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© Martin Harvey / WWF-Canon
Die letzten Naturparadiese der Erde: Die Kirgisischen Bergregionen


von FabianN
29.10.2014
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Mit seinen fast 200 000 Quadratkilometern gehört die erst seit 1991 unabhängige Kirgisische Republik zu den kleineren Ländern Zentralasiens und wird von den Nachbarstaaten Kasachstan, Tadschikistan, Usbekistan und China umrahmt.


                                                 „Der Abend ist klüger als der Morgen.“
                                                             Kirgisische Weisheit


Majestätische Berge, soweit das Auge reicht. Ein hoher Gipfel reiht sich an den nächsten, eine unsichtbare Linie trennt den nackten, kalten Fels von den schneebedeckten Bergspitzen. Manche Stellen sind das ganze Jahr über Gletschern und nie schmelzendem Schnee bedeckt. In den hoch gelegen Tälern Kirgisistans herrschen eintönige Steppen mit spärlicher alpiner Vegetation vor. Hin und wieder kommt der scheue Herrscher dieses rauen, unwirtlichen Landes zum Vorschein.


Diese Jurten sind die traditionellen Zelte der kirgisischen Nomaden

Im Süden Kirgisistans erstrecken sich die Alai- und Transalaigebirge sowie Ausläufer des Pamir. Mehr als fünfzig Prozent des Landes liegen über unwirtlichen 2.500 Metern. Im restlichen Teil des Landes erhebt sich das Gebirgssystem des Tien Shan, das „Himmelsgebirge“. In seinen Böden weist Kirgisistan eine Fülle an Schätzen auf, welche man auf den ersten Blick nicht vermutet. Zwar sind die Vorkommen nur gering, doch wird in dem kargen Land das größte Goldvorkommen unserer Erde erahnt.


Vom Hochgebirge bis hin zur Wüste – durch diese unterschiedlichen Lebensräume auf engstem Raum, konnten sich in Kirgisistan die unterschiedlichsten Bewohner etablieren. Mit seinen 20.000 verschieden Arten, von denen viele endemisch sind, zählt Kirgisistan weltweit zu den Hotspots der Biodiversität. Die meisten Arten sind perfekt an die dort herrschenden Bedingungen angepasst.


Auf 1.600 Metern Höhe im Zentrum des Tien Shan-Gebirges befindet sich der Issyk-Kul, der heilige See der Kirgisen. Aufgrund seinen 700 Metern Tiefe, seinem geringen Salzgehalt und den zahlreichen warmen Quellen friert der zweitgrößte Hochgebirgssee der Welt selbst im Winter nicht zu. Durch seinen reichen Vorrat an Fisch bildet er nicht nur eine wichtige Nahrungsquelle in der Region, sondern dient auch als Rastgebiet für Zugvögel. Am Südufer des Issyk-Kul finden sich auf den bis zu 7.000 Meter hohen Bergketten des Himmelsgebirges Tien Shan die weltweit längsten Gletscher außerhalb der Polarregionen.   

Im Vordergrund der Issyk-Kul, im Hintergrund die Ausläufer des Tien Shan

Ebenso charakteristisch sind die Hochgebirgstäler, Syrten genannt, mit ihren bilderbuchgleichen blumenreichen Hochgebirgsmatten und den weiten Hochebenen. In den tieferen Lagen herrschen aufgrund großer Trockenheit Wüsten und Halbwüsten vor. Die Dauerfrostböden der Nordhänge des Issyk-Kuls sind mit dichten Fichtenwäldern bedeckt, in denen sich Isabell-Braunbär (Ursus arctos isabellinus), Luchs (Lynx lynx) und Sibirisches Reh (Caproelus pygargus)  gut getarnt zwischen den Bäumen tummeln. Durch die Hochgebirgssteppen um den See streifen das Steppenschaf, der Pfeifhase sowie das seltene Marco-Polo-Schaf (Ovis ammon polii). Die Lüfte werden von kreisenden Bartgeiern (Gypaetus barbatus) und anmutigen Steppenadlern (Aquila nipalensis) beherrscht. Nicht weit entfernt von dieser surreal schönen Landschaft bevorzugt eine Raubkatze eisigere Regionen…


Er klettert in Höhen von bis zu 5.500 Meter. Mit seiner gut ausgebildeten Brustmuskulatur, den kurzen Vorderbeinen und den dicken Pranken ist der Schneeleopard (Panthera uncia) perfekt an ein Leben in dieser Umgebung angepasst. Durch diese Anpassungen ist er in der Lage über bis zu sechzehn Meter breite Gletscherspalten zu springen. Sein langer, dicker Schwanz hilft ihm, die Balance zu halten und das weiß-graue Fell mit den dunklen Ringen tarnt ihn bestens in seinem verschneiten, felsigen Lebensraum. Er ist der einsame Herrscher dieses rauen, unter den Eingriffen des Menschen leidenden Naturparadieses…


