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© Martin Harvey / WWF-Canon
Save the gorillas to save the world


von Janine
29.05.2009
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Als ich kürzlich durch die Uni streifte, fiel mir ein Flugblatt auf, das einen Gorilla zeigte. Ich sah mir das Blatt näher an. Drauf stand geschrieben “Save the gorillas to save the world". Das machte mich neugierig, und ich notierte mir Datum und Uhrzeit der Veranstaltung, die zu diesem Thema stattfinden sollte. Neben Tag und Ort des Vortrags wusste ich sonst beinahe nichts über das, was mir bevorstand und ich war gespannt, was mich am Abend des 22.05.2009 erwarten würde.
Mein Weg führte mich in den Kölner Zoo. Treffpunkt war der Hintereingang. Von hier aus zeigten mir einige Hinweisschilder den Weg ins Urwaldhaus, in dem der Biologe Ian Redmond einige Stunden dieses Tages mit dem Thema "Save the Gorillas to save the world" füllen sollte.
Als ich den Saal betrat, in dem ca. 200 Stühle, eine große Leinwand, ein Mikrofon und ein Infostand aufgebaut waren, suchte ich mir einen Platz in der 2. Reihe. Da noch etwas Zeit war, ging ich zu dem Stand und entdeckte einige Bilder von Händen und Füßen verschiedener Affenarten. Diese konnten entsprechenden Abbildungen zugeordnet werden, die entweder einen Bonobo, einen Gorilla, einen Menschen oder einen Orang-Utan zeigten. Neben den Bildern waren auch synthetische Schädel ausgestellt, zu denen ein paar Erklärungen abgegeben wurden.
Kurze Zeit später saßen alle Anwesenden auf ihren Plätzen, da Zoodirektor Theo Pagel darum bat, sie einzunehmen. Er war ein wenig enttäuscht darüber, dass nur ca. 40 Menschen den Weg hierher gefunden hatten, umso erleichterter aber, dass sich doch ein paar Leute für das Thema zu interessieren schienen. Er kündigte Ian Redmond an, der nun schon seit den 70er Jahren immer wieder nach Afrika reist, um die Entwicklung der Gorillas zu verfolgen. Und heute Abend sollten auch wir Teil seiner Reise werden.
Und dann kam Redmond auf die Bühne. Er stellte sich kurz vor und im Hintergrund erschien ein riesiger Gorilla auf der Leinwand.

alt2009 ist das Jahr des Gorillas.

2009 - Das Jahr des Gorillas
Redmond begann seinen Vortrag damit, dass dieses Jahr ein ganz Besonderes für ihn sei, denn es ist das Jahr des Gorillas. Dies und natürlich Redmonds Forschungsarbeiten selbst, waren die Intentionen seines Vortrags. Zunächst erzählte er von den Gebieten, in denen er die großen Affen regelmäßig besucht. Hierbei erwähnte er größtenteils die Demokratische Republik Kongo. Die Berggorillas in dieser Gegend haben sich über die Jahre an die Anwesenheit der Forscher gewöhnt, was dazu beitrug, viele Erkenntnisse über das Verhalten der Gorillas und deren Bedeutung für den Regenwald zusammenzutragen.
Der Stellenwert der Gorillas für das Ökosystem ist enorm. Da sie eher auf dem Boden leben und kaum auf Bäume klettern, ernähren sie sich von Samen, Gräsern, Ästen, kleinen Pflanzen, heruntergefallenen Früchten etc. Hierbei verschlucken sie auch ganze Kerne und scheiden sie an anderer Stelle wieder aus. Diese Art der Verbreitung erhält die Vielfalt der Wälder. Neben der Streuung verhelfen die Menschenaffen den Pflanzen aber auch zum Wachstum. Redmond verglich die Gorillas mit Gärtnern, die die Büsche und Bäume durch Abfressen der Triebe beschneiden und die grüne Vielfalt dadurch pflegen. Außerdem lassen durch Knabberei entstandene Löcher in Sträuchern und Bäumen das Sonnenlicht durch das Geäst strahlen und den Boden berühren, wodurch auch hier wieder die Chance auf pflanzliches Leben entsteht.
Um herauszufinden, was die Gorillas fressen, werden regelmäßig Kotproben untersucht. Wenn die Gorillas dies mitbekommen, erzählte Redmond, schauen sie die Forscher mit angeekelter Miene an, als wollten sie sagen "Wieso wühlt ihr da rum? Das ist doch Abfall." Durch die Größe der Kothaufen lässt sich auch bestimmen, ob es sich bei dem Produzenten um ein Weibchen, oder ein Männchen handelt.

