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Reise in den Regenwald - Partynacht in Bai Hokou (10/15)


von Janine
23.12.2011 - 22:07h
100 P

Wir versuchen schon seit zwei Tagen Kontakt zu den Leuten in Mambele aufzunehmen, um zu checken, ob ich bald zurückkommen kann. Eigentlich könnte ich einfach mit dem Auto bis zur Grenze fahren. Aber wenn mich das Boot auf die andere Seite gebracht hat und mich dort niemand abholen kommt, wäre ich ganz allein in Libongo (einer mittelgroßen Stadt in Kamerun) und das wäre gefährlich für mich – ein weißes Mädel, das alleine in einer Stadt in Kamerun herumläuft und die Sprache nicht vernünftig beherrscht – ein gefundenes Fressen für alle Betrüger.
Also warte ich auf eine Antwort aus Mambele und eine Auskunft darüber, ob nun ein Auto zum Abholen bereitsteht.

Da es in Mambele bei Julia zur Zeit kein Internet zu geben scheint und man mir deshalb auch kein Auto schicken kann (keine Kommunikation möglich), beschließen wir irgendwann, dass ich nochmal nach Bai Hokou ins Gorilla-Camp fahren soll. Denn dort macht es mehr Spaß, die Zeit totzuschlagen, als in Bayanga. Außerdem soll am Abend eine Party im Camp steigen.

Ich steige also ins Auto, das an diesem Tag nach Bai Hokou fährt. Oder besser gesagt, quetsche ich mich mit ein paar anderen Leuten und all unserem Gepäck auf die Ladefläche. Es ist schon dunkel als wir losfahren und der Fahrer schaltet die Scheinwerfer ein. Unter uns liegt eine Matratze, hinter uns ein weicher Rucksack. Zusammen mit Michael, der seit einem Jahr als Freiwilliger im Gorilla-Camp arbeitet, lege ich mich hin und genieße die Sicht nach Oben. Über unseren Köpfen fliegt der Wald in die Nacht. Zwei Stunden lang zeichenen sich immer neue Muster in den Himmel. Teilweise schlagen uns aber auch die Äste der Bäume um die Ohren. Und wenn wir durch Pfützen fahren, spritzt uns das Wasser ins Gesicht. Es ist total schön so durch den Wald zu fahren, während uns die kühle nächtliche Luft um die Ohren weht.
Im Camp angekommen, schaue ich in ein paar verdutzte Gesichter. Bruce und Bara (eine Freiwillige, die Geburtstag hat), freuen sich dass ich nochmal zurückgekommen bin.
Für die Party stehen zwei Kuchen bereit! Es gibt Häppchen, Salat, Knoblauchbrot und ein paar andere Köstlichkeiten.


Nach dem Essen kommt die Musik. Die BaAka-Pygmäen setzen sich an Eimer und Schüsseln und trommeln los! Thirza, die gerade ihren Master in Primaten-Schutz macht, hat ein paar Luftballons mit Bonbons gefüllt. Die werden munter durch die Gegend geschlagen. Vor Allem die BaAka-Pygmäen haben ihren Spaß daran! Und immer wenn einer der Ballons platzt, brüllen sie „Happy Birthday!!“ und stürzen sich auf die Bonbons. Wie im Kölner Karneval ist das! Irgendwann fangen alle an zu tanzen. Es liegen vier Baströcke bereit und wir ziehen sie der Reihe nach an und tanzen im Kreis um Bruce herum, der Fotos schießt.
Als es ungefähr drei Uhr ist, hören wir es im Gebüsch knacken. Jemand ruft „Doli!!!“ – also Elefant. Alle versammeln sich, bereit die Elefanten zu vertreiben. Aber da ist es auch schon wieder ruhig. Eine Stunde später hören wir es wieder im Gebüsch rumpeln. Wir lauschen noch eine Weile und irgendwann wird es still.

Als ich am nächsten Morgen auf die Toilette gehen will, entdecke ich ein riesiges Loch in der Klohäuschenwand. Der Elefant ist in der Nacht hier eingebrochen! Sein Hunger hat ihn hergetrieben - das Klopapier ist verschwunden. Das hat der Elefant gegessen. Es ist leicht parfümiert und das finden die Elefanten unwiederstehlich. Zum Glück waren es nicht so viele Dickhäuter, die letzte Nacht Hunger auf Klopapier hatten!

