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© Martin Harvey / WWF-Canon
Zu Gast bei Gorillas (Teil 3)


von Marcel
03.09.2009
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Teil 3 von Jennys Bericht über Ihre Reise zu den Gorillas...

Der Traum wird wahr...

Doch bevor ich dem Familienoberhaupt tatsächlich gegenüberstehe, verliere ich mein Herz erst einmal an den kleinen Mossoko. Der etwa Dreijährige hatte offensichtlich in den vergangenen Tagen einen kleinen Unfall. Von einem Sturz oder einem Hieb mit einem dicken Ast zeugt jedenfalls ein beachtliches Veilchen an seinem Auge, über das er sich ständig mit den Fingern oder den zarten Blättern eines Strauchs streicht.

altAm liebsten würde ich meine Wundsalbe aus dem Rucksack holen und dem kleinen Racker helfen. Denn offensichtlich hat gerade niemand sonst hier Zeit für ihn. Die Fürsorge seiner Mutter wird völlig von dem kleinen Tembo absorbiert, der noch so tapsig und ungeschickt ist, dass man ihn wirklich keine Minute aus den Augen lassen kann. Aber die junge australische Forscherin Leanne van der Weyde, 27, die uns die einzelnen Familienmitglieder mit wispernder Stimme vorstellt, beruhigt mich: Mossokos Auge werde schon wieder heilen. Eine solche Blessur sei auch bei einem heranwachsenden Gorilla nichts Außergewöhnliches. Und sie versichert mir, dass die Forscher alles dafür tun werden, den Kleinen nicht zusätzlich durch lautes Reden zu stressen.

altBeruhigt drehe ich mich um – und traue meinen Augen nicht: Unter einem Baum, nur etwa sieben Meter von mir entfernt, sitzt, nein, thront er: Makumba. In seiner Hand hält er diverse Früchte, die er da in aller Seelenruhe und mit offensichtlichem Hochgenuss verspeist. Das Treiben um ihn herum lässt ihn dabei relativ kalt. Weder hat er einen Blick für die herumtollenden Gorillakinder übrig noch für mich. Aber das ist doch auch gut so, denn nach wie vor empfinde ich vor allem eines:

...eigentlich gehöre ich hier gar nicht hin. Noch immer fühle ich mich mitten im Elefanten- und Gorillawald wie der besagte sprichwörtliche Dickhäuter im Haushaltswarengeschäft – mit all meiner Ausrüstung, den festen Schuhen, der Kamera um den Hals und vor allem dem albernen Moskitoschutz, der gegen die Myriaden nervender Fliegen sowieso fast gar nichts nützt. Das alles ist zwar notwendiger Ballast, ohne den ich wahrscheinlich heillos zerkratzt und zerschlissen aus dem Dschungel zurückkehren würde, aber eben doch gegenüber solch ursprünglichen Wesen wie diesen herrlichen Flachlandgorillas irgendwie ein Zeichen zivilisatorischer Unzulänglichkeit. Aber darüber kann ich mir gerade jetzt, in der wichtigsten Stunde meiner Dzanga Sangha-Reise, keine Gedanken machen, denn jetzt bin ich endlich in der Wohnstube von Makumba angekommen und möchte das Beisammensein in vollen Zügen genießen.

altIch beobachte, wie der etwa achtjährige Kunga den Kleineren gegenüber den „starken Max“ markiert und spüre, dass er sich wohl bald auf den Weg machen wird, um selbst eine Familie zu gründen. Er ist der einzige Junggorilla der Familie, der seit einiger Zeit ohne seine Mutter aufwächst. Sie hatte die Gruppe vor zwei Jahren verlassen. Man merkt dem Halbwüchsigen an: Er wird bald Verantwortung übernehmen.

Schon jetzt erkennen die Jüngeren die Autorität des starken Schwarzrückens völlig an. Ich kann auch sehen, mit welcher Hingabe Mopambi ihre mittlerweile drei Kinder erzieht. Sie ist eine ausgesprochen geduldige Gorillafrau, die ihrem Wirbelwind Bokata alle Freiheiten lässt. Es ist ein herrliches Schauspiel, das mir hier geboten wird. Nur selten könne man so viele Familienmitglieder bei einem einzigen Besuch erleben, verrät mir Leanne. Oft verbergen sich manche von ihnen hinter den dichten Büschen, um in aller Ruhe ein Nickerchen zu halten. Die Gruppe so umtriebig zu sehen, sei eher selten. Doch nach etwa einer Stunde bittet uns Leanne dann doch, den Rückzug anzutreten, damit eine weitere Besuchergruppe unsere begehrten Plätze einnehmen kann.

Pro Tag dürfen höchstens sechs Personen in die gute Stube der Gorillas vordringen. In 80 Prozent der Fälle gelingt es den Spurenlesern auch, die Besucher ebenso dicht wie uns heranzuführen. Also machen wir uns schweren Herzens auf den Heimweg. Doch bevor ich mich endgültig von den Gorillas abwende, werfe ich aus nach wie vor sicherer Entfernung noch einen letzten Blick auf Mossokos Veilchen und wünsche dem kleinen Gorillamann gute Besserung.

Helfen können wir Menschen ihm bei diesem Wehwehchen nicht. Aber ich verspreche ihm im Stillen, dass ich mich nach meiner Rückkehr weiterhin dafür einsetzen werde, dass die Wilderei im Kongobecken, auch auf Gorillas und viele andere Tiere des Dschungels, eingedämmt wird und dass dieser einzigartige Lebensraum dauerhaft erhalten bleibt.

Macht’s gut, Tembo, Butaka und Mossoko! Und du, Makumba: Pass’ weiterhin gut auf die Kleinen auf!

Bilder: © Angelique Todd / WWF; © Leanne van der Weyde / WWF; © Hanno Müller / WWF

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Kommentare (3)
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17.09.2009
Gorilla hat geschrieben:
find ich gut ich wäre da gerne auch
17.09.2009
Bienenkoenigin hat geschrieben:
geht mir genauso...
um dieses erlebnis kann man dich nur beneiden... echt klasse
03.09.2009
Fredi hat geschrieben:
Diese Artikel machen süchtig und Lust auf mehr...
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