Bleib aktuell!


Was gibt's


Neues?


© Martin Harvey / WWF-Canon
Zu Gast bei Gorillas (Teil 2)


von Marcel
01.09.2009
2
0
100 P

Teil 2 von Jennys Bericht über Ihre Reise zu den Gorillas...

Rückzug und Wolkenbruch

Schwer beeindruckt von all den wichtigen Hinweisen machen wir uns endlich äußerst gespannt auf den Weg. Ich bin in einer Gruppe mit zwei Journalisten. Geführt werden wir von Ndeme Erik und Valentin, zwei Angehörigen der Volksgruppe der BaAka. Sie verstehen es ausgezeichnet, sich in dem Wegesystem, das die Forscher seit Bestehen des Camps 1988 aufgebaut haben, anhand von Fußspuren und abgebrochenen Ästen zu orientieren. Für mich ist es zwar ein Rätsel, wie das funktioniert, aber nachdem die BaAka das offensichtlich schon seit Urzeiten so machen, vertraue ich mich ihnen doch einfach mal an.

Unsere Aufgabe erscheint zunächst simpel: nur hinterher. Doch nach den ersten Kilometern durch dichtes Gestrüpp weiß ich die Wendigkeit der BaAka zu schätzen: Da sie viel kleiner sind als wir Westeuropäer, können sie jederzeit galant unter den unvermutet heranschwingenden Ästen und Lianen hindurchschlüpfen. Während ich, mit 1,73 Meter auch nicht gerade eine Riesin, mich ständig verheddere und an meinen Habseligkeiten zerren muss um weiterzukommen. Aber kein Problem: Da mich ja eine „Autogrammstunde“ mit Superstar Makumba erwartet, bin ich hochmotiviert und lasse mich keineswegs von Moskitos, Schweißperlen und Durst davon abbringen, meine Verabredung einzuhalten.
Gewitter ohne Gorillas

Aber dann passiert etwas, womit ich nicht gerechnet hatte: Nach etwa anderthalb Stunden flottem Fußmarsch signalisieren unsere beiden Führer, dass es wohl Probleme gibt, die Gorillafamilie zu finden. Normalerweise nimmt eine erste Forschergruppe jeden Morgen um 6 Uhr mit Tagesanbruch die Spur vom Vortag auf und bleibt den Gorillas auf den Fersen. Besucher wie ich werden dann gegen 10 bis 11 Uhr an die Gruppe herangeführt – zunächst über kleine Pfade und schließlich nur noch durch Dickicht. Um sich im absolut dichten Regenwald zu finden, ohne die Gorillas und andere Tiere unnötig aufzuschrecken, verständigen sich die BaAka untereinander mit klickenden Schnalzlauten. Doch an diesem Morgen ist offensichtlich irgendetwas schiefgegangen. Vielleicht hat sich die Gorillafamilie in zwei Teile getrennt und die Verfolgergruppe konnte nicht mehr rechtzeitig die relevanten Spuren für uns legen.

altJedes Jahr kommen höchstens 400 Besucher in den Genuss, an Makumbas Familie herangeführt zu werden – heute sollte ich eine der Glücklichen sein. Und dann ein solches Pech! Mit hängenden Köpfen treten wir den Rückzug an – und hören von Ferne bedrohliches Donnergrollen herannahen. Das hat uns nun gerade noch gefehlt! Mitten im Elefantenwald geraten wir in ein ausgewachsenes Tropengewitter! Nach erneuten anderthalb Stunden im Sauseschritt und ständig auf der Hut vor den Elefanten erreichen wir endlich wieder das Bai Hokou-Camp: Ich bin unversehrt, aber klatschnass bis auf die Haut, in den Schuhen steht mindestens ein Liter Wasser, mein Notizblock trieft, die Kamera ist beschlagen. Und noch immer regnet es in Strömen. Wir müssen uns auf den Rückweg machen.