Am Abend will ich kochen. Schließlich muss ich mich bei Bruce und all der Gastfreundschaft der Anderen revanchieren! Ich habe ein paar Probleme mit dem Feuer, es will einfach nicht richtig brennen. Als ich Terence (auch ein Freiwilliger) hole, damit er mir hilft, und er mein klägliches Feuer sieht, grinst er nur „Ya, that’s the way the Germans do ist.“ (Ja, so machen es die Deutschen). Er schiebt nur zwei Stöcke umher und schon blubbert es im Kochtopf. Leider gibt es am Ende Matschnudeln, mit einer nicht sehr leckeren Tomaten-Gemüse-Sauce. Aber immerhin habe ich jetzt das erste Mal ganz allein im Dschungel gekocht! Und das gleich für acht Leute!

Am Tag drauf will ich nochmal zu den Gorillas. Ich gehe mit Michael und Bruce. Wieder verstecken sich die Affen im dichten Dickicht und ich bin froh, dass ich meine Kamera nicht mitgeschleppt habe. Außerdem ist heute  Schweiß-Bienen-Tag! Schweiß-Bienen (oder sind es im Deutschen Schweißfliegen??) sind kleine lästige Tierchen, die sich überall hinsetzen, wo sie Schweiß saugen können und in alle Öffnungen kriechen, die sie finden können. Also klettern sie in die Augen, in die Ohren, in die Nase.. Michael zieht sich sein Kopfnetz an und ich begnüge mich mit meinem Stirnband, das ich mir vors Gesicht ziehe. Ich merke aber, wie es an meinen Armen und Beinen anfängt zu Kribbeln und als ich hinsehe, sind meine Glieder von den Bienen ummantelt! Wahnsinn! In dem Moment ärgere ich mich, dass die Gorillas nicht weiterziehen. Denn die Bienen setzen sich nur, wenn man selber rastet.
Später beim Duschen finde ich noch einige Bienen, die es bis unter meine Klamotten geschafft haben!

Ich beschließe den Tag darauf im Camp zu bleiben und in Ruhe meine Sachen zu packen, bevor das Auto kommt, das Bruce und mich nach Bayanga bringen soll. Mich, um den Weg zurück nach Mambele anzutreten und Bruce, damit er die Container der Anti-Wilderer-Brigaden fotografieren kann.
Auf der Ladefläche des Autos wird es wieder sehr eng. Nicht nur Bruce und ich sitzen samt unseres Gepäcks hinten auf dem Wagen. Zusätzlich nehmen zwölf weitere Leute Platz, um sich bis nach Bayanga mitnehmen zu lassen. Es ist also noch viel enger, als bei der letzten Fahrt. Und diesmal kriegen wir auch mehr Äste ins Gesicht als auf der Hinfahrt. Als Bruce und ich in Bayanga von der Ladefläche springen, bluten seine Stirn und meine Arme. Aber immerhin haben wir die Hubbelpiste überlebt!

Wir werden wieder in Angeliques Haus einquartiert, die aber vor zwei Tagen nach England abgereist ist. Heute ist also mein letzter Abend in Bayanga. Am nächsten Morgen soll es nun endlich weitergehen. Erst mit dem Auto bis zum Sangha-Fluss, dann mit dem Bötchen nach Libongo und am Ende wieder per Auto zurück nach Mambele.

 

Fotos: Toilettenhäuschen © Janine Koch; alle Anderen © Michael SanFrancisco

 

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Kommentare (6)
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29.01.2012 10:18
Stefan1990 hat geschrieben:
Hi Janine :),
toll wie gut du dein Abenteuer beschrieben hast. Der Text lässt sich so gut lesen als säße man selber mit euch auf der engen Ladefläche.
Wie bist du eigentlich mit der komplett anderen Kultur und Lebensweise klargekommen?
Eine Bekannte von mir war mal einige Zeit als Entwicklungshelferin in Laos und fand den Kulturschock damals sehr extrem. Hattest du ebenfalls derartige Probleme?
LG
Stefan
24.12.2011 15:32
FabianN hat geschrieben:
O.K.
Danke für die schnelle Antwort ;)
24.12.2011 13:23
Janine hat geschrieben:
Die übertragen zum Glück keine Krankheiten und stechen auch nicht. Wenn man sie zerreibt riechen sie übrigens nach Zitrone. Und das lockt dann leider noch mehr von ihnen an..
24.12.2011 13:20
FabianN hat geschrieben:
Toller Bericht ;)
Übertragen diese Bienen auch iwelche Krankheiten oder sind sie einfach nur lästig ( wie die deutschen Schweißfliegen) ?
24.12.2011 11:46
Carina hat geschrieben:
Uaah, wenn ich von diesen Schweiß-Bienen lese, juckt es mich gleich am ganzen Körper :D. Und dass Elefanten gerne parfümiertes Klopapier essen, wusste ich auch noch nicht...
23.12.2011 22:36
midori hat geschrieben:
Einfach nur schöne Geschichten! :o) Wahnsinn, was so fernab von unserer Welt passiert!
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