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© Martin Harvey / WWF-Canon
Zu Gast bei Gorillas (Teil 1)


von Marcel
31.08.2009
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Verabredung mit einem Silberrücken...
Ein Bericht über eine außergewöhnliche Begegnung im abenteuerlichen Dzanga-Sangha.

altJenny hat als Pressereferentin beim WWF einiges erlebt. Einmal war sie auch im Herzen Afrikas, im Regenwaldreservat Dzanga-Sangha. In ihrem dreiteiligen Bericht schildert sie Ihre Reise in den afrikanischen Regenwald und wie sie zum ersten Mal in ihrem Leben einem Gorilla begegnet.

Wie der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen komme ich mir gerade vor, während ich durch dichtesten Regenwald pirsche. Ständig bleibe ich mit dem Ärmel an einer Liane hängen, ich strauchle und schwitze, die Mütze fällt mir vom Kopf – dabei habe ich es total eilig. Denn ich habe eine Verabredung mit einem echten Star: Ich werde heute den wohl berühmtesten Flachlandgorilla der Welt treffen: Makumba („der Schnelle“), 25, ist seit etwa zehn Jahren das Oberhaupt einer dreizehnköpfigen Gorillafamilie und steht seit 2004 im Mittelpunkt des Interesses von Umweltschützern und Naturliebhabern aus aller Welt.

altIch befinde mich seit zwei Tagen im WWF-Projektgebiet Dzanga-Sangha in der Zentralafrikanischen Republik Kongo. Mit mir angereist sind vier Journalisten aus Deutschland. Wir wollen uns ein Bild darüber machen, inwieweit Umweltschutz und Spendengelder aus Deutschland das Leben von Makumbas Familie, der anderen Gorillas sowie all der anderen Bewohner des Kongobeckens verbessert haben und was es noch zu tun gibt.

Makumbas Familie ist eine von derzeit weltweit nur zwei Flachlandgorilla-Gruppen, die in jahrelanger Arbeit soweit an Menschen gewöhnt wurden, dass man Besucher an sie heranführen kann. Mit dem dadurch erworbenen Geld werden weitere Forschungs- und Schutzmaßnahmen vorangetrieben. So wird zum Beispiel mit Hochdruck an einer Bekämpfung der Ebola-Epidemie gearbeitet, die neben der Wilderei eine der Hauptgefahren für das Überleben der Flachlandgorillas darstellt.

Weitere Flachlandgorillas werden derzeit von Spezialisten auf den baldigen Kontakt mit Menschen vorbereitet, um diesen Tourismusbereich weiter ausbauen und auf eine stabilere Basis stellen zu können. Diese so genannte „Habituierung“ begann im Falle der Makumba-Gruppe im Jahr 2000: Seither wurde der Silberrücken von der damaligen WWF-Projektleiterin Chloé Chipoletta und ihrem Team auf Schritt und Tritt verfolgt. Seit Januar 2007 hat WWF-Mitarbeiterin Angelique Todd die Leitung der Gorilla-Habituierung übernommen. Die Biologin arbeitet bereits seit zehn Jahren im Gorilla-Camp Bai-Hokou und war auch dabei, als im Jahr 2004 die erste Besuchergruppe zu Makumbas Familie geführt wurde.

Das bisherige Highlight dieses WWF-Projekts fand im Dezember 2007 statt: Damals wurden die Projektmitarbeiter erstmals Augenzeugen einer Geburt eines Flachlandgorillas. Ein Erlebnis, von dem mir meine Kollegen vor Ort mit noch immer leuchtenden Augen berichten. Der kleine Tembo ist jetzt fast ein halbes Jahr alt und macht auch schon seine ersten etwas unbeholfenen Kletterversuche, aber mehr dazu gleich.

altMit Allradantrieb ging es heute morgen direkt bei Anbruch der Dämmerung um halb sieben los in Richtung Dschungelcamp. Für 32 Kilometer über eine zwei Meter breite „Straße“, die eingezwängt zwischen Urwaldriesen und dichtem Gestrüpp verläuft, braucht unser Wagen gute anderthalb Stunden. Dann sind wir endlich angekommen: im Bai Hokou-Camp, in dem verschiedene Forscher aus zig Ländern schon seit 1988 das Leben im Kongo studieren. Hier leben etwa 20 Menschen relativ komfortabel zusammen und teilen sich eine Wasserfalldusche, Küche, einen offenen Raum zum Essen und verschiedene Wohnhütten. Für uns Besucher gibt es sogar ein recht feudales Dschungel-Klo: Eingerahmt von Palmwedelwänden erhebt sich in der Mitte eines kleinen Raums ein fünfzig Zentimeter hoher Sitz – Moskitoattacken inklusive.

Bevor wir losmarschieren zu unserer Verabredung mit dem Gorilla-Mann Makumba sollen wir uns bitte alle noch einmal entleeren, denn es ist streng verboten, irgendetwas im Wald zurückzulassen, was dort partout nicht hingehört. Shelly Masi, eine junge Menschenaffenforscherin aus Italien, die derzeit ihren Post-Doc in Bai Hokou absolviert, gibt uns noch die wichtigsten Tipps mit auf den Weg durch den Wald – in dem es übrigens von Elefanten nur so wimmle.

Erste Regel: Immer den Anweisungen der beiden Spurenleser folgen, die uns in den nächsten Stunden den Weg zu den Gorillas und wieder zurück weisen werden.

altZweite Regel: Wenn ein Elefant naht: Beine in die Hand nehmen und nichts wie weg! Denn gegen einen aufgebrachten Elefantenbullen hat man keine Chance. Aber Vorsicht: Auch hier gilt, nicht einfach loszurennen, sondern zunächst die Anweisungen der beiden Spurenleser abzuwarten.

Dritte Regel: Nichts im Wald zurücklassen! Sollte der Klogang nicht die erforderliche Wirkung zeigen, dann bitte die Spurenleser darum, dir ein tiefes Loch zu graben, in das du dich entleeren kannst. Denn nur so wird vermieden, dass sich die Tiere mit unseren Krankheiten anstecken.

Vierte Regel: Sobald wir bei den Gorillas angekommen sind, wird nichts gegessen. Wer niesen oder husten muss: T-Shirt vorhalten, um die Ansteckungsgefahr für die Gorillas zu minimieren.

Nachdem wir absolute Regeltreue geschworen haben, nennt uns Shelly noch die wichtigsten Mitglieder der Gorilla-Familie und erläutert uns den weiten Weg, den wir heute gehen müssen, damit wir ganz dicht an die Gorillas herankommen können. Besonders in Acht nehmen sollen wir uns übrigens vor Makumbas Erstfrau: Bombe (der Name stammt von einer Frucht und soll nicht auf ihr Naturell schließen!) sei hin und wieder nicht allzu gut auf Besuch zu sprechen. Doch wir brauchen keine Angst zu haben, versichert Shelly, als sie unsere nicht mehr ganz so gelassenen Gesichtsausdrücke sieht.

Erfahre mehr im zweiten Teil...

Bilder: © David Rouge / WWF; © Günter Merz / WWF; © Chloé Cipolletta / WWF; © M. Gunther / WWF

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Kommentare (4)
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06.09.2009
Gorilla hat geschrieben:
echt cool
01.09.2009
Fredi hat geschrieben:
ja, wirklich interessant.
ich freu mich schon auf die Fortsetzung... ;)
01.09.2009
straetsi hat geschrieben:
sehr guter bericht. interessant zum lesen...
31.08.2009
Libero hat geschrieben:
Wow. So Gorillas zu besuchen wär bestimmt auch mal cool. Ich stell mir des voll schön vor. :]
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