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© Martin Harvey / WWF-Canon
Reise in den Regenwald - Zentralafrikanische Republik (6/15)


von Janine
18.12.2011
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Ich sitze neben meinem Fahrer Anourou im Auto. Es geht von Mambele nach Bayanga, in die Zentralafrikanischen Republik. Ich will in den Dzanga-Sangha Nationalpark, denn dort liegt das Gorilla-Camp. Außerdem warten Steffen Heyn vom WWF Deutschland und ein Container mit Ausrüstung für die Ökoguards auf mich.

Unsere Fahrt endet am großen Sangha-Fluss, der die beiden Länder, Kamerun und Zentralafrikanische Republik, voneinander trennt. Als ich den Fluss sehe, werde ich ganz emotional. So riesig hatte ich ihn nicht in Erinnerung. Ich denke an unsere Expedition von 2009 und wie beeindruckt ich von dem Anblick des Sangha war. Genauso stehe ich auch jetzt wieder vor ihm.
Ich setze ich mit dem Boot über und vom anderen Ufer geht es nochmal mit dem Auto weiter bis nach Bayanga, einem Dorf im Schutzgebiet des Kongobeckens. Am Grenzposten gibt es allerdings ein Problem. Der betrunkene Grenzbeauftragte will Geld von mir haben, weil mein Visum scheinbar nicht korrekt ist. Erst protestiere ich. Dann sagt der Betrunkene aber, dass ich die Nacht über da bleiben muss und dass sie den Chauffeur schon in Handschellen gelegt haben. Er will mir ein bisschen Angst machen, denn der Chauffeur sitzt natürlich nicht gefesselt im Hinterzimmer. Es fällt mir schwer ihn zu verstehen, er brüllt herum, um mich so zu beeindrucken. Weil ich nicht weiter weiß und heute noch weiterfahren möchte, bekommt er schließlich 8€ von mir. Nach anderthalb Stunden können wir unseren Weg endlich fortsetzen.

Auf der Gepäckablage, hinten im Auto, liegen zwei Hühnchen. Ihre Beine sind aneinander gebunden. Die Straßen sind noch schlimmer als die in Kamerun. Am Ende der Fahrt sind die Hühnchen schon fast tot. Kein Wunder, denn sie sind ja auch andauernd auf der harten Ablage aufgeschlagen.

Ich hingegen komme heil zur Doli Lodge. Das ist eine Art Gästehaus-Komplex. Mein Zimmer hat einen großen Balkon, fast eine Terasse mit Ausblick auf den Sangha. Als ich mich gerade in einen Stuhl fallen lassen, taucht neben mir Frank auf. Er wohnt eine Tür weiter, und wir teilen uns die Terrasse. „Du bist bestimmt Janine?“ fragt er. Frank ist Gründer vom Spiesser-Magazin. Eö kömmt öism Östn und gehört zur Truppe mit der Steffen vom WWF unterwegs ist.
Außerdem dabei sind: Petra (eine Freundin von Steffen) und Uli und Simon von Weitclick, der Agentur, die uns bei unserer Expedition 2009 mit Kameras begleitet und die super tolle WWF Jugend-Seite gestaltet hat. Insgesamt eine nette und herzliche Truppe.

Wir verbringen den Abend im Restaurant der Lodge, die direkt über dem Fluss schwebt. Zur Begrüßung hören wir drei kurze Vorträge. Einen von Anna, die im Dzanga-Sangha Nationalpark alles Mögliche kontrolliert. Bryan erzählt uns von den Wilderer-Problemen hier und was dagegen getan wird. Und Angelique erzählt von ihrem Gorilla-Camp. Sie ist schon seit zehn Jahren hier und verantwortlich für die Habituierung der Gorillas, also das Gewöhnen an den Menschen. Im Anschluss essen wir alle gemeinsam zu Abend.

Angelique haben wir bereits bei der Expedition 2009 kennengelernt. Damals haben wir ein paar Tage in ihrem Camp verbracht und die habituierte Gorilla-Gruppe im Wald besucht. Ich hatte sie vor meinem Abflug gefragt, ob ich auch diesmal ein paar Tage in Bai Hokou (so heißt das Gorilla-Camp) verbringen darf. Sie hat zugestimmt.

In den nächsten Tagen schließe ich mich Steffens Truppe an. Sie haben die „Touri-Tour“ gebucht. Und deshalb geht es am nächsten Tag erstmal raus auf den Fluss, zusammen mit ein paar Fischern, die uns ihre traditionellen Fangmethoden präsentieren (die in unserer Anwesenheit aber nicht funktionieren). Wir fahren bis zu einer kleinen Insel, auf der wir frisch geernteten Palmwein probieren. Es ist außerdem die Insel der Ameisen. Eine schafft es sogar bis in meine Unterhose.

