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© Elma Okic / WWF-Canon
Gigantisch, spannend, lukrativ ... und nachhaltig? Sind große Sportereignisse noch zu verantworten?


von JohannesB
13.01.2011
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Für viele ist er eine der schönsten und wichtigsten Freizeitbeschäftigungen die es gibt: der Sport. Ob Fußball, Radfahren, Schwimmen, Skifahren oder einfach „nur“ Joggen. Und wer selbst zu faul ist oder erst zu körperlicher Aktivität motiviert werden muss sieht sich im Fernsehen Profisport an: Bundesliga, Formel 1, Skispringen, Handball, Biathlon und und und …

Besondere Aufmerksamkeit erregen im Hochleistungssport die Großereignisse wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele, schließlich finden sie nur relativ selten statt und gelten als das Non plus ultra in Sachen Prestige, Internationalität und Medienberichterstattung.
Doch gerade bei diesen Mega-Veranstaltungen stellt sich die Frage, wie es denn um die Öko-Bilanz bestellt ist. Können wir guten Gewissens einfach nur Spaß am Spitzensport und der ausgelassenen Feierstimmung haben oder sind die Folgen für die Natur so dramatisch, dass man künftig besser auf die großen internationalen Sportfeste verzichten sollte?

Vor sechs Wochen entschied der Fußballweltverband FIFA, die 22. Weltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar auszurichten. Problematisch erscheint die Tatsache, dass Fußball-Weltmeisterschaften üblicherweise im Sommer stattfinden und es zu dieser Jahreszeit am Persisch-Arabischen Golf bei bis zu 50°C extrem heiß werden kann. Unerträgliche Temperaturen für Spieler und Fans. Deshalb wird nun überlegt, die Sportveranstaltung in den dort angenehm milden Winter zu verlegen oder die Stadien auf unter 30°C herunterzukühlen. Dies wäre, wie man sich unschwer vorstellen kann, mit einem enormen Energieaufwand verbunden. Die Organisatoren versichern allerdings, dass die benötigte Energie durch Solaranlagen erzeugt werden könnte. Gerhard Brand, leitender Architekt für das Großereignis in der Wüste, verspricht zudem „ein Motor für Nachhaltigkeit sein“ zu wollen. Das Konzept sieht vor, dass alle Stadien nur zur Weltmeisterschaft ihre volle Größe erreichen und nach dem Turnier zum Teil wieder abgebaut und in Länder gebracht werden, wo auch längerfristig Bedarf an Fußballstadien herrscht.

Am 6. Juli wird sich im südafrikanischen Durban entscheiden, ob auch in Deutschland wieder einmal ein Sportgroßereignis veranstaltet werden wird. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) stimmt an diesem Tag darüber ab, wo die Olympischen Winterspiele 2018 stattfinden sollen. Neben dem französischen Annecy und dem südkoreanischen Pyeongchang steht auch München mit Garmisch-Partenkirchen und Königssee zur Wahl.
Auch wenn 60% der bayerischen Bevölkerung laut einer aktuellen Umfrage hinter der Bewerbung der Millionenstadt stehen, regt sich unüberhörbarer Widerstand gegen das Sportereignis.
Eines der Hauptargumente der Gegner ist das aus ihrer Sicht unzureichende Nachhaltigkeitskonzept. Sie befürchten dramatische Folgen für die sensible Natur im Alpenraum und kritisieren, dass lediglich 1% des Gesamtetats für Umweltprojekte vorgesehen sei. „Man zerstört ohne Not eine Landschaft“ äußert Axel Döring vom Bund Naturschutz besorgt. Zum Bau vieler Sportstätten kommt weiter hinzu, dass die Austragung einiger Wettbewerbe wahrscheinlich einen wasser- und energieintensiven Großeinsatz von Schneekanonen erfordern wird.
Auf der anderen Seite peilt die Bewerbungsgesellschaft einen „Weltrekord in Nachhaltigkeit“ an und steckt sich das ambitionierte Ziel „klimaneutraler Spiele“. Zur Realisierung dieser vollmundigen Zusagen sind 18 sogenannte Umwelt-Leitprojekte geplant. Dazu zählen die Errichtung von Plus-Energie-Dörfern und der Ausbau der Elektromobilität ebenso wie der Rückbau und die Renaturierung von Sportstätten nach den Spielen.

Ein immenses Problem internationaler Sportevents ist auch die Anreise der Sportler, Medienvertreter und Fans. Unvorstellbare Mengen Treibhausgase werfen so einen dunklen Schatten auf die bunte Welt des Spitzensports. Durch Klimaschutzprojekte wollen die Münchner Veranstalter „alle nicht vermeidbaren Emissionen“ aber ausgleichen.

