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Vom italienischen König und drei geschmuggelten Steinbockkitzen


von LaLoba
16.06.2011
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Graubünden in der Schweiz ist bei Insidern schon total beliebt. Aber nicht etwa als Urlaubsgegend, sondern wegen der lustigen Werbung mit den Steinböcken. Vor 100 Jahren wäre diese Werbung aber gar nicht möglich gewesen. Zum einen natürlich wegen der Technologie, zum anderen aber auch weil es damals in der Schweiz gar keine Steinböcke gab. Die waren zu dieser Zeit nämlich ausgestorben.

Im 19. Jahrhundert gab es nur noch im privaten Jagdgebiet des italienischen Königs am Gran Paradiso im Aostatal Steinböcke. An allen anderen Orten waren sie schon im 16. und 17. Jahrhundert ausgerottet worden. Das Fleisch, Felle und Hörner wurden von den Menschen begehrt, dazu kam dann auch noch der Glaube an die heilenden und mythischen Kräfte einiger Körperteile. Dem Steinbock ging es damit an den Kragen. Wie kommt es nun also, dass es heute in den Schweizer Alpen wieder rund 14 000 Steinböcke gibt?

Das haben wir genau drei Menschen zu verdanken: dem Arzt Albert Girtanner, dem Hotelier Robert Mäder und dem Konservator Emil Bächler. Diese drei setzten sich nämlich über einige Gesetze und Bestimmungen hinweg, um den stolzen Steinbock wieder in den Alpen zu verbreiten. Der italienische König war nämlich keineswegs bereit, ein paar der Steinböcke aus seinem privaten Jagdgebiet an die Schweiz abzugeben. Wenn auf legalem Wege nichts geht, muss man das halt anders anstellen, dachten sich die drei Steinbockliebhaber und heuerten einen Wilderer an. 800 Schweizer Franken pro Tier mussten sie hergeben, das entspricht heute ungefähr dem Preis eines Mittelklassewagens. Das Geld wurde von Mäder zur Verfügung gestellt.

Im Wildpark Peter und Paul in St. Gallen in der Schweiz sprangen nun also wieder drei Steinbockkitze herum. Dort wurden sie von Hand aufgezogen. Nachdem später auf illegalem Wege noch weitere Steinböcke hinzugekommen waren, wuchs im Wildpark langsam eine kleine Herde heran. Der Schweizer Bundesrat mischte sich schließlich auch ein. Jedoch nicht mit Strafe und Auslieferung der Tiere - er finanzierte später den (illegalen) Kauf der Steinböcke. Am 8. Mai 1911 war es dann endlich so weit: Im Jagdbanngebiet Graue Hörner im Weisstannental wurden drei weibliche und zwei männliche Steinböcke in die Freiheit entlassen.

Von den aus dem Aostatal geschmuggelten Steinböcken stammen alle heute in der Schweiz lebenden Steinböcke ab. Das bringt natürlich auch Probleme mit sich: Wegen Inzucht sind die Tiere anfällig für viele Krankheiten. Zum 100-Jahr-Jubiläum wurden deswegen im sanktgallischen Weisstannental erneut Steinböcke ausgesetzt. Diese wurden jedoch nicht erst illegal eingeführt - sie kamen aus dem Wallis. Die dortigen Steinböcke unterscheiden sich genetisch nämlich genug von ihren Ostschweizer Verwandten um deren Blut ein wenig aufzufrischen.

Die Steinbock-Wiederansiedlung wird heute als "gelungene St. Gallener Pionierleistung" angesehen. Damit hat sich Italien inzwischen auch abgefunden.

 

Quelle:

Tages-Anzeiger - 10. Mai 2011, Seite 16, Vor 100 Jahren kehrte der Steinbock zurück, SDA

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Kommentare (1)
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24.07.2011
LupusTally hat geschrieben:
Da muss man ja sagen, dass es eine gute Entscheidung war die Steinböcke in die Schweiz zu schmuggeln!! Schöner Bericht! :)
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