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© Martin Harvey / WWF-Canon
Virunga - Ölkatastrophe im Gorillareich? (Info und Petition)


von Rhino
28.12.2012
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Den Virunga-Nationalpark im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo gibt es schon seit über 80 Jahren, damit ist er der älteste Nationalpark in ganz Afrika und nicht nur das, er zählt auch zu den vielseitigsten Reservaten überhaupt, denn in dem 7.800km² großen Gebiet, das mittlerweile als UNESCO-Weltnaturerbe gilt, sind nahezu alle charakteristischen Lebensräume des afrikanischen Kontinents zu finden, von Gebirgs- und Vulkanlandschaften, über Savannen und Sumpfgebiete bis hin zu tropischen Regenwaldzonen.

Entsprechend vielseitig ist auch die Fauna des Nationalparks, neben wohl bekannten Arten, wie Löwe, Giraffe, Schimpanse oder Leopard beheimatet das Schutzgebiet auch zahlreiche Spezies, die extrem scheu und z. T. auch extrem selten sind, wie z. B. das Okapi, ein zurückgezogenes, Pflanzen fressendes Huftier, das wie eine Mischung aus Giraffe, Zebra und Antilope aussieht und erst Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und erforscht wurde.

Die Bergregenwälder im Süden des Virunga-Nationalparks stellen ein wichtiges Refugium für Waldelefanten, Berggorillas und viele weitere, vom Aussterben bedrohte, Dschungelgeschöpfe dar, doch das Territorium leidet nach wie vor massiv unter den Folgen von WildereiAbholzung und Raubbau, das alles ist im politisch extrem instabilen Kongo nur sehr schwer zu kontrollieren.

Zudem sind mittlerweile Pläne für eine kommerzielle Ölförderung auf dem Nationalparkgebiet öffentlich geworden. Eine Umsetzung dieser Pläne würde eine ausgeprägte Lebensraumzerstörung mit sich ziehen, verbunden mit wahrlich verheerenden Folgen für die Artenvielfalt des Nationalparks … 

2011 haben mehrere europäische Ölkonzerne von der Regierung Kongos die Erlaubnis für Ölbohrungen in mehreren Sektoren erhalten, die offiziell als Blöcke bezeichnet werden. Besonders heikel ist dabei der so genannte Block 5. 

Über 50% seiner Fläche sind wertvolles Nationalparkterritorium, außerdem umschließt Block 5 weite Teile des tropischen Edwardsees, ein See, der für die lokale Bevölkerung, welche zum größten Teil vom Fischfang lebt, die unentbehrliche Lebensgrundlage darstellt - und gerade in diesem Block darf das britische Unternehmen SOCO in den nächsten Jahren ungehemmt Ölbohrungen vollziehen.

Die zu erwartenden Probleme sind vielseitig, Bohrungen im Edwardsee können dauerhaft zu einer extremen Wasserverschmutzung führen. Zudem ist mit dem Abbau von Öl langfristig auch ein Ausbau von Straßen und Pipelines verbunden, was definitiv eine intensive Dezimierung von Regenwaldfläche zur Folge haben würde, und da bei der Ölförderung zahlreiche Arbeitskräfte gebraucht werden ist auch mit einer starken Zuwanderung zu rechnen, was schnell zu einer weitreichenden Übernutzung und auch Verunreinigung des Territoriums führen kann.

Außerdem würde eine derart ausgebaute Infrastruktur die Wilderei extrem erleichtern, da kriminelle Gruppen über feste Straßen geradezu bequem in den dichten Regenwald vordringen können, um Gorillas, Schimpansen und andere Affenarten zu bejagen, deren Fleisch (meist als „Bushmeat“ bezeichnet), auf dem Schwarzmarkt heiß begehrt ist!