Am nächsten Tag geht es in eine andere Bleibe. Die Sangha-Lodge liegt ein paar Kilometer flussaufwärts. Von dort aus wollen wir am Folgetag eine Vogelexkursion, mit Wasserfall-Erfahrung machen. Aber leider regnet es in Strömen. Also verbringen wir den halben Tag im Aufenthaltsraum, mit Aussicht auf den Fluss und schläfriger Katze auf dem Schoß. Das Zimmer teile ich mit Uli. In unserer Toilette finden wir einen kleinen Salamander, der beim Abspülen aber schnell aus dem Klo verschwindet und die Wand hochhüpft.


Nachmittags hat es endlich aufgehört zu regnen und es geht mit dem Jeep Richtung Sangha Bai. Das ist eine große Lichtung im Nationalpark, auf der permanent Elefanten anzutreffen sind. Uli, Simon und Frank fahren auf der Ladefläche des Jeeps mit. Dabei werden sie ganz schön durchgeschüttelt. Außerdem müssen sie sich jedesmal ducken, wenn ein Ast über ihren Köpfen auftaucht. Unser Guide ist Bryan, er will uns zu der Lichtung bringen. Leider kann er heute den Weg nicht finden, weil es am Morgen so stark geregnet hat. Also kehren wir um. Keine Vogel-Exkursion, keine Elefanten.

Am nächsten Morgen holt uns Angelique mit dem Auto ab. Sie bringt uns nach Bai Hokou, also dem Gorilla-Camp. Hier treffen wir auf Bruce Davidson. Er war schon bei 2009 in Bai Hokou zu Besuch. Und ganz zufällig ist er auch jetzt wieder hier. Er ist Profifotograf und will Mangaben fotografieren.

Kurz nach unserer Ankunft brechen wir auch schon auf, die Gorillas warten. Angelique führt unsere Truppe in den Wald. Wir laufen bis an die Kongolesische Grenze, wo sich die Gorillas zur Zeit aufhalten. Als wir sie erreichen, teilt sich die Gruppe auf, damit nicht zu viele von uns gleichzeitig bei den Gorillas sind. Ich bin im zweiten Trupp. Zusammen mit Frank und Steffen warte ich darauf, dass die erste Gruppe ihre Tour beendet. Nach ca. anderthalb Stunden sind wir an der Reihe. Da sich die Gorillas in der Zeit weiterbewegt haben, müssen wir nochmal ein ganzes Stück laufen. Aber schließlich finden wir sie. Makumba, den Silberrücken und Clan-Chef, seine beiden Frauen, einen Schwarzrücken, ein paar Jungtiere und ein Baby. Sie spielen in den Bäumen, fressen und tollen umher. Es ist schön, die Gorillas nach eineinhalb Jahren wiederzusehen. Meine Ohren füllen sich mit ihren Grunzern und Kaugeräuschen. Außerdem pupsen sie ziemlich viel. Wir folgen ihnen eine Stunde lang, dann ist auch unsere Zeit abgelaufen. Wir machen kehrt und laufen zurück ins Camp. Nun verlassen mich Steffen, Uli, Simon und die Andern. Sie fahren zurück in die Doli Lodge. Ich bleibe noch für ein paar Tage in Bai Hokou. Morgen soll es wieder zu den Gorillas gehen.


Fotos: Fischer, Angelique © Florian Niethammer; Andere © Janine Koch

 

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Kommentare (6)
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24.12.2011
FabianN hat geschrieben:
Danke für die herrliche Beschreibung der Natur!
19.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
gelöscht
19.12.2011
Gluehwuermchen hat geschrieben:
Du schreibst echt so, dass man sich das voll gut vorstellen kann :) So ungeschönt :) Herrlich
18.12.2011
Oekojule hat geschrieben:
Die armen Hühnchen! :(
Der Rest ist echt schön! Da will man gar endlich wissen, wie es weitergeht. :)
18.12.2011
Nivis hat geschrieben:
Oh man, Janine. Hab mir grad alle bisherigen Berichte durchgelesen und bin total hin und weg. Du schreibst so unglaublich schön, ehrlich und lustig und es macht einfach Spaß mit dir deine Reise nochmal zu durchleben.
Einfach nur klasse :D
18.12.2011
midori hat geschrieben:
Ein total schönes erstes Foto! *____________*
In Deiner Email klang die Sache mit den Hühnchen irgendwie lustiger. Nun tun sie mir doch leid :o(
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