Schon an diesen zwei aktuell gewählten Beispielen lässt sich der Konflikt gut veranschaulichen: Rechtfertigt der Spaß und die Spannung für Millionen Zuschauer und die viel beschworene Völkerverständigung bei globalen Sportereignissen einen enormen Ressourcenverbrauch mit hohen Kosten für den Steuerzahler und vor allem die Natur?
Was meint ihr? Sollten wir auf solche Veranstaltungen verzichten oder zumindest (noch) viel mehr Wert auf ökologische Konzepte legen? Oder darf man es alle paar Jahre ruhig einmal krachen lassen?

 

Quellen: http://www.sportschau.de/sp/komponente/eventbox08/eventbox.php5?id=361, http://www.sportschau.de/sp/weitere/news201101/04/nachhaltig09_interview_wilts.jsp,
http://umwelt.zdf.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,8171297,00.html?dr=1, http://www.muenchen2018.org/bewerbungsthemen/umwelt/index.html,
http://www.br-online.de/sport/olympia/olympia-2018-DID1201013669108/olympia2018-muenchen-bewerbung-ID1201015911579.xml,

Bildquellen: Andreas Eistert (WWF) und http://www.muenchen2018.org/

 

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Kommentare (14)
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01.02.2011
midori hat geschrieben:
Da haben wir es wieder. In Vorbereitung auf die Olympic Games wurden in British Columbia 100 Straßenhunde getötet. Die Tiere sind erschossen worden und man hat ihnen das Fell abgezogen, bevor man sie in den Müllcontainer warf. Damit die Straßen für Sportfreunde und Touristen auch schön sauber sind...

Quelle: http://www.huffingtonpost.com/2011/01/31/100-sled-dogs-slaughtered_n_816462.html
24.01.2011
JohannesB hat geschrieben:
@ Jessy0905: Interessant zu lesen, wie es in Peking aussieht. Das Problem, dass die enormen Kapazitäten, die man für Olympia herstellt, später nicht mehr braucht, besteht leider oft. Deswegen macht es wirklich Sinn, solche Mega-Sportstätten nur dort zu bauen, wo man sie auch später regelmäßig braucht.
Die Entscheidung für Katar ist wirklich erstaunlich. Da scheint das Geld der Scheichs schon eine Rolle gespielt zu haben. Die dortige Fußball-Kultur kann's jedenfalls nicht gewesen sein ;)
23.01.2011
Jessy0905 hat geschrieben:
Super Beitrag, ich war selbst ein Jahr nach den olympischen Spielen in Peking (die ja wirklich bombastisch waren) und kann nur bestätigen, dass es mit der Nachnutzung schlecht aussieht. Die meisten stehen leer und werden aufgrund ihrer Größe kaum oder gar nicht genutzt. Gleichzeitig kosten es aber Mio sie weiter zu unterhalten. Nicht nur, dass alte traditonelle Häuser und deren Bevölkerung dafür weichen mussten, jetzt stehen diese "Riesen" unnutz rum und verbrauchen Geld und Energie. Eine Nummer kleiner hätte es auch getan! Aber die sportlichen Großereignisse werden ja immer gigantischer. Meiner Meinung stimmt einfach die Relation nicht mehr.
Peking ja noch ne Miostadt, wo es so ja wenigstens ansatzweise Chancen zur Nachnutzung gäbe, aber Katar, ich wusste noch nicht einmal, dass die eine Nationalmannschaft besitzen, bzw überhaupt an Fußball interessiert sind.
Nur weil die durch ihren Ölreichtum soviel Geld besitzen? Typisch FIFA...
18.01.2011
Stoffie hat geschrieben:
ich finde man sollte viiiiiiel mehr auf nachhaltigkeit achten! total guter bericht! gut geschreiben!
14.01.2011
JohannesB hat geschrieben:
@Urmeli: Da hast Du völlig Recht, man sollte die Wettkämpfe nur dort austragen, wo eine entsprechende Infrastruktur und auch das richtige Klima vorhanden ist.