Ein Gebiet in einem solchen Zustand, könnte man keinesfalls mehr als Nationalpark bezeichnen, geschweige denn als Weltnaturerbe – so sieht es zumindest die UNESCO, die deshalb bereits massive Kritik an der Regierung Kongos geäußert hat, auch der WWF lehnt die vorgesehenen Ölbohrungen entschieden ab. „Jahrzehntelang hat man die einzigartige Natur des Parks durch Bürgerkriege und Unruhen hindurch bewahrt - und jetzt ist die größte Bedrohung für Virunga das kurzfristige Profitstreben der Ölkonzerne“, so der WWF-Experte Johannes Kirchgatter.

Besonders entsetzlich ist für den WWF und auch für andere Naturschutzorganisationen die Tatsache, dass diese Ölbohrungen nicht nur gegen die UNESCO-Welterbe-Prinzipien verstoßen, sondern auch gegen das kongolesische Gesetz, denn darin ist jegliche Förderung von Rohstoffen auf dem Gebiet eines Nationalparks strengstens untersagt.

Eine Erklärung für die ungesetzlichen Bewilligungen, die den europäischen Ölkonzernen somit zugesichert wurden, gab es von der Regierung Kongos aber nicht. Bisher wurden jegliche Forderungen von UNESCO und WWF einfach ignoriert, und nicht nur das, die Regierung zieht mittlerweile auch in Erwägung, den Nationalpark zukünftig einfach zu verkleinern - so wird man letztlich vielleicht den eigenen Gesetzen gerecht, aber keinesfalls der Verantwortung für die einzigartige Naturlandschaft, die nun nach all den Jahrzehnten erfolgreicher Führung auf eine wohl düstere Zukunft blickt … 

Wie verheerend die Auswirkungen von Ölbohrungen sein können, lässt sich z. B. in Nigeria beobachten. Dort befindet sich das riesige Nigerdelta, aus dem seit über 50 Jahren intensiv Öl gefördert wird, dabei gelangten bis heute ca. zwei Millionen Tonnen Rohöl ins Delta, was zum großen Teil an beschädigten Pipelines lag, die von den dort ansässigen Firmen Shell, ExxonMobil, Chevron und Total nicht hinreichend gewartet wurden. Millionen von Menschen wurde dadurch die Lebensgrundlage geraubt, da Böden und Wasser zum großen Teil derart verseucht wurden, dass weder Mensch noch Tier sie heute gefahrlos nutzen kann …

Auch im arabischen Staat Oman hatte die Ölförderung massive ökologische Konsequenzen, ein Schutzgebiet, das als UNESCO-Weltnaturerbe galt und ein wichtiges Refugium für die gefährdete Arabische Oryxantilope darstellte, wurde letztlich um ganze 90% verkleinert, da die Regierung die Fläche lieber zum Abbau von Öl nutzen wollte, als zum Zwecke der Arterhaltung. 2007 strich die UNESCO deshalb zum ersten Mal ein Reservat endgültig von der Welterbe-Liste - ob dieses Schicksal in Zukunft auch den Virunga-Nationalpark treffen wird?


Wenn ihr über die geplante Zerstörung des Virunga-Nationalparks ebenso schockiert seid, wie ich und ihr ein klares Zeichen gegen die Ölförderung setzen wollt, dann würde ich euch dringlich darum bitten, so schnell wie möglich die aktuelle Petition der NGO „Rettet den Regenwald“ zu unterzeichen, die sich direkt an das Unternehmen SOCO wendet und die Führung dazu auffordert, sich gänzlich aus dem Nationalpark zurückzuziehen und die geplanten ungesetzlichen Ölbohrungen vollständig einzustellen:
- zur Petition! 

