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© Martin Harvey / WWF-Canon
Mein erster Eindruck von der UN Konferenz zur Biologischen Vielfalt in Indien


von Chrisly
09.10.2012
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Namaste! (Seid gegrüßt) liebe WWF JUGEND Community,

ich berichte euch aus Indien von der großen Vertragsstaatenkonferenz der Vereinten Nationen (UN) zum Schutz der Biologischen Vielfalt (CBD = Convention on Biological Diversity), welche seit gestern in der indischen Stadt Hyderabad tagt.

Ich bin Teil der 7-köpfigen deutschen Jugenddelegation und werde daher die nächsten zwei Wochen live dabei sein können, wenn auf höchster politischer Ebene über den Schutz der Biologischen Vielfalt beraten wird. Wir, als Jugendvertreter, wollen versuchen die Beteiligung der Jugendlichen im gesamten CBD-Prozess zu stärken, denn obwohl wir die zukünftige Generation sind und die Entscheidungen der Politiker vor allem unsere Zukunft betreffen, fällt die Meinung der Jugend oft unter den Tisch. Deshalb haben wir bereits im Vorfeld der Konferenz ein internationales Netzwerk gegründet: GYBN (Global Youth Biodiversity Network) welches zum Ziel hat, dass Jugendliche, die aus unterschiedlichsten Ländern und Organisationen kommen und sich für das Thema Biodiversität einsetzen möchten, sich vernetzen und austauschen, um gemeinsam Initiativen für den globalen Biodiversitätsschutz ergreifen zu können. Mehr Infos unter: http://gybn.org/.

Bevor ich euch erzähle, was genau hier verhandelt wird, ein paar allgemeine Infos zur CBD Konvention: Das Staatsübereinkommen existiert seit ca. 20 Jahren und wurde von bisher 193 Staaten unterzeichnet, dass sind eigentlich alle außer der USA und eine paar sehr kleinen Staaten (z.B. Vatikanstaat). Seine drei Hauptziele sind der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt, sowie die gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus der wirtschaftlichen Nutzung der genetischen Ressourcen ergeben. Grundsätzlich gilt bei allen Entscheidungen das Konsensprinzip, d.h. alle Entscheidungen müssen einstimmig beschlossen werden, dass macht die Verhandlungen oft langwierig und schwierig. Die Vertragsstaaten treffen sich alle zwei Jahre, um neue für alle verbindliche Entscheidungen zu treffen, jetzt in Indien zum insgesamt elten Mal.

Worum geht es jetzt bei den aktuellen Verhandlungen? Die Staatengemeinschaft hatte das Ziel, bis 2010 den Verlust der biologischen Vielfalt deutlich zu reduzieren. Dieses Ziel wurde nicht nur verfehlt, sondern der globale Artenverlust nahm bis dahin sogar noch deutlich zu (und tut es immer noch)! Vor zwei Jahren beschloss die Konferenz deshalb einen strategischen Plan mit 20 Zielen zur Reduzierung des weltweiten Arten und Ökosystemverlusts bis 2020.

Hier in Indien geht es nun darum, wie die einzelnen Staaten diese Ziele konkret in ihrem Land umsetzen können und mit welchen Indikatoren objektiv gemessen werden kann, wie gut oder schlecht ein Land diese Ziele umsetzt. Außerdem ist ein wichtiges Thema, wie man diese Schutzmaßnahmen finanzieren kann und wie viel Geld die einzelnen Ländern überhaupt ausgeben müssten, um die weltweite Biodiversität effektiv zu schützen. Auch der Schutz von Meeres und Küstengebieten ist ein Schwerpunktthema der Verhandlungen, da bisher nur 0,5% aller Meeresgebiete unter Schutz stehen im Vergleich zu mehr als 11% terrestrischen Gebieten. Auch der WWF Deutschland ist mit drei Experten hier in Indien, welche sich vor allem um das Thema Finanzierung und Küsten- Meeresnaturschutz kümmern. Wenn ihr mehr über die Arbeit des WWF bei der CBD erfahren wollt, findet ihr hier weitere Infos.

Nun wie ist es konkret hier vor Ort? Natürlich bekommen wir neben den Verhandlungen auch etwas vom den Leuten und der Kultur des Landes mit. Wenn wir das Konferenzgebäude verlassen und uns mit einer Riksha einen Weg durch die Stadt bahnen auf völlig überfüllten Straßen, zeigt sich der große Kontrast zum UN Konferenzgelände, auf welchem alles abgesichert ist durch zahlreiche Securities und die meisten mit Anzug und Krawatte in klimatisierten Verhandlungsräumen sitzen.

Gestern am ersten Verhandlungstag war erst einmal die große Eröffnungsrunde, bei der wir als Jugendliche auch eine kurze Rede halten durften - zumindest war dies so geplant. Da jedoch verschiedene Staaten und andere Organisationen sich nicht an ihre Redezeit von drei Minuten gehalten haben, war das Zeitlimit überschritten und wir dürfen unsere Rede nun erst am Freitag halten. :( Ironischer Weise hatten zuvor einige Staaten in ihrer Rede erwähnt wie wichtig es ist, Jugendliche bei den Schutzbemühungen mit einzubinden und Mahatma Gandi zitiert, Redezeit haben Sie uns dann jedoch nicht mehr gegeben.

