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von Julia018
06.10.2011
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 Wildtiere erobern sich zaghaft ihre ehemaligen Lebensräume zurück
 Auf leisen Sohlen kehren sie zurück in deutsche Wälder und Kulturlandschaften. Wildtiere wie Bär, Wolf oder Luchs, die einst ganz selbstverständlicher Bestandteil unserer Landschaft waren und von Menschen vertrieben wurden, erobern sich zaghaft ihre ehemaligen Lebensräume zurück.

Zum Einen haben sich die Lebensbedingungen für einige Wildtierarten verbessert, zum Anderen duldet der Mensch sie teilweise wieder und fördert sogar bewusst ihre Rückkehr. Viele ehemals hier ansässige Tierarten wurden gejagt und getötet, weil sie beispielsweise als gefährlich für den Menschen und die Nutztiere galten, wie Wolf und Bär.

"Meister Petz" - Chronologie einer Verfolgung
Der einst in unseren Wäldern beheimatete Braunbär wurde gejagt und gezielt ausgerottet, weil Bauern, Hirten und Jäger ihn als für den Menschen gefährlich geltendes Raubtier und als Nahrungsmittelkonkurrenten betrachteten, der Nutztiere riss. In moderneren Zeiten nahm die zunehmdene Zersiedelung und Zerstörung seiner Lebensräume, der ausgedehnten Wälder, stark zu. Ungünstig für ein Tier wie den Bär, der große Areale für seine Nahrungssuche benötigt, auf der Partnersuche lange Wege zurück legt und als erwachsenes Jungtier weiterzieht, um in entfernten Gebieten ein eigenes Revier für sich zu beanspruchen. Schon seit langem gilt der Braunbär in Deutschland laut Roter Liste als bereits ausgestorben. Das letzte Exemplar wurde wahrscheinlich um 1830 im oberbayerischen Ruhpolding erlegt. 170 Jahre lang dauerte es, bis ein Bär wagte, seine "Pfoten" wieder auf deutschen Boden zu setzen.

Der Abschuss Brunos - Sinnbild einer misslungenen Rückkehr
Die Verfolgung und der Abschuss des Braunbären Bruno im Juni 2006 gilt als Sinnbild schlechthin für die Probleme bei der Einwanderung und Wiederansiedlung von Wildtieren in Deutschland. Das Zusammenleben moderner Menschen mit einst hier ansässigen Wildtierarten gestaltet sich für Wildtiere nicht nur aufgrund sehr veränderter Kulturlandschaften als schwierig, sondern ganz besonders auch deshalb, weil der zivilisierte Mensch in Deutschland es schlicht verlernt hat, mit wild lebenden (Raub-) Tieren in seiner Umgebung zu leben und sie zu akzeptieren.

Braunbär Bruno als gefährlich für den Menschen eingestuft
Nachdem der aus Italien stammende Bär im Mai 2006 das erste Mal in Deutschland gesichtet worden war, löste er mit seinen ausgedehnten Streifzügen durch bayerisch - österreichisches Grenzgebiet eine wochenlange, heiße Medien - Diskussion um sein "Leben oder Nicht - Leben lassen" aus. Während er einige Haus- und Nutztiere riss, Bienenstöcke ausräumte und häufiger in der Nähe menschlicher Siedlungen gesichtet wurde, versuchten skandinavische Bärenjäger 2 Wochen lang, ihn mit speziellen Fanghunden lebend einzufangen - zum Bedauern vieler Menschen und Tierschützer vergeblich. Daher gab ihn das bayrische Umweltministerium schließlich "wegen der großen Gefahr für den Menschen" zum Abschuss durch Jäger frei. Damit war das Schicksal des "Schadbär Bruno", wie der ehemalige Ministerpräsident Bayerns, Edmund Stoiber, in einer seiner Reden formulierte, besiegelt.

Übrigens: Fast zeitgleich erlangte ein anderer Bär große Medienresonanz, der von Menschen aufgezogene Eisbär Knut, der zum Starmaskottchen des Berliner Zoos mutierte - und dem man im Gegensatz zu Bruno ein "ungefährliches" Leben in Gefangenschaft zugestand. So sieht die perfide Unterscheidung zwischen "wildlebenden Problembären" und "gefangenen Publikumslieblingen" aus.

Rückkehr des Bären nach Deutschland nicht ausgeschlossen
Naturschützer halten trotz des Spektakels um Bruno eine Ansiedlung von Braunbären in Deutschland grundsätzlich für möglich. Es liegt in der (Wander-) Natur des Bären, sich im Laufe seines Lebens aufzumachen und neue Lebensräume zu erkunden. Immerhin gibt es kleine, aber stabile Population von 25 - 30 Tieren im niederöstrreichisch - steirischen Grenzgebiet, die vielleicht schon innerhalb der nächsten 10 Jahre den Grenzübertritt nach Deutschland wagen könnte - wenn der Mensch sie lässt. Auch in anderen europäischen Nachbarländern wie Rumänien, Schweden, Slowakei, Kroatien oder Bulgarien gibt es heute noch frei lebende Bären.