Ein Blick in die Zukunft:
Im Jahr 1994 betrug der durchschnittliche Monatslohn 235 Som (= 11 Euro). Damit zählt Kirgisistan zu den ärmsten Ländern der Welt. Der landwirtschaftliche Sektor stellt in der kirgisischen Wirtschaft die wichtigste Stütze dar. Die kommerziellen Methoden schaden allerdings den Ökosystemen enorm. Durch veraltete Bewässerungssysteme und Land-Degradierung schadet man dem Land, das bestellt wird. 60 Prozent der Böden Kirgisistans sind von Erosion betroffen. Durch das Schmelzen der Gletscher aufgrund der Klimaveränderungen wird dieses Problem noch verstärkt. Stellt man nicht bald auf nachhaltige Landnutzungsformen um, droht in naher Zukunft der Zusammenbruch weiterer Ökosysteme. Hinzu kommt, dass in Kirgisistan zwar Schutzgebiete existieren, jedoch meistens nur auf dem Papier. Deren Verwaltungen sind nicht ausreichend ausgestattet, um eine Instandhaltung zu gewährleisten. Oftmals sind die nicht bezahlten Wildhüter selbst an der illegalen Entnahme von Wildtieren aus Ökosystemen beteiligt. Neben illegaler Jagd ist auch die Fischerei ein großes Problem. Durch seine seltenen Tierarten wie dem Sibirischen Steinbock und dem Isabell-Braunbären ist das Naturparadies Kirgisistan ein beliebtes Ziel von Trophäenjägern.                                      

Der Schneeleopard selbst wird beispielsweise vorrangig von Wilderei und illegalem Handel, jedoch auch von Lebensraumverlust und dem Abschuss seiner Beutetiere bedroht. Aufgrund der traditionellen chinesischen Medizin sowie seinem heiß begehrten Pelz, werden Schneeleoparden in beinahe allen zwölf Verbreitungsländern illegal gehandelt und gewildert. Des Weiteren schrumpfen die Nahrungsquellen des Schneeleoparden durch die Jagd auf Wildschafe und kleine Beutetiere der Raubkatze. Außerdem kommt es zu fortschreitenden Erschließungen des Lebensraums des Schneeleoparden durch die Intensivierung der Weidewirtschaft. Dadurch werden die einzelnen Schneeleopardenpopulationen stärker voneinander isoliert und die Fortpflanzung wird schwieriger. Bei einer solchen wirtschaftlichen Krise rücken diese Umweltprobleme allerdings schnell in den Hintergrund. Dennoch wird etwas zum Schutz dieses einzigartigen Naturparadieses unternommen…


Was wird getan, um dieses Naturparadies zu erhalten?
Der NABU setzt sich sehr stark für den Erhalt der Schneeleoparden in Kirgisistan ein. Im Auftrag des NABU durchstreifen vier sorgfältig ausgelesene Ranger das kirgisische Hochgebirge auf der Suche nach Wilderern. Jeder Hinweis der Bevölkerung auf Wilderer wird überprüft. Außerdem betreibt der NABU in der Nähe der kirgisischen Stadt Ananyevo das weltweit größte Freigehege für Schneeleoparden. Neben der Zucht werden hier auch verletzte Tiere gesundgepflegt und wieder freigelassen. In Schulen versucht der NABU durch Umweltbildung Schüler und Lehrer für den Naturschutz zu begeistern. Denn genau dieser ist nötig, um dieses raue, unwirtliche Naturparadies zu erhalten.

Die NABU-Ranger Gruppa Bars im Einsatz gegen Wilderer

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In der letzten Naturparadies-Folge werdet ihr in die Patagonische Steppe entführt!
Text: FabianN (Fabian Nagel)
Bilder: nabu.de
Schneeleopard-Bild: wwf.de
Quelle: nabu.de ; geo.de ; wwf-jugend.de
 

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Kommentare (6)
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Sortieren nach Aktualität:
30.10.2014
sophka_ hat geschrieben:
Wow wunderschön! :0
30.10.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Total schön, wei du die Landschaft beschrieben hast. Man kann sich total gut vorstellen, wie es dort aussieht!
Ich hoffe, dass dieser wunderschöne Ort mit seiner Artenvielfalt erhalten werden kann.
30.10.2014
OekoTiger hat geschrieben:
Spitze!
30.10.2014
NelEng hat geschrieben:
Dein Bericht ist absolute spitze!

Man kriegt das Gefühl, DIREKT in diese traumhaftschöne Landschaft gezogen zu werden: Die Berge, die frische Luft, viel Freiraum so weit das Auge reicht. Kein Wunder, dass sich die Schneeleoparden dort so wohl fühlen. Da muss definitiv etwas gegen die Wilderei unternommen werden!
30.10.2014
Rastello hat geschrieben:
Dein Bericht ist super, FabianN !

Ich finde, dass diese Landschaft wunderschön ist ; man muss sie bewahren, sowie alle Tierarten, die dort leben, wie z.B. der Schneeleopard...
30.10.2014
midori hat geschrieben:
Endlich eine neue Folge und wieder mal absolut grandios! Auf den ersten Blick wirkt die Landschaft in dieser Region immer recht trist und eintönig. Aber wenn man genau hinschaut, sieht man wunderbare Natur! Danke für den tollen Einblick! :o)

Aber... die Wildhüter sind auf diesem riesigen Gebiet grade mal zu viert? Das ist natürlich krass!
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