Die Gorillas locken hunderte Touristen an
Um einen Gorilla einmal live zu erleben, zahlen viele Menschen extrem viel Geld. Die Touristen werden von Rangern zu den Lieblingsplätzen der Affen geführt und bleiben für ca. eine Stunde in der Nähe der großen Berggorillas. Diese Stunde bezahlen die Neugierigen mit bis zu 500$.
Schimpansen anzusehen ist, nebenbei gesagt, um einiges günstiger. Hierfür zahlt der Durchschnittstourist nur etwa 160$.
Da durch die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren, und natürlich durch die Gorillas selbst, sehr viele Touristen angelockt werden, wird viel Geld ins Land gebracht, was die Wirtschaft ankurbelt und zur wachsenden Verbesserung der Lebensumstände der Einheimischen beiträgt.

Das Los der Gorillas
Die Faszination die diese Tiere in uns hervorrufen, lässt sie uns mit Ehrfurcht betrachten. Besonders durch ihre Ausstrahlung, Größe und Stärke sind wir von den Gorillas beeindruckt. Leider sind die letzten beiden Punkte auch ein Grund, weshalb ihre Art so bedroht ist. Einige Medizinmänner vor Ort glauben noch heute, dass Körperteile der Gorillas Wunden heilen und Schmerzen vertreiben können. Deshalb werden ihnen oft die Gliedmaßen abgetrennt, um diese an kranke Menschen weiter zu geben, damit die Stärke der Gorillas auf sie übergeht und die Wunden sich schließen.
Allerdings glauben nicht alle Menschen an diesen Trugschluss. Die Einstellung zu den Gorillas ändert sich von einem Dorf zum Nächsten.

Neben dem Einsatz in der Medizin sind die Gorillas aber auch durch das massive Abholzen des Regenwaldes und somit ihres Lebensraumes bedroht. Das Problem dabei ist, dass die Einheimischen teilweise sehr arm sind und Geld verdienen müssen, um ihre Kinder zu ernähren. Hierbei wählen sie oft die Säge. Nun stellt sich die Frage, wer die Schuld am Abholzen trägt. Die Menschen, die die Bäume fällen, oder jene, die die verarbeiteten Produkte in Europa im Laden kaufen. Wenn die Abholzung der Wälder weiterhin so rasant voran schreitet, werden bis zum Jahr 2030 gerade mal 1% der Gorillas überlebt haben.
Eine zweite Einnahmequelle für die Einheimischen ist das Jagen und Verkaufen der Gorillas. Die Jungen werden auf dem Markt als Haustiere angepriesen und die Älteren finden als "Buschfleisch" ihr Lebensende. Auch hier ist der Hunger und der Überlebenswille der Grund für das Sterben ihrer Art.

alt Ein gewilderter Gorilla.

Ein weiteres Problem, das mit dem Verschwinden der Bäume einhergeht, ist dass wir einen riesigen CO2 Speicher verlieren. Wenn dieser erst einmal weg ist, dann wird der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten sein. Ein Vorschlag, den Redmond machte, war deshalb die Aufforstung von verlorengegangenen Wäldern im ursprünglichen Waldgebiet und auf Flächen, die weit darüber hinaus reichen. Er sagte, dass dies die günstigste Methode sei, den Klimawandel aufzuhalten. Die Aufforstung würde nicht nur dabei helfen CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen, sondern auch dazu beitragen, die Artenvielfalt des Regenwaldes zu erhalten.

