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© Martin Harvey / WWF-Canon
Wie eine andere Welt...


von Sarah25
21.03.2014
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Ich schaue auf den Krater¹ herab. Eine riesige grüne Fläche breitet sich vor mir aus, unterbrochen von dem glänzenden Wasser eines Sees, an den Hängen des Kraterrandes grüner Wald. Überall auf dem Kraterboden entdecke ich Gruppen kleiner dunkler Punkte und frage mich, ob es Gnu- oder Büffelherden sind, oder vielleicht doch Elefanten.
Ich gehe ein paar Schritte und schaue die Außenseite des Kraterrandes herab. Wellblechdächer glänzen im Sonnenschein. Der braun-grüne Boden ist in kleine Rechtecke unterteilt, Mais und andere Pflanzen werden dort angebaut. Und ich habe das Gefühl innerhalb von einem Moment zwei verschiedene Welten zu sehen...


                                Gnus, im Hintergrund einige Zebras, im Ngorongoro Krater

Egal wo ich hinschaue, erblicke ich Tiere. Mittlerweile sind wir in den Krater hinabgefahren. Als erstes kommen wir an Zebras und Gnus vorbei, die in aller Ruhe grasen. Ich kann den 19km breiten Krater ganz überblicken. Der flache See ist von einem rosa Schleier bedeckt – hunderte von Flamingos. Aber auch viele Safari-Autos erblicke ich in den Weiten des Kraters. Wir fahren weiter, vorbei an Zebras, Gnus, Warzenschweinen, entdecken eine Hyäne, ein paar Elefanten im Hintergrund und schließlich Löwen, die sich gut getarnt im gelblichgrünen Gras ausruhen.

Ich kann nicht richtig realisieren, welche Tiere ich gerade in freier Wildbahn sehe. Tiere, die ich sonst nur aus dem Zoo oder aus Naturdokumentationen kenne. Tiere, deren Existenz in freier Wildbahn fast mein Vorstellungsvermögen sprengen. Ich komme mir vor wie in einem riesigen Freiland-Zoo, wie in einer anderen Welt.

                                                                    Thomson Gazellen

Wir setzen unseren Weg fort in Richtung Serengeti, dem wohl bekanntesten Nationalpark Tansanias, wenn nicht sogar Afrikas. In Deutschland bekannt geworden durch den Film „Serengeti darf nicht sterben“, ist dieser Nationalpark ein echter Touristenmagnet. Nicht umsonst, muss ich feststellen. Gruppen von Gazellen säumen den Weg, die Weite der Ebene ist atemberaubend. Nach einiger Zeit ändert sich die Landschaft. Das Gras wird höher, später verdichtet sich die Ebene mit Akazien. Und die Landschaft raubt mir noch immer den Atem. Es überrascht mich jedoch schon nicht mehr Zebras, Giraffen oder Elefanten zu entdecken. Ab und zu erscheint es mir aber doch wieder sehr realitätsfern graue Dickhäuter friedlich beim Fressen zu beobachten oder einen Löwen keine zehn Meter entfernt schlafen zu sehen.

Die Welt um mich herum wirkt friedlich, unbeeindruckt von den vielen Safari-Autos und Touristen, die eifrig Fotos machen. Der Kreis der Natur und das Schicksal der Natur scheint ungebrochen. Ich sehe ein kleines Gnu am Wegesrand, das immer wieder Rufe ausstößt. Doch kein anderer Artgenosse ist weit und breit zu sehen. Es habe die Gruppe verloren und werde wohl bald von einem Raubtier gefressen, erklärt unser Guide. Am liebsten hätte ich es mitgenommen, um es seinem Schicksal zu entziehen, doch mein Verstand sagt mir, ich solle der Natur freien Lauf lassen. Ich fühle mich wie in eine Naturdoku hineinversetzt.

                                        junges Gnu allein in der Weite der Serengeti

Nur die vielen Touristen und die dazugehörigen Autos, Picknick- , Campingplätze und Lodges passen nicht in das Bild und erinnern mich an die andere Welt außerhalb der Nationalparks. Es erinnert mich sogar viel mehr an das weit entfernte Deutschland als an Tansania. Nach 50 Stunden verlassen wir wieder die Schutzgebiete. Ein komisches Gefühl macht sich in mir breit, als wir den ersten Ort erreichen. Es herrscht das übliche Gewusel von Menschen zwischen Straßen, Häusern und Märkten. Einerseits fühle ich mich wieder zu Hause in der vertrauten Umgebung eines tansanischen Ortes. Andererseits kann mein Kopf nicht verarbeiten, dass nur 40km von diesem alltäglichen Anblick entfernt Elefanten, Antilopen, Giraffen, Löwen und Co. durch die Weiten der Natur streifen.

Und die letzten Tage kommen mir vor wie ein Traum, deren einziger Realitätsnachweis die Fotos auf der Kamera sind.

Ihr wollt mehr über meinen Aufenthalt in Tansania erfahren? Dann schaut hier und hier.

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¹ die Ngorongoro Conservation Area liegt südöstlich der Serengeti und wurde 1979 von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Der Hauptkrater hat eine Größe von 260km² und ist somit der 6. größste ungebrochene Kraterkessel der Welt. Weiter Informationen findet ihr hier

Titelbild, Bild 3 & 4: Copyright Michael Hanus

Bild 1 & 2: Copyright Sarah Hanus

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Kommentare (19)
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09.04.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Danke für eine ganz private Reise in die Vergangenheit. Es kommen immer noch all die Bilder und Gefühle wieder hoch, wenn ich nur Fotos der Schönheiten Afrikas sehe. Und dann noch Worte dazu.....ich bin wieder zurück in der Hitze am Wasserloch :)
Diese Ehrfurcht gepaart mit unbändiger Freude und auch ein klein wenig Fassungslosigkeit wenn man die Umgebung auf sich wirken lässt, ist ein berauschendes Gefühl. Gänsehaut pur :)
08.04.2014
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Danke Sarah, für das Teilen dieses einzigartigen Erlebnisses. ich kann gut nachvollziehen, dass du so oft mit dem Realitätsgefühl haderst. Ich wünsche dir noch eine tolle Zeit in Tansania!
07.04.2014
Makanie hat geschrieben:
@Westernpferdle: Ich mag das auch nicht, wenn da so viele Touris sind. Lieber ein bisschen abseits.
Aber der Bericht war wirklich superschön!
04.04.2014
yellow.peace hat geschrieben:
die fotos sind toll! da würde ich auch gerne mal hin!! :)
23.03.2014
Lisa18 hat geschrieben:
Vielen Dank für den wunderschön geschriebenen Bericht und die super Fotos!! Bei dem kleinen Gnu kann ich dich gut verstehen, aber wie du schon richtig sagtest, man sollte der Natur freien Lauf lassen! Ich finde, bei solch schönen Berichten schöpft man neuen Mut und Kraft sich weiter für die Tiere und ihre Umwelt einzusetzen!!
21.03.2014
Ronja96 hat geschrieben:
Vielen Dank für den Bericht! Da bekommt gleich Lust auch dahin zu reisen.
21.03.2014
Jayfeather hat geschrieben:
Dieser Bericht bestätigt mich in meinem wunsch einmal nach Afrika zu reisen :)
Die Fotos sind echt super geworden!
21.03.2014
Luke24 hat geschrieben:
Ein super interessanter Bericht. Auch klasse geschrieben. Stimmung voll rübergebracht, ohne dass der Bericht zu lang geworden ist. Auch sehr schöne Fotos :-)

Danke.
21.03.2014
Himbaerchen hat geschrieben:
Jaa … Wirklich wie eine andere Welt *.* :D
21.03.2014
Westernpferdle hat geschrieben:
Ist das toll!:)
Irgendwann möchte ich auch mal nach Afrika, allerdings mag ich diesen Tourirummel nicht^^
21.03.2014
Leatrice hat geschrieben:
Wow, eine tolle Erfahrung!
Dankeschön für die großartigen Bilder, obwohl sie wohl kaum mit dem Erlebnis zu vergleichen sind ;)
21.03.2014
Kerstin hat geschrieben:
Vielen Dank für die tollen Bilder! Mich hat beim Lesen die Reiselust gepackt!
21.03.2014
Sarah25 hat geschrieben:
Ja es ist schon atemberaubend und auch faszinierend diese Landschaften und Tiere zu sehen. Nicht vergessen darf man dabei allerdings, dass es auf jeden Fall in den bekannten Nationalparks z.B. Serengeti und Ngorongoro Conservation Area auch ziemlich überlaufen sein kann. Ich war sehr froh in der Nebensaison dort gewesen zu sein und trotzdem standen einmal 13 Safari-Autos um zwei trinkende Elefanten. Das fand ich dann nicht mehr so schön. Aber es muss einem eben bewusst sein, dass diese Orte wahre Touristenmagneten sind. Laut der Webseite besuchen jedes Jahr wohl 450.000 Menschen Ngorongoro...

Und leider bekommt man auf einer Safari auch eher wenig von dem tansanischen Leben und Kultur mit. Ich habe mich teilweise sehr komisch und fremd von dem Tansania gefühlt, das ich kennengelernt habe. Denn Essen, Waschräume etc. werden den Bedürfnissen der Touristen angepasst. Ich fühlte mich manchmal eher wie in "Kleineuropa" ;) Da war ich immer froh mich mit den Köchen und Tourguides auf Kiswahili unterhalten zu können, um dem ganzen Tourismus ein bisschen entfliehen zu können.

ABER trotz allem bleiben meine Eindrücke genauso wie ich sie in meinem Bericht beschrieben habe. Auch wenn diese Eindrücke sehr schwer in Worte zu fassen sind :)
21.03.2014
gelöschter User hat geschrieben:
Da möchte man am liebsten mit dir tauschen :D
Das muss echt wunderschön dort sein...
Noch ein Grund ein bisschen mehr in die Reisekasse zu sparen :)
21.03.2014
Franzichen hat geschrieben:
Danke Sarah dass du diene Bilder und Eindrücke mit uns teilst! Das macht richtig Lust auf Reisen und ich wünsche mir das ich auch einmal nach Afrika kann um so etwas zu erleben!:)
21.03.2014
LenaLuchs hat geschrieben:
Ein wirklich fantastischer Bericht!! Vielen Dank :)
21.03.2014
MarcelB hat geschrieben:
Ulis Kommentar über Little Food fand ich echt ziemlich lustig! :D

Aber es stimmt! Der Artikel weckt die Reiselust! :) Danke Sarah, habs genossen deine Eindrücke zu lesen! :)
21.03.2014
midori hat geschrieben:
WOW! Tausend Dank liebe Sarah für diese atemberaubenden Einblicke! Du hast mich wieder daran erinnert, dass ich in meinem Leben unbedingt nach Afrika muss! ;o)

Dokus und Videos über die Kraterlandschaft des Ngorongoro erinnern mich immer an Little Food und die Dinosaurier aus dem großen Tal. Die leben auch so friedlich abgeschottet in ihrer kleinen Welt. Ich hoffe, bei den Tieren in Afrika wird das bis in alle Ewigkeit so bleiben!
21.03.2014
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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