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© Staffan Widstrand / WWF
Als Klimabotschafter in der Arktis


von JohannesB
12.05.2009
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Immer wieder werde ich gefragt, wie ich eigentlich WWF-Klimabotschafter wurde und wie die Reise in die Arktis im letzten Sommer war. Deshalb habe ich jetzt hier mal einen Bericht geschrieben, der zumindest ein paar Fragen beantwortet. Wer aber trotzdem noch Fragen hat, kann sich gerne bei mir melden!

Im Juni 2008 reiste ich im Rahmen der „Voyage for the Future“ des WWF nach Spitzbergen ins Nordpolarmeer. 18 Jugendliche aus neun Ländern (Deutschland, Großbritannien, Japan, Kanada, Niederlande, Norwegen, Russland, Schweden und USA) wurden als „Klimabotschafter“ ausgewählt, um den WWF bei seiner weltweiten Arbeit für den Klimaschutz zu unterstützen. Wir sollen beim Thema „Klimawandel und Klimaschutz“ Akzente setzen und erhielten hierfür eine gründliche Ausbildung.
Im März war ich auf der Internetseite des WWF auf das Projekt aufmerksam geworden und hatte mich dafür beworben. Bereits nach wenigen Tagen wurde ich zu einem Bewerbungsgespräch nach Frankfurt am Main in die deutsche WWF-Zentrale eingeladen. Dabei wurde ich unter insgesamt mehr als 100 Bewerbern ausgewählt. Erst konnte ich mein Glück gar nicht fassen, doch nach einem Vorbereitungstag, bei dem wir (ich und meine deutsche Mitstreiterin Greta aus Nordrhein-Westfalen) ein Interviewtraining absolvierten, realisierte ich langsam was ich da Tolles erleben würde.
Am 09. Juni ging’s dann endlich los. Ich traf mich mit Greta und Timm, unserem WWF-Begleiter, der sich vorwiegend um die Medienarbeit kümmerte, am Frankfurter Flughafen. Wir flogen gemeinsam nach Oslo, wo wir mit dem Rest der etwa 30-köpfigen WWF-Gruppe zusammentrafen. Von Anfang an fühlte ich mich in dieser Gruppe pudel wohl und die Stimmung war bei allen richtig gut. Am nächsten Morgen flogen wir weiter über die größte Stadt Nord-Norwegens, Tromsø, nach Spitzbergen. Nach der Ankunft auf dem winzigen Flughafen von Longyearbyen, dem Hauptort Spitzbergens, musste man sich erst einmal an die empfindlich kalten Temperaturen um den Gefrierpunkt gewöhnen. Durcheinander brachte uns außerdem auch die Mitternachtssonne. Es ist ein komisches Gefühl: man ist müde, es ist auch schon nach Mitternacht, aber draußen scheint die Sonne unverdrossen, als sei es Mittag. Am 11.06. begann dann unsere Schiffstour an Bord der „Alexey Maryshev“, einem ehemaligen Forschungsschiff des Hydrographischen Institut St. Petersburg, das speziell für Fahrten durch Packeis konstruiert war und für Passagierfahrten umgebaut wurde. Unser typischer Tagesablauf auf dem Schiff sah folgendermaßen aus: um 06:30Uhr weckte Troels, der dänische Expeditionsleiter, alle Passagiere mit dem schon bald legendären „wake-up call“, der einen mit dem immer gleichen, gut gelaunten „gooooood morning everybody“ aus dem Schlaf riss. Nach dem Frühstück folgte meist der Vortrag eines Wissenschaftlers ehe es mit den Schlauchbooten an Land ging. Die Erlebnisse des Tages schilderten wir dann im Anschluss an das Abendessen in unseren Internettagebüchern, unterhielten uns und genossen die Polarnacht. Gegen Mitternacht, oft aber auch noch später, ging es dann endlich ins Bett.
Am zweiten kompletten Schiffstag, ausgerechnet erreichten wir den nördlichsten Punkt unserer Reise, über 80° nördlicher Breite fuhren wir hinaus. Dabei durchbrachen wir immer wieder Packeis, was ein faszinierendes Knacken auslöste. Schon beim Frühstück wurde uns gesagt, dass in dieser Gegend immer wieder Eisbären gesichtet würden. Also warteten wir gespannt an Deck und versuchten mit Ferngläsern das größte an Land lebende Raubtier zu erspähen. Dann endlich der Ausruf „Polar bear!