Diese Infographik zeigt die Ausweitung des Fischfangs seit 1950. Nicht nur die befischte Fläche hat zugenommen, sondern auch die Intensität der Nutzung: Eine immer größere Meeresfläche wird immer stärker genutzt. Um die Auswirkungen der Fischerei auf die Ökosysteme zu messen, analysierten Wissenschaftler der Universität Vancouver die benötigte Primärproduktion (PPR*). Sie steht für die Energie, die einem Fisch bis zum Fang von seinem Ökosystem bereitgestellt wurde und setzt sie ins Verhältnis zur gesamten verfügbaren Energie in diesem Gebiet. Die blauen Flächen in der Karte stehen für wenigstens 10 Prozent Entnahme der PPR, orange für wenigstens 20 Prozent und rot weist auf eine Entnahme von mindestens 30 Prozent der PPR hin. Ein Wert von 30 Prozent PPR-Entnahme bedeutet, dass die Fischerei ein knappes Drittel der gesamten Primärproduktion ein einem Gebiet vernichtet / verbraucht. Ein Vergleich mit den Fangstatistiken der FAO zeigt, dass die meisten der roten Gebiete überfischt sind. Im globalen Maßstab trägt die Europäische Fischerei deutlich zu der Belastung der Fischbestände bei - du kannst sie dir hier separat anzeigen lassen.
Das Problem
Meerestiere sind kein Müll!
Warum werfen wir sie dann weg? So wie diesen Haufen hier? Denn genau das passiert, in jeder Stunde. 40 Millionen Tonnen Meereslebewesen sterben jedes Jahr einen sinnlosen Tod. Seeigel, Delfine, Wale landen zusammen mit Fischen in unseren Netzen. Die letzten Meeresschildkröten sterben an den Haken der Tunfisch-Jäger. Ungewollter Fang heißt "Beifang". Klingt harmlos. Ist aber eine mörderische Verschwendung von Leben!
Wie aus Leben Abfall wird:
Was passiert mit dem Beifang-Haufen?
Die Fische werden doch weiterverwendet, oder?
Aus den Augen, aus dem Sinn - Sie kicken den Beifang einfach wieder über Bord! Kaum ein Tier überlebt diese Tortur. Die empfindlichsten von ihnen - Seesterne, Krebse, Seeigel, Schwämme, Muscheln und andere Bodenbewohner - werden schon im Netz zerquetscht. Viele halten bereits dem enormen Druckabfall nicht Stand, wenn sie aus der Tiefe geholt werden.
Auch das macht's nicht besser: Gelegentlich wird Beifang zumindest zu Fischmehl weiterverarbeitet. Was aber nichts daran ändert, dass diese Tiere planlos gefangen wurden. Da schon die Fischerei selbst viele Fischarten bis an ihre biologischen Grenzen befischt, wird durch den Beifang die Überfischung noch verstärkt. Wenn also etwa Jungtiere, die auf dem Markt nichts wert sind, in den Netzen landen und damit zukünftige Fänge verloren gehen, ist das daraus gewonnene Fischmehl kein großer Trost.
Warum gibt es Beifang?
Ein ökologisches, wirtschaftliches und ethisches Verbrechen.
Ohne Rücksicht auf Verluste - mit zerstörerischen Fanggeräten gehen die meisten Fangflotten auf Beutezug. Am schlimmsten sind die Baumkurren-Schleppnetze. Sie werden für die Fischerei nach Scholle, Schrimps und Seezunge eingesetzt. Mit Kufen und Scheuchketten pflügt eine Baumkurre den empfindlichen Meeresboden um, und in den Netzen landen unzählige Krebse, Seesterne, Muscheln und Jungfische. Die sind nichts wert auf dem Fischmarkt, also ab damit zur "Entsorgung".
Ein übler Job für jeden Fischer - doch Gesetz und Fischereimarkt zwingen ihn dazu, so viel und so einheitlich wie möglich zu fischen. Da wandern sogar auch mal essbare Fische in die Tonne, nur weil im nächsten Netz noch größere Exemplare zappeln. Und ein Schiff, das mit Kabeljau zurückkommen soll, hat im Laderaum keinen Platz für andere Fische. Profit zählt, da ist Meeresschutz nicht so wichtig.
Welche Tiere sind bedroht?
Die schönsten und seltensten Meerestiere stehen vor dem Aus.
Die lebenden Saurier verschwinden: Jahr für Jahr stirbt eine Viertelmillion der uralten Meeresschildkröten den Beifang-Tod. Sie beißen versehentlich in die Haken, die eigentlich für Tunfische gedacht sind. Die Jagd mit Tunfisch läuft anders ab als das, was wir uns unter "Angeln" vorstellen: Unzählige Angelschnüre schwimmen im Meer, jede mehr als 100 Kilometer lang, und jede mit tausenden Haken bestückt. Der Ozean, ein einziger Vorhang aus Fallen.
Mit 1,6 Metern Länge die größten Schildkröten der Welt: die ostpazifischen Lederschildkröten. Ihre Zahl ist aufgrund der Fischerei in den letzten 20 Jahren um 90 Prozent zurückgegangen! Wenn wir die Tunfisch-Fischerei nicht verändern, sind die Meeresschildkröten wahrscheinlich schon in den nächsten zwei Jahrzehnten ausgestorben.
Auch Meeressäuger verfangen sich in den Netzen. Sie können sich nicht aus eigener Kraft befreien – und ertrinken. Durch Beifang sterben mehr Wale als durch den Walfang! Über 300.000 Wale und Delphine enden jährlich als lästige Störung.
Und das gefährliche Raubtier, vor dem sich so viele Menschen fürchten? Hat keine Chance. Mehrere Millionen Haie und Rochen verenden qualvoll in den Langleinen. Über 150.000 Tonnen Krebse, Muscheln und andere Bodenbewohner werden jährlich aus ihrem Lebensraum gerissen. Und die Fischerei erwischt sogar Seevögel. Sie bleiben am Fanggerät hängen und verschwinden in den Wellen.
Für welchen Fisch wird besonders viel Leben verschwendet?
Wenn man den Beifang mit auf den Teller schaufeln würde...
So sieht es im Meer aus, wenn der Beifang zurückgeworfen wird. Der frisch getötete Abfall sinkt langsam zu Boden. Dies sind die Reste der mexikanischen Shrimpfischerei - der Beifang, den wir nicht zu sehen bekommen, wenn wir Shrimps einkaufen.
Stell Dir eine Fischtheke vor, in der neben der Ware auch der Beifang ausgestellt ist: Dort kommen zum Beispiel auf jedes Kilo Seezunge bis zu sechs Kilo getötete Meeresbewohner. Die Fischerei auf Kaisergranat in der Nordsee produziert rund 50 Prozent Beifang - meistens Kabeljau, der selbst schon stark gefährdet ist.
Besonders übel ist die Fischerei nach Tropischen Shrimps: Für jedes Kilo gibt's einen Berg von bis zu 20 Kilo Beifang! Und auch bei der Fischerei nach Nordseekrabben können pro Kilo Krabbe neun Kilo Beifang anfallen. Da sind dann auch viele Jungfische dabei, weil die Krabbennetze sehr feinmaschig sind. Stirbt aber ein junger Fisch als Beifang, dann hatte er nicht einmal die Chance, Nachwuchs zu zeugen. Das trifft das Meer doppelt hart. Die Ozeane werden einsamer und kränker.























