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© Martin Harvey / WWF-Canon
Reise in den Regenwald - Wilderei im Nationalpark (4/15)


von Janine
16.12.2011
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Von Djaloumbe, also der ersten Lichtung, ist es nicht weit bis nach Ndangaye, Lichtung Nummer zwei. Wir laufen nur etwa zweieinhalb Stunden.
Als wir ankommen entdeckt Gabriel menschliche Fußabdrücke. Wird hier gewildert? Bald entdecken wir auch Netze im Fluss. Wir haben uns gerade in unserem neuen Camp versammelt, als Gabriel uns bedeutet leise zu sein. Die Wilderer sind jetzt am Fluss, der direkt am Lager vorbeifließt. Zum Glück gibt es viele Sträucher und Bäume am Wasser, so dass wir gut versteckt sind. Die Guides machen sich auf, die Wilderer zu beobachten. Wir müssen jetzt ganz still sein, schließlich wissen wir nicht, ob sie Gewehre dabei haben. Unsere einzigen Waffen sind Macheten. Nach und nach verschwinden die vier Männer unseres Trupps im Dickicht. Jetzt sind nur noch Julia und ich im Camp. Wir verstecken uns zwischen den Büschen und lauschen. Immer wieder blicken wir hinter uns, wir wollen nicht plötzlich überrascht werden. Nach einiger Zeit hören wir Stimmen. Die Stimmen unseres Teams. Sie haben angefangen mit den Wilderern zu reden. Das ist gut, so wird niemand vom anderen erschreckt und es entwickelt sich keine brenzlige Situation. Die Wilderer schenken unseren Guides ein paar Fische und verschwinden wieder (Foto: Eine Drahtschlinge auf einer von Wilderern gebauten Brücke).
 

Später finden wir noch mehr Fallen. Unter anderem eine Art Minizelt, das aus Stöcken zusammengebaut ist und einem kleinen Lagerfeuerscheit ähnelt. Im Inneren liegt ein Fischköder. In seinem Eingang befindet sich eine Drahtschlinge. Greift ein Tier hinein, oder streckt seinen Kopf ins Zelt, zieht sich die Schlinge zu und wird dann von einem dünnen, zum Boden gebogenen Baum, an dem sie befestigt ist, in die Luft gerissen, sodass das Tier an ihm baumelt. Unsere Guides haben die Wilderer beauftragt, die Fallen zu entfernen, was sie später auch tun.
In der WWF-Basisstation sorgen wir später dafür, dass ein Trupp Öko-Guards in den Wald geschickt wird, um die Wilderer zu vertreiben.

Wir entschließen uns, hier keine Kameras aufzustellen. Das ist zu riskant, denn wir wollen nicht riskieren, dass sie gestohlen werden.

Am nächsten Tag besuchen wir die Lichtung. Aber es sind kaum Tiere dort. Ein paar Büffel und Sitatunga-Antilopen. Sehr wenig für so eine große Lichtung. Da haben die Wilderer wohl ganze Arbeit geleistet..

Nach fünf Tagen treten wir den zweitägigen Heimweg an. Ich schlüpfe jeden Morgen ins gleiche T-Shirt, das Tag für Tag ein wenig feuchter und dreckiger wird. Das andere T-Shirt, das ich eingepackt habe, ist leider nicht so waldtauglich (zu hell, denn es reflektiert das Licht, wodurch die Tiere gestört werden). An meinem Körper zähle ich mehrere Hundert Insektenstiche (Foto: Eine auffällig leere, kaum abgegraste Lichtung ).

An unserem vorletzten Abend bekommen wir Besuch. Eine fünfundzwanzig Zentimeter lange Ratte (den Schwanz ausgenommen) kommt zu unserem Camp. Sie ist wirklich riesig und kugelrund! Aber sie verschwindet schnell wieder im Unterholz, als wir sie mit der Taschenlampe anleuchten. Im Camp Kombo hatten wir auch schon ein paar rattige Begegnungen. Als ich an einem Abend ins Bett will, entdecke ich einen großen Köttel neben meinem Schlafsack. Und auch beim Abendbrot bleibe ich von dem Kot nicht verschont. Als ich mir gerade einen Löffel mit Avocado-Salat in den Mund schieben will, fällt plötzlich ein kleines Häufchen von der Decke und landet in meinem Schoß. Im Dach gibt es ein paar Balken, in denen wohl die Ratten leben.

