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© Martin Harvey / WWF-Canon
Stromaufwärts nach Wounda


von Janine
08.11.2009
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Er liegt vor uns. Breit, rot und fast wird mir schwindelig, als ich in die schnellen Strömungen blicke. Kleine Einbaumkanus, hier nennt man sie Pirogen, liegen am Ufer des Sangha. Sie stehen bereit, um uns flussaufwärts zu tragen.
Der Tag hat früh begonnen. Es ist noch keine sechs Uhr als wir unsere Schlafsäcke verlassen. Die erste Nacht haben wir auf einem hartem Betonboden verbracht. Nur eine Isomatte hat uns ein wenig Komfort geboten. Weil es in der Nacht ziemlich warm war und wir geschwitzt haben, wollen wir den Tag mit einer Dusche beginnen. Der Duschbereich ist aus einfachen Materialien zusammengebaut. Hier ein paar Bretter, dort ein paar Blätter, auf dem Boden ein kleiner Holzsteg, damit man nicht in der nassen Erde versinkt. Das Wasser kommt aus Eimern.
Als ich in die Dusche trete entdecke ich, dass es kein Dach gibt. Ich stehe unter freiem Himmel. Kurz überlege ich wie ich das kühle Nass auf meinen Körper bringen kann. Um meine Haare zu waschen stecke ich meinen Kopf in den Eimer. Das Wasser ist kühl, aber nicht zu kalt. Ich genieße die Natürlichkeit, die ich empfinde. Bald steht ein leerer Eimer neben meinen Füßen und ich gehe zum Frühstückstisch.
Gestärkt setzen wir uns in die Boote. Am Anfang ist es sehr wackelig. Es kommt mir vor, als säßen wir in einer Walnussschale, die vom Fluss beherrscht wird. Vorne und hinten im Boot stehen aber erfahrene Ruderer, die den größten Teil der Zeit die Ruder in der Hand haben.
Die Aussicht ist phantastisch. Zu unserer Linken erstreckt sich der dichte Urwald, er scheint unendlich zu sein. Auf der Steuerbordseite treffen wir immer wieder auf Menschen und kleine Anlegestellen. Wie bleiben sehr nah am Ufer, denn hier ist das Rudern nicht so anstrengend. Nach einer Weile dürfen auch wir ran. Ich bin die erste von uns Dreien und rudere eine Weile den Flusslauf entlang. Schnell merke ich, dass das Rudern nicht so leicht ist wie es aussieht. Vor Allem die Hitze macht mir zu schaffen. Inzwischen ist es Mittag, die Sonne sendet uns nun ihre wärmsten Strahlen und verwandelt unsere weiße Haut in ein glühendes Rot.
Zweieinhalb Stunden verbringen wir auf dem Sangha. Die meiste Zeit werden wir von Schmetterlingen begleitet. Viele von ihnen sind schillernd blau und so groß wie unsere Hände. An den Bäumen hängen Ameisennester in der Größe von Fußbällen. Ich frage Anicet ob es auch Schlangen gibt „Ja, es gibt gelbe Mambas, Pythons und auch Cobras.“
Unter unserem Kanu leben Fische. Sie ermöglichen den Menschen am Fluss das Leben, weil sie gefangen, verkauft und gegessen werden. Einen von ihnen sehen wir am Ende unserer Reise am Ufer der kleinen Fischersiedlung Wounda. Wie ein Hund an der Leine wird er im Wasser an einer Angelschnur festgehalten. Er hat sich in das Seil verbissen und kann als Hausfisch etwa einen Tag überleben. Als er aus dem Wasser genommen wird, gibt er Grunzlaute von sich. Der Anblick stimmt mich ein wenig traurig, aber ich weiß, dass sein Fleisch dem Überleben dient. Heute Abend wird er auch unseren Hunger stillen.
Das Leben am Fluss bietet viele Vorteile. Das Fischereigeschäft und der Bootsbau sind gute Einnahmequellen. Außerdem kommt man schnell von einem Dorf ins Andere, denn die Transportwege über den Sangha sind meist einfach zu befahren. Sein Wasser ist zwar sauber, aber getrunken wird es nicht. Stattdessen fahren die Menschen in ihren Pirogen zu einer kleinen Quelle auf der anderen Seite des Sangha und decken dort ihren Wasserbedarf.
Der Fluss und der Wald sind das Fundament der Menschen. Sie dienen als Nahrungsquelle und Schutz, als Kommunikationsmittel und als Werkzeugkasten.

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