Trotzdem haben wir es uns nicht nehmen lassen unsere Rede zu halten und per YOUTUBE der Welt zu zeigen. Danach gab es allerdings eine wirklich schöne Eröffnungsfeier mit indischen Tänzen und Musik.

Das solls fürs Erste einmal aus Indien gewesen sein, jetzt bin ich mal gespannt wie's hier weiter geht, heute wollen wir uns noch mit Frau Breier, Leiterin der deutschen Regierungsdelegation treffen und mal schauen wie sich die Verhandlungen so entwickeln während der nächsten Tage und wie wir uns als Jugendliche einbringen können - wir haben schon einiges geplant...

Wer Fragen oder Anmerkungen für mich hat, kann mir gerne eine Nachricht schreiben, außerdem gibt’s auch regelmäßige News von uns hier in der Community sowie auf diesem Blog.

Viele Grüße aus Hyderabad,
Christoph

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Kommentare (7)
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Sortieren nach Aktualität:
16.10.2012
Chrisly hat geschrieben:
Ja mach das mal und gib mir dann bescheid ;)
13.10.2012
Janine hat geschrieben:
Ich finde, dass 100 Milliarden Euro pro Jahr sehr viel Geld nur für das "Umdenken" wäre, das aber konkret ergebnislos bleibt. Dann muss ich wohl mach nachforschen, was da eigentlich mit angestellt wird ;o)
12.10.2012
Chrisly hat geschrieben:
JA also was die Klimakonvention angeht erstmal : Ich bin kein Experte für dieses Thema und kenn mich da nur ganz am Rande aus, außerdem will ich nicht sagen, dass dort alles gut läuft und man nicht sehr viel schneller und effektiver arbeiten sollte um z.B. noch eine realistische Chance zu haben das 2 Grad Ziel erreichen zu können.
Aber was definitiv erreicht wurde ist, dass das Thema Klimawandel Gesellschaftlich bekannt und größtenteils anerkannt ist und überhaupt das die Weltgemeinschaft anerkennt, dass der Klimawandel existiert und nicht nur eine böse Erfindung von Umweltaktivisten ist. Die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf dieses Thema war vor der Konvention gleich Null. Wenn ich Leute auf der Straße anspreche dann kann inzwischen mit Klimawandel fast jeder zumindest "etwas" anfangen, dass ist z.B.beim Thema Biodiversität längst noch nicht so, da verstehen viele nur Bahnhof.
Wenn man sich die Finanzen anschaut und es mit dem CBD Prozess vergleicht:
bisher gibt die Weltgemeinschaft zum Schutz der Biodiversität ca. 30 Milliarden aus jedes Jahr - jetzt für Hyderabad ist die sehr optimistische Forderung z.B, von WWF 50 Milliarden euro pro Jahr, aber es wäre ein absolutes Wunder wenn das klappen würde.
Und jetzt im Vergleich: Für den Klimawandel gibt die Weltgemeinschaft jetzt schon zugesichert bis 2020 jährlich 100 Milliarden Euro aus jedes Jahr - also das da gar nichts passiert kann man dann finde ich wirklich nicht sagen.
Indische Grüße;)
christoph
11.10.2012
Janine hat geschrieben:
Kannst du ein paar konkrete Beispiele für die Erfolge der Konferenzen für den Klimaschutz nennen? Und damit meine ich nicht Ziele die bis 20xy umgesetzt werden sollen ;o)
11.10.2012
Chrisly hat geschrieben:
hey,
@ Janine: Ja unser Statement war super !! Schreien ist aberbei UN Verhandlungen nicht ;) dafür Klatschen und das haben einige Delegierte nach unserer Rede :)
@LSternus: Naja das mit der USA ist ne zweischneidige Sache es gibt hier durchaus ncht wenige, die heil froh sind das die USA nicht dabei sind, dann können sie den Prozess nämlich nicht blockieren und die Verhandlungen sind weniger komplex. Auf der anderen Seite nimmt die USA natürlich massiv einfluss über andere Länder (die quasi für die USA sprechen) und ja der nationalen Biodiversität der USA würde es sicher gut tun, würde sich die Politik an das Regelwerk der CBD halten.
"alljährlich floppend" würde ich übrigens nicht sagen, gerade im Klimaschutz wurde in den letzten 10 Jahren viel erreicht, auch wenn nicht alle Konfernzen soviel brachten wie erhofft, wird in den Klimaschutz bei weitem mehr investiert wie beispielsweise zum Thema Biodiversität.
beste Grüße
11.10.2012
Janine hat geschrieben:
Ach Christoph, das klingt wahnsinnig spannend! Ich bin echt gespannt, wie eure Rede morgen aufgenommen wird!! Und ich weiß ganz genau, dass ihr euch ordentlich einsetzen werdet, sodass hoffentlich endlich mal was passiert! Ich bin leider ähnlich pessimistisch wie LSternus. Allerdings bist diesmal ja du dabei! Bitte, bitte schrei wenn es sein muss!!! ;o) Viel Erfolg für morgen! und den rest der Konferenz!
10.10.2012
LSternus hat geschrieben:
Gerade die USA sollte mal das Abkommen unterzeichnen.
Ich bleib leider mal dabei: Wenn das eine ähnliche große Enttäuschung wird wie die alljährlich floppenden Klimakonferenzen, wäre ich nicht mal sonderlich überrascht.
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