, die weiter bestehen könnten, wenn sie vorsichtiger befischt werden würden. Wir müssen also nicht ganz auf Fisch verzichten – wir müssen uns aber schlauer bei der Fischerei anstellen.

Was passiert, wenn wir weitermachen wie bisher?

Beifang zerstört die Natur und gefährdet die Ernährung von Millionen von Menschen.
© Rudolf Svenson / WWF-Canon

Über den Mond wissen wir mehr als über das Geschehen in manchen Winkeln der Weltmeere. Was wir aber wissen: In den Ozeanen gibt es eine große Vielfalt an Leben, wunderschöne Tiere und Pflanzen, die schon seit Jahrtausenden und Jahrmillionen alles überstanden haben. Nun aber zerstören wir diese Unterwasserparadiese: mit Killer-Geräten wie Grundschleppnetz, Kiemennetz und Langleine.

Wir töten nicht nur 'versehentlich' Vögel, Schildkröten und anderen Beifang. Wir berauben uns selbst einer wichtigen Nahrungsquelle. Kanadische Fischer können ein Lied davon singen: Noch bis zum Anfang der 90er war das Meer vor den Grand Banks voll mit Kabeljau. Dann aber - über Nacht - brachen die Kabeljaubestände vollständig zusammen. 20.000 Fischer verloren über Nacht ihren Job. Die kanadische Fischerei verlor in einem Jahr 700 Millionen Euro.

Heute arbeiten weltweit mehr als 200 Millionen Menschen in der Fischerei - 90 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern. Das heißt: Beifang und Überfischung sind nicht nur Umweltprobleme, sie sind auch ungerecht! Für manche Länder ist Fisch eine der wenigen zuverlässigen Nahrungsquellen. Der Beifang von heute nimmt ihnen den Fisch von morgen.

Welche Rolle spielt die Piratenfischerei?

Für wenige ist der Beifang auch ein lohnendes Geschäft.
© Jürgen Freund / WWF-Canon

Sowohl wir Menschen wie auch das Ökosystem Ozean haben verloren, wenn das Massensterben im Meer weitergeht. Trotzdem ist für manche der Beifang Teil ihres schmutzigen Geschäfts. Zum Beispiel beim Handel mit Haiflossen. Auf den Weltmeeren sind nicht nur eingetragene Fangflotten unterwegs - die illegale Piratenfischerei blüht, und sie fischt alles weg, was selten und teuer ist.



© Jason Rubens / WWF-Canon

Haie stehen ganz oben auf der Jagdliste. Mit Haifischflossen lässt sich in Asien viel Geld verdienen. Dem gefangenen Hai werden auf dem Schiff bei lebendigem Leib die Flossen abgetrennt. Danach werfen die Fischer das verstümmelte Tier wieder über Bord - "Finning" nennt sich diese Folter. Fragt sich nur noch, wer hier das Raubtier ist.

Finning ist aber nicht nur das Geschäft von Haifisch-Wilderern. Auch auf Trawlern, die Jagd auf normalen Speisefisch wie Tunfisch oder Kabeljau machen, werden die Tiere verstümmelt. Sind Haie im Beifang, liegt es nahe, vorher noch schnell die Flossen abzuschneiden, um sie später auf Schwarzmärkten teuer zu verkaufen.



© Jürgen Freund / WWF-Canon
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