"Canis lupus" kehrt zurück in ostdeutsche Wälder
Mehr als 140 Jahre lang war der Wolf spurlos verschwunden aus der freien Wildbahn in Deutschland. Vor gut zehn Jahren gelang es einer vermutlich aus Polen nach Ostdeutschland eingewanderten Wölfin erstmals wieder die Aufzucht von Welpen in Deutschland; Naturschützer sprachen von einer Sensation. Mittlerweile hat sich Canis lupus - so der wissenschaftliche Name - hierzulande wieder angesiedelt.

Gemeinsame Geschichte von Wolf und Mensch anfangs positiv
Wissenschaftler gehen davon aus, dass bereits vor 14.000 bis 16.000 Jahren die ersten Wölfe vom Menschen aufgezogen und als Haustiere gehalten worden sind. Somit wurde der Hund als erstes domestiziertes Tier ein treuer Gefährte und Wegbegleiter des Menschen. Erst mit Beginn der Viehhaltung änderte sich die Einstellung der Menschen zum Wolf grundlegend.

Verfolgung seit dem Mittelalter
Mit Beginn der offenen, ungeschützten Viehhaltung und der Waldweide zu Mast im ausgehenden Mittelalter nahmen die Nutztierverluste zu; der Wolf fand in Schafen und Ziegen leichte Beute. Die Bevölkerung bekam zunehmend größere Angst vor dem Wolf. Nicht zuletzt spiegelt sich diese "Furcht vor Isegrim" in Geschichten wie dem bekannten "Rotkäppchen - Märchen vom hinterlistigen Wolf" der Gebrüder Grimm wider. Bald galt der Wolf per se als "böse", obwohl er für den Menschen überhaupt keine Bedrohung darstellte. Dass er sich zudem an kostbaren Nutztieren vergriff, wurde ihm umso schneller zum Verhängnis. Eine organisierte Bekämpfung und systematische Ausrottung des Wolfes setzte daher ab dem 15. Jahrhundert ein und erreichte im 17. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Der wahrscheinlich letzte deutsche Wolf wurde um 1845 in Sachsen getötet.

Wiederansiedlung in Lausitz - erfolgreiche Welpenaufzucht
Mit der Wiedervereinigung 1990 wurde der Wolf auch in Ostdeutschland unter Schutz gestellt. Damit schuf man die Voraussetzungen für eine natürliche Wiederbesiedlung in Deutschland. Aktuell leben in einem Gebiet Nord - Ost- Sachsens bis Süd - Brandenburgs, der Lausitz, nachweislich wieder 6 Wolfsfamilien mit Welpen und 2 Wolfspaare ohne Welpen. Die Reviere der 6 Rudel und 2 Wolfspaare grenzen aneinander an und bilden ein geschlossenes Gebiet, das sich über ca. 2.500 km² erstreckt. Insgesamt wurden im Sommer 2010 in den Rudeln 26 Welpen gezählt. Neben diesen Vorkommensgebieten gibt es mittlerweile auch in Sachsen - Anhalt, Mecklenburg - Vorpommern sowie vereinzelt in anderen Bundesländern wieder Wölfe. Damit der Wolf sich dauerhaft in Deutschland ansiedeln kann, ist nach Meinung von Experten ein länderübergreifendes Wildtiermanagement notwendig. Verbände wie der Naturschutzbund oder WWF setzen sich daher für den Erhalt großflächiger Schutzgebiete ein, die sich als Rückzugsräume für Wölfe eignen.

Wölfe - Keine Bedrohung für den Menschen
Um eine mögliche Gefährdung der Menschen durch Wölfe besser einschätzen zu können, erstellte das Norwegische Institut für Naturforschung (NINA) 2002 eine Studie, in die umfassende Literatur und das Wissen über Wolfsangriffe aus Europa, Asien und Nordamerika aus den letzten Jahrhunderten eingeflossen sind ("The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans"). Die NINA - Studie kommt zu folgenden Schlüssen: Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen; Welpen erlernen von den Elterntieren, welche Tiere Beutetiere sind und welche nicht. Das Risiko in Europa oder Nordamerika von einem Wolf angegriffen zu werden, ist sehr gering. Angriffe von Wölfen auf Menschen sind grundsätzlich ungewöhnlich und treten nicht spontan auf. In den extrem seltenen Fällen, in denen Wölfe Menschen getötet haben, waren die meisten Angriffe auf Tollwut oder zu große Gewöhnung an den Menschen zurück zu führen.

Beutegreifer Nummer 3 - Der Luchs
Die größte Katzenart Europas, der Luchs, gehörte, ebenso wie Bär und Wolf, nicht zu den gern gesehenen Tieren in Deutschland. Die letzten Exemplare tötete man um 1850 in den bayrischen Alpen. Die Gründe waren im Prinzip die gleichen wie bei Bär und Wolf, Menschen drängten die Luchse in für sie unzugängliche Bereiche zurück. Als diese Gebiete nach und nach stärker besiedelt und genutzt wurden, begann der Luchs Nutztiere zu reißen, was letztlich seine Ausrottung durch den Menschen bedeutete.