32 Kilometer im Auto bei einem Tropengewitter - zwar schon ein Lichtblick, doch als wir uns der „Straße“ nähern, stellen wir fest, dass die Schlacht noch lange nicht geschlagen ist, sondern dass das Unwetter auch hier wütete: Überall klaffen riesige Löcher, Bäume liegen kreuz und quer, und die Wassermassen sammeln sich in Seen, durch die wir unseren Allradwagen irgendwie hindurch manövrieren sollen. Zwischendurch heißt es zweimal kurz: Anhalten! Wir suchen die Machete hinter dem Rücksitz. Mit festen Schlägen macht unser blutjunger Fahrer den Weg frei und entfernt überhängende Äste von der Fahrbahn, sodass wir einigermaßen darunter hindurchschlüpfen können. Schließlich liefert uns der junge Mann sicher in der Doli Logde, in der wir untergebracht sind, ab.

altNach diversen Stoßgebeten gen Himmel für schönes Wetter und mit einer rundum positiven Grundeinstellung machen wir uns zwei Tage später erneut auf den Weg durch den Elefantenwald. Und noch immer kann ich mir nicht vorstellen, wie sich diese riesigen Dickhäuter durch all das Gestrüpp hindurch winden.

Wieder ein strammer Fußmarsch durch das Dschungellabyrinth. Dann plötzlich - ich traue meinen Ohren kaum: Endlich höre ich das lang ersehnte klickende Schnalzgeräusch der Forschergruppe, welche die Spur der Gorillas in den frühen Morgenstunden aufgenommen hatte und auf die wir nun treffen sollen. Es stimmt also: Wir werden heute endlich Erfolg haben!

Ich weiß ehrlich gesagt noch immer nicht genau, was mich eigentlich bei einem Date mit Makumba erwartet – und noch bevor ich näher drüber nachdenken kann, erfahre ich es: Ich stehe DIREKT vor IHNEN! Vor den Gorillas! Ich kann es nicht glauben. In nur fünf Metern Abstand spielen drei von Makumbas Sprösslingen Ringelpiez mit Anfassen. Ich sehe es mit eigenen Augen. Und direkt daneben versucht der erst fünf Monate alte Tembo seinen ersten kleinen Baum zu erklimmen – natürlich fürsorglich bewacht von seiner Mutter Malui („Ohren“, die in ihrem Fall wenig vorteilhaft abstehen).

Mir kommen die Tränen. Mein unbeholfener Versuch, ohne Blitzlicht ein Foto von mir und dem dreijährigen Bokata im dunklen und dichten Hintergrund zu schießen, erweist sich nach meiner Rückkehr nach Deutschland als ehrenhaft, jedoch völlig hoffnungslos. Das weiß ich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, sondern ich bin so stolz und glücklich wie selten zuvor, dass ich es tatsächlich geschafft habe: Ich bin pünktlich zu meiner Verabredung mit Makumba gekommen und werde für all den Schweiß und für die vielen Adrenalinschübe belohnt, die ich auf dem Weg hierher erlebt habe.

Fortsetzung folgt - In den nächsten Tagen erfährtst du mehr über Jennys Verabredung mit einem Silberrücken...

Bilder: © G. Merz / WWF; © WWF

Weiterempfehlen

Kommentare (2)
Um einen Kommentar zu schreiben einfach registrieren oder einloggen.
Sortieren nach Aktualität:
02.09.2009
Bienenkoenigin hat geschrieben:
wooow... du hast echt glück das du so was miterleben konntest.... würd ich acuh gerne...
ich freu mich schon auf den nästen teil....
01.09.2009
Fredi hat geschrieben:
wie schon der erste teil super interessant...
Login
E-Mail


Passwort


Kostenlos registrieren
Mitglied werden
Mitglied des Monats
teaser_221.png


Deine Ansprechpartner
Marcel
Marcel Gluschak
WWF Jugend Community Manager
zum Profil
Luise
Luise Neßler
WWF Jugend Community Moderatorin
zum Profil
MarcelB
Marcel Brüssow
WWF Jugend Redaktion
zum Profil
Ronja96
Ronja Post
WWF Jugend Aktionsteamer
zum Profil
HannahFee
Hannah Fesseler
hilft dir bei technischen Fragen
zum Profil
AndreaRentschler
Andrea Rentschler
hilft dir bei Fragen zur WWF Jugend Mitgliedschaft
zum Profil
NicoleB
Nicole Barth
hilft dir bei Fragen rund um die WWF Jugend Camps
zum Profil
Folgen und mit Freunden teilen