"The Gorilla King"
Am Ende dieses langen, informativen und vor allem interessanten Abends, sahen wir uns alle gemeinsam noch eine Dokumentation mit dem Titel "The Gorilla King" an. Über diesen Film möchte ich an dieser Stelle nicht viel sagen, ich empfehle jedoch jedem, der die Möglichkeit bekommt, sich ihn anzusehen. Es geht um das Leben des Gorillas Titus. Seit seiner Geburt, vor 33 Jahren, wurden seine Schritte verfolgt. Dabei haben er, und auch die Gruppen, in denen er sich über die Jahre aufhielt, viel erlebt. Sowohl positive, als auch negative Erfahrungen haben sein Leben gezeichnet.
Ian Redmond war froh behaupten zu können, dass Titus ihn bei seinen Reisen in den Dschungel immer noch erkennt, denn mittlerweile ist Titus für ihn zum Freund geworden. Gespannt verfolgt er bis heute seinen Lebensweg und hofft, dass Titus ihn ohne Kettensäge und Wilderer in Ruhe zu Ende bringen kann.

alt Ian Redmond unterwegs bei den Gorillas.

Es gibt natürlich noch unheimlich viel zu erzählen, was aber den Rahmen der Berichtlänge endgültig sprengen würde. Zu sagen bleibt, dass jeder, der an diesem Abend Teil der Runde um Ian Redmond und seinen Geschichten sein durfte, gemeinsam mit den Gorillas durch Höhen und Tiefen gegangen ist und das sowohl mit lachenden als auch mal mit feuchten Augen.
Ich möchte meinen Bericht mit den Worten Theo Pagels schließen "Ich bedauere jeden, der heute Abend nicht hier sein konnte." .

 

 

Fotos: Ian Redmond, mit freundlicher Genehmigung.

Titelbild: "Gorilla King" Titus

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Kommentare (8)
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10.06.2009
Janine hat geschrieben:
Gerne und kein Problem! ;)
Wenn schon so wenige Leute hinkommen, dann sollte man doch dafür Sorge tragen, dass trotzdem viele Menschen von dem Thema erfahren.
Lieben Gruß!
10.06.2009
Flower hat geschrieben:
Danke dass du den Vortrag hier so detailiert mit uns teilst,
ich fand es sehr interessant.
Und auch schade dass nur so wenige Leute erschienen sind.
29.05.2009
Janine hat geschrieben:
Ja klar ;)
29.05.2009
lolfs hat geschrieben:
2,5 Stunden ist zwar lang, aber für so ein Thema wahrscheinlich viel zu kurz?
29.05.2009
Janine hat geschrieben:
Ja, da hast du recht. Die Werbung war überhaupt nicht präsent. Im Zoo selber war das aber anders, glaub ich. Da hab ich einige Aushänge entdeckt.
Den Termin auf einen Freitagabend zu legen fand ich aber ganz gut. Die meisten Leute konnten dann Samstags ausschlafen - der Vortrag hat ca. 2 1/2 Stunden gedauert ;)
29.05.2009
lolfs hat geschrieben:
Das ist schade, dass man diese Möglichkeiten nicht wahr nimmt.
Ich denke, dass das eine Problem ist, dass es am Freitag war und das andere Problem ist wahrscheinlich die "Werbung", denn ich würde so 'nen Flyer nicht richtig wahrnehmen.
29.05.2009
Janine hat geschrieben:
Ja, der war kostenlos. Deshalb war es auch so verwunderlich, dass so wenig Leute da waren.
29.05.2009
lolfs hat geschrieben:
Hi,
der Bericht enthält viele interessante Informationen.

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