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© Staffan Widstrand / WWF
Die letzten Naturparadiese der Erde: das Bering-Meer


von FabianN
16.05.2012
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Von Alaska bis Russland erstreckt sich diese Ökoregion über 1 000 000 Quadratkilometer. In diesem riesigen Gebiet liegt der Aleuten-Gipfel und die Bering-Straße, die den Tschuktschen-See im Norden, einem Randmeer des Nordpolarmeers, mit dem Bering-Meer im Süden, einem Teil des Pazifiks, verbindet. Die Bering-Straße besitzt eine stolze Breite von rund 85 Kilometern und eine Tiefe von dreißig bis fünfzig Metern.
 

„Mondschein und Eis der Polarnächte scheinen aus einem Traum
von einer anderen Welt zu sein, ein vergeblicher Traum.
Doch was wäre das Leben ohne Träume?“
Fridtjof Nansen, Friedensnobelpreisträger 1921, Botschafter und Forscher

 

Die Bering-Straße lag während der Eiszeit wiederholt trocken und war somit zu Fuß passierbar. Dies nutzten die asiatischen Völker in 40 000 Jahren des Öfteren, indem sie die Landbrücke überquerten, um den amerikanischen Kontinent zu erreichen. Das Bering-Meer ist eine Ökoregion, die sich zwischen zwei sehr unterschiedlichen Lebensräumen erstreckt. Geprägt wird sie von Meer, Eis und Inseln. In dieser Region leben ca. 100 000 Menschen, vor allem indigene Stämme, die sich in Kanada selbst als Inuit bezeichnen. In Russland und den United States, Kanada ausgenommen, bezeichen sie sich als Eskimos. In dieses Gebiet kamen im Laufe der Zeit viele Europäer, angefangen mit Walfängern im siebzehnten Jahrhundert, gefolgt von Forschern im achtzehnten und den Fallenstellern und Trappern im neunzehnten Jahrhundert. Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts richtete sich die Konzentration der Wirtschaft auf die Exploration und Förderung von Erdöl- und Kohlevorkommen. Der Ausbau des Transsibirischen Eisenbahnnetzes und der technische Fortschritt haben das zuvor herrschende Gleichgewicht verändert und ein nicht zu kontrollierendes Bevölkerungswachstum bewirkt. Seit Jahrhunderten hat der ungewöhnliche Reichtum des Bering-Meeres das Leben und die Kultur der von ihm abhängigen Völker beeinflusst. Diese Ökoregion bietet nämlich besonders wertvolle Biodiversitäten. Zwar bietet das Bering-Meer nicht sonderlich viele Lebensmöglichkeiten für Landsäugetiere, doch findet man im Bering-Meer eine besonders hohe Vielfalt an Meerestieren: mehr als 450 Fischarten und 26 Meeressäugetiere. Siebzig Prozent der Gesamtpopulation der Nördlichen Seebären (Callorhinus ursinus) aus der Familie der Ohrenrobben und mehr als achtzig Prozent der fortpflanzungsfähigen Eisbärweibchen (Ursus maritimus) leben in dieser Ökoregion.

Die Arktis ist auch das Habitat der Walrosse (Odobenus rosmarus). Dieses riesige Säugetier kann bis zu vier Meter lang werden und ein Gewicht von bis zu vierhundert Kilogramm erreichen. Wie viele andere in klimatisch extremen Regionen lebende Tiere hat das Walross eine außergewöhnliche körperliche Eigenschaft entwickelt: Das Gewebe nahe der Hautoberfläche ist meistens nur schwach durchblutet, sodass keine Abkühlung des Körpers stattfinden kann.

Jedoch können von der Sonne erwärmte Zonen gezielt äußerst stark durchblutet werden, um auf diese Weise die Erwärmung des ganzen Körpers zu unterstützen. Wegen der enormen Größe braucht sich das Walross außer Schwertwalen und Eisbären vor keinen natürlichen Feinden (Prädatoren) zu fürchten. Die größte Bedrohung geht, wie so oft, vom Menschen aus, der das Walross vor allem wegen seiner Haut, seines Trans und des wertvollen Elfenbeins von den Stoßzähnen jagt, die wie zwei schimmernde Schwerter aus dem Oberkiefer ragen. Obwohl das Walross auf der ganzen Welt vom Aussterben bedroht ist, existieren im Bering-Meer noch zahlreiche fortpflanzungsfähige Kolonien.

