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"Wir müssen unsere Tiere lieben." - Naturschutz in Tansania: Ein Interview


von Sarah25
21.01.2014
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Seit Ende August bin ich nun in Tansania. Nähere Infos darüber findet ihr hier und hier. Das folgende Interview führte ich zusammen mit Jan, meinem Mitfreiwilligen, sowie unserem Arbeitkollegen Pierre. Dies ist der zweite Teil des Interviews. Falls ihr den ersten Teil verpasst habt, findet ihr ihn hier. Behaltet beim Lesen des Interviews bitte im Hinterkopf, dass es sich bei dem Gesagten lediglich um die persönlichen Meinungen von Said Hassan Mnkeni handelt und dies nicht als Meinung der Tansanier verallgemeinert werden kann.

Sarah: Wie viele Ranger gibt es im Swagaswaga Game Reserve¹?

Mnkeni: Momentan haben wir zehn Ranger.

Sarah: Gibt es andere Aktivitäten um das Game Reserve zu bechützen? Wie oft gehen die Ranger auf Patrouille? Was machen Sie, um das Game Reserve zu schützen?

Mnkeni: Wir sollen während des ganzen Monats Patrouillen durchführen bzw. jeden Tag. Das ist unsere Pflicht. Jeden Tag sollen Ranger im Game Reserve unterwegs sein. Außerdem haben wir sogenannte Aufklärungspersonen. Sie gehen durch die Orte, um Informationen darüber zu sammeln, wer wildert und wie gewildert wird. Sie geben die Informationen an uns weiter und wir überprüfen die Verdächtigen. Wenn wir Wilderer auf frischer Tat ertappen, können wir sie verhaften, manchmal sind Sie unterwegs oder auch zu Hause.

Sarah: Ist es passiert, dass in Swagaswaga Elefantenstoßzähne gefunden wurden?

Mnkeni: Wir hatten einen Fall hier. Gegen Mitternacht ist eine Person in den Busch gegangen und hat zwei Elefanten getötet wegen der Stoßzähne. Als er unsere Leute sah, rannte er weg. Aber er ließ die Stoßzähne liegen und sein Motorrad. Wir untersuchen noch, wer der Besitzer des Motorrades ist.

Sarah: Wenn Sie Stoßzähne finden, was machen Sie mit ihnen?

Mnkeni: Wir sammeln sie und dann bringen wir sie zum Hauptsitz des Wildlife Departments in Dar Es Salaam.

Ranger zeigen während ihrer Anti Wilderei-Patrouillen beschlagnahmte Waffen und Stoßzähne (nicht im Swagaswaga Game Reserve)

Pierre: Wie oft führen Sie Auklärungsarbeit für die lokalen Gemeinden durch?

Mnkeni: Dieses Programm haben wir nicht. Aber wir arbeiten daran. Wir haben kein spezielles Personal dafür. Wenn man Aufklärung zum Thema Umweltschutz machen will, sollten wir dafür eine Person haben. Ranger sind normalerweise nicht dafür ausgebildet. Aber wir fragen Ortsvorsitzende, ob sie uns, wenn sie ein Treffen haben, einladen können. Dann nehmen wir an diesen Treffen teil. So können wir der Gemeinde vorstellen, dass dieses Game Reserve auch ihr Schutzgebiet ist. Aber die Leute verstehen das nicht. Nicht die Regierung erklärt, dass dieses Gebiet jetzt ein Game Reserve ist. Wir überzeugen die Menschen in der Gegend, die wir schützen wollen. Wir müssen ihnen erklären, welche Vorteile sie von dem Game Reserve haben werden und mit welcher Zeilsetzung das Game Reserve gegründet wird. Aber in Zukunft wächst die Bevölkerung². Das Land bekommt einen Wert³, aber die Leute denken, es ist ihr Land: “Warum dürfen wir in diesem Gebiet nicht anbauen?”.
Zum Beispiel wurde, als das Swagaswaga Game Reserve gegründet wurde, nicht das umgebende Ökosystem berücksichtigt. In einigen Gegenden gibt es viel Buschland, aber es ist nicht Teil des Game Reserves. Und diese Gebiete werden sowohl von Menschen als auch von Tieren, z.B. Elefanten, genutzt. Es ist ein Durchzugsgebiet (Korridor) für sie. Jetzt wollen die Menschen das Land bestellen. Das ist ein Problem, denn auf lange Sicht, werden sie die Gegend roden und ihre eigenen Felder einrichten. Diese Tiere werden dann kommen und die angebauten Pflanzen zerstören. Dann werden die Leute sich bei uns beschweren, sie wollen Schadensersatz. Deswegen will ich den Distriktvorsitzenden und andere Vorsitzende überzeugen: “In dem Gebiet, was nicht Teil von Swagaswaga Game Reserve ist, soll ein Wildlife Management Gebiet entstehen, dass von der Gemeinde verwaltet wird. Es soll Einfluss auf das Game Reserve haben.” Wenn Tiere in diesem Gebiet gejagt würden, gingen die Einnahmen von den Tieren, die in dem Gebiet getötet wurden, an die Gemeind, da sie das Gebiet verwalteten. Zweitens, möchte ich sie davon überzeugen, dass wir Bienenhaltung einführen, um das Gebiet zu einem Bienenhaltungsgebiet zu machen. Dafür muss die Bevölkerung aufgeklärt werden.