Insgesamt haben wir in der letzten Woche ca. siebzig Kilometer zu Fuß zurück gelegt. Ganz schön viel! Und immer mit Rucksack. Wir haben uns in den Bächen, oder Wasserlöchern, neben den Camps gewaschen. Das Trinkwasser hat oft nach Feuer geschmeckt, weil wir es vor dem Trinken abgekocht haben. Manchmal haben uns die vielen Fliegen das Essen erschwert. Und auch Bienen haben sich gern auf unsere Teller und Arme gesetzt, um mitzuessen. Am letzten Morgen haben sogar die Termiten angefangen mein Zelt zu belagern. In der Nacht hatten sie schon einen für sie typischen braunen Erdtunnel auf den grünen Stoff gebaut. Und mittlerweile kann ich auch schon die wichtigsten Französisch-Vokabeln, z.B. Ameise, Stock, Kanister, Affe und Schlamm (Foto: Maryntho hat sich T-Shirts um die Beine gewickelt, ich habe meine Schlafanzughose unter meine Dschungelhose gezogen - wir wollen keine Insektenbisse und auch keine Kratzer).

Als wir aus dem Nationalpark kommen (diesmal legen wir den alten Autopfad zu Fuß zurück), müssen wir noch drei Stunden auf das Auto warten, das uns abholen soll. In dieser Zeit werden wir von lästigen Schweißfliegen belagert und wir verbringen die Zeit damit, mit Ästen um uns zu schlagen. Außerdem läuft ein Gorilla über die Straße. Und irgendwann hören wir einen Motor. Wir steigen ins Auto und fahren zurück ins Camp Kombo.
 

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Kommentare (6)
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25.12.2011
Janine hat geschrieben:
Wir selber haben die Fallen nicht eingesammelt. Das haben die Wilderer selber und später die Ökoguards gemacht. Es waren glaube ich drei Netze und ein paar Drahtschlingen..
24.12.2011
FabianN hat geschrieben:
Wie viele Fallen habt ihr denn insgesamt eingesammelt?
Gegen diese Wilderer muss man unbedingt etwas unternehmen!!!
17.12.2011
Janine hat geschrieben:
@LSternus: Keine Sorge, es gab keine brenzlige Situation zwischen den Guards und den wilderern. Die Wilderer hatten sich schon aus dem Staub gemacht bevor die Ökoguards sie schnappen konnten. Sie waren ja quasi durch unsere Mission vorgewart. Die Ökoguards konnten allerdings einen Stoßzahn beschlagnahmen, der zurückgelassen wurde.
17.12.2011
LSternus hat geschrieben:
Super Bericht! Ganz ehrlich ich wäre wirklich gern dabei gewesen aber mit meinen, momentean, 15 Lebensjahren kann ich das erst mal vergessen (schade!!).

Aber Spaß vorbei, der Artikel ist super. :)

Ich hoffe die Öko-Guards konnten die Wilderer stellen ohene in einen Schußwechsel zu geraten.
16.12.2011
MarcelB hat geschrieben:
WOW! Seit dem letzten Artikel hast du auch mich gefesselt. Was für ne Spannung am Anfang mit den Wilderern aber auch ein bisschen Ekel wegen dem Kot der Ratten. Apropos haben meine Mitbewohnerin und ich eine Ratte bei uns im Treppenhaus entdeckt, unsere Tür schließt manchmal nicht richtig und dann kommen die rein. :D Wenn die plötzlich umherhuscht kriegt schon leicht Bammel....
Aber auch voll cool, wie locker du schriebst, dass beim warten mal einfach so ein Gorilla über Weg läuft. Ich wäre wohl erst verdammt geschockt und dann nervös ob der mir vllt. was tut. Aber die sehen gaanz lieb aus. :)
Klasse Bericht Janine, ich freu mich schon auf den nächsten =))
16.12.2011
midori hat geschrieben:
Ich kann immernoch nicht darüber hinwegkommen, dass Du Deine Schlafanzughose so eingesaut hast! :D Aber sieht wirklich richtig sexy aus! *rawr* ;o)
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