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© Martin Harvey / WWF-Canon
Reise in den Regenwald - Bai Hokou (7/15)


von Janine
19.12.2011
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Angelique Todd hatte mich vor meiner Abreise eingeladen, für ein paar Tage nach Bai Hokou, ins Gorilla-Camp zu kommen. Sie selber ist in dieser Zeit aber nicht hier. Im Moment ist in Bai Hokou nicht viel los. Neben Bruce Davidson, dem Fotografen, sind noch vier Assistenten und Forscher hier. Sie bleiben allerdings nur bis zum nächsten Tag. Denn dann geht es für fast alle nach Bayanga, um für ein paar Tage an einem Workshop teilzunehmen.

Nach der ersten Nacht im Camp geht es morgens wieder in den Wald. Ich gehe zusammen mit zwei Freiwilligen, die das Verhalten der Gorillas mit dem Stift festhalten. Nach sechs Stunden ist ihre Schicht vorbei und wir lassen die Gorillas wieder allein.
Auf einer Lichtung, die auf dem Rückweg liegt, bedeutet uns ein Pygmäe, der mit uns gelaufen ist, stehen zu bleiben. Er hat Elefanten entdeckt. Wir müssen einen Umweg gehen, der Weg direkt über die Lichtung ist zu gefährlich. Als wir ein Stück weit den Waldrand entlanggelaufen sind, schauen wir noch einmal zu den Elefanten. Es sind drei Stück. Zuvor waren sie halb im Dickicht versteckt und haben uns nur ihre Hintern gezeigt. Jetzt sehen uns alle drei neugierig an und schlackern mit den Ohren. Wir laufen weiter und die Elefanten wenden sie sich wieder ab (Foto: Küche und Waschstelle in Bai Hokou).

Mit jeder Menge Aufzeichnungen und Hunger erreichen wir das Camp. Vor dem Essen wird aber noch geduscht. Und zwar unter dem hauseigenen Wasserfall, mit Fledermaushöhle im Hintergrund. Das Wasser ist eiskalt, dafür aber umso erfrischender. Die meisten Mitarbeiter reisen gleich nach dem Duschen ab.
Da ich kein eigenes Essen dabei habe (bis auf Kekse und Müsliriegel), kocht Bruce für uns beide ein paar Nudeln mit einer leckeren Sauce.

Am nächsten Tag sind also noch Bruce und ich im Lager. Außerdem ein paar Pygmäen und noch ein Mitarbeiter, der die Aufzeichnungen über die Gorillas weiterführen soll. Zu fünft gehen wir am Morgen in den Wald. Heute will Bruce Gorillas fotografieren. Auch ich beschließe meinen Fotoapparat einzupacken. Wir laufen wieder ziemlich weit. Aber irgendwann können wir es grunzen und pupsen hören. Wir haben die Gorillas erreicht. Ich merke ziemlich schnell, dass es unglaublich schwer ist, in dem dichten und dunklen Wald zu fotografieren. Außerdem stehe ich natürlich immer in zweiter Reihe, da der Profifotograf die Pole-Position einnimmt.

Wir folgen den Gorillas den ganzen Tag lang. Nach sieben Stunden kommen wir an eine offenere Fläche. Der aufzeichnende Mitarbeiter, setzt sich auf einen halb umgekippten Baum. Ein wenig später macht es „Krach“, der Baum fällt vollständig zu Boden. Die Gorillas erschrecken sich und sofort bekommt der Assistent seine Rechnung. Der Schwarzrücken kommt angelaufen, begutachtet den umgefallenen Baum und beginnt an den Ästen der Baumkrone zu zerren. Dabei brüllt er und der Assistent steht schnell von dem umgekippten Baum auf, bevor er hinunter geschüttelt werden kann. Bald kommen auch ein paar andere Gorillas angelaufen, um den Wütenden zu unterstützen. Schnell fängt das Team an, Schnalzgeräusche von sich zu geben, die den Gorillas sagen sollen „Wir sind’s doch, es ist alles in Ordnung!“. Diese Geräusche machen die Leute vom Camp permanent, um den Gorillas ihre Anwesenheit mitzuteilen. Erst als sich ein Pygmäe neben den Assistenten stellt, beginnen die Gorillas sich zu beruhigen. Später setzen wir uns an eine Stelle, die uns durch einen kleinen Graben von den Gorillas trennt. Einer von ihnen nähert sich uns bis auf zwei Meter und sammelt dabei kleine Früchte. Immer wieder sieht er uns an. Ich schaue weg, als er mir zu nahe kommt und zu starren beginnt. Ich bemühe mich, ihn zu ignorieren. Ich will ihn nicht provozieren und schon gar nicht die anderen Gorillas gegen mich aufbringen. Wenn sie wollten, könnten sie einen Menschen ohne Probleme umbringen. Irgendwann kehrt er in die Gruppe zurück.

Nach zehn Stunden im Wald, erreichen wir wieder das Camp. Gleich geht es unter den Wasserfall, der wieder sehr erfrischend ist. Danach sortiere ich einige Fotos aus, während Bruce sich wieder an den Herd begibt und ein Abendessen zusammenrührt. Wie auch bei den letzten Mahlzeiten revanchiere ich mich mit dem Abwasch. Danach setzen wir uns ins Arbeitshäuschen und schauen unsere Fotos an. Bruce hat natürlich einige gute Bilder geschossen, meine eigenen sind nur zum Teil zu gebrauchen.

Morgen gehe ich nochmal mit Bruce zusammen in den Wald. Am Nachmittag soll dann ein Auto kommen, das mich zurück zu Steffen und seiner Gruppe bringt.

 

Fotos: Titel © Florian Niethammer, Andere © Janine Koch

 

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Kommentare (5)
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27.12.2011
LaLoba hat geschrieben:
Super Berichtreihe! Ich liebe die Fotos, das von dem Gorilla ist echt schön und der Wasserfall gefällt mir auch gut! Was für eine wunderschöne Gegend!
21.12.2011
Janine hat geschrieben:
Danke :o)

Ja, das ist ein gutes Bild. Die 200 schlechten zeige ich nicht ;o)
20.12.2011
midori hat geschrieben:
Weiß gar nicht, was Du hast! :o)
Dein Bild vom Gorilla sieht doch echt spitze aus! :o)
19.12.2011
sternchen1 hat geschrieben:
wieder mal ein super Bericht, ich lese hier die gesamte Reihe mit und bin total begeistert.
Du schreibst richtig gut und es klingt wahnsinnig spannend, was du da erlebst.
Viel Spaß noch
19.12.2011
gelöschter User hat geschrieben:
Total klasse :)
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