@Shinopa: Ich finde auch nicht, dass man an immer neuen Orten Stadien aus dem Boden stampfen sollte. Es gibt ja auf der ganzen Welt bereits hervorragende Sportstätten, die man nutzen kann. Evtl. mit Modernisierung und Vergrößerung.
14.01.2011
Sinopa hat geschrieben:
Ich finde es ja schön und gut und recht, wenn man solche Veranstaltungen macht.
Bin selbst Sportler und bin der Meinung man solte es fördern,
aber müssen die Weltmeisterschaften jedes mal an einem anderen Ort stattfinden
und muss man dafür extra neue Stadien bauen, das ja alles neu ist?
-> NEIN ... es macht so viel kaputt und kostet eine Menge Geld, die man woanderst besser brauch könnte,
Ich bin der Meinung, man kann einfach die alten Sportstätten für viel viel weniger Geld ein wenig erneuern oder wenn es wirklich nötig ist vergrößern.
14.01.2011
JohannesB hat geschrieben:
@Midori: Also ich weiß nicht. Klar ist es für die Sportler das Größte da mitzumachen. Aber man kann doch Olympia oder eine WM nicht immer im gleichen Land stattfinden lassen. Da fehlt ja dann auch die Begeisterung der Zuschauer, wenn sie das ständig oder eben nie vor der Haustüre haben.
14.01.2011
midori hat geschrieben:
@Johannes: Also mir wäre das total buggi, wo die stattfinden. Hauptsache ich dürfte teilnehmen, bzw. sie finden überhaupt statt! :D
14.01.2011
JohannesB hat geschrieben:
@midori: Naja, die Veranstaltungen immer am gleichen Ort? Mal ehrlich, wie langweilig wär das denn? Gerade die Olympischen Spiele leben doch auch davon, dass der Sport überall auf der Welt "zuhause" ist und dass jedes Land bzw. zumindest jeder Kontinent auch mal die Ehre und den "Genuss" haben sollte, die Welt zu so einem Sportfest begrüßen zu dürfen. Aber um Dir auch zuzustimmen: immer neue Sportstätten mit viel Geld und Umweltschäden zu bauen kann's auch nicht sein. Warum nicht konsequent vorhandene Stätten nutzen und gegebenenfalls modernisieren und/ oder (temporär) ausbauen.
14.01.2011
midori hat geschrieben:
Darauf verzichten ist wahrscheinlich unmöglich. Allerdings sollte man nicht immerzu mit den Veranstaltungsorten hin und her hüpfen, denn das Erbauen neuer Stadien zum "einmaligen" Zweck kostet unendlich viel Geld, was man woanders besser gebrauchen könnte und schlägt zudem eine grässliche Schneise in die Natur. Was hindert uns daran, die Spiele immer im gleichen Stadium durchzuführen?
13.01.2011
JohannesB hat geschrieben:
@HannaS: Ja, ein völliger Verzicht auf solche Veranstaltungen ist in der Tat unrealistisch. Und ich muss auch selbst zugeben, dass ich sowas gern (im Fernsehen) verfolge. Aber es ist halt ärgerlich und bedenklich, wenn die Ökologie nur ein winzig kleiner Randaspekt ist, der von den verschiedensten wirtschaftlichen Interessen überrollt wird. "Renaturierung" ist wirklich ein übler Begriff. Er zeigt aber auch ganz gut die Zwickmühle in der wir stecken, wenn wir solche Events haben, zugleich aber die Natur nicht allzu sehr belasten wollen.
13.01.2011
HannaS hat geschrieben:
Ich glaube, es wäre utopisch, auf solche Großevents ganz verzichten zu wollen. Immerhin wird mittlerweile überhaupt über Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang nachgedacht, wie du schon sagt. Im normalen Tourismus/ Wintersport ist das ja meist noch nicht so der Fall.
Aber ich kann die Gegner sehr gut verstehen, schon das Wort Renaturierung ist fies - erst etwas zerstören und dann so gut es geht wieder rückgängig machen, was aber nie so gut wird wie es mal war. Und alles für ein paar Tage... Da kann man schon Gänsehaut kriegen.
13.01.2011
JohannesB hat geschrieben:
Ja, die Medien spielen natürlich eine extrem wichtige Rolle. Ganz nebenbei finanzieren sie ja solche Ereignisse mit Millionen mit und nehmen andererseits über Werbung wieder eine Menge ein. Ich glaube, nach und nach merken die Verantwortlichen bei ARD, ZDF & Co. dass auch die Hintergründe und Folgen für Mensch und Natur wichtig sind, nicht nur die sportlichen Ergebnisse. Bei der Fußball-WM vor einem halben Jahr waren da ja tatsächlich Ansätze in diese Richtung zu sehen.
13.01.2011
MarcelB hat geschrieben:
Netter Bericht!
Ich sehe hier den Saisontourismus und die nicht längerfristige Nutzung ebenfalls entscheidende Faktoren.
Die Gesellschaft legitimiert alles drum herum ausschließlich durch den Spaß. Dazu tragen auch die Medien bei. Was gezeigt wird ist 24h nur das "schöne". Zum ersten Mal, letztes Jahr in Südafrika war das anders. Ich habe viele Dokus über Schicksale durch die Fußballweltmeisterschaft gesehen. Ich finde man sollte dazu beitragen, beide Seiten zu zeigen. Nicht immer nur die schönen Wettkämpfe auf die natürlich keiner verzichten will, jedoch auch das was der Bevölkerung dort geschieht. Fernsehen ist und bleibt das Leitmedium und hat den größten Einfluss. Wieso sendet die ARD nicht mal während der olympischen Spiele um 20:15 eine Doku, über Menschen die durch diese Massenspektakel ihre Existenz verloren haben? Nur so erreicht man, meiner Meinung nach was.
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