Hoffen wir, dass die Regierung Kongos bei all der verzweifelten Kritik vielleicht doch noch zur Vernunft kommt und dem drohenden Kahlschlag vorzeitig Einhalt gebietet, sonst sind Berggorillas, Waldelefanten und Okapis womöglich bald ebenso Relikte der Geschichte, wie Dodos oder Dinosaurier!

von Rhino (Maxim Podobed) 2012
 

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Kommentare (14)
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08.05.2013
lotte98 hat geschrieben:
echt guter artickel!
20.01.2013
AlinaSky hat geschrieben:
Als ob Abholzung und Wilderei nicht schon schlimm und schädlich genug wären...Ich hoffe die Petition hilft!!!
17.01.2013
Sophal hat geschrieben:
Toller Informierender Artikel und der Link zur Pedition ist super :)
09.01.2013
Madamsel hat geschrieben:
Das ist wirklich schockierend! Ich danke dir dennoch, dass du uns über die Problematik informiert hast. Ein sehr guter Artikel ist das geworden. Ich hoffe, dass die Petition hilft, dieses Unrecht zu stoppen.
07.01.2013
tobi19 hat geschrieben:
Ein echt gutzer artikel !!!......er ist einfach gut geschrieben und zeigt einfach wie schrecklich die Ölfirmen mit der Natur und deren Schönheit umgehen........vor allem finde ich es sehr dreist von der Regierung den UNESCO Nationalpark einfach zu verkleinern um auf die Weiße Land für die Ölgewinnung frei zu geben ..........es ist einfach unglaublich und man sollte sich wirklich dafür einsetzen das dieser Plan nicht durchgesetzt wird .
06.01.2013
Cosima hat geschrieben:
Richtig guter Bericht. Spannendes und doch schockierendes Thema!
Ich kann es nicht glauben, dass sie gegen ihr eigenes Gesetz verstoßen um einen kurzzeitigen Gewinn aus der Ölförderung zu ziehen. Ich hoffe die Petition bewegt etwas :)
03.01.2013
david.s hat geschrieben:
die sollen das öl in der erde lassen und dort abhauen und der nationalpark sollte vergrößert werden. und gegen den raubbau und abholzung sollen die gesetzte geben
03.01.2013
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
03.01.2013
Carina hat geschrieben:
Darüber habe ich erst letztens einen Vortrag gehalten! Na ja, zumindest machte es einen Teil des Vortrags aus, in dem es um das Kongobecken ging. Echt ne schlimme Sache...
03.01.2013
gelöschter User hat geschrieben:
Die wollen in einem Nationalpark der auch noch UNESCO-Naturerbe ist nach Öl bohren?! Wer hat denen den sämtlichen Verstand aus dem Hirn geprügelt??

Zerstören wir doch einfach unbezahlbar Schätze der Natur, welche Jahrhunderte und noch länger unbeschadet erblühen und wachsen konnten anstatt mal anständig an Alternativen zu forschen und arbeiten!!! Warum bringen wir nicht direkt ne Atombombe am Erdkern an und zählen von 10 an rückwärts......
31.12.2012
Tierfreundin hat geschrieben:
Wie kann sowas passieren ? Da spricht doch wohl alles dagegen, außer das dämliche Geld... wie kann Geld der Auslöser für so eine Katastrophe sein ??? Ich bin echt sprachlos! :(
Das muss unbedingt verhindert werden !
31.12.2012
Puma hat geschrieben:
wtf??????wie können die so was tun???wir handeln gegen unsere eigenen gesetze?das ich nich lache!nur weil es mal wieder geldgeile menschen gibt!*aufreg*
28.12.2012
LSternus hat geschrieben:
Was für eine ausgewachsene Katastrophe!
Nach dem was ich über die obengenannten Unternehmen weiß, schrecken die vor kaum etwas zurück um am Öl zu kommen, egal ob legal odee nicht.
Ich wusste das dort illegal Clota abgebaut wird, aber Erdöl, das hat gerade noch gefehlt.
28.12.2012
castronioni hat geschrieben:
Also ich glaube das der Nationalpark vielleicht etwas geld bekommt das diese Firmen dort bohren dürfen aber wenn sie dieses Geld für den Naturschutz spenden war es sowieso umsonst!
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