Heimliche Wiederansiedlung
Seit den 50er Jahren gibt es vereinzelt wieder Luchsnachweise im Bayrischen Wald, die zeitlich vor der Wiederansiedlung durch den Menschen lag. Zwischen 1970 und 1974 wurden in einer heimlichen Aktion vermutlich aus Tschechien stammende Luchse ausgewildert, ca. 5 - 10 Individuen. Leider hat diese Aktion sehr zum Misstrauen der Jäger und Landwirte gegenüber dem Artenschutz beigetragen. So hält sich bis heute der Vorwurf, Luchse würden nach wie vor illegal ausgesetzt.

Kein gern gesehener Gast?
Was die Rückkehr des Luchses - und auch der anderen großen Beutegreifer wie Bär und Wolf - schwierig macht, ist der Umstand, dass gleich die Interessen mehrerer gesellschaftlicher Gruppen und Verbände berührt werden. Während der Luchs in den Augen vieler Artenschützer die Rolle eines Gesundheitspolizisten einnimmt, der nur kranke und schwächere Beutetiere jagt und damit eine intakte Wildnis unterstützt, befürchten Jäger hingegen die Ausrottung des Rehwilds. Förster wiederum sehen in dem Luchs ein Tier, das mit der Jagd auf Rehwild zu einer Reduzierung des Wildverbisses beiträgt, während Landwirte primär Sorge vor Verlusten unter ihren Nutztieren haben. Das in Bayern initiierte Luchsprojekt nimmt sich daher genau dieser Vorurteile, Sorgen und Wünsche der verschiedenen Interessensgruppen an und versucht, aud Basis fachlich hochwertiger Informationen und mittels Öffentlichkeitsarbeit zwischen den unterschiedlichen Interessen zu vermitteln. Darüber hinaus hat das Projekt in Bayern das Ziel, den tatsächlichen Luchsbestand so genau wie möglich zu erfassen. So wurden in den 80er Jahren weitere 17 Tiere im Bereich des Sumava - Nationalparks der damaligen Tschecheslowakei frei gelassen. Diese Tiere bildeten den Grundstock für heutige Luchspopulationen in Bayern, die hauptsächlich entlang der bayerisch - tschechischen Grenzregion sowie im Deggendorfer Vorwald vorkommt. Einige andere Exemplare leben bereits in verschiedenen Regionen der Eifel, im Pfälzer Wald, im Schwarzwald und im Nationalpark Harz.

Managementpläne für Luchs, Wolf und Bär
Der im Rahmen des Projekts entwickelte Luchs - Managementplan ist einer von 3 Managementplänen, die das Bayerische Umweltministerium angesichts der Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär in Bayern entwickelt hat. Wichtig für die Erstellung aller 3 Pläne war, dass die beteiligten Verbände, Institutionen und Gruppierungen die Ergebnisse mittragen und ein gemeinsamer Nenner erreicht werden konnte. So umfassen die Kernaufgaben dieser Management - Pläne unter anderem die Gewährleistung eines aussagekräftigen Monitorings in Bayern, die Betreuung des Netzwerks Große Beutegreifer, die Koordination des Ausgleichsfonds Große Beutegreifer und begleitende Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung.

Wieder lernen mit Wölfen, Bären und Co. zu leben
Nach alledem ist es vordringliche Aufgabe für uns moderne, zivilisationsgeprägte Menschen, unsere Furcht vor Wölfen, Bären und anderen Wildtieren zu überwinden, sie als Teil der Natur zu akzeptieren und wieder mit ihnen leben zu lernen. Viele Arten - und Naturschutzverbände, wie zum Beispiel der WWF, sehen Deutschland in der Pflicht, die für eine Wiederansiedlung notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und der Natur grundsätzlich ihren Lauf zu lassen. Denn, wie glaubhaft erscheint Deutschland im internationalen Artenschutz, wenn es anderen Staaten dieser Erde die Ausrottung ihrer wildlebenden Tiger, Elefanten oder Nashörner vorhält, während es gleichzeitig die eigenen Wildtiere bei geringsten Problemen mit Menschen abschießen lässt?
 

Artikel aus der Zeitschrift "Struppi" und von der Jouranlistin Heidi Neuhoff verfasst

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Kommentare (3)
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13.10.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Wo sterben wohl mehr Menschen: im deutschen Straßenverkehr oder durch Angegriffe einer der obigen Arten?

Ich freue mich, dass Deutschland langsam durch ursprüngliche wilde Arten wieder besiedelt wird. Eine freie und große Artenvielfalt ist das Beste was Mensch sich wünschen kann. Und wenn wir lernen, der Natur Freiheiten, wie z. B. Lebensraum, einzugestehen kommen Mensch und Tier super nebeneinander aus.
06.10.2011
Girty hat geschrieben:
Seh ich genauso. Sie gehören eben auch auf die Erde und sollten überall willkommen geheißen werden, genauso wie Menschen! :)
06.10.2011
gelöschter User hat geschrieben:
schöner bericht !!! Ich bin froh, dass sie wieder den weg nach deutschland finden und ich hoffe, vor allem beim Bär, dass sie freundlicher aufgenommen werden und dass es ihnen nich so geht wie bruno
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