Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


© Staffan Widstrand / WWF
Eisbären in der Klimafalle


von Marcel
22.07.2011
15
0
100 P

Für viele war es bereits klar: Die Eisbären sind durch den Klimawandel akut bedroht. Für alle, die bisher daran gezweifelt haben, gibt's jetzt den wissenschaftlichen Beweis. Die durch den Klimawandel beschleunigte Eisschmelze in der Arktis wird einer aktuellen Studie zufolge, zu einer immer größeren Bedrohung für die Eisbären.

"Wir vermuten schon lange, dass Eisbären durch die abnehmende Meereisfläche gezwungen sind, deutlich längere Strecken schwimmend zurückzulegen und durch Erschöpfung im Meer zu ertrinken drohen. Diese Gefahr ist nun erstmals empirisch bewiesen", erklärt Stefan Ziegler, Artenschutzreferent beim WWF Deutschland. Besonders die Jungtiere müssen immer häufiger sterben, weil das Meereis zurückgeht.

Die Ergebnisse basieren auf der Auswertung von Satellitendaten. Zwischen 2004 und 2009 wurden die Schwimmdistanzen von 68 mit GPS-Sendern ausgestatteten Eisbärweibchen aufgezeichnet. Dabei kam heraus, dass die Sterblichkeitsrate der Jungtiere deutlich höher war, je länger die zurückgelegten Schwimmdistanzen wurden. Im Untersuchungszeitraum legten elf Eisbärmütter Einzelstrecken von mehr als 30 Kilometern zurück. Fünf von ihnen verloren in dieser Zeit ihr Junges, was einer Sterblichkeit von 45 Prozent entspricht. Bei den Eisbärjungen, die Einzelstrecken von weniger als 30 Kilometern mit ihrer Mutter zurücklegten, lag die Sterblichkeit bei nur 18 Prozent. Der Rekordwert an insgesamt zurückgelegter Strecke lag bei 687 Kilometern und rund 12 Tagen. Männliche Eisbären wurden nicht in die Studie einbezogen, da sie aus anatomischen Gründen nicht mit Sendern ausgestattet werden können. Ihre muskulösen Nacken sind größer als ihr Kopf.

Der WWF-Eisbärexperte Geoff S. York erklärt, warum das Eis für die Eisbären so wichtig ist: "Wissenschaftler haben innerhalb von zehn Jahren registriert, dass seit 1978 das arktische Sommereis um 7,7 Prozent zurückgegangen ist und das dauerhafte Seeeisgebiet um bis zu 9,8 Prozent kleiner geworden ist. An einigen Stellen hat man festgestellt, dass das Seeeis merklich dünner geworden ist, um 32 Prozent und mehr gegenüber dem Eis in den 60er und 70er Jahren. Was noch wichtiger ist: Das Eis schmilzt früher im Jahr und bildet sich später. Dadurch verkürzt sich die Zeit, die den Eisbären zur Verfügung steht, um auf dem Eis zu jagen und sich Fettreserven für den Sommer und den Herbst zuzulegen. Die Zeiträume, in denen die Eisbären ohne Nahrung auskommen müssen, werden also länger – die körperliche Konstitution der Tiere wird dadurch geschwächt. Kurz gesagt, ist also der Verlust ihres Lebensraums als Folge der globalen Erwärmung in der Arktis der wichtigste Faktor, der das zukünftige Überleben der Eisbären beeinflusst."

Auf dieser Karte siehst du, wo in der Arktis noch Eisbären leben und wie sich ihr Zustand verändert.

Weltweit leben 20.000 bis 25.000 Eisbären. Die Weltnaturschutzunion IUCN befürchtet, dass dieser Bestand um mindestens 30 Prozent in den nächsten 45 Jahren schrumpfen wird - als Folge der verstärkten Packeisschmelze. Auch Meeresverschmutzung, die zunehmende Schifffahrt sowie die Erforschung und Förderung von Öl- und Gasvorkommen in der Arktis gefährden die bestehenden Eisbärpopulationen. Seit dem Jahr 2006 wird der Eisbär deshalb in der Kategorie "gefährdet" auf der Roten Liste der IUCN geführt. Mit Maßnahmen zur Dämpfung des Klimawandels und Anti-Wilderei-Programmen versucht der WWF, den Eisbären und seinen Lebensraum zu schützen.

Die Ergebnisse der Studie "Long-distance swimming events by adult female polar bears in the southern Beaufort and Chukchi Seas" von Anthony M. Pagano, Kristin S. Simac, George M. Durner, und WWF-Polarexperte Geoff S. York wurden im Rahmen der International Bear Association (IBA) Conference in Ottawa, Kanada veröffentlicht.

