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© Staffan Widstrand / WWF
Den Narwalen auf der Spur


von Marcel
24.11.2011
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Dem WWF ist es gelungen, sieben Narwale mit Sendern auszustatten, um ihre Wege nachverfolgen zu können. Forscher erhoffen sich dadurch neue Erkenntnisse über die Wanderbewegungen der Tiere und über die Auswirkungen der Klimaveränderungen.

Seit Generationen gilt der Narwal als Mythos. Die Menschen in Mitteleuropa glaubten noch im 17. Jahrhundert, die bis zu 2,50 Meter langen Stoßzähne der männlichen Narwale gehörten eigentlich dem legendären Einhorn. Und tatsächlich: Fast wirken die Meeressäuger mit ihren gedrehten Stoßzähnen, als würden sie aus einer anderen Welt stammen. Scheinbar schwerelos gleiten sie mit ihren bis zu fünf Meter langen und bis zu 1.600 Kilogramm schweren Körpern durch den arktischen Ozean. Begleitet von bis zu einhundert Artgenossen wandern sie so durch das Eismeer rund um die Arktis.

So groß die Faszination auch sein mag, so spärlich ist das Wissen über das Einhorn der Meere. In Tremblay Sound auf der kanadischen Insel Baffin ist es dem WWF gelungen, insgesamt sieben Narwale mit Satellitensendern zu versehen. Von dieser Besenderung erhoffen sie sich Einblicke in die Wandergewohnheiten der Meeressäuger zu erlangen. Baffin, die fünftgrößte Insel der Erde, liegt nördlich der kanadischen Provinz Quebec und westlich von Grönland.

"Das war insgesamt eine fantastische Erfahrung für alle, die uns geholfen haben. Als erstes ging uns ein weiblicher, fast vier Meter großer Narwal ins Netz" schwärmte Dr. Pete Ewins vom WWF Kanada. "Innerhalb von fünf Minuten konnten wir den Satellitensender befestigen, ein paar Blutproben entnehmen und das Tier wieder frei lassen. Aber das war nur der Anfang von einer großen Anzahl an Walen, die wir in den nächsten Stunden zählten – wahrscheinlich weit mehr als vierhundert Narwale".

Die Sender halten nur wenige Monate an den Tieren, bevor sie von selbst wieder abfallen. Bereits diese kurze Zeit reicht aus, um grundlegende Erkenntnisse über die Narwale zu erhalten. Die Überwachung von Walen gilt als besonders schwierig, da sie ausschließlich per Satellitensender über längere Zeitabschnitte durchführbar ist.

"Es ist sehr schwierig, etwas über das Leben der Narwale in diesen unwirtlichen Gegenden der Arktis zu erfahren", erklärt Volker Homes, Walexperte des WWF Deutschland. "Aber die Satellitentechnik macht es jetzt möglich. Besonders interessant dabei: Über das Wanderverhalten der Wale erfahren wir auch, wie die Tiere auf den Klimawandel reagieren - und wie sich deren Lebensräume verändern."

Forscher vermuten, dass sich durch den Klimawandel der Lebensraum der Tiere in den nächsten Jahrzehnten deutlich verändern wird. Das wird wahrscheinlich auch Auswirkungen auf deren Nahrungskette, Vorkommen und Gefährdungsstatus haben.

Die Wissenschaftler erwarten nun alle vier Tage Nachrichten, übermittelt via Satellit. Bis zum Frühjahr, so hoffen die Experten vom WWF, geben die Sender Informationen über die Migrationsbewegungen der Narwale weiter. So soll der Weg, den sie im arktischen Winter auf der Suche nach Fischen, Tintenfischen und Krebstieren zurücklegen, nachvollzogen werden. Auf einer eigens eingerichtete Homepage werden die Daten verwaltet und sind online einsehbar.

Derzeit befinden sich die besenderten Narwale in der nahrungsreichen Baffin-Bucht. In diesem weitgehend eisfreien Küstengewässer bleiben sie einen großen Teil des Winters. Auch Weiß- und Grönlandwale besuchen diese arktischen Gewässer.

Über Satellitensender lassen sich vor allem wandernde Tiere gut beobachten, um so Rückschlüsse auf ihre Lebensräume und ihr Verhalten zu bekommen. Bei landlebenden Tierarten hat sich zudem der Einsatz von Fotofallen bewährt.

Fotos: © Paul Nicklen / National Geographic Stock / WWF-Canada

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Kommentare (5)
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26.11.2011
midori hat geschrieben:
Wenn die mal mit ihrem Horn nicht ins Schlauchboot pieksen ;o)
25.11.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Danke. ;)
25.11.2011
Marcel hat geschrieben:
@Gluehwuermchen: Unser Experte Volker hat mir auf deine Frage direkt eine Antwort geschickt. Hier sein Feedback: "Guter Punkt! Die Forscher bemühen sich Techniken zu finden, bei denen die Tiere am wenigsten beeinträchtigt werden. Und für solche Besenderungsaktionen werden richtig gut geschulte Experten eingesetzt, damit den Tieren nichts passiert. Die meisten Besenderungen sind heute so gut getestet, dass die Risiken für die Tiere überschaubar bleiben. Die Risiken liegen für die Tiere dabei aber viel weniger bei der Strahlung als bei der Immobilisierung (Narkose) sowie in extremen Klimaverhältnissen (kalte bzw warme Regionen). Der Erkenntnisgewinn über Verhalten, Wanderung, Nahrung etc. durch diese Besenderung ist aber immens, da man nur mit diesem Wissen über die jeweiligen Arten sinnvolle Naturschutz-Strategien entwickeln kann."
25.11.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Mal eine allgemeine Frage: Wie ist das eigentlich mit den ganzen Sendern an den Tieren? Ist es sicher, dass die keine negativen Auswirkungen auf die Tiere haben? Immerhin ist das doch Dauer - Strahlung . Würde mich mal interessieren, weil ich mich das schon oft gefragt habe.
25.11.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Wow. Die sehen wirklich faszinierend aus!
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