“ – einer der mitreisenden Fotografen hatte mit seinem Profi-Objektiv bereits aus großer Entfernung den Eisbären gesehen. Plötzlich herrschte großes Gedränge an der Schiffsreling, jeder wollte endlich auch den Bären sehen. Die „Alexey Maryshev“ näherte sich langsam der Scholle, auf der sich das so sehnsüchtig erwartete Tier herumtrieb. Und wir hatten richtig Glück: der Eisbär schien geduldig auf uns zu warten und lief auch nicht davon, als wir uns bis auf etwa zehn Meter näherten. Unglaubliche Stille, unterbrochen nur vom Klicken der Fotoapparate rechts und links von mir. Der Bär ging auf dem polaren Laufsteg wie ein Model auf und ab bevor er sich mit einem Bad im Meer von uns verabschiedete. Unbeschreiblich diese Minuten. Man weiß zwar, dass man auf solch einer Tour gewisse Chancen hat, einen Eisbären zu sehen, aber wenn man dieses Glück dann wirklich hat, und dieses majestätische Tier fast greifbar nah vor einem steht, dann ist das einfach ein wahnsinnig beeindruckender Moment. Nachdenklich machte uns, dass es nach wissenschaftlichen Prognosen durch den Klimawandel zu einem dramatischen Rückgang der Eisbärenpopulation (2/3 sollen bis 2040 verschwunden sein!) kommen wird, sollte die globale Erwärmung weiter gehen wie bisher.
Leichtsinnigerweise hatten schon beim Hinflug einige Teilnehmer davon gesprochen, im Arktischen Ozean schwimmen gehen zu wollen. Expeditionsleiter Troels nahm diese Ankündigungen beim Wort und schlug einen Kiesstrand für ein kurzes Bad vor. Es muss für unsere Führer ein seltsamer Anblick gewesen sein, 18 Jugendliche im Arktischen Ozean schwimmen zu sehen. Und wir waren wirklich tapfer, oder anders gesagt verrückt genug, um unsere Kleidung bis auf die Unterwäsche abzulegen und für ein paar schmerzhafte Sekunden mit dem ganzen Körper ins Wasser (Temperatur etwa 1° - brrr!) zu gehen. Schreiend trockneten wir uns schnell ab, fuhren mit den Schlauchbooten zum Schiff zurück, um entweder sofort die schiffseigene Sauna aufzusuchen oder warm zu duschen.
Am Morgen des 18.06. verließen wir die „Alexey Maryshev“ nach sieben spannenden Tagen auf dem Arktischen Ozean wieder. Der folgende Nachmittag hielt dann ein weiteres Highlight für uns bereit: wir fuhren mit Motorbooten von Longyearbyen zu den norwegischen Thronfolgern, Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen und Kronprinz Haakon Magnus. Es war der norwegischen WWF-Begleiterin gelungen ein Treffen mit diesen Persönlichkeiten zu arrangieren. Und das obwohl oder gerade weil sie zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit ihren Kindern Urlaub auf Spitzbergen machten. Völlig abgeschieden und ohne Elektrizität. Wir freuten uns, ihnen während unseres zweistündigen Treffens von unserem Anliegen berichten zu können und waren ob der Schlichtheit ihres Urlaubsorts beeindruckt. Wegen starkem Wellengang wurde die Rückfahrt nach Longyearbyen zu einem ziemlich schmerzhaften Trip, nachdem das Motorboot mehr sprang als fuhr.
Am nächsten Tag flogen wir zurück nach Oslo, um am 20.06. nach einem letzten gemeinsamen Frühstück die norwegische WWF-Zentrale zu besuchen. Dort besprachen wir bis zum Mittag unser weiteres Vorgehen für den Klimaschutz in den Heimatländern ehe wir uns dann voneinander verabschieden mussten. Alle fühlten sich in dieser einzigartigen internationalen Gruppe sehr wohl und so wurde es ein emotionaler Abschied mit vielen Tränen. Wir Deutschen fuhren als eine der ersten Delegationen zum Flughafen und traten unsere Heimreise an.
Die Reise in die Arktis, wo sich der Klimawandel besonders gravierend auswirkt, war für mich eine unglaublich eindrucksvolle Zeit mit vielen prägenden Momenten und bleibenden Erinnerungen. Mir war der Klimaschutz zwar schon zuvor wichtig, aber diese Tage haben mich nochmals darin bestärkt, mich intensiv dafür einzusetzen, dass unser Klima und damit auch unsere Zukunft geschützt werden. Es hat sich echt gelohnt und ich freue mich darauf, mit dieser tollen Gruppe weiter daran zu arbeiten: es muss zu einem globalen Umdenken in Sachen Klimaschutz kommen!
 

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Kommentare (2)
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Sortieren nach Aktualität:
19.05.2009
JohannesB hat geschrieben:
Ja, das wir wirklich ein wahnsinnig schönes, intensives und beeindruckendes Erlebnis! Und wie gesagt, das war wirklich ein richtiger Motivationsschub, sich noch mehr einzusetzen.
15.05.2009
Gerry hat geschrieben:
War bestimmt ein wunderschönes Erlebnis. Daran wirst du wohl immer denken. Alles gute aus Dortmund.
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