                               Bienenstöcke in Dodoma Region: traditionelle und moderne

Sarah: Welche anderen Herausforderungen gibt es in Bezug auf das Swagaswaga Game Reserve?

Mnkeni: An erster Stelle ist es Wilderei, Wilderei für den Eigenbedarf und die sogenannte „Business-Wilderei“. Wilderer, die für den Eigenbedarf jagen, töten nur kleine Tiere, wegen des Fleisches. Aber es gibt einige Menschen, die Elefanten und große Tiere wie Büffel, Elenantilopen, große Kudus und sogar Zebras töten. Sie verkaufen das Fleisch an andere Menschen, das ist dann „Business-Wilderei“.

Sarah: Passiert es oft, dass Leute große Tiere wie Elefanten töten?

Mnkeni: Seit ich hier arbeite, haben wir das nicht mitbekommen. Wenn man sagt es gibt keine Wilderei, wäre das nicht wahr. Wir haben es nur nicht gesehen.
Eine andere Herausforderung ist Geldmangel. Wir haben nicht genügend Ausrüstung, um Patrouillen durchzuführen. Wir haben Fahrzeuge, aber es ist sehr teuer ein Fahrzeug ein Jahr über instand zu halten. Und jetzt ist auch Benzin sehr teuer. Die Motivation unser Ranger ist sehr gering, weil ihr Gehalt minimal ist. Wir sollen ihnen Geld als Risikozuschlag geben, aber es ist minimal und manchmal zahlen wir es ihnen nicht. Das ist der Grund warum Wilderei zunimmt. Ein Wilderer wird zu unseren Ranger kommen und ihnen genügend Geld geben. Dann werden sie es ihm erlauben und ihm den Weg zeigen. Ein anderes Problem ist der Mangel an Rangern. Wir sollten 30 haben, denn zehn sind nicht genug. Wir haben kein Wochenende und keine Ferien. Die Leute denken vielleicht nicht, dass wir unser Leben riskieren. Wenn wir unterwegs sind, können wir Tiere treffen, das kann gefährlich werden. Zum Beispiel Schlangen, Leoparden, Löwen, Elefanten, das sind gefährliche Tier und die Wilderer könnten uns erschießen.

Sarah: Wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen um?

Mnkeni: Zu aller erst muss ich meine Ranger davon überzeugen, dass wir patriotisch sein müssen, wir müssen unser Land lieben, wir müssen unsere Tiere lieben. Also müssen wir hart arbeiten, auch wenn wir nicht gut bezahlt werden. Zweitens müssen wir mit unseren Geldgebern reden und versuchen die Regierung davon zu überzeugen, mehr Geld für den Schutz bereitzustellen. Zum Beispiel müssen wir eine neue Straße bauen, wir müssen einen Art Damm in dem Game Reserve errichten, um mehr Wasser für die Tiere und die Menschen zu sammeln. Wir wollen auch darüber reden, ob jeder Ranger seine eigene Ausrüstung bekommen kann. Es gibt den Tanzanian Wildlife Protection Fund. 25 Prozent der Gebühr, die für ein gejagtes Tier in Tansania erhoben wird, geht an den Tanzanian Wildlife Protection Fund. Dieser Fonds ist sehr hilfreich für uns. Wenn wir diesen Fonds nicht hätten, würden wir wahrscheinlich kollabieren. Wir hätten keinen Naturschutz, würde ich sagen. Denn das Geld, dass wir von der Regierung bekommen, ist sehr wenig.
Wir sind gerade in einer Übergangsphase. Wir wollen “Tanzanian Wildlife Authority” werden, damit wir nicht direkt von der Regierung abhängig sind. Das kann vielleicht helfen. Denn Geldgeber wollen manchmal nicht ihr Geld der Regierung geben, denn die Regierung ist mit Bürokratie verbunden. Die Geldgeber möchten eine Institution haben, die unabhängig ist.

Morgen folgt der letzte Teil des Interviews. Darin geht es um die Gefahren für Flora und Fauna in Tansania im Allgemeinen und die Zukunft des Swagaswaga Game Reserve.

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¹Ein Game Reserve ist ein Schutzgebiet. Der wesentliche Unterschied zum Nationalpark besteht darin, dass Jagdtourismus zulässig ist.

²Das Bevölkerungswachstum in Tansania beträgt zur Zeit 2.9%. 1967 lag die Bevölkerungszahl noch bei 13.3 Millionen. Heute hat Tansania 44.9 Millionen Einwohner.

³Oft sind die Besitzverhältnisse in Tansania nicht geklärt, sondern jeder baut dort an, wo Platz ist. Dies ist auf die sozialistische Vergangenheit des Landes zurückzuführen

Bild 1: © Sandra Mbanefo Obiago / WWF-Canon

Bild 2: Copyright Sarah Hanus

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Kommentare (1)
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22.01.2014
JohannesB hat geschrieben:
Echt ein interessanter Einblick, den Dein Interview vermittelt. Danke, Sarah! :)

Besonders, dass die Ranger so wenig verdienen und deshalb unmotiviert und leicht zu bestechen sind, ist echt traurig. Schließlich ist das eine verdammt wichtige Aufgabe.
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