Du willst mehr wissen?


Erfahre hier


mehr!


© Martin Harvey / WWF-Canon
Showdown in Indien - das Ergebnis der CBD!


von Chrisly
22.10.2012
2
0
57 P

Namaste! liebe WWF Jugend,

die 11. Vertragsstaatenkonferenz zum Schutz der Biodiversität ist zuende - eine intensive und ereignisreiche letzte Verhandlungswoche auf der COP (Conference of the Parties) hier in Indien liegt nun hinter uns.

Nicht nur für die verhandelnden Staaten, auch für uns Jugendliche war der Endspurt der COP während der letzten Tage nochmal eine extrem spannende aber auch mit Terminen vollgepackte Zeit.

Zu Beginn der Woche hatten wir die Ehre Braulio Dias, den Exekutive Sekretär des CBD Sekretariats, also eine der Schlüsselpersonen im ganzen CBD Prozess, zu treffen und uns als Jugendnetzwerk vorzustellen. Hierbei hat er uns seine volle Unterstützung zugesagt und nochmal betont wie wichtig Jugendpartizipation bei solchen Verhandlungen ist und dass er sich eine stärkere Miteinbeziehung von uns Jugendlichen wünscht - klasse! Herr Dias kam dann auch gleich zu einem unserer beiden Side Events, bei welchem wir das global youth biodivesity network (gybn) und auch verschiedene Jugendprojekte und Organisationen aus der ganzen Welt vorstellten.

Anschließend hatten wir jeweils verschiedene Gäste zu einer Plenumsdiskussion über Jugendpartizipation eingeladen, auch ein Mitglied der deutsches Regierungsdelegation war mit dabei. Es wurde deutlich, dass es nicht ausreicht, wenn die Politik von oben Entscheidungen trifft, sondern dass diese auch konkret vor Ort mitgetragen und umgesetzt werden müssen und dass es dazu die Kreativität und die Begeisterung von uns Jugendlichen braucht !

Kreativität war dann bei der Verleihung unseres Dodo, für das destruktivste bzw. des Busy Bee Awards für das konstruktivste Land angesagt. Bei den beiden dafür angesetzten Pressekonferenzen wurde unser verkleideter Dodo begleitet von anderen schnabeltragenden Jugendlichen, um die Auszeichnung bekannt zum machen. Wir verliehen den Award an Kanada und Groß Britanien, leider hatte keiner der Politiker den Mum bei der Verleihung zu erscheinen, es konnte jedoch jeder anschließend in der Zeitung davon lesen. Im Biene Maya Look wurde dann unser Busy Bee Award an Gabun, für die Unterstützung von Jugendlichen und an die gesamte African Group für ihre Kompromissbereitschaft beim Thema Finanzierung verliehen.

Am zweitletzten Verhandlungstag gab es noch eine Menschenkette von vielen Schülern und Jugendlichen aus der Stadt am Rande des Konferenzgeländes, bei welcher wir uns auch beteiligten und als Tier oder Pflanze verkleidet für den Schutz der Biologischen Vielfalt demonstrierten.

Donnerstag Abend hatten wir dann die Gelegenheit zum zweiten Mal ein offizielles Statement bei den Verhandlungen abzugeben, und dies sogar auf dem sogenannten "High level segment", also eine Verhandlungsrunde, bei der die erst in der zweiten Woche angereisten Minister und obersten Landesvertreter teilnehmen. Wiederum ernteten wir Applaus und Lob vom Vorsitzenden für unsere Rede - wir hoffen dass unserer Stimme in Zukunft dann aber auch wirklich gehört wird von den Entscheidungsträgern und man nicht nur lobende Worte in die zukünftige Generation steckt.

Bei den Verhandlungen selbst war es oft gerade beim wichtigsten Thema, der Ressourcen-Mobilisierung für mehr Biodiversitätsschutz, ein zähes Ringen der einzelnen Staaten um einzelne Sätze und Wörter. Ich konnte selbst miterleben wie bei den Verhandlungen z.B. ungefähr 30 Minuten nur darüber diskutiert wurde ob nun das Wort „welcomes“, „decide to use“ oder „adopted“(verabschieden) genommen wird (am Ende wurde dann übrigens die Formulierung “welcomes and decide to use“ genommen).

Da die beiden Lager Entwicklungsländer und Industrieländer sich bis zuletzt ziemlich strikt gegenüberstanden und am Schluss insbesondere Brasilien und China blockierten, zogen sich die Verhandlungen am letzten Tag auch bis tief in die Nacht. Erst gegen 1 Uhr war ein Kompromiss gefunden. Es wurde entschieden, dass bis 2015 die Biodiversitätsschutzhilfen für Entwicklungsländer auf 10 Milliarden Dollar pro Jahr erweitert werden, dass entspricht einer Verdopplung im Vergleich zu den jetzigen Zahlungen. Von 2015 bis 2020 bleibt es dann auf diesem Niveau. Die Entwicklungsländer verpflichten sich die Finanzmittel effektiver für den Biodiversitätsschutz einzusetzen und auch eigene Finanzierungsanstrengungen zu unternehmen.

Das Ergebnis ist damit besser als von vielen im Vorfeld erwartet, da es gelungen ist (trotz Finanzkrise in der EU etc.) in Zukunft mehr Geld in die Hand zu nehmen als bisher, um die 20 Strategischen Ziele bis 2020 erreichen zu können. Der WWF hatte im Vorfeld eine Erhöhung der sogenannten “international finance flows“ um 20% gefordert, rechnet man die jetzige Entscheidung um, entspricht das etwas mehr als 15%. Das Ergebnis hat aber auch seine negativen Seiten: Zum einen fehlen damit in der gesamten Dekade (2011-2020) immer noch ca. 63 Milliarden, zum anderen wird in der Entscheidung nur von einem vorläufigen Finanzziel geredet - ein abschließendes Ziel wird auf die nächste COP in zwei Jahren vertagt.

Hier findet ihr die aktuelle Pressemitteilung des WWF zu den Ergebnissen der CBD.

Ja, insgesamt konnte ich hier auf der COP vieles lernen und erfahren, wie internationale Naturschutzpolitik so abläuft. Wir haben versucht uns als Jugendliche einzubringen und die Stimme der Jugend sichtbar zu machen - ich denke das ist uns mit unseren zahlreichen Aktionen auch gelungen. Dennoch war es nur ein erster Schritt, und ich hoffe, dass in Zukunft noch viel mehr Jugendliche sich für den CBD-Prozess interessieren und auf einer solchen Konferenz erscheinen. Man kann wirklich mehr bewegen als man auf den ersten Blick denkt, und auch wenn vieles langwierig und mühsam ist, so kann man dennoch etwas verändern, und das muss man denke ich auch, denn sonst geht das Artensterben so weiter wie bisher, und das wäre fatal!

Viele Grüße aus Indien,
Christoph

Weiterempfehlen

Kommentare (2)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
06.11.2012
Marcel hat geschrieben:
Tolle Sache! In der Zeitschrift "Natur" gibt es ein Interview Christoph: http://www.natur.de/de/20/Showdown-in-Hyderabad,1,,1082.html
23.10.2012
LSternus hat geschrieben:
Naja, gut immerhin wurde etwas beschlossen, aber ich bleibe skeptisch.
Erst mal abwarten wie weit sie mit ihren gesteckten Zielen kommen.
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_220.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen