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"Was ist es uns wert, eine Art vor dem Aussterben zu bewahren?"


von FabianN
05.07.2016
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Eine Frage, die sich vielen stellt, angesichts des Australian Rhino Project. Ziel des Projektes ist es, südafrikanische Breitmaulnashörner über den Indischen Ozean nach Australien zu fliegen. Dort sind sie vor der zunehmenden Wilderei in Afrika geschützt. So soll es gelingen, das Nashorn vor dem Aussterben zu retten.

Das ist die Vision von Ray Dearlove, Gründer des Projekts. Der 68-Jährige, der mittlerweile in Australien lebt, ist in Südafrika aufgewachsen. Während seine Kindheit durch Besuche im Krüger Nationalpark von Nashörnern, Elefanten und Giraffen geprägt war, bemerkt auch er den enormen Anstieg der Wilderei seit 2007. Inzwischen werden jährlich mehr als Tausend Nashörner illegal gewildert. Ursache für diese Entwicklung ist die traditionelle chinesische Medizin, denn das Horn der Tiere gilt als Wunderheilmittel. Auf dem Schwarzmarkt ist ein Horn rund 54.000 Euro wert.

Mit rund 20.000 Tieren gilt das südliche Breitmaulnashorn als potenziell gefährdet. Der Trend der Wilderei gibt allerdings Grund zur Sorge, dass es der Art bald so ergehen könnte wie den nördlichen Verwandten. Diese sind mit nur noch drei lebenden Exemplaren, die allesamt zu alt für eine erfolgreiche Fortpflanzung sind, vom Aussterben bedroht und nur noch durch Gentechnik und Leihmutterschaft zu retten. Ray Dearlove möchte verhindern, dass es so weit kommt. Deswegen steckt der Rentner alles war er hat in das Nashornprojekt.
Insgesamt 80 Nashörner will er über 5 Jahre nach Australien per Flugzeug bringen. Dort sollen sie in Schutzgebieten in Safariparks sicher leben. Denn diese Sicherheit sieht er in Südafrika nicht für die Dickhäuter. Zwar soll die Art in ausgewiesenen Gebieten sicher sein und die Aufhebung des nationalen Handelsverbots einen Preissturz herbeiführen und damit den illegalen Handel schwächen. Doch aufgrund der niedrigen Nachfrage in Südafrika bleiben die erhofften Konsequenzen aus und der illegale Handel besteht weiterhin. Zudem bewirkt die nationale Legalisierung eine schwierigere Strafverfolgung. Deswegen sieht er die Chance der Nashörner in Australien. Allerdings ist er damit ziemlich auf sich allein gestellt, denn weder von der afrikanischen Regierung noch von australischer Seite erhält das Projekt Unterstützung. Somit finanziert Dearlove sein Projekt ausschließlich mit Spenden. Ein Mammutprojekt. Da es spezielle Frachtflieger für den Nashorntransport benötigt, belaufen sich die Kosten auf 54.000 Euro pro Nashorn. Für die erste Phase des Projekts, in der 10 Nashörner in Australien untergebracht werden, plant Dearlove mit 900.000 Euro, die er bereits zusammenhat. "Das klingt nach viel Geld", sagt Dearlove, "aber was ist es uns Wert eine Art vor dem Aussterben zu bewahren?" Hilfe bekommt er bei der Umsetzung seines Projektes von mehr als 30 Freiwilligen sowie Fachleuten wie die Tierärztin und Dekanin der Fakultät der Veterinär-Wissenschaft der Universität Sydney Professor Rosanne Taylor. Letztere ist mit anderen Veterinären unerlässlich für das Projekt, denn die Gesundheit der Tiere muss sichergestellt sein. Trotz vorherigen Untersuchungen müssen sie bis zu sechs Monaten in Quarantäne verbringen, denn „die australische Regierung achtet streng auf Biosicherheit“, erklärt Dearlove. Zu groß ist die Angst vor Krankheiten oder Keimen, die mit den Nashörnern auf den australischen Kontinent gelangen könnten. Dearlove ist jedoch entgegen allen Widrigkeiten entschlossen, sein Projekt in die Tat umzusetzen.

Allerdings ist das Projekt selbst unter Artenschützern umstritten. Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Wildtierforschung sieht es nicht als zielführend. „Das viele Geld kann man sinnvoller investieren“. Doch es ist nicht nur eine Frage des Geldes für ihn, denn „es gibt bereits Zuchtprogramme in Australien. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich insbesondere die südlichen Breitmaulnashörner nicht sonderlich gut in Australien fortpflanzen.“ Die erwünschten Nachkommen seien ausgeblieben, während die Tiere teilweise sogar an Verstopfungen starben. Der Wildtierforscher würde nicht weniger Geld in den Nashornschutz investieren, sondern nur auf andere Weise. „Effektiver wäre es in den Schutz vor Ort zu investieren, am besten in Aufklärung.“ Indem man den Menschen klarmache, dass ein lebendes Nashorn genauso viel wert sein kann wie sein Horn, könne man den Bestand der südlichen Breitmaulnashörner noch innerhalb Afrikas sichern. Eine derartige Umsiedlung wie Dearlove sie plant, hält Hildebrandt bei andere Arten wie die vom Aussterben bedrohten Java- und Sumatra-Nashörner für sinnvoll. Ohne ein den Transport in ein sicheres Habitat, wie beispielsweise nach Indonesien oder Malaysia sei ein Aussterben nur schwer zu verhindern.

Angesichts der steigenden Wilderei scheinen Dearloves Sorgen und Bemühungen allerdings durchaus berechtigt. Wird sich die Wilderei weiterhin wie in den letzen Jahren entwickeln, so könnten selbst die 20.000 Individuen vor dem Aussterben stehen. Dann wäre eine Umsiedlung neben der gentechnischen Züchtung die letzte Möglichkeit zur Rettung der Nashörner.


Derartige Problemstellungen werden in Zukunft zunehmen. Immer mehr Arten haben unter den sich vor allem durch den Menschen sich rasant ändernden Bedingungen zu kämpfen. Immer häufiger wird sich dadurch die Frage stellen: „Was ist es uns wert, eine Art vor dem Aussterben zu bewahren?“ Was ist eure Meinung?

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Text: Fabian Nagel
Bilder:© Michael Poliza / WWF ; © Ray Dearlove                                                     

Quelle: zeit.de

 

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Kommentare (1)
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08.07.2016
Helen1698 hat geschrieben:
Für mich ist klar: Es muss uns noch viel mehr Geld wert sein als die erwähnten 900.000 Euro. Das mag jetzt viel klingen, aber wenn man es mit anderen Summen vergleicht, ist es wirklich verschwindend gering.
Ich glaube allerdings nicht, dass es der richtige Weg ist, Nashörner um die halbe Welt zu fliegen (besonders, wenn man schon weiß oder ahnen kann, dass es ihnen in ihrem neuen Lebensraum nicht gut gehen kann). Vielleicht ist solch eine Maßnahme eine letzte Rettungsmaßnahme, wenn andere Methoden wie Aufklärung im südlichen Afrika und die Schaffung von Alternativen nicht mehr wirken. Ob es soweit schon gekommen ist, kann ich nicht beurteilen. Falls nicht sollte meiner Meinung nach ordentlich in präventive Maßnahmen investiert werden bzw. sollten politische Institutionen eingreifen, bevor es ganz zu spät ist. Es darf nicht sein, dass wir zugucken wie ein Problem entsteht und uns dann, kurz bevor es zu spät ist, wundern, warum wir nichts mehr tun konnten.
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