Bild: © Terry Domico / WWF-Canon

Weiterempfehlen

Kommentare (15)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
22.07.2013
Himbaerchen hat geschrieben:
Ich finde, man darf nicht zulassen, dass diese tollen Tiere einfach so aussterben! ;(
22.07.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
25.07.2011
redmary hat geschrieben:
ok, danke @Marcel =)
25.07.2011
Marcel hat geschrieben:
@redmary: Der wichtigste Beitrag für jeden von uns ist konsequenter Klimaschutz. Wenn jeder von uns auf Standby verzichtet, effiziente Geräte nutzt und öfter mal auf's Rad steigt, würden wir schon einiges an CO2 einsparen. Über die Ernährung kann man ebenfalls das Klima schonen (Obst und Gemüse nach Saison, weniger Fleisch). Darüber hinaus kannst Du andere Menschen für den Klimaschutz begeistern. Zeig ihnen die Argumente, die Du auf unserer Website findest (Rubrik "Klima" unter "Entdecken"), und muntere andere dazu auf, ebenfalls klimafreundlich zu leben. Und Du kannst durch eine Mitgliedschaft bei der WWF Jugend den WWf stärken, der sich in Politik und Wirtschaft für mehr Klimaschutz einsetzt. Wenn Du hiervon etwas tust, dann hast Du den Eisbären schon ein gutes Stück geholfen.
25.07.2011
redmary hat geschrieben:
Was kann ein Einzelner für die Eisbären tun ?
23.07.2011
Rhino hat geschrieben:
LSternus: mit der Aussage wäre ich vorsichtig, denn Eisbären in zoologischen Einrichtungen weisen derart große Verhaltensstörungen auf, das sie garnicht in der Lage wären, in freier Wildbahn klarzukommen
23.07.2011
LSternus hat geschrieben:
@Schimon: Die Idee ist gut aber viel zu riskant! Große Raubtiere wie Eisbären in andere Gebiete umzusideln ist wie ein Tanz auf einem Vulkan. Möglich wäre das vielleicht in Nordsibirien, Kanada oder Norwegen. Im Moment allerdings werden die Nachzuchten aus Zoos gebraucht um die Bärenpopulation stabil zu halten.
22.07.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
@JohannesB: Allerdings müssten das dann schon teifgreifende Veränderungen sein...in vielerlei Hinsicht geht es zwar vorwärts, aber das ist alles sehr zäh...wir müssten eigentlich sofort unsere Emmissionen drastisch senken....gewusst wie...ich will nicht pessimistisch sein, aber irgendwie kann ich auch nicht zufrieden sein. Es ist schwer einzuschätzen, WIE schlimm es mit unserer Erde wirklich steht und was genau nötig wäre. Man bräuchte mal so eine allumfassende Vogelperspektive und dann Konsens mit anderen Nationen...aber, Du hast recht: Dazu sind wir ja da :)
22.07.2011
Rhino hat geschrieben:
Schimon: das ist gefährlich und riskant ;) wenn man die Bären z. B. in der Antarktis einführen würde, hätten die dortigen Robben einen vollkommen neuartigen Feind, und es wird Jahre dauern, bis sie sich an diesen gewöhnt haben. So eine Verfrachtung brächte ökologische Schäden mit sich und das sollte der Mensch auf teufel komm rasu vermeiden! Viel zu viele Arten haben wir durch solche Verfrachtungen schon verloren...
22.07.2011
Schimon hat geschrieben:
Ist es nicht möglich, Teile des momentanen Eisbärenbestands in ähnlich kalte Zonen zu verfrachten mit annähernd gleichen Umweltfaktoren?
22.07.2011
JohannesB hat geschrieben:
@Gluehwuermchen: Genau, die Eisschmelze, die wir jetzt beobachten ist Ergebnis der letzten Jahre und Jahrzehnte. Aber wenn jetzt schnell und konsequent gehandelt wird, sind Arktis und Eisbär noch nicht verloren! Die Lage ist extrem ernst, aber nicht aussichtslos. Also nur nicht den Mut verlieren :)
22.07.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Klar, so habe ich das nicht gemeint. Ich wollte nur sagen: Die Wärme, die JETZT die Eisschmelze verursacht ist ein Resultat der letzten Jahrzehnte und die können wir nicht mehr stoppen. Der Zug ist schon abgefahren. Wir können nur verhindern, das es NOCH schlimmer wird.
22.07.2011
JohannesB hat geschrieben:
@Gluehwuermchen und Angelina: Das Klimasystem reagiert zwar träge, unser Verhalten wirkt sich also erst verzögert darauf aus und es gibt schon dramatische Eisverluste. Aber das ist kein Grund jetzt zu resignieren. Wir können und müssen noch eine Menge tun, um das Klima und damit Eisbären und Co. zu retten!
22.07.2011
Angelina hat geschrieben:
Das macht mich ziemlich traurig...
Aufgrund dieser verdammten Klimaerwärmung müssen so viele Tiere leiden..
Und wenn es stimmt, dass man das Schmelzen des Eises nicht mehr aufhalten kann, müssen wir wirklich langsam mehr und mehr tun um nächste Tierarten zu schützen.
22.07.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Und das Schmelzen des Eises lässt sich nicht mehr aufhalten... Das einzige was wir tun können ist, zu vermeiden, dass die nächsten Tierarten schrumpfen, aufgrund von Klimaerwärmung....
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Könnte dir auch gefallen
Ein Leben für die Gorillas
Ein Leben für die Gorillas
"Mütter sind Mütter, ob das jetzt ein Gorilla ist oder ein Mensch – ich glaube... weiter lesen
"Haste mal Bambus?" (153) -...
Warum Gauland die Arschkarte bekommt, was die EM von Blattläusen und Pavianen lernen kann ... weiter lesen
Entwaldung im Amazonas nimmt zu!
Entwaldung im Amazonas nimm...
Die Abholzung des brasilianischen Amazonas steigt wieder - und zwar um satte 29 Prozent! Wie d... weiter lesen
Gibt es noch Hoffnung für den kleinsten Wal der Welt?
Gibt es noch Hoffnung für ...
Vaquitas sind sehr selten. Es gibt nur eine einzige Population weltweit. Im Golf von Kali... weiter lesen
#ClimateDiploDay – dein Beitrag zur Klimadiplomatie
#ClimateDiploDay – dein B...
Die Einigung auf einen neuen weltweiten Klimavertrag in Paris im Dezember 2015 war ein historis... weiter lesen
Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil