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© Martin Harvey / WWF-Canon
Neues von der CBD in Indien


von Chrisly
15.10.2012
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Nachdem die erste Verhandlungswoche der großen CBD Vertragsstaatenkonferenz zu Ende ist und wir in die letzte und entscheidende Woche starten, gibt’s jetzt einen kleinen Zwischenbericht von mir. Ich hatte euch ja letzte Woche von dem gescheiterten Statement von uns Jugendlichen bei der Eröffnungszeremonie berichtet, am Mittwoch haben wir es dann endlich doch geschafft: Zum ersten Mal in der 20-jährigen Geschichte der CBD ist es gelungen, dass wir als Jugendliche bei den Verhandlungen offiziell zu Wort gekommen sind!

Das Ganze war allerdings keine einfache Angelegenheit, denn laut Regelwerk können wir, die wir ja keinen Staat repräsentieren, nur dann zu Wort kommen, wenn einer der Vertragsstaaten beim Vorsitzenden der Verhandlung einen entsprechenden Antrag für uns stellt. Wir hatten deshalb bei der deutschen Delegation angefragt, da diese aber Teil der EU ist und die Zeit für eine entsprechende Absprache unter all den EU Staaten fehlte, war dies nicht möglich und wir befürchteten schon, dass es mit unserer Rede wieder nicht klappen würde. Doch dann kam uns Frau Breier, Leiterin der deutschen Regierungsdelegation, zur Hilfe und fragte zunächst erfolglos bei der Schweiz, dann aber erfolgreich bei Norwegen an - vielen Dank an Frau Breier! Toll zu sehen, dass wir als Jugendliche eine solche Unterstützung seitens der deutschen Delegation haben.

Die Rede war dann nicht nur ein tolles Erlebnis für uns, sondern wirklich erfolgreich! Am Ende der Rede klatschten einige der Anwesenden Beifall und der Vorsitzende merkte positiv die jugendliche Energie an, welche wir in die Runde mit hinein gebracht hätten. Unsere Rede beinhaltete auch einen konkreten Textvorschlag, bei dem unter anderem mehr Beteiligung von Jugendlichen auf allen Ebenen des CBD Prozesses gefordert wird. Dieser Vorschlag wurde dann im Laufe der Verhandlungen von drei Ländern Norwegen, Dominikanische Republik und Gabun (Zentralafrika) unterstützt - wir haben es also in den offiziellen Beschlusstext dieser COP geschafft! Ein toller Erfolg, der hoffentlich nur ein Anfang ist !!!

Und was haben wir sonst so gemacht? Da das Jugendnetzwerk GYBN (global youth biodiversity network) neu und vielen auf der Konferenz noch unbekannt ist, haben wir uns mit verschiedensten Gruppen wie z.B: Indigene, CBD Alliance (Zusammenschluss mehrerer NGOs) usw. getroffen, uns vorgestellt und Möglichkeiten der Zusammenarbeit diskutiert. Außerdem haben wir in der Konferenzzeitschrift ECO, die täglich erscheint und die von vielen Delegierten gelesen wird Artikel geschrieben und und unsere Meinung eingebracht.

Überrascht hat uns das große Interesse indischer Zeitungen an uns, es vergeht quasi kein Tag, ohne dass nicht irgendeine Zeitung (lokal oder überregional) über uns berichtet oder zumindest ein Bild auf der Titelseite von uns zeigt -wir scheinen anzukommen bei den Indern, und wir versuchen dieses Interesse natürlich zu nutzen.

In einer Pressekonferenz haben wir auch den sogenannten "Dodo Award" vorgestellt, welchen wir diese Woche dem Land verleihen werden, welches den Verhandlungsprozess durch sein Auftreten am meisten blockiert. Um auch Positives anzuerkennen gibt es gleichzeitig noch den "fleißige Biene“ Award, bei dem das Land, welches sich die meisten Mühen gibt und Kompromissbereitschaft zeigt, ausgezeichnet wird.

Die Verhandlungen als solches verlaufen bisher zumindest was das wichtigste Thema der Bereitstellung von finanziellen Mitteln zum Umsetzen der Ziele bis 2020 angeht eher schleppend. Es stehen die Entwicklungsländer, die von den Industriestaaten mehr Geld fordern, um Biodiversitätsmaßnahmen umsetzen zu können, den sogenannten Geberländern entgegen, die von den Entwicklungsländern zunächst Eigenmaßnahmen verlangen, um die entsprechenden Gelder auch effektiv umsetzen zu können.

Bisher streiten sich die Vertragsstaaten eher um formale Dinge, deshalb wird es eminent wichtig sein, dass jetzt in der zweiten Woche konstruktiv nach Lösungen für eine bessere Finanzierung gesucht wird und beide Seiten bereit sind Zugeständnisse zu machen. Insbesondere der Gastgeber Indien ist sehr an einem erfolgreichen Konferenzbeschluss interessiert und man kann nur hoffen, dass es am Ende, wenn der Druck auf alle noch mal erhöht ist und viele Länderminister anreisen, doch noch zu einer Einigung kommt.

Zum Schluss noch ein besonderer Dank an WWF Experte Günter Mitlacher, nicht nur, weil er bereit war, trotz allgemeinen Konferenzstresses ein längeres Interview mit mir zu machen, sondern auch, weil er mir immer wieder exklusiven Einblick verleiht in seine Arbeit, indem er mich mitnimmt zu Gesprächen mit den wichtigsten Delegierten verschiedenster Staaten wie Indien, Brasilien oder die Schweiz. Günter arbeitet hier auf der Konferenz zusammen mit Kollegen von birdlife international, conservation international und the nature conservancy und gemeinsam haben sie ein wichtiges Positionspapier zum Thema Finanzierung entwickelt. Sie treffen sich regelmäßig mit Delegierten aus den unterschiedlichen Vertragsstaaten, beraten diese und stellen ihre Sicht der Dinge vor.

Bei den Gesprächen lässt sich oft zwischen den Zeilen lesen, mit welcher Haltung und welchen Zielen die Delegierten bei den Verhandlungen auftreten werden und wo vielleicht Punkte sind, an denen man die Delegierten zu bestimmten Zugeständnissen und Meinungsänderungen bringen kann. Anhand der vielen persönlichen Gespräche wird dann versucht eine Strategie zu finden mit der man den Ausgang der Konferenz möglichst positiv beeinflussen kann. Bei den Treffen, an welchen ich teilnehmen konnte war ich wirklich überrascht von der Offenheit des Dialogs zwischen Delegierten und den NGO`s und hatte das Gefühl das am Ende beide Seiten bereichert aus den Gesprächen herausgehen.

Jetzt bin ich gespannt wies die kommenden Tage weitergehen wird und hoffe, dass wir als Jugendliche noch oft unsere Stimme erheben können und die Verhandlungen noch ein positives Ende für den Schutz der Biologischen Vielfalt nehmen werden.

Außerdem werde ich für euch das hochinteressante Interview mit Günter vom WWF bald online stellen.

Hier findet ihr meinen ersten Bericht von der UN-Konferenz!

Viele Grüße aus Hyderabad / Indien,

Christoph

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Kommentare (1)
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16.10.2012
Schimon hat geschrieben:
Danke für die News, Christoph. Es zeigt unter anderem, wie wenig auf einer Großkonferenz erreicht wird auch wenn sich alle Mühe geben und die rechtlichen Linien beachten :) Ansonsten ist es ganz interessant, mal direktes Feedback von Verhandlungen zu bekommen, die eine so hohe Priorität besitzen.
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