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© Martin Harvey / WWF-Canon
Reise in den Regenwald - Zwei Container (8/15)


von Janine
21.12.2011
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Es ist sieben Uhr früh als ich aus dem Schlafsack krabble. Endlich habe ich mal Zeit auszuschlafen. An den anderen Tagen hat der Wecker immer schon um 5:30 Uhr geklingelt. Aber heute lasse ich mir Zeit und setze mich dann gemütlich mit Bruce an den Frühstückstisch. Es gibt es Haferflocken - sogar mit Zimt! Ich packe ganz gemütlich meine Sachen zusammen, um am Nachmittag abreisefertig zu sein.
Um 11:00 Uhr ziehen wir aber nochmal los in den Wald zu den Gorillas. Wir sind gerade ein paar Minuten unterwegs, als wir an eine Lichtung kommen. Ich sehe zur Seite und entdecke ich einen riesigen Elefanten auf der Lichtung. Er steht nicht sehr weit weg von uns. Unseren Pygmäen-Tracker stört das aber nicht. Er stapft weiter und zieht geradewegs am Elefanten vorbei. Als der Dickhäuter uns bemerkt, guckt er bloß und geht ein paar Schritte, bis er den Waldrand erreicht.

Die Gorillas sind heute sehr schläfrig. Sie sitzen die erste Stunde lang herum und fressen, kauen und dösen. Auch heute haben Bruce und ich unsere Kameras eingepackt. Leider ist der Wald noch dichter als am Tag zuvor.
Nach einer Weile bewegen sich die Gorillas weiter. Sie laufen in ein kleines Tal, das von Bäumen umgeben ist, klettern die Bäume hinauf und schwingen sich geschickt durch die Äste. Wir suchen uns eine Position weiter unten. Hier fließen überall kleine Bäche mit Quellwasser zusammen. Die Kulisse ist sehr idyllisch. Wir bleiben für einige Zeit und sehen den Affen beim Schaukeln zu.

Heute sind wir nur ca. fünf Stunden im Wald. Ich will nicht das Auto verpassen, das mich zurück zu Steffens Gruppe bringen soll. Als wir das Camp am Nachmittag erreichen, wartet der Fahrer bereits seit drei Stunden auf mich. Meine Informationen waren eigentlich, dass mich das Auto erst gegen 17:00 Uhr und nicht schon um 13:30 Uhr abholen sollte. Ich habe also keine Zeit zu duschen und springe gleich hinein.

Das Auto soll noch einen Umweg fahren, bevor es dann zurück nach Bayanga geht. Denn Steffen und Petra warten in einem kleinen Dorf auf denselben Wagen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich die beiden so lange habe warten lassen. Aber zum Glück stell sich heraus, dass sie nur anderthalb Stunden warten mussten, da sie zuvor noch im Wald unterwegs waren.

Am Abend sind wir alle wieder vereint. Wir erzählen uns von den Erlebnissen der letzten Tage. Petra und Steffen wurden von einem schon zum Teil habituierten Gorilla „schein-angegriffen“. Sie sind aber ganz ruhig geblieben und es ist nichts weiter passiert. Außerdem waren alle zusammen auf dem Hochsitz der Sangha-Bai, also der Elefanten-Lichtung. Dort haben sie sehr viele Elefanten gesehen. Auf dem Rückweg wurden sie dann fast von einem Baum erschlagen, weil ein Elefant ihn einfach gerammt hat und er daraufhin zur Seite gekippt ist. Unseren letzten gemeinsamen Abend lassen wir mit Wein und Bier ausklingen.

Morgens frühstücken wir im Restaurant der Doli-Lodge. Baguette, Butter, Schmierkäse, Marmelade, Wurst und Omelette. Es ist sehr gemütlich und der Fluss plätschert idyllisch vor sich hin. Dann ganz plötzlich hören wir es quieken. Neben der Küche wird ein Schwein abgeführt. Uli und ich halten uns die Ohren zu. Das Gequieke klingt unglaublich schrecklich. Bald liegt ein totes Schwein auf einem kleinen Tisch neben der Küche und wird auseinandergenommen. Ein bisschen froh sind wir schon, dass es heute weitergehen soll. Wir alle wollen den Rückweg antreten. Steffens Gruppe fliegt zurück nach Deutschland und für mich geht es zurück ins Camp Kombo zu Julia.

Vorher werden wir aber nochmal abgeholt. Mit dem Auto geht es zum WWF-Büro. Wir wollen uns ansehen, was die Anti-wilderer-Brigaden im letzten Jahr beschlagnahmt haben. In einem Container stapeln sich Drahtschlingen und Gewehre. Außerdem liegen dort zwei Stoßzähne. Sie wiegen jeweils 15 kg. Unglaublich, dass ein Elefant gleich zwei davon vor sich hertragen kann. Und im Vergleich zu vielen anderen Stoßzähnen, sind diese sogar eher klein. Der zweite Container birgt ganz andere Dinge . Vor einer Woche ist ein Container hergebracht worden, der Spenden vom WWF Deutschland beinhaltet. Die Ökoguards bekommen eine neue Ausrüstung! Schuhe, Isomatten, Uniformen, GPS-Geräte, Handschellen und viele andere Dinge, die ihnen dabei helfen sollen, den Wald zu schützen. Die Ausrüstung wurde zum Teil auch durch die Spendengelder finanziert, die wir damals durch die Expedition einnehmen konnten. Ein ausführlicher Bericht über den Inhalt folgt!

Bald landet das Flugzeug, das Simon, Uli, Steffen und die Anderen abholt. Das Gepäck wird verladen und die fünf steigen in die Maschine. Zum Abschied winke ich dem Flugzeug nach und schaue ihm hinterher, bis es vom Himmel verschluckt wird.

Ich fahre wieder zum WWF Büro. Dort sitze ich ein paar Stunden herum und surfe im Internet. Ich bin schon ganz gespannt, wie es - oder ob es - heute noch weitergeht.  Ich habe das Gefühl, dass ich noch einige Stunden, wenn nicht bis zum Abend hier sein werde. Denn bisher haben wir keine Rückmeldung darüber bekommen, ob ich auf der Kamerunischen Seite des Sangha von einem Auto eingesammelt werde.

Weil es immer später wird beschließen wir, dass ich die nach über in Bayanga bleibe. Ich werde bei Angelique im Haus übernachten. Das ist zur Zeit richtig voll, weil ja alle aus dem Gorilla-Camp für die Schulung hierher gekommen sind.

Ob es am nächsten Tag nach Kamerun zurückgeht, bleibt abzuwarten..

 

Fotos: Elefant, Drahtschingen, Flugzeug, Sangha Bai © Florian Niethammer; Gorilla © Janine Koch

 

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Kommentare (4)
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22.12.2011
Janine hat geschrieben:
Ja, das ist sehr traurig. Neben dem Stoßzahn waren auch jede Menge Geweihe im Container. Bei der Expedition 2009 haben wir außerdem sehr viele gewilderte Tiere gesehen. Dazu kommt auch hier später noch mehr..
22.12.2011
Carina hat geschrieben:
Klasse, dass du life miterleben konntest, was aus den Spendengeldern "geworden" ist ;). Auf der anderen Seite stelle ich es mir furchtbar vor, einen Stoßzahn zu sehen und zu wissen: Dafür ist ein Elefant gestorben...
22.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
22.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
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