Auch Belugas fühlen sich in diesem Ökosystem heimisch:

Eines der wichtigsten Gebiete dieser Ökoregion stellt das Delta des Yukons in Alaska dar, in dem 750 000 Schwäne und Wildgänse, einhundert Millionen unterschiedlicher Arten von Watvögeln (Limikolen) und zwei Millionen Enten vorkommen. Dadurch ist es in ganz Nordamerika das Gebiet mit der höchsten Anzahl an brütenden Meeresvögeln, Enten und Watvögeln. An den schroffen Felsenküsten und auf den Inseln ist oft ein ohrenbetäubendes Getöse zu vernehmen, gewaltige Schwärme von Vögeln treffen hier in den Sommermonaten an ihren Brutstätten ein, genau in der Zeit, in der das größte Angebot an Fischen und Krustentieren im Meer vorhanden ist. Sobald sich dann Ende August die ersten Schneefälle ankündigen, zieht der größte Teil der Vögel wieder nach Süden. Zurück bleiben beispielsweise die Eissturmvögel (Fulmarus glacialis) und aus der Familie der Fasanenartigen das Moorschneehuhn (Lagopus lagopus) und das Alpenschneehuhn (Lagopus mutus). Auch was die Flora angeht, weist das Bering-Meer Rekordwerte auf. An so manchen Stellen gibt es die größten Wiesen aus Gewöhnlichem Seegras auf dem Planeten. Diese Seegraswiesen wachsen unter Wasser im Gezeitenbereich der Küsten. Solche Seegraspflanzen besitzen lang gestreckte, flache Blätter, bilden ährenförmige Blütenstände und vermehren sich überwiegend durch lange unterirdische Rhizome. Außerdem tragen diese Pflanzen entscheidend zur Sauerstoffgewinnung der Gewässer bei und bilden Schutz- und Fortpflanzungszonen für die Lebewesen aus der Pflanzen- und Tierwelt, zum Beispiel leben dort junge Fische und Larven in einem der letzten Naturparadiese der Erde.


 

Ein Blick in die Zukunft:
Vor allem in den Meeresökosystemen, die Fortpflanzungszentren und „Kinderstuben“ von wirtschaftlich wichtigen Fischarten darstellen, musste man in den letzten Jahren Besorgnis erregende Anzeichen der Verarmung und des Verfalls feststellen. Jedoch lässt sich im Bering-Meer immer noch ein enormer Reichtum an Lebewesen feststellen, außerdem herrschen in diesem Lebensraum Bedingungen vor, durch die der Lebensraum des Bering-Meers auch drohenden Krisen standhalten kann. Doch beginnen einige Probleme, das Ökosystem der Bering-Meers zu gefährden. Wissenschaftler teilen die Meinung, dass der Klimawandel besonders auf die arktischen Regionen einen fatalen Einfluss hat. Das Schmelzen der riesigen Eismassen bedroht nicht nur einzelne Lebewesen oder Arten, sondern gesamte Ökosysteme. Untersuchungen der Tierpopulationen liefern alarmierende Ergebnisse: Es sind sieben Wahlarten stark gefährdet und die Population des Stellerschen Seelöwen
(Eumetopias jubatus) wurde in den letzten zwanzig Jahren um extreme achtzig Prozent verringert. Die Folgen sind vor allem auch wirtschaftlicher Natur: Die Fischbestände wurden durch den sehr intensiv betriebenen Fischfang der Vereinigten Staaten und Russland ohne Rücksicht auf Verluste ausgebeutet, wodurch viele Krustentier- und Fischarten zunehmend verschwinden oder gar schon ausgestorben sind. Beispielsweise die Bestände des Herings, früher ein beliebter Speisefisch, der in gewaltigen Mengen gefangen wurde, sind drastisch zurückgegangen. Weitere Probleme bilden der Walfang und die Umweltverschmutzung. Giftige Substanzen konzentrieren sich in den, vor allem in den Polarregionen, enormen und überlebenswichtigen Fettschichten von großen Raubtieren, wie beispielshalber Eisbären oder Wale. Langlebige organische Stoffe findet man aber nicht nur in den Organismen von Wildtieren, sondern auch im Menschen. Zusätzliche Gefahren sind die Verbreitungen neuer Arten wie zum Beispiel Ratten, Quallen, Füchse und andere, die eine verheerende Wirkungen auf das wundervolle Ökosystem Bering-Meer haben.


Was wird getan, um dieses Naturparadies zu erhalten?
Der „WWF“ und „The Nature Conservancy“ (TNC) haben die Wichtigkeit einer Strategie für die Zukunft des Ökosystems Bering-Meer erkannt, welche das Ziel hat, die Biodiversität zu bewahren, und gleichzeitig die Interessen der örtlichen Bevölkerung zu berücksichtigen. Vor fünfzehn Jahren gründeten sie eine Initiative, die auf zeitlich begrenzte lokale Projekte und Partnerschaften setzt. Über sechzig Sachverständige aus Japan, Russland und Amerika tragen dazu bei, indem sie eine detaillierte Übersicht der biologischen Vielfalt der Ökoregionen erstellen und insgesamt zwanzig Gebieten Prioritätsstufen zuweisen.

Doch werden noch größere Bemühungen gebraucht werden, um dieses faszinierende, extreme Ökosystem zu erhalten. Hoffen wir, dass es gelingt!


 Dies war ein Bericht aus der Berichtreihe „Die letzten Naturparadiese der Erde“ http://www.wwf-jugend.de/community/artikel/neue-berichtreihe-die-letzten-naturparadiese-der-erde;3179

Text: eagle4nature (Fabian Nagel)
Bilder: Wikimedia Commons;

http://www.spiegel.de/images/image-48134-galleryV9-wqjq.jpg                                          

http://www.google.de/imgres?q=beringmeer+schmelzen&hl=de&biw=1280&bih=661&tbm=isch&tbnid=d8ydt4KM1mu_nM:&imgrefurl=http://programm.ard.de/                                      

http://www.google.de/imgres?q=eisb%C3%A4r+klimawandel&num=10&hl=de&biw=1280&bih=661&tbm=isch&tbnid=Z32Ar6cjCytK2M:&imgrefurl=http://www.focus.de/schule/lernen/lernatlas/tid-5703/klimawandel_aid_55863.html&docid=TciCTEGR0Plf7M&imgurl=http://p4.focus.de/img/gen/5/T/HB5TMQQQ_Pxgen_r_300xA.jpg&w=300&h=200&ei=9v6zT8TIM4jesgaB6sm_DA&zoom=1&iact=rc&dur=409&sig=109529060814714613852&sqi=2&page=1&tbnh=132&tbnw=177&start=0&ndsp=19&ved=1t:429,r:3,s:0,i:89&tx=87&ty=48                                

http://www.google.de/imgres?q=walrosse&hl=de&biw=1280&bih=661&tbm=isch&tbnid=jyHxCrPoRqaKZM:&imgrefurl=http://diepresse.com/home/panorama/klimawandel/594398/Eisschmelze-zwingt-Walrosse-in-Alaska-an-Land&docid=_qRPIH0puQ50oM&imgurl=http://diepresse.com/images/uploads/1/d/e/594398/eisschmelze_zwingt_walrosse_alaska_alaska-walross20100914124102.jpg&w=500&h=300&ei=Qf-zT_GFOsWQswbGpu3_Cw&zoom=1&iact=hc&vpx=957&vpy=70&dur=1003&hovh=116&hovw=193&tx=190&ty=58&sig=109529060814714613852&page=2&tbnh=116&tbnw=193&start=18&ndsp=22&ved=1t:429,r:5,s:18,i:134
 

Quelle: Buch: „Die letzten Naturparadiese der Erde“

 

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Kommentare (4)
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Sortieren nach Aktualität:
20.05.2012
Puma hat geschrieben:
Hoffen wir mal,dass die Bemühungen was bringen.Ich denke aber schon. :))Es wäre nämlich sehr,sehr schade,wenn ein so artenreicher Lebensraum artenarm werden würde!!
18.05.2012
pauliconni hat geschrieben:
Es ist viel zu schade, dass diese schöne Landschaft bedroht ist..
17.05.2012
LSternus hat geschrieben:
Danke für den Bericht, die Landschaft ist wunderschön.
17.05.2012
gelöschter User hat geschrieben:
Cooler bericht